11-kW-Wallboxen für unterwegs: Fünf Modelle im großen Test

Mobile Ladestationen sind mehr als eine Notlösung für E-Autofahrer ohne fest installierte Wallbox. Durch ihre flexible Bauweise lassen sie sich an unterschiedlichen Standorten einsetzen und können damit auch für Unternehmen interessant sein. Ein typischer Anwendungsfall ist das Laden von Dienstwagen am Wohnort der Mitarbeiter. Statt dort dauerhaft eine Wallbox zu installieren, kann eine mobile Ladestation ausgegeben und bei einem Fahrzeug- oder Personalwechsel einfach weitergegeben werden.

Auch auf dem Firmengelände können die Geräte vorhandene CEE-Anschlüsse in zusätzliche Ladepunkte verwandeln. Dies kann etwa bei Lastspitzen im Fuhrpark, für Poolfahrzeuge oder als vorübergehende Lösung sinnvoll sein, bis eine fest installierte Ladeinfrastruktur zur Verfügung steht. Hinzu kommen temporäre Einsatzorte wie Baustellen oder Veranstaltungen. Voraussetzung ist jeweils ein geeigneter Stromanschluss. Vor der Anschaffung sollten zudem die vor Ort geltenden Melde- oder Genehmigungspflichten sowie mögliche Förderbedingungen geprüft werden.
Breites Spektrum
Für den aktuellen Vergleich hat die Redaktion von electricar fünf mobile Ladestationen mit der Ladeleistung von elf Kilowatt im Detail untersucht. Die Preisspanne reicht von rund 205 bis knapp 1200 Euro und deckt damit ausgesprochen unterschiedliche Geräteklassen ab. Im Test vertreten sind konkret der DiniTech NRGkick 16A, der NEcharge Pro, der Rheidon PC200 Pro-11K, der Green Cell Habu sowie die Mobile Ladestation 11 kW v2 von dé beziehungsweise Depow.
Technisch gibt es einige Gemeinsamkeiten: Alle fünf Modelle laden dreiphasig mit maximal 16 Ampere und damit bis zu elf Kilowatt über einen roten CEE-Anschluss. Hinzu kommen fest angeschlossene Typ-2-Kabel mit Längen zwischen fünf und 7,5 Metern. Auch eine App gehört bei jedem Kandidaten zum Funktionsumfang. Unterschiede zeigen sich unter anderem beim Zubehör. Ein 16-A-Adapter ist bei vier Geräten bereits im Lieferumfang enthalten, während er beim NRGkick ebenso wie die Transporttasche separat erhältlich ist.
Der Lieferumfang wurde bei der Bewertung nicht berücksichtigt. Entscheidend war ein einheitliches Bewertungsschema, das technische Eigenschaften, Bedienung, Ladefunktionen und Vernetzung zusammenführt. Besonders stark wurde die Konnektivität gewichtet, da Schnittstellen und Fernzugriff gerade beim Einsatz mehrerer Fahrzeuge oder an wechselnden Standorten eine wichtige Rolle spielen können.
Die Bewertung erfolgte in fünf Hauptkategorien, jeweils mit spezifischen Gewichtungen:
Konnektivität (40 %)
WLAN, Bluetooth, GSM, Cloud, RFID, OCPP/API
Laden (20 %)
Leistung, Lastmanagement, mehrphasiges Laden, flexible Stromtarife, Zeitsteuerung
Physikalische Eigenschaften (10 %)
Schutzklasse, Volumen, Gewicht, Umgebungsbedingungen, Standby-Verbrauch
App (10 %)
Einrichtung, Bedienbarkeit, Ladeberichte
Sicherheit (20 %)
AC-/DC-Schutz, Temperaturüberwachung
Innerhalb dieser Bereiche wurden die einzelnen Kriterien nochmals unterschiedlich gewichtet. Bei der Konnektivität entfällt der größte Anteil auf OCPP beziehungsweise API und GSM. In der Kategorie Laden fließen maximale Ladeleistung, Lastmanagement, mehrphasiges Laden, flexible Stromtarife und Zeitsteuerung zu gleichen Teilen ein. Bei den physikalischen Eigenschaften werden unter anderem Schutzklasse, Gewicht und Standby-Verbrauch berücksichtigt. Für die App zählen vor allem Einrichtung und Bedienung, während bei der Sicherheit AC- und DC-Schutz den größten Anteil ausmachen.
So haben wir getestet
Damit die fünf mobilen Ladestationen unter vergleichbaren Bedingungen bewertet werden konnten, durchliefen alle Kandidaten denselben Prüfablauf. Zur Kontrolle der elektrischen Sicherheit kam ein EVSE-Testgerät zum Einsatz. Geprüft wurden unter anderem der Schutzleiter, die Isolation, die Statusübergänge nach IEC 61851 sowie die Fehlerstromschutzeinrichtungen. Zusätzlich wurden Gewicht und Standby-Verbrauch nachgemessen. Ausstattung und vorhandene Schnittstellen wurden direkt an den Geräten sowie anhand der Herstellerangaben kontrolliert.
Auch die jeweiligen Apps wurden nach einem einheitlichen Schema beurteilt. Dabei standen die Einrichtung, die Bedienung und die vorhandenen Ladeberichte im Mittelpunkt. Erst im Anschluss wurden die einzelnen Ergebnisse entsprechend ihrer festgelegten Gewichtung zu einer Gesamtnote zusammengeführt. Die im Vergleich verwendeten Preise wurden am 24. Juli 2026 erhoben.

Bei der Sicherheitsprüfung zeigte sich ein einheitliches Bild: Alle fünf Geräte bestanden die elektrische Prüfung mit dem EVSE-Testgerät. Damit lag in diesem Bereich kein Kandidat grundsätzlich zurück. Für die Einordnung des Testfelds ist das wichtig, weil sich Unterschiede damit weniger bei den grundlegenden Schutzfunktionen als vielmehr bei Ausstattung, Bedienung und Vernetzung zeigen.
Gerade bei der Konnektivität verfolgen die Hersteller unterschiedliche Ansätze. OCPP ist beim NEcharge Pro ab Werk vorhanden und beim NRGkick optional erhältlich. Rheidon, Green Cell und dé verzichten dagegen auf offene Schnittstellen. Eine Besonderheit des Green Cell Habu ist das integrierte GSM-Modul, das eine Fernüberwachung auch ohne WLAN am Stellplatz ermöglicht.

Diese Unterschiede zeigen, weshalb die Konnektivität im Test einen so hohen Stellenwert einnimmt. Während für den privaten Einsatz häufig eine einfache App-Steuerung genügt, können bei Dienstwagen, mehreren Fahrzeugen oder einer zentral verwalteten Ladeinfrastruktur zusätzliche Schnittstellen entscheidend sein. Gleichzeitig bleibt der Vergleich breit genug angelegt, um nicht nur vernetzte Funktionen, sondern auch Ladeeigenschaften, Handhabung, physikalische Merkmale und Sicherheit in die Bewertung einzubeziehen. So entsteht ein Gesamtbild, das den mobilen Alltagseinsatz und auch Anforderungen berücksichtigt, die beim Einsatz im Unternehmen relevant sein können.


Testergebnisse im Überblick
Mit 95,44 Prozent sichert sich der DiniTech NRGkick 16A den Testsieg. Er ist das vielseitigste Gerät im Feld und lässt sich um OCPP, PV-Überschussladen und Mobilfunk erweitern. Auf Rang zwei folgt der NEcharge Pro mit 86,58 Prozent und klarem Firmenfokus dank OCPP 1.6J ab Werk. Rheidon PC200 Pro-11K und Green Cell Habu liegen mit 82,82% beziehungsweise 76,62 Prozent nahezu gleichauf. Rheidon bietet eine breite Adapterauswahl, Green Cell punktet mit integriertem GSM. Die dé Mobile Ladestation 11 kW v2 erreicht 76,33 Prozent und erhält als günstigstes Modell im Test die Auszeichnung „Preis-Champion“. Alle fünf Kandidaten bestehen die Sicherheitsprüfung ohne Mängel.




