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  • Armin Grasmuck

Neue Konzepte für den Ausbau der Ladestationen in den Kommunen

Kreativität ist gefragt, eine Idee für die Zukunft – dann geht alles ganz schnell. Der amerikanische Coffeeshop-­Gigant Starbucks und der schwedische Autoproduzent Volvo setzen seit kurzem ein gemeinsames Projekt um, das den Kunden den Weg in die Mobilität von morgen erleichtern soll: Ladestationen. Stromtanken und Kaffee trinken, so lautet das neue Motto. Auf einer gut 2.000 Kilometer langen Teststrecke zwischen den US-Metropolen Denver und Seattle, wo der Starbucks-Konzern seinen Sitz hat, sind 15 Coffeeshops entlang der Highways mit insgesamt 60 Schnellladesäulen aufgerüstet worden. Die Ladesysteme lieferte ChargePoint, der weltweit aktive Betreiber von Ladesäulen aus Kalifornien. Besonders interessant: Für die Kunden von Volvo soll das Nutzen der neuen Stationen kostenlos oder zu einer Vorzugsrate möglich sein.


Frische Ideen und Impulse


Es ist der Versuch eines neuen Vertriebskonzepts, den spannenden Mix aus modernen Verkehrsmöglichkeiten und hohem Umsatzpotenzial inklusive. Innovative Ideen und neue Impulse sind im Bereich der Elektromobilität mehr denn je gefragt. Es geht um Lademöglichkeiten, günstigen und möglichst nachhaltig gewonnenen Strom, die gesamte Infrastruktur rund um die batterie- und wasserstoffgetriebenen Elektrofahrzeuge. Auf unternehmerischer und auch auf politischer Ebene wird die Mobilitätswende heute mit einem einfachen wie klaren Auftrag umrissen: Die Zukunft ist elektrisch. Jetzt geht es darum, im Höchsttempo den richtigen Rahmen zu schaffen. Privatpersonen, die bereits im E-Auto unterwegs sind oder sich zumindest intensiv mit dem Wechsel auf einen Stromer befassen, sind daran genauso interessiert wie die Unternehmen, die kurz- und mittelfristig ihre Fahrzeugflotten elektrifizieren möchten und müssen.

Leichtfahrzeuge für die City: Modelle wie der Opel Rocks-e, spartanisch ausgestattet und mit kleinen Reichweiten, können nachhaltig im Stadtverkehr punkten. (Bildquelle: Opel)

Es gibt Firmen und Konzerne wie die Deutsche Post oder den Möbelproduzenten Ikea in Österreich, die bereits seit geraumer Zeit auf batteriegetriebene Dienst- und Lieferfahrzeuge setzen. Miele, der Premiumhersteller von Haushaltsgeräten, kooperiert bewusst mit Volkswagen bezüglich des neuen E-Bullis ID. Buzz, der sich perfekt als zukunftsgerichtetes Fahrzeug für den Außendienst eignet. Genauso wie der wasserstoffbetriebene Opel Vivaro-e Hydrogen, den Miele bereits im Einsatz hat.


Neue Optionen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat nach dem von der EU verabschiedeten Verbrenner-Aus begrüßt, dass der von seiner Partei geforderte Einsatz von sogenannten E-Fuels beim Betanken von Autos eine Option bleibt. „Das ist enorm wichtig, um unsere Klimaziele zu erreichen“, sagte Wissing. „Wir müssen dafür auf alle verfügbaren Technologien zurückgreifen.“ Ab 2035 sollen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden, die im Betrieb keine Treibhausgase ausstoßen. „Das Aus für die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren sei eine klare „Weichenstellung für wirkungsvollen Klimaschutz im Verkehr“, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne): „Das Ende des Verbrenners wurde besiegelt.“


Unternehmen in der Pflicht


Im Großen und Ganzen sind deutsche Dienstwagen jedoch noch Klimasünder höchsten Grades. Laut Handelsblatt hatten die gewerblich genutzten Fahrzeuge im vergangenen Jahr einen Anteil von 76 Prozent am CO2-Ausstoß von Neuwagen. Die deutschen Firmenwagen mit überproportional vielen Modellen der Oberklasse gelten in Fachkreisen als die klimaschädlichste Flotte Europas. Obwohl die Zahl der Elektroautos in diesem Bereich stetig zulegt, dominieren weiter die Verbrenner. 2021 lag der Anteil der Firmenfahrzeuge, die mit Benzin und Diesel betankt werden, in Deutschland noch bei 87 Prozent.


Die Transformation hin zu der E-Flotte sollte den meisten Unternehmen eigentlich leicht fallen, weil ihre Autos oft nur auf kürzeren Strecken eingesetzt werden. Der Großteil der Beschäftigten legt in seinem Dienstwagen durchschnittlich deutlich weniger als 50 Kilometer pro Strecke zurück. Es liegt an den vermeintlichen Unwägbarkeiten, Infrastruktur und eben Reichweite, dass viele Firmen auf dem Weg in die Mobilität von morgen eher schleppend vorankommen. Generell ist unter den Angestellten das Bewusstsein für die neuen Antriebsmodelle noch schwach ausgeprägt. Es liegt folglich an den Taktgebern der Betriebe, entsprechende Anreize für die Mitarbeiter zu schaffen. Der Wille umzusteigen, ist da. „Wir spüren eine immer größere Nachfrage nach E-Mobility-Lösungen und entsprechender Beratung“, sagte Uwe Hildinger, Vorsitzender der Geschäftsführung des Münchner Anbieters Alphabet. Die Grundlage für ein individuelles Konzept seien häufig die jeweiligen CO2-Reduktionsziele der Firmen.

Null Emissionen: Premiumhersteller Miele rüstet seine Flotte für den Außendienst mit wasserstoffgetriebenen Transportern von Opel auf.

Herausfordernd ist für die Unternehmensstrategen und ihre Fuhrparkleiter zudem, die Kosten für die künftige E-Flotte zu kalkulieren. Zu den traditionellen Leasing-und Service-Raten kommen neue Faktoren wie Strompreis, Software und Reichweite. Fachsegmente, in die es sich erst einmal einzuarbeiten gilt. Wem dieser Aufwand zu groß und die Zeit zu kostbar erscheint, der hat die Möglichkeit, sich mit den Komplettangeboten zu befassen, die von Autokonzernen, Energieunternehmen, Banken und anderen Dienstleistern neuerdings angeboten werden.


Ford, der traditionsreiche Produzent aus den Vereinigten Staaten hat ein großes Paket geschnürt, das speziell auf Unternehmen, die schnell und einfach transformieren möchten, zugeschnitten ist: Ford Pro. Das Pro steht hier für Produktivität. Es ist ein Komplettangebot mit allem, was dazugehört: Fahrzeug, Finanzierung, Service, Software, Strom und Versicherung. Für Firmen, die ihren Fuhrpark einfach, effizient und nachhaltig umzurüsten gedenken. Dank des ausgefeilten Gesamtkonzepts sollen gleichzeitig die Ausfall- und Standzeiten der Dienstfahrzeuge und Transporter reduziert werden – ein Angebot für Unternehmen aller Branchen und Größen.


Faktor Ladekosten


Für Privatpersonen und die Verantwortlichen in den Unternehmen ist es noch schwer kalkulierbar: Wie viel Strom brauchen die Elektroautos? Was kostet eine vollgeladene Batterie? Und wie weit kommt der Fahrer des Stromers damit? Konkrete Angaben sind nur schwer zu verifizieren. Der Strompreis ist in den vergangenen Wochen gestiegen. Dazu kommt, dass er sogar an ein und derselben Ladesäule mitunter stark differiert. Es hängt davon ab, wie der Strom gezogen wird, per Lade- oder Kreditkarte oder per App, und zu welchen Konditionen – mit oder ohne vereinbarter monatlicher Grundgebühr und zu welchem Preis pro Kilowattstunde. Auch für die Ladevorgänge zuhause gibt es diverse Preismodelle.

Das Lade-ABC: Unterwegs wird der Strom mit Karte oder per App gezogen, zuhause an der Steckdose oder der Wallbox.

Auto-Abo und mehr


Ein Produkt für Privatkunden, die auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge umsteigen möchten, hat ausgerechnet der Mineralöl- und Erdgasgigant Shell entwickelt. Unter dem Motto Shell Recharge Auto Abo werden Kleinwagen wie der Fiat 500 -e Icon und der Opel Corsa-e zu günstigen Monatsraten ab etwa 350 Euro angeboten. Auch hier wird ein Rundum-sorglos-Paket angepriesen. Zum Auto bekommen die Kunden demnach unter anderem die Versicherung, die jahreszeitengerechte Bereifung, Wartung, Zulassungskosten und optional eine Flatratefür den Ladestrom.


Apropos Strom. Wann, wo und wie schnell kann geladen werden? Und was kostet eine voll aufgeladene Batterie? Es sind Fragen, die Neueinsteigern, jedoch auch manchen Routinier auf dem Gebiet der Elektromobilität ratlos zurücklassen. Fragen, die dringend und nachhaltig geklärt werden müssen. Die attraktiven, immer differenzierter hergestellten Stromer – vom kleinen Stadtflitzer bis zum mächtigen E-Laster – benötigen eine dichte, transparente und verlässliche Infrastruktur.


Neue Säulen braucht das Land


Bereits im Jahr 2019 hat das Bundeskabinett beschlossen, dass bis 2030 eine Million öffentliche Ladestationen in Deutschland geschaffen werden. Derzeit sind es rund 70.000. Um den Ausbau des Ladenetzes zu beschleunigen, hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing gerade ein Maßnahmenpaket geschnürt. 6,3 Milliarden Euro plant die Bundesregierung in ein verbessertes Ladenetz zu investieren. Für den anhaltenden Boom und den erwarteten Hochlauf der Elektromobilität braucht es nach Ansicht von Wissing deutlich mehr Ladestationen, im Idealfall bevor die Nachfrage weiter ansteigt. Auch dem Bundesminister scheint klar zu sein, dass die stromgetriebenen Fahrzeuge nur die volle Akzeptanz finden, wenn das Laden so einfach wie das Tanken ist. Speziell in den ländlichen Gebieten sollen Lücken vermieden werden.


Nach Ansicht der Staatsoberen muss Deutschland aufgrund seiner traditionell starken Autoindustrie ein Leitmarkt im Segment der Elektromobilität werden. Neben dem Ausbau der populären Fernrouten werden besonders die Ladepunkte in Wohnvierteln und an Tankstellen vorangetrieben. Wissings Plan sieht konkret 68 Maßnahmen vor, die möglichst zeitnah umzusetzen sind. Unter anderem sollen Kommunen stärker eingebunden und mehr Flächen verfügbar gemacht werden, speziell an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen sowie Park & Ride-Plätzen.


Die schwierigste Aufgabe ist nach Ansicht des Bundesverkehrsministers die Integration ins Stromnetz, das rechtzeitig ausgebaut werden soll. Bisher beträgt der Anteil von Elektroautos am Stromverbrauch der Republik laut Wissing 0,5 Prozent. Im Jahr 2030 seien es bei 15 Millionen E-Pkw etwa acht Prozent.

Dazu kommt: Die Strompreise sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. „Bleiben sie so hoch, sind die entsprechenden Auswirkungen auf die zuletzt erfreulichen Zahlen beim Hochlauf der Elektromobilität unvermeidlich“, sagte Hildegard Müller, die Chefin des Verbandes der Automobilindustrie, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Stromsteuer müsse schnellstmöglich auf das europäische Mittelmaß gesenkt werden. Minister Wissing beteuerte, die Regierung habe die Strompreise im Blick. Neben der Gaspreisbremse arbeite das Kabinett derzeit auch an einer Strompreisbremse.


ADAC fordert Transparenz


Der Verkehrspräsident des ADAC, Gerhard Hillebrand, mahnte indes, die Rahmenbedingungen für den Hochlauf der E-Mobilität hätten sich zuletzt erheblich verschlechtert. „Vor diesem Hintergrund werden nicht nur Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur notwendig, sondern Maßnahmen, die die Unsicherheiten über Förderung, Strompreisentwicklung und Verfügbarkeit von Fahrzeugen in den Blick nehmen“, so erklärte Hillebrand.


Um Planungssicherheit zu schaffen, müsse die Förderung bereits zum Zeitpunkt des Fahrzeugkaufs zugesichert werden und nicht erst bei Zulassung feststehen. Wichtig ist es nach Ansicht des ADAC zudem, weitere Fortschritte bei der Nutzerfreundlichkeit zu erzielen. Dies gelte insbesondere mit Blick auf Transparenz und Bezahlmöglichkeiten. Hier habe in der Vergangenheit die nötige Konsequenz gefehlt. Dies gelte besonders für die Transparenz von Preisen an der Ladesäule. Laut Hillebrand sei es auch unverzichtbar, dass die Hersteller günstigere Fahrzeuge auf den Markt bringen.

Mangelnde Transparenz: Viele öffentliche Ladepunkte erlauben noch keinen konkreten Blick auf die gezogene Strommenge und den Preis.

„Es gibt viel zu tun. Packen wir‘s an.“ So lautete der Wahlspruch, den ein namhafter Mineralölkonzern vor knapp 45 Jahren verwendete. Die Botschaft ist alt – und topaktuell. In diesen Tagen liegt es an den Tatkräftigen und Visionären der Elektromobilität, die richtigen Akzente zu setzen. Der Weg ist klar beschrieben, viele Autofahrer, Kunden und Nutzer beschäftigen sich heute aufrichtig mit dem Umstieg auf den Stromer ihrer Wahl. Immer mehr sind bereit, die Antriebstechnik zeitnah zu wechseln. Da wirkt es umso bedenklicher, wenn das gewünschte E-Auto – wie derzeit des Öfteren – erst in zwölf bis 18 Monaten lieferbar ist. Es sollte klar sein, wo die nächste Ladesäule steht und was der frisch gezogene Strom faktisch kostet. Die Kaffeepause an der Ladestation wirkt dann gleich doppelt und dreifach.





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