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  • AutorenbildArmin Grasmuck

Aiways U6 im ELECTRICAR Praxistest

Sagen wir es einfach so: Wer es gerne großzügig hat, angenehm und ruhig, der sitzt hier richtig. Er fühlt sich wohl und genießt die große Freiheit, schon bevor die Räder rollen. Der Aiways U6 – schwungvoll und modern gezeichnet – sorgt auf Anhieb für derart positive Energie, dass wir ihn schnellstmöglich auch auf der Straße erleben möchten. Den Sicherheitsgurt geklickt und drauf auf den Startknopf. Startknopf? Gibt es keinen. Es reicht der Tritt auf das Bremspedal, startklar ist der Aiways. Boah, und dann der Fahrstufenregler ... Mächtig ragt er hoch aus der Mittelkonsole wie in einem Düsenjet. Doch hier braucht es keinen festen Schub nach vorn. Es reicht ein eleganter Dreher an der Querstrebe. D wie Drive, und der U6 schnurrt los, sanft wie leise.

Ausfahrt an der Atlantikküste - electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck hatte die Gelegenheit, den Aiways U6 in Portugal zu testen.

und bleibt beeindruckend, was dieses Start-up-Unternehmen aus Schanghai, gegründet erst im Jahr 2017, entwickelt und konstruiert. Elektroautos auf hohem Niveau, gehaltvoll ausgestattet und auch im Detail ansprechend. Dazu kommen diese einzigartigen Fahreigenschaften, mit denen bereits das Premierenmodell, der U5, punktete.


Purer Fahrgenuss


Allein wie entspannt das neue SUV-Coupé über die Straße gleitet. Da bleibt die Hektik der Metropole außen vor, wird der Kolonnenverkehr auf der Landstraße selbst im höheren Tempo zum reizvollen Naturereignis. Für Liebhaber des permanent durchgetretenen Strompedals, impulsive Antreiber und andere Vollblutasphaltathleten – es sei an dieser Stelle vorsichtshalber erwähnt – ist der U6 keine empfehlenswerte Alternative. Selbst wenn er noch so flott aussieht – und die Fahrmodi von „Eco“ bis „Sport“ eingestellt werden können.


Wir setzen auf Pedal-Drive, die ökonomische Variante des konsequenten Rekuperierens. Hier wird ausschließlich das Strompedal und nur selten die Bremse getreten. Selbstverständlich bietet der neue Aiways auch einen Assistenten für die Geschwindigkeit. Ein Knopfdruck auf der linken Seite des Lenkrads, das gewünschte Tempo justiert, und der U6 fährt praktisch allein. Er bremst, er beschleunigt. Nur Lenken darf, soll und muss der Fahrer noch eigenständig.


Stichwort Assistent. Der künstlich intelligente Spurhalter des neuen Aiways ist, nüchtern betrachtet, etwas gewöhnungsbedürftig. Wir zucken zusammen, als er uns während der Landpartie kräftig von links ins Lenkrad stupst – nur weil wir die Mittellinie um ein paar Zentimeter überfahren haben. Selbstverständlich kann dieser ruppige Helfer mit zwei, drei schnellen Wischern über den Touchscreen abgestellt werden. Das Verkehrsgesetz schreibt jedoch vor, dass er beim nächsten Start automatisch wieder aktiviert ist ...


Das Gleiche gilt für den Sicherheitsassistenten, der über eine vorne links in der Armatur eingebaute Kamera permanent den Fahrer beobachtet und dessen Verhalten analysiert. Zweimal zu lang auf den Beifahrersitz oder in die Landschaft geblickt und – ping! – mahnt ein großer und entsprechend lauter Button auf dem Bildschirm zu mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Aiways-Fahrer wissen: Das ist ein Fortschritt. Im Vorgängermodell U5 ertönte in vergleichbaren Fällen, etwa nach zwei Gähnern am Fahrersitz, laut und deutlich die durchdringende Stimme im Stil des Oberlehrers: „Machen Sie eine Pause! Müdigkeit kann Unfälle verursachen!“ Es liegt im Blick des Betrachters, ob er bereit ist, sich von den Assistenten derart diktieren zu lassen. Klar ist: Es sind keine Gimmicks, sondern professionell konzipierte Software-Module, die Leben retten können.


Sanft und stabil


Das beschwingende Fahrerlebnis wird bei kontrolliertem Einsatz davon ohnehin kaum gestört. Es fällt auf, wie ruhig und stabil der U6 selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 Stundenkilometer über den Asphalt gleitet. So wird auch die Langstrecke zum Hochgenuss.

Sportlich elegant - Sein markantes Design macht Aiways U6 zu einem Stromer mit dem gewissen Etwas.

Gut 400 Kilometer Reichweite nach WLTP-Standard verspricht der U6 mit seiner vollgeladenen 63-Kilowattstunden-Batterie. Obwohl der Stromer so groß und voluminös wirkt, sind die durchschnittlichen Verbrauchswerte attraktiv: rund 16 Kilowattstunden auf 100 Kilometer.


Das SUV-Coupé kann mit bis zu 90 ­Kilowatt geladen werden. An den schnellen Säulen werden die Akkus in gut 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent gefüllt. An der 11-kW-Wallbox kann die leere Batterie in sieben Stunden vollständig geladen werden. Eine gewisse Konstanz während der Ladevorgänge garantiert die Wärmepumpe, die in dem neuen Aiways serienmäßig eingebaut ist.


Interieur im Zeitgeist


Ein kurzer Stopp auf unserer Premierenfahrt entlang der portugiesischen Atlantikküste, 30 Kilometer westlich von Lissabon: Es ist die gute Gelegenheit, den Innenraum des U6 noch einmal genau zu inspizieren. Hochwertige Materialien, gut einpasst. Zierleisten aus Aluminium. Ambientelicht in diversen Farbnuancen. Ja, dieser Neustarter ist dem Zeitgeist entsprechend gestaltet. Dazu passt das schicke und schmale Display hinter dem Lenkrad. Es zeigt nur die Uhrzeit, Außentemperatur, Geschwindigkeit, Akkustand und Reichweite – cool. Die für den Fahrbetrieb relevanten Schalter, Hebel und Einstellknöpfe sind in und um das Lenkrad integriert. Alle weiteren Funktionen werden über den 14,6 Zoll großen Touchscreen gesteuert, der zentral vor der Mittelkonsole prangt. Er ist leicht zu bedienen, seine Grafiken und Bilder zeichnet er scharf und glasklar.


Womit wir beim Thema Multimedia wären: Die Aiways-Strategen fahren hier weiterhin konsequent ihren eigenen Kurs. Wie der U5, so hat auch der U6 kein eigenes Navigationssystem an Bord – ist dafür stabil mit Apple Car Play und Android Auto


Vergleichsweise günstig


Der Verzicht auf das fest installierte Navi kommt dem geneigten Kunden zugute, wenn es um den Preis geht. Mit 47.588 Euro steht der Aiways U6 in der bislang einzig verfügbaren Ausstattungsvariante in der Liste. Abzüglich aller möglichen Förderprämien bleiben gut 40.000 Euro, die zu bezahlen sind. Im Vergleich zu den Konkurrenten in dieser Fahrzeugklasse und gemessen an dem außergewöhnlichen Raum- und Fahrerlebnis erscheint dieses Angebot – jedenfalls für diejenigen, die gewillt sind, zumindest auf der Langstrecke ihr Smartphone in das Auto zu integrieren – höchst attraktiv.



Das opulente Platzangebot prädestiniert den U6 als Dienstwagen und pfiffiges Element für den gewerblichen Fuhrpark. Für ein SUV-Coupé mehr als stattlich zu betrachten ist das Kofferraumvolumen von 472 Litern, bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.260 Liter. Es erleichtert die Dienstfahrt, dass die Sitze einfach zu verstellen sind. Die Entwickler von Aiways kommen aus der Praxis. Und sie lernen offensichtlich gerne und schnell dazu. Die elektrische Heckklappe, die im U5 anfangs zu niedrig eingestellt war und bei Personen von über 1,80 Meter Körperlänge für manchen Kopfschmerz verantwortlich war, fährt beim U6 so weit in die Höhe, dass selbst Zwei-Meter-Hünen völlig entspannt ein- und ausladen können.


Von knallig bis klassisch


Wer sich für das neue Aiways-Crossover entscheidet, setzt bewusst eigene Akzente. Er genießt die Vorzüge eines großzügig gestalteten und hochwertig ausgerüsteten Stromers der Mittelklasse. Modern, schick und voluminös. Sie finden, der gelbe Außenlack knallt eine Spur zu kräftig? Es geht auch dezenter, etwa in mintgrün. Oder ganz klassisch: schwarz und weiß. Das außergewöhnliche Design, mit dem der U6 die Blicke auf sich zieht, hat in jedem Farbton eine spezielle Strahlkraft.


Technische Daten

​Hersteller

​Aiways

Modell

U6

Antriebsart

Elektro

Leistung

160 kW / 218 PS

Maße / Gewicht

4.805 x 1.880 x 1.641 mm / 1.790 kg

Antriebsachse

Vorderrad

Anzahl der Türen

5

Kofferraum­volumen

472 - 1.260 l

​Reichweite

405 km (WLTP)

0-100 km/h

7,0 Sekunden

​Spitze

160 km/h

Preis

ab 45.500 €



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