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  • AutorenbildKurt Sigl

Kommentar von BEM-Präsident Kurt Sigl: Nervosität? In Berlin? Wo?

Die deutsche Autoindustrie sieht gerade dem Abschwung entgegen. VW ist nicht mehr die Eins in ­China, sondern hat die Marktführerschaft an BYD abgegeben - einem Unternehmen, das mit dem Verkauf von Batterien groß geworden ist.


Tesla dominiert den US-amerikanischen E-Automarkt mit 62,4 Prozent im ersten Quartal 2023 und während Honda, Kia und Hyundai schon heute Fahrzeuge mit Vehicle2X-Adapter für das bidirektionale Laden verkaufen, hat kein einziger Hersteller in Deutschland diese Technologie verbaut. Unser Land hat es verpasst, bei der Elektrifizierung tonangebend zu sein. Unter den zehn meistverkauften E-Autos in China ist kein einziges Modell made in Germany vertreten.


Ist so ein Wettbewerb nun allein Sache des Marktes? Oder ist es genauso legitim, wenn die Regierung eines Autolandes Aktivitäten entfaltet, um mit der Mobilitätswende landeseigene Unternehmen nach vorn zu bringen? Was in anderen Nationen gängige Praxis ist – America first oder der Inflation Reduction Act lassen grüßen - ist in Deutschland trotz etabliertem Wohlstand durch Steuereinnahmen und hochpreisiger Arbeitsplätze aus der Mode gekommen.


Entweder übt sich die Politik in vornehmer Zurückhaltung und behindert jahrelang den Ausbau der erneuerbaren Energie. Oder sie ventiliert kurzfristig, erfreut das Land mit einer Spritpreisbremse und schüttet darüber einen Bonus an die Mineralölindustrie aus. Oder sie verrennt sich, wie am Beispiel E-Fuel zu sehen war, als Bundesverkehrsminister Wissing (FDP) die große Autonation vorbei an der Mehrheit der Länder auf europäischem Parkett isoliert hat.


Aktuell geistern Pläne durch die Hauptstadt, wonach die mitregierende FDP wieder mehr Autos in Innenstädten zulassen möchte, etwa beim Kurzzeitparken. Der Bundesverkehrswegeplan orientiert sich weiterhin am Pkw-Wachstum fossiler Zeitrechnung. Und mit dem Ausbau der elektrischen Ladeinfrastruktur darf sich eine eigene Bundes-Agentur durch die Landesgesetze kämpfen, die mitunter von mancher Stadt bei ihrer Tätigkeit behindert wird.


Herrscht hier Krisenstimmung? Wird hier die Zukunft der Nation gerettet? Irgendwer diskutierte neulich die Einführung der Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich. Und das Bundeskanzleramt heizt mit Heizöl. Im Jahr acht nach dem Pariser Klimaabkommen.

 



Hier schreibt der Präsident


Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM), schickt für jede Ausgabe von electricar eine E-Mail aus Berlin, in der er aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Themen seiner Branche analysiert und kommentiert. Er gilt als Leitfigur auf den Gebieten der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien. Der kernige Oberbayer, einst im Dienst von Audi, punktet mit seiner über Jahrzehnte ausgeprägten Expertise – und als begnadeter Netzwerker. Mit Nachdruck arbeitet er daran, traditionelle Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um Raum für neue und zukunftsfähige Modelle zu schaffen. Den BEM betrachtet er als ideale Plattform, die alle relevanten Akteure im Bereich der E-Mobilität schnell und effizient zusammenbringen kann




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