• Christoph Lumetzberger

Moderne Fahrer­assistenzsysteme

...die die Fahrt sicherer machen und die

Bequemlichkeit unterwegs steigern



Moderne PKWs haben nicht mehr vieles gemeinsam mit Fahrzeugen, die vor 20 oder 30 Jahren auf unseren Straßen unterwegs waren. Heutzutage sind dies zumeist hochtechnologische und komplexe Gebilde, deren Zweck es ist, den Besitzer von A nach B zu bringen und dabei so gut als möglich zu unterstützen. Dazu stehen inzwischen unzählige Fahrerassistenzsysteme zur Verfügung, die in den Bestelllisten der einzelnen Hersteller durch ein Kreuzchen hinzugebucht werden können. Einige Systeme sind bereits serienmäßig integriert.


Die unterschiedlichen Optionen dienen mehreren Zwecken. Natürlich steht die Sicherheit im Vordergrund, die dank der zahlreichen Unterstützer während der Fahrt erhöht werden und etwaige Fahrfehler oder Aufmerksamkeitsdefizite ausgleichen soll. Außerdem steigern einige Systeme effektiv den Fahrkomfort und die Bequemlichkeit an Bord. Auf den nächsten Seiten geben wir einen Überblick der bekanntesten und am häufigsten verbauten und zugebuchten Assistenzsysteme.


ABS - Antiblockiersystem


Heutzutage finden sich auf den Straßen fast nur noch Fahrzeuge mit eingebautem ABS (Antiblockiersystem) - der Mutter aller Assistenzsysteme. Dieses ist im Falle einer Vollbremsung dafür verantwortlich, dass nicht alle vier Räder gleichzeitig blockieren. Passiert dies, verliert der Wagen fast vollständig seine Lenkbarkeit, da keine Übertragung von Seitenkräften mehr möglich ist. Je nach Fahrbahnzustand, Reifenzustand und natürlich auch der Qualität des ABS-Systems kann selbiges sowohl zu einer Verkürzung, als auch einer Verlängerung des Bremsweges führen. Allerdings überwiegt der Sicherheitsgewinn durch das Erhalten der Lenkbarkeit beinahe immer gegenüber einem möglicherweise minimal verlängerten Bremsweg.


ACC - Adaptive Cruise Control / Abstandsregeltempomat


Hierbei handelt es sich um eine Geschwindigkeitsregelanlage und gewissermaßen um eine Erweiterung des herkömmlichen Tempomaten. Dieses System ermittelt die Position und Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs mit einem Sensor und passt die eigene Geschwindigkeit dementsprechend adaptiv mit Motor- und Bremseingriff an. Auch wenn heutzutage manche Fahrzeuge mit Schaltgetriebe über ein ACC-System verfügen, so findet sich diese mehrheitlich in Autos mit einem Automatikgetriebe, da dieses die Gangwechsel selbstständig ausführt.

ACC

Damit erkennt der Wagen Position und Geschwindigkeit des vorausschauenden Fahrzeugs und passt sich automatisch daran an.


ASR - Antriebsschlupfregelung


Der etwas sperrige Begriff ist zwar den meisten geläufig, allerdings können ihn viele nicht zuordnen. Im Prinzip ist die ASR nichts anderes als eine Traktionskontrolle - manche Hersteller benennen das System sogar so. Es ist beim Anfahren aus dem Stand dafür verantwortlich, dass die zur Verfügung stehende Kraft so optimal wie möglich auf alle vier Räder verteilt wird. Damit soll verhindert werden, dass diese beim Wegfahren durchdrehen. Gelingt ein sauberes Anfahren, muss die ASR kaum eingreifen, allerdings ist diese sehr hilfreich im Falle eines Kavalierstarts (Anfahrt mit zu viel Gas) oder bei schlechtem Untergrund wie etwa Schnee und Eis, Rollsplit oder nassem Kopfsteinpflaster. Das Gegenstück dieses Systems heißt übrigens Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR), welches bei plötzlicher Gaswegnahme eine Fahrzeug-Instabilität verhindern soll.


BAS - Bremsassistent


In aktuellen Fahrzeugen wird der Bremsassistent gerne auch als Elektronischer Bremskraftverstärker bezeichnet. Dieser sorgt dafür, dass der notwendige Pedaldruck, um eine Gefahrenbremsung auszulösen, bis auf den maximal möglichen Bremsdruck erhöht wird. Diesem System liegt ein hochtechnischer, komplexer Berechnungsvorgang zugrunde, welcher das Fahrzeug erkennen lässt, dass es sich nicht um eine herkömmliche Bremsung, sondern eine Vollbremsung aufgrund einer plötzlichen Gefahrensituation handelt. Dazu spielt etwa der zuletzt getätigte Gasimpuls sowie das ruckartige Entfernen des Fußes vom Gaspedals eine nicht unwesentliche Rolle.


BAS

Leitet der Fahrer eine Notbremsung ein, unterstützt das oftmals auch als Bremskraftverstärker bezeichnete System die Bremskraft, damit der PKW so rasch wie möglich zum Stillstand gebracht wird.


Berganfahrhilfe


Im Prinzip erklärt der Begriff bereits die Kernfunktion dieses Assistenzsystems. Kommt ein Wagen im Zuge einer Fahrt bergauf zum Stillstand, unterstützt die Berganfahrhilfe dabei, den Wagen wieder in Bewegung zu bringen, ohne dass dieser nach hinten rollt. Erkennt ein eingebauter Neigungssensor eine Steigung, aktiviert das System die Feststellbremse, sobald der Wagen angefahren wird. Erst wenn ein gewisser Drehmoment besteht, wird die Bremse gelöst und der Wagen rollt los. Dieses System unterstützt dadurch vor allem Wagen mit Schaltgetriebe, da diese über ein drittes Pedal verfügen.


Einparkhilfe


Im Prinzip werden unter dem Begriff Einparkhilfe zahlreiche unterschiedliche Assistenzsysteme zusammengefasst, die das Einparken des Fahrzeuges in eine Parklücke erleichtern sollen. Dabei wird der Fahrer durch akustische Signale, die bei kleiner werdendem Abstand zum Hindernis schneller und schließlich zum Dauerton werden, über den Abstand informiert. Die Daten werden entweder per Ultraschall- oder Radarmessung erhoben. Oftmals bietet die Parkhilfe auch optische Unterstützung im Display des Infotainmentsystems. Einige Fahrzeuge haben zudem eine Rückfahrkamera verbaut, deren Bild ebenfalls im Display angezeigt wird.


ESP - Elektronisches Stabilitätsprogramm


Bestimmt haben auch Sie in Ihrem Fahrzeugt schon einmal das ESP-Symbol im Kombiinstrument aufleuchten gesehen. In der Regel passiert dies bei schlechten, rutschigen Fahrbahnverhältnissen, etwa bei einer verschneiten Fahrbahn im Winter. Das ESP wirkt durch gezieltes Ansteuern und Abbremsen einzelner Räder mit dem Ziel, ein eventuelles Ausbrechen oder Schleudern des Fahrzeuges zu verhindern. ESP-Systeme neuerer Bauart integrieren zudem gezielte Lenkeingriffe, außerdem arbeitet das System eng mit dem ABS zusammen, was zu einem noch stabileren Abfangen des Wagens führen kann.


Fernlichtassistent

Moderne Kraftfahrzeuge verfügen heutzutage beinahe alle über diesen Assistenten. Er automatisiert das Auf- und Abblenden des Fernlichts bei Dunkelheit, erkennt entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge und passt die eigenen Scheinwerfer sowie den Lichtkegel so an, dass die Lichtverhältnisse optimal ausgenutzt werden, ohne andere Fahrzeuginsassen zu blenden.


Kurvenlicht


Zur besseren Ausleuchtung des Sichtfeldes im Dunkeln hilft das Kurvenlicht. Scheinwerfer können entweder selbst ihre Position im Fahrzeug verändern (dynamisches Kurvenlicht) oder zusätzliche Scheinwerfer werden hinzugeschaltet (statisches Kurvenlicht). Beide System kommen dann zur Geltung, wenn sich der Lenkeinschlag über ein gewisses Maß hinaus verändert oder der Fahrtrichtungsanzeiger („Blinker“) betätigt wird.


LKA - Lane Keeping Assistant


Den LKA kennen Sie bestimmt unter Spurhalteassistent. Dieser unterstützt den Fahrzeuglenker dabei, den Wagen sicher in der Fahrspur zu halten, mit ausreichend Abstand zum Mittelstreifen oder dem Bankett. Erkennt das System ein mögliches Abweichen von der Fahrspur, ertönt ein akustisches Signal oder das Lenkrad vibriert. Fahrzeughersteller verbauen Spurhalteassistenten mit und ohne Lenkunterstützung in ihren Wagen.


LKA

Besser bekannt unter Spurhalteassistent. Erkennt eine gut markierte und erhabene Fahrspur.

Notbremsassistent


Im Gegensatz zum herkömmlichen Bremsassistenten, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn bereits eine Reaktion des Fahrzeugführers erfolgt ist, arbeitet der Notbremsassistent in modernen Fahrzeugen autark. Dieser hat dank mehrerer Sensoren einen vorausschauenden Blick, warnt im Falle einer möglichen Gefahr den Fahrer, kann außerdem eine Notbremsung unterstützen (mit Hilfe des Bremsassistenten) oder sogar selbstständig bremsen.


RDK - Reifendruckkontrollsystem


Zwei unterschiedliche Systeme sind in modernen PKWs in der Lage, einen fehlerhaften Reifendruck zu erkennen. Direkte Systeme erfassen diesen mit einem elektronischen Sensor im Reifen, indirekte Systeme erfassen die Raddrehzahlschwankungen und errechnen daraus einen möglichen Druckverlust. Mit optimalem Reifendruck lässt sich unnötiger Reifenverschleiß vermeiden und Kraftstoff bzw. Energie sparen.


Regensensor


Fahrzeuge die mit einem Regensensor ausgestattet sind, aktivieren die Scheibenwischanlage sobald Niederschlag erkannt wird und steuern die Geschwindigkeit der Wischvorgänge je nach erfasster Regenmenge. Der dazu benötigte Sensor befindet sich in der Regel hinter dem Rückspiegel an der Windschutzscheibe.



Speedlimiter


Ein simples Prinzip mit großer Wirkung: Sie legen eine Höchstgeschwindigkeit fest, die der Wagen nicht überschreiten darf. Unterhalb dieser Grenze bestehen keinerlei Einschränkungen in der Nutzung. Wird das Limit allerdings erreicht, beschleunigt der Wagen nicht mehr weiter, obwohl das Gaspedal noch durchgedrückt ist. In Ländern mit einem Tempolimit auf Autobahnen - also quasi überall außer in Deutschland - macht etwa diese Schallmauer Sinn. So lässt sich ein unbewusstes Schnellfahren bei niedrigem Verkehrsaufkommen und vielleicht sogar der eine oder andere Bußgeldbescheid vermeiden.


Speedlimiter

Legen Sie eine bestimmte Geschwindigkeit fest, die der Wagen anschließend nicht mehr überschreitet.













Spurwechselassistent


Oftmals wird dieses Hilfssystem auch Totwinkel-Assistent genannt. Dieser erkennt beim Spurwechsel auf Autobahnen und Schnellstraßen vom Fahrer übersehene PKWs, Motorräder und sonstige Verkehrsteilnehmer und gibt bei Bedarf eine optische, akustische oder haptische Warnung von sich. Die Erfassung erfolgt mittels Ultraschall- und Radarsensoren bzw. Kameras oder Laserscannern.


Tempomat


Im Fachjargon wird dieser Assistent Geschwindigkeitsregelanlage bezeichnet. Der Fahrer legt eine bestimmte Geschwindigkeit fest, die er per Knopfdruck oder Hebelbetätigung dem Tempomaten mitteilt. Dieser regelt die Drehzahl des Wagens so, dass die festgelegte Geschwindigkeit nach Möglichkeit konstant eingehalten wird.


Verkehrszeichenerkennung


Dieses Fahrerassistenzsystem erkennt mit Hilfe einer im Bereich des Rückspiegels untergebrachten und nach vorne gerichteten Kamera Verkehrszeichen und blendet diese im Kombiinstrument, dem Bildschirm des Infotainmentsystems oder in einem Head-Up-Display ein.