Mobilitätsbudget mit System: Wie Unternehmen Arbeitswege und Dienstreisen klimafreundlicher gestalten

Die Elektrifizierung des Fuhrparks und das Management der verfügbaren Parkflächen, geleaste Firmenräder sowie Angebote für den öffentlichen Nahverkehr und Fahrdienste: Die neue PwC-Studie „Reinventing Corporate Mobility“ aus dem „PwC Lab for Smart Mobility“ des Instituts für Mobilität der Universität St. Gallen zeigt, wie Unternehmen ihre Konzepte bezüglich der Mobilität bedarfsgerecht und zeitgemäß optimieren können.
Wie kommen Mitarbeitende zur Arbeit? Welche Verkehrsmittel nutzen sie für Dienstreisen? Und wie lässt sich Mobilität so gestalten, dass sie klimafreundlicher wird, ohne an den Bedürfnissen der Beschäftigten vorbeizuplanen? Diese und weitere Fragen gilt es für die Unternehmen zu erörtern. Denn klar ist: Die berufliche Mobilität macht einen großen Teil des Verkehrs und damit der Emissionen in Deutschland aus.

Nach Einschätzung der Experten von PwC fallen in Deutschland 41 Prozent des Verkehrs auf beruflich bedingte Fahrten und 62 Prozent der Arbeitswege werden mit dem Auto zurückgelegt. Mehr als die Hälfte der CO₂-Emissionen im Personenverkehr hängt demnach mit der arbeitsbezogenen Mobilität zusammen. Für die Firmen gilt es zudem, Emissionen transparenter darzustellen. „Corporate Mobility ist ein Pflichtthema als strategischer Hebel für Nachhaltigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Steffen Leffler, Partner und Head of Mobility Consulting bei PwC Deutschland. „Organisationen, die früh handeln, können Mobilität proaktiv gestalten. Wer zögerlich agiert, riskiert steigende Kosten, regulatorischen Druck und sinkende Attraktivität als Arbeitgeber.“
Breites Spektrum
Die Installation neuer Mobilitätskonzepte ist für viele Unternehmen herausfordernd, obwohl es bereits ein breites Spektrum an attraktiven Lösungen gibt – vom batterieelektrischen Dienstwagen und innerbetrieblichem Carsharing über individuell ausgearbeitete Mobilitätsbudgets bis hin zu digitalen Plattformen, die von den Arbeitnehmern genutzt werden können.
Wie die Analysten von PwC berichten, werden die digital gestützten Lösungen bislang jedoch nur spärlich eingesetzt, auch weil für die Verantwortlichen oft nur schwer erkennbar ist, welches Programm zu ihrem Unternehmen passt. In vielen Fällen bleibt es bei etablierten Einzelmaßnahmen wie dem Leasing von Jobrädern, Firmenwagen oder Zuschüssen zum Deutschandticket. „Ob eine Mobilitätslösung passt, hängt stark vom spezifischen Kontext ab“, sagt Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen: „Unternehmen verschenken Potenzial, wenn sie ihre Standorte zu isoliert betrachten oder Mobilität bei strategischen Themen wie Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität nicht ausreichend mitdenken. Erst dann lässt sich systematisch ableiten, welche Lösungen wirksam und realistisch umsetzbar sind.“

Diverse Profile
Aus der neuen Studie, die auf Basis von 35 Interviews mit Mobilitätsverantwortlichen, Dienstleistern und Beratern in Deutschland und der Schweiz erstellt worden ist, leiten die Forschenden ein praxisnahes Rahmenwerk ab, mit dem Unternehmen ihre eigene Ausgangslage einordnen und passende Lösungen auswählen können.
In der Konsequenz werden drei Unternehmenstypen unterschieden: Autobasierte Produktionsstandorte, urbane Dienstleistungsunternehmen und flottenintensive Hub-Operationen. Sie belegen, dass dieselbe Maßnahme keineswegs überall gleich gut funktioniert. Während in der ländlichen Produktion beispielsweise die Elektrifizierung der Flotte, Fahrgemeinschaften und klug gesteuertes Parken im Vordergrund stehen, profitieren urbane Dienstleistungsorganisationen eher von Mobilitätsbudgets, Angeboten für den ÖPNV und Mikromobilität. In hubbasierten Strukturen kommen dagegen dem Flottenmanagement und Shuttle-Angeboten bedeutende Rollen zu.



