Jeep Avenger im Gelände: Elektro trifft auf Offroad-Tradition

Eine Stromfahrt ins Gelände? Im schicken SUV? Viele Fahrerinnen etwa eines Cayenne Electric dürften schroffes Sausen über Stock und Stein ebenso scheuen wie die Mehrheit der Model-Y-Lenker. Schon aus Sorge um Kratzer an den teuren Felgen ihrer Kostbarkeiten von Porsche und Tesla.
Bei Jeep ist das ganz anders. „Für uns bedeutet Offroad stets ein Stück Lebensart“, sagt Peter Stoffels. „Das Label wurde ja als Lösung für schwieriges Terrain geboren“, fügt der Managing Director von Jeep Deutschland im Rückblick hinzu.
In den 81 Jahren seit ihrer Gründung in den USA hat sich Jeep laut Stoffels zu einer „globalen Marke“ entwickelt – und gehört inzwischen zum international aufgestellten Stellantis-Konzern. Das stolze Erbe umfasst ikonische Fahrzeuge wie Willys MB, Grand Cherokee und Wrangler, die rund um die Erde im Einsatz waren und sind. Heute jedoch steht Stoffels auf dem Testareal des ADAC Off-Road-Zentrums Rhein-Main.

Strom für 400 Kilometer
Hier, in Bauschheim unweit der Rüsselsheimer Opel-Zentrale, lässt sich der Jeep Avenger des Modelljahrs 2027 in jeder Hinsicht artgerecht bewegen. Der Nervenkitzel ist immens, bedeutet „Avenger“ zu Deutsch doch tatsächlich „Rächer“. Immer ruhig Blut: Man möge sich weder wegen der sandigen Steilkurven sorgen, wählt Stoffels bei der Präsentation des durchaus delikaten Parcours beruhigende Worte, noch angesichts kühner Steigungen und jäher Gefälle: „Unsere Autos können das“, so versichert der Jeep-Landeschef mit fester Stimme.
Das will die electricar-Autorin gewissermaßen am eigenen Leibe erfahren und entscheidet sich für einen Avenger in der Außenfarbe „Bamboo“. Dieses Neongelbgrün ist ebenso neu wie die Stylingoption „Forest“ und frischt schon von Weitem erkennbar die aus bekannten Lacktönen von „Granite“ und „Ruby“ über „Snow“ und „Storm“ bis hin zu „Volcano“ bestehende Palette auf. „Ihre Namen bringen die tiefe Verbundenheit der Marke mit der Natur zum Ausdruck“, heißt es bei Jeep.

Interessenten können unter mehreren Motorisierungen, Front- und Allradantrieb sowie Schalt- und Automatikgetriebe wählen. Die batteriegetriebene Ausführung Elektro führt Jeep dabei intern als „das technologische Spitzenmodell“. Der als Vollstromer 115 kW, umgerechnet 156 PS, starke Avenger bietet eine Bruttobatteriekapazität von 54 kWh. Seine Ladeleistung beträgt bis zu 100 kW (Gleichstrom) respektive 11 kW (Wechselstrom). Als Reichweite mit einer Akkuladung sollen bis zu 400 Kilometer nach WLTP zu schaffen sein. Den durchschnittlichen Energieverbrauch beziffert Jeep mit 15,9 kWh pro 100 Kilometer Strecke. In schwerem Gelände dürften – buchstäblich naturgemäß – allerdings erheblich höhere Werte anfallen.
Ausbau des Modellprogramms
Bei der Avenger-Variante „e-Hybrid“ hingegen spannt Jeep einen Turbomotor mit einer 6-Gang-Automatik nebst integrierter E-Maschine und 48-V-Lithium-Ionen-Batterie (0,9 kWh) zusammen. Diese Antriebskombination bietet 81 kW (110 PS).
Doch „maximale Geländegängigkeit und Straßenhaftung“ verspricht der Hersteller für die kernig elektrifizierte Allradversion „4xe“. Dieses Modell, das die Redaktion im „Bauschheimer Busch“, auf Landstraßen und einer Bundesautobahn ausgiebig getestet hat, ist laut Jeep mit „einem Verbrennungsmotor vorne und einem Elektromotor hinten ausgestattet“. Als Kraxler mit der Kraft der zwei Herzen hält der Fünfsitzer bis zu 107 kW (145 PS) bereit. Dem Unternehmen zufolge „kann der neue Jeep Avenger 4xe Steigungen von 40 Prozent auf Schotter und von 20 Prozent bewältigen, wenn die Vorderachse keinen Grip hat“. Der Einstieg in das Abenteuer Avenger beginnt mit einem Basis-Hybrid bei 27.110 Euro.

Im Laufe seiner Bauzeit hat sich das kompakte B-SUV mit 270.000 Bestellungen, von denen immerhin fast zwei Drittel auf elektrifizierte Ausführungen entfallen, zum meistverkauften Modell der Marke Jeep in Europa entwickelt. Um diesen Erfolg fortzuführen, halten im Avenger nun technologische Weiterentwicklungen wie eine Frontkamera mit 360-Grad-Ansicht und LED-Matrix-Scheinwerfer Einzug. Beim Exterieur fallen Stoßfänger in neuem Design ins Auge.
Und was kommt dann? Neben dem Avenger und dem ebenfalls gerade modellgepflegten Compass sowie dem vollelektrisch angetriebenen Flaggschiff Recon plant Jeep allein bis 2030 mindestens drei Pkw-Neuheiten offerieren zu können. „Ein SUV im geräumigen D-Segment“, so kündigt Peter Stoffels selbstbewusst an, „dazu je ein B-SUV in den Kategorien Large und Compact“.
Foto: BeHonest


