top of page

E-Flotten: Warum genaue Planung über den Erfolg entscheidet

  • Wolfgang Plank
  • 6. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Vom Großkonzern bis zum Kleinbetrieb: Die Transformation der Flotten steht in vielen Unternehmen kurz- oder mittelfristig an. Die Elektrifizierung des Fuhrparks sollte klar umrissen und konsequent umgesetzt werden.


Vermutlich gibt es Manager von Fuhrparks zuhauf, denen die Erderwärmung kein bisschen den Schlaf raubt. Und sicherlich nicht wenige, die den Kolbenmotor als einzigen verlässlichen Antrieb schätzen. Aber selbst, wenn diesen wie jenen eine Flotte von Elektroautos aus Prinzip nicht auf den Hof käme – beim Blick auf die nackten Zahlen sollten sie eigentlich anderen Sinnes werden. Staatliche Förderung, Steuervorteile und nicht zuletzt horrend gestiegene Spritpreise: Wer da den Umstieg Richtung E-Mobilität nicht wenigstens erwägt, ist in seinem Job womöglich nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.


Foto: Envato
Foto: Envato

Transformation ist für die Firmenfinanzen mindestens ebenso schädlich. Denn egal, ob nun große Spedition oder kleiner Lieferdienst: Im Spannungsfeld zwischen Stromanschluss, Tourenplanung und Steuererklärung verbergen sich jede Menge Möglichkeiten für folgenschwere – und vor allem teure – Fehler. Nur bei richtiger Planung profitieren am Ende Umwelt und Unternehmen.


Das wohl größte Risiko lauert bei der Kalkulation von Netzkapazität und Infrastruktur am Standort. Dabei entscheidet sich genau hier, ob für die Flotte überhaupt genügend Strom fließen kann. Wer bei Leitungen und Speichern zu kleinlich kalkuliert, kann später womöglich nicht genügend Fahrzeuge in ausreichender Zeit laden. Als Folge drohen Verzögerungen, teurere Tarife, Umsatzeinbußen und vergraulte Kunden. Im schlimmsten Fall muss umständlich und für viel Geld nachgerüstet werden. Die erhoffte Ersparnis durch den Wechsel zum Elektroantrieb wäre dahin, noch bevor Projekt – und Flotte – auch nur ansatzweise ins Rollen kämen.


Energiequelle Leistungsstarke Infrastruktur und Speicher sind essenziell, wenn Fahrzeuge zuverlässig geladen werden sollen. Foto: Envato
Energiequelle Leistungsstarke Infrastruktur und Speicher sind essenziell, wenn Fahrzeuge zuverlässig geladen werden sollen. Foto: Envato

Achtung, Folgekosten!


Auch der Alltagsnutzen will durchdacht sein. Es hilft herzlich wenig, wenn vor dem Headquarter öffentlichkeitswirksam ein halbes Dutzend Schnelllader stehen, die kaum jemand nutzt – und auf dem Betriebshof tobt der tägliche Streit um drei mickrige Wallboxen. Derartige Fehlentscheidungen erhöhen unnötig den Investitionsaufwand und gefährden damit die wirtschaftliche Tragfähigkeit des gesamten Modells. Zumal Service und Wartung für die DC-Säulen in schöner Regelmäßigkeit hohe Folgekosten nach sich ziehen. Also vielleicht besser jemanden fragen, der sich damit auskennt.


Zumindest braucht es eine kluge Verteilung des Stroms. Es ist in aller Regel eben keineswegs so, dass sämtliche E-Autos zur selben Zeit mit voller Leistung laden müssen. Genau diese Lastspitzen überlasten unweigerlich das Netz. Eine banale Erkenntnis, die im Grunde schon aus der Dieselzeit bekannt sein müsste. Auch da versammelt sich ja zweckmäßigerweise nicht der komplette Fuhrpark zur selben Minute an der firmeneigenen Zapfsäule. Im Normalfall steht zumindest ein Teil der Elektroflotte über Nacht auf dem Hof und lässt sich mit dynamischem Lastmanagement zeitversetzt und ohne das Risiko einer Überlastung versorgen. Kollateralnutzen des Modells: Eine pfiffige Software nutzt günstige Tarife optimal aus und lädt Fahrzeuge mit dringenden Terminen vorrangig. Zugleich maximiert sie – wo vorhanden – den Eigenverbrauch aus der Photovoltaikanlage. Alles kein Hexenwerk.


Auch die kluge Verteilung des Stroms ist ein entscheidender Faktor. Foto: Envato
Auch die kluge Verteilung des Stroms ist ein entscheidender Faktor. Foto: Envato

Allerdings ist die Elektrifizierung einer Firmenflotte auch eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Und im besten Fall startet eine nüchterne Analyse, noch bevor das erste Kabel gelegt wird. Es ist tatsächlich kein bisschen so, dass sich Flotten deckungsgleich von Sprit auf Strom umstellen lassen. Reichweiten, Ladezeiten, Nutzlast und sogar Außentemperaturen erfordern in der Regel eine komplette Neuorganisation der Tourenplanung. Obendrein laden manche Mitarbeiter zuhause, andere in der Firma, die einen fahren vorrangig lange Strecken, wieder andere sind nur gelegentlich unterwegs. Da gibt es vorab mächtig was zu tüfteln.


Komplexe Finanzplanung


Auch ein Weg durch den Dschungel aus Steuerrecht und staatlichen Förderungen will gefunden sein. Im Dickicht aus Bundesprogrammen, Landesbeihilfen, KfW-Zuschüssen und regionalen Initiativen kann man sich schnell hoffnungslos verirren. Sei es beim Geld für Netzanschlüsse, Fahrzeuge, Wallboxen und Planungsleistungen, der Befreiung von der Kfz-Steuer oder der degressiven Abschreibung im Rahmen des Investitionsboosters. Und ja: Mit der THG-Quote lässt sich Jahr für Jahr ein ansehnliches Sümmchen verbuchen. Aber drum kümmern muss man sich halt auch wer.


Apropos Sümmchen: Auch wenn sich der einstmals gewaltige Preisabstand zwischen E-Autos und Verbrennern immer schneller schließt und die Attraktivität von Stromern weiter erhöht, die Einsparungen über die geringeren Betriebskosten kommen deutlich zeitversetzt zu den Investitionen. Selbstverständlich sind Leasingmodelle auch hier eine Alternative, hohe Einzelposten in planbare monatliche Raten umzuwandeln. Rundum-Sorglos-Pakete schließen auf Wunsch Infrastruktur, Wartung und Versicherung ein. Anbieter von Auto-Abos verlangen für ihren All-inclusive-Service zwar spürbar höhere Monatsraten, bieten aber meist auch deutlich kürzere Laufzeiten an als klassische Leasingfirmen.


Über ein dynamisches Lastmanagement können die Fahrzeuge der Firmenflotte je nach Dringlichkeit auch zeitversetzt geladen werden. Foto: Envato
Über ein dynamisches Lastmanagement können die Fahrzeuge der Firmenflotte je nach Dringlichkeit auch zeitversetzt geladen werden. Foto: Envato

Oft genug mit der Möglichkeit, das Fahrzeug zu wechseln und so Erfahrungen mit unterschiedlichen Fabrikaten zu sammeln. Es ist womöglich ein Zugang zur Elektromobilität für Unternehmen, die gegen eine längerfristige Bindung noch Bedenken haben. Der große Vorteil hier wie dort: Das Risiko des immer noch schnellen Fortschritts bei Antrieb oder Batterien muss einen nicht bekümmern, weil man nach Vertragsablauf einfach zu Modellen mit modernerer Technologie wechseln kann.


Klare Kalkulation Bevor die erste Wallbox oder Schnelllader installiert werden, haben die  Manager der Fuhrparks den Bedarf zu ermitteln. Foto: shutterstock.com
Klare Kalkulation Bevor die erste Wallbox oder Schnelllader installiert werden, haben die Manager der Fuhrparks den Bedarf zu ermitteln. Foto: shutterstock.com

Konkrete Eckpunkte


Und da nun mal alles mit allem zusammenhängt, sollte klugerweise auch datentechnisch alles mit allem verknüpft sein. Doch ähnlich wie bei staatlicher Verwaltung sind auch in vielen Firmen immer noch Insellösungen mit verschiedenen Zuständigkeiten gang und gäbe. Dabei kosten getrennte Systeme für Fahrzeuge, Tourenplanung und Lademanagement nicht bloß Nerven. Oft genug sind außerdem Standzeiten und damit Umsatzeinbußen die Folge. Zudem braucht es im gewerblichen Umfeld exakte Voraussetzungen für Zugriffe, Nutzerverwaltung, Energiemanagement und Abrechnung.

Ansonsten drohen unklare Kostenstellen oder Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien. All das erfordert Expertise, die angesichts der Komplexität intern nur allzu oft fehlt. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Unternehmen, die den Wandel zur Elektroflotte professionell planen, projektieren und begleiten.


Volle Flexibilität Manche Dienstwagenfahrer laden ihr Fahrzeug bevorzugt in der Firma, andere unterwegs oder zuhause. Foto: Envato
Volle Flexibilität Manche Dienstwagenfahrer laden ihr Fahrzeug bevorzugt in der Firma, andere unterwegs oder zuhause. Foto: Envato

Allerdings ist das größte Problem meist nicht die Technik, sondern immer noch der Mensch. Er fürchtet – oft genug ohne eigene Erfahrung – alle möglichen Unannehmlichkeiten durch lange Standzeiten, Probleme an der Ladesäule und leere Batterien kurz vor Feierabend. Liest man ja immer mal so. Klugerweise verfügt man in der Chefetage also keinen simplen Technologietausch, sondern gestaltet aktiv einen Kulturwandel. Mit klarer Kommunikation und frühzeitigen Schulungen. Denn klar ist auch: Was hilft am Ende das schönste Plus fürs Unternehmen, wenn die Belegschaft immer nur ein dickes Minus sieht?

Im gewerblichen Umfeld  sind die Nutzer- und Verbrauchsdaten generell professionell zu pflegen. Foto: Envato
Im gewerblichen Umfeld sind die Nutzer- und Verbrauchsdaten generell professionell zu pflegen. Foto: Envato

 
 
bottom of page