Mercedes CLA 250+ im Test: Effizienter Stromer für die Langstrecke

Applaus, Applaus! Der neue Mercedes CLA ist mit großen Vorschusslorbeeren auf den Markt gekommen – und er wird gefeiert, wo immer er vorfährt. Bei BEST IN CLASS, dem einzigartigen Fachpreis von electricar, ist das viertürige Coupé als Elektroauto des Jahres in der Mittelklasse ausgezeichnet worden. Mehr Komfort, mehr Reichweite, mehr Fahrgenuss – die neue Klasse mit Stern überzeugt durch ein höchst attraktives Gesamtpaket, das Maßstäbe setzt.

So wie er vor uns steht, wird auf den ersten Blick klar: Dieser Durchstarter ist in jeder Sequenz konsequent auf Effektivität getrimmt. Flach liegt er auf dem Asphalt, die rasant und modern gezeichnete Frontpartie tief nach unten gezogen. Ein Stilelement von besonderer Kraft ist die große schwarze Maske mit dem massiven Sternlogo in der Mitte und Dutzenden von symmetrisch angeordneten Sternchen außenrum.
Wir fahren den rein elektrischen Mercedes-Benz des Typs CLA 250+ mit EQ-Technologie. Im knackigen Metalliclack – laut offizieller Farbpalette: Klarblau – und aufgepeppt mit gehaltvollen Extras wie dem Premium-Plus-Paket und der dynamischen AMG-Linie. Das heißt unter anderem: Sportsitze, Sportlenkrad und Leichtmetallfelgen in 18 Zoll.
Ein Coupé mit vier Türen? Sagt Mercedes. Eigentlich ist der CLA eine Limou-
sine. Eine äußerst flott gestaltete freilich. Tief liegt die Windschutzscheibe, sanft fällt die Dachlinie nach hinten ab. Die kleine und feine Abrisskante unterstreicht die sportlichen Attitüden. Futuristisch wirkt das Heck mit der quer durchlaufenden Lichtleiste und den Rückleuchten, in die ebenfalls der Mercedes-Stern integriert ist.

Im sportlichen Ambiente
Bitte einsteigen! Huch, die zuvor versenkten Türgriffe fahren uns automatisch entgegen. Einmal kurz gezogen, auf die Tür. Beim Einsteigen erleben wir in der Praxis, wie tief der CLA liegt. Es erinnert tatsächlich an einen Sportwagen. Vielleicht liegt es auch an den straff geformten und gleichermaßen angenehmen Sitzen.
Der Innenraum des neuen Mercedes wirkt wie eine eigene Welt. Hochwertige Materialien, feine Zierelemente in gebürstetem Aluminium, die Sitze sind zweifarbig in einem Mix aus nachgebildetem Leder und feinen Mikrofasern bezogen. Es sieht gut aus, fühlt sich gut an – und laut Hersteller ist es zudem robust und pflegeleicht. Außergewöhnlich ist das dunkle und sehr breite Panel unterhalb des großflächigen Armaturenbretts, in das die Bildschirme integriert sind. Es reicht von Tür zu Tür. Das Lenkrad mit dem großen Stern in der Mitte lädt zum Losfahren ein. Links und rechts sind alle relevanten Funktionen leicht per Tastendruck oder Fingerwisch zu steuern. Der CLA hat keinen Startknopf. Einfach den Schalthebel rechts hinter dem Lenkrad nach unten drücken. D wie Drive. Schon rollt der neue Stern. Hmmm, er gleitet.
Und wupp, das zweistufige Getriebe schaltet einmal nach oben. Dann schnurrt der E-Benz mit gediegenem Vortrieb. Leise und stabil in der Spur. Der CLA bleibt auch bei Tempo 100 auf der Überlandstraße angenehm ruhig, daran können wir uns gewöhnen. Mercedes schickt dieses Modell mit dem Versprechen von höchster Effizienz auf die Reise. Das bedeutet: geringer Verbrauch, große Reichweite. Klingt positiv. Wir möchten es auf der Langstrecke testen: einmal aus der bayerischen Metropole in den Südosten der Steiermark und zurück. Also rauf auf die Autobahn und rein mit dem Tempomat. Per Fingerwisch stellen wir die Geschwindigkeit links am Lenkrad auf 130. Der Mercedes fährt jetzt im Alleingang, wir lenken nur noch.

Route professionell geplant
Serienmäßig ist der CLA 250+ unter anderem mit einer Klimaanlage, beheizbaren Vordersitzen, Panoramadach, dem digitalen Info-Display und dem 14 Zoll großen Touchscreen, mit dem das Infotainment gesteuert werden kann, ausgestattet. Wir testen den Sprachassistenten: „Hey, Mercedes!“ Das Auto reagiert direkt: „Was kann ich für dich tun?“ Wir nennen die Zieladresse. Das Auto verarbeitet sie prompt, ohne Haken, ohne Nachfragen. Ziel erkannt, Route konzipiert, die benötigte Ladepause eingeplant. Professionell und zuverlässig.
Gut gefällt uns, dass wir mit einem Fingerwisch oben rechts auf dem Touchscreen schnell und einfach zwischen dem Startbild und Apple Carplay hin- und herschalten können. Auch der bei vielen Fahrern unbeliebte Geschwindigkeitswarner kann hier relativ leicht abgeschaltet werden. Im Mercedes, so finden wir, sind die akustischen Warnsignale jedoch gut zu ertragen. Ganz abgesehen davon, dass sie im besten Fall selbstverständlich lebenserhaltend wirken können.

Achtung, Notruf!
Tiefenentspannt gleiten wir auf der Autobahn aus dem Isartal gen Niederbayern, in Richtung der österreichischen Grenze. Nach der Abfahrt auf die Bundesstraße, kurz vor Simbach am Inn, erwischt es uns allerdings im Feierabendverkehr. Stau, zehn Kilometer! Minutenlang stehen wir still. Dann zockeln wir im ultralangsamen Stop-and-Go weiter. Drei Meter fahren, drei Minuten stehen, drei Meter fahren. Cool, unser Tempomat regelt es auch hier für uns, wir lenken und schauen.
Das Auto gibt Strom, es bremst, fährt weiter, bleibt stehen. Und wir blicken starr aus dem Fenster. Ein bisschen zu konzentriert und wohl ein wenig zu lange, ohne genau hinzuhören und ohne auf das Display zu schauen ... Denn urplötzlich haut der Mercedes die Bremse rein. Er bleibt stehen, schaltet den Warnblinker an und wählt den SOS-Notruf, wie wir auf dem Bildschirm lesen können. „Tut, tuuut, tut, tuuut ...“ Wir sind überrascht bis geschockt, völlig überrumpelt. Wir möchten den Notruf abschalten und normal weiterfahren, keine Chance. „Tut, tuuut. Hier ist die Mercedes-Notrufzentrale! Wie können wir Ihnen helfen?“ Tja, schwierig, so versuchen wir zu erklären. Wir stehen im Stau – haben wohl etwas zu lange den Blick von der Fahrbahn abgewendet sowie sämtliche Alarmsignale des Fahrzeugs überhört und übersehen. „Kein Unfall, keine Verletzten?“, so fragt der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung. Nö, alles gut bei uns.
Attraktiv im Verbrauch
Nach etwa einer Minute ist der unbeabsichtigte Notruf beendet und unser Auto wieder fahrbereit. Derweil werden wir im Kriechverkehr bereits links und rechts überholt. Der Fahrer eines Wagens mit niederländischem Kennzeichen schaut fragend zu uns herein und streckt den Daumen nach oben. Wir strecken die Daumen zurück. Alles fein, wir kriechen weiter. Wenige Minuten später, nach dem Grenzhäuschen und dem Überqueren des Inns fließt der Verkehr wieder normal. Dennoch: Gut zu wissen, dass das vollautomatische Notrufsystem im Mercedes zuverlässig eingreift, wenn der Fahrer nicht mehr funktionstüchtig erscheint.

Auf halber Strecke werfen wir einen Blick auf den Verbrauch. Schmale 12,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer nach WLTP-Standard, gibt der Hersteller an. Wir liegen bei 13,5, was wir für ein Fahrzeug dieser Klasse als höchst akzeptabel betrachten. Genauso wie die Reichweite von 500 Kilometern, die bei der durchschnittlichen Geschwindigkeit von 130 auf der Autobahn realistisch erscheinen. Dagegen sind die knapp 800 Kilometer, die laut WLTP ohne Nachladen möglich sein sollen, wohl ausschließlich im urbanen Verkehr zu erreichen.
Stark an der Ladesäule
Imposant erscheint uns der batteriegetriebene Benz auch beim Ladestopp in der Obersteiermark: Er zieht den Strom phasenweise mit 335 Kilowatt aus der Säule. Nach sechs Minuten hat er gut 25 Kilowattstunden in den Akku geladen – knapp 190 frische Kilometer.
Der Mercedes CLA 250+ steht in unserer Testvariante mit knapp 71.000 Euro auf der Preisliste. In der Basisversion kostet er rund 56.000 Euro. Das Leasing startet bei etwa 650 Euro, ohne Anzahlung sowie ausgelegt auf 48 Monate und 10.000 Kilometer im Jahr. Zu diesen Konditionen gibt es ein Premiummodell auf dem Weg in die Mobilität von morgen.

Technische Daten
Hersteller | Mercedes-Benz |
Modell | CLA 250+ |
Antriebsart | Elektro |
Leistung | 200 kW / 272 PS |
Maße / Gewicht | 4723 x 1855 x 1468 mm / 2055 kg |
Antriebsachse | Hinterrad |
Anzahl der Türen | 4 |
Kofferraumvolumen | 405 l + 101 l (Frunk) |
Reichweite | 792 km (WLTP) |
0-100 km/h | 6,7 Sekunden |
Spitze | 210 km/h |
Preis | 70.947,80 € |


