• Susanne Roeder

Nicht ohne "e"

Die Peugeot-Familie bekommt kontinuierlichen Zuwachs, der elektrisiert


Peugeot 3008 und sein großer Bruder 5008

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Der 3008, einer der Bestseller des Hauses, überzeugt auch als Plug-in-Hybrid. Der 5008 muss auf seine Elektrifizierung noch warten.


Was dem Fahrer eines Mercedes-Benz zumindest optional sein Stern auf der Haube, das sind bei Peugeot die markanten Säbelzahn-Scheinwerfer vorne sowie die Löwenkrallen als Rückleuchten. Den Designern ist geglückt, was vielen Herstellern nicht mehr gelingt: Ein tagsüber wie nachts unverwechselbares Exterieur. Sieht man das aktuelle Löwenrudel aufgestellt in Reih und Glied, kann das mutig markante, bisweilen bissige, jedoch niemals aggressiv klobige Design rundum positiv punkten.


Der König der Löwen kann gehen, lang lebe der König der Löwen, erschallte es vor wenigen Tagen aus Frankreich. Denn zum geschärften Exterieur gesellt sich bei den Franzosen jetzt offiziell das komplett veränderte Logo, das nicht nur als Signatur am jeweiligen Fahrzeug, sondern über das gesamte Kundenerlebnis eine neue Markenidentität verheißt. Erstmals wird die insgesamt elfte Version des Logos am neuen Kompaktwagen 308 prangen, der im Vergleich zum Rest des Rudels etwas in die Jahre gekommen ist, bislang nicht elektrifiziert war und mit umso größerer Spannung erwartet wird. „Das Logo ist attraktiv, es signalisiert Qualität und weckt Begehrlichkeiten“, charakterisiert Brand Managerin Linda Jackson die aus ihrer Sicht geglückte Neugestaltung.


Höherpositionierung von Peugeot

Mehr denn je schickt sich der stolze Löwe an, seine Insignien von Macht und Weisheit auszuspielen. Der skizzierte Tierkörper, der aus heutiger Sicht eher in ein Cartoon passt als auf den Kühler eines hochwertigen Automobils, ist ab sofort auf das Wesentliche der Raubkatze reduziert: auf ihren zupackenden Mähnenkopf. Insgesamt soll das schildförmige Wappen mit Löwenhaupt und klarem Peugeot-Schriftzug, das auch auf seine äußeren Umrisse samt gerader Linie oben im Schild reduziert werden kann, den Aufbruch in die Höherpositionierung der Marke bekräftigen. Die werde seit zehn Jahren zügig vorangetrieben.


Peugeot Familie -

Bis Ende 2024 gibt es zu jedem Modell mindestens eine elektrifizierte Version.


Die älteste noch existierende Automobilmarke der Welt setzt eindeutige Zeichen der Stärke im riesigen Stellantis Konglomerat. Mit ihrer aktuellen Modellpalette zeigt sie schon jetzt: Für alle Geschmäcker und Geldbeutel lässt sich eine Fahrzeugvariante finden, vom vollelektrischen Kleinwagen e 208 über ein kompaktes bis großes SUV, bis hin zur Elektro-Sportkarosse, dem Plug-in-Hybrid 508 PSE (Peugeot Sport Engineered).

Der 508 PSE steht in den Startlöchern und bringt es mit der Kraft seiner drei Motoren (zwei E-Maschinen mit 83 kW / 113 PS und 81 kW/110 PS, 147 kW/ 200 PS 4-Zylinder Benziner) auf eine Systemleistung von rasanten 265 kW / 360 PS). Die elektrische Reichweite mit 42 Kilometer nach WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) freilich reicht gerade mal für den abgasfreien Sprint durch größere Innenstädte. Zum Glück klappt das wie bei den anderen Hybriden durch Drücken des elektrischen Blitzzeichens in Kombination mit dem e-Save Modus. Letzterer erlaubt das Aufladen der Batterie beim Fahren.


Stolz und Mannigfaltigkeit

Die Abgrenzung zur Schwestermarke Citroën, die mit Peugeot viele Plattformen teilt, wird mit dem geschärften Erscheinungsbild noch deutlicher. Peugeot ist die Marke, die sich durchschnittlich an die etwas ältere und finanziell besser situierte Kundschaft richtet – mit wachsender Tendenz in Richtung Premium und damit nicht zuletzt zu für das Unternehmen interessanteren Margen. Die Betonung auf Qualität artikuliert sich erwartungsgemäß besonders augenfällig in der luxuriösen Eleganz des eleganten Herdenführers Peugeot 508, ob als Limousine oder Kombi (SW), ob als Verbrenner oder Plug-in-Hybrid (PHEV).


„Das neue Logo ist attraktiv und weckt Begehrlichkeiten"

Effizienz ist ungeheuer wichtig in Zeiten des Umbruchs und der Vielfalt an Antriebstechnologien. Weil die Fahrzeuge der einstigen PSA Gruppe deshalb häufig auf der gleichen Plattform stehen, sind Erscheinungsbild und Ausstattung entscheidende Unterscheidungskriterien. Die größere Plattform EMP2 (Efficient Modular Platform) teilen sich derzeit so unterschiedlich anmutende Fahrzeuge wie Peugeot 308, 3008, 508 und 5008 und Citroën C4 Picasso, C5 Aircross, aber auch Opel Grandland X und DS 7 Crossback. EMP1 ist für die kleineren Modelle konzipiert, auf denen sich Peugeot 208 und das City SUV 2008 jeweils als Verbrenner oder rein elektrisch mit dem Citroen C4 der neuen Generation oder DS3 Crossback sowie der Opel Corsa-e tummeln



Klare Farbgebung - Das türkis gehaltene "Hy" in Hybrid signalisiert auf den ersten Blick: "Ich bin nachhaltig unterwegs!"


Der französische Autobauer bezeichnet sich selbst als besten High-End Generalisten. Und tatsächlich bestechen alle aktuellen Modelle mit hochwertiger Anmutung. Dabei ist die Geburtenplanung in vollem Gange: Peugeot hat von Pkw über Zweirad bis Fahrrad fleißig elektrifiziert. Schon bis Ende des Jahres werden 80 Prozent der Fahrzeugmodelle eine elektrifizierte Variante haben, ob rein elektrisch oder als PHEV. Spätestens bis Anfang 2025 wird es zu jedem Verbrennermodell mindestens eine elektrifizierte Variante geben. Damit ist Peugeot für alle Eventualitäten gut gerüstet und innerhalb der Stellantis Gruppe in punkto Elektrifizierung Klassenbester.


Klein und rein elektrisch

Die Kleinen sind bereits voll elektrisch: Peugeot hat den 208 e, Opel den Corsa e, Citroën den E C4 und Fiat den 500e. Während der ehemalige PSA Konzern für alle drei Modelle die EMP1 Plattform benutzt, hat Fiat seine eigene Plattform. Das ist erst der Anfang der Elektro-Offensive. Man kann sich ausmalen, welch geballter Funkenschlag bald von Stellantis ausgeht, zumal sogar die US Marke Ram einen elektrischen Pickup angekündigt hat.

Peugeot e-208

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Perfekt durchgestylt und wertig ist der Kleinwagen ein Trophäenjäger.


Jenseits rein elektrischer Modelle, ein Status, der bisher den Löwenbabys vorbehalten bleibt, sind in den Klassen darüber Plug-in-Hybride extrem beliebt. Peugeot ist schon ziemlich weit in der Hybridisierung seiner Modelle. Ganz wichtig: die Rolle der SUV – beide Geländewagen, 3008 und 5008, wurden rundumüberholt. Aber weiterhin gibt es nur den kleineren als Hybrid. Der Grund: So wie der Siebensitzer bislang konzipiert ist, findet sich aufgrund dieser vielen Sitzgelegenheiten kein Platz für die Batterie. Dieses Problem muss sich bis in gut zwei Jahren mit dem Nachfolger ändern. Man darf spekulieren, ob am Ende gar ein rein elektrisches SUV entstehen wird, das erste bei Peugeot und eines von mehreren in der großen Stellantis Gruppe, vielleicht mit neuen Plattformlösungen – man denke an den geplanten elektrischen Ram Pickup. So könnte das größte SUV der Löwen mit dem Image eines Pkw neue Platzverhältnisse anbieten – rein elektrisch.


Voll im Trend

Die Elektrifizierung der individuellen Mobilität gehört zum gesellschaftlich akzeptierten Ton, wenn auch (noch) nicht zum akustisch betörenden. Es kann den Regierungen gar nicht schnell genug gehen mit den Elektroautos. Falls hierzulande im Jahr 2035 somit tatsächlich keine Benziner, geschweige denn Dieselfahrzeuge mehr verkauft werden dürfen, fährt Peugeot als einer der Bestseller in der neuen, voller Sterne schimmernden Megafamilie trotzdem nicht aufs Abstellgleis. Denn da sich Verbrenner und E-Modelle eine Plattform teilen, ist die Marke agil.


Für die elektrifizierten Modelle hat Peugeot eine klare Farbensprache. Das HY des Schriftzugs Hybrid ist türkis gehalten, genauso wie das e eines vollelektrischen Modells. Damit auch die Plug-in-Hybride überall fahren dürfen, signalisiert der Peugeot durch türkisfarbenes Leuchten an der Außenseite des Rückspiegels, wenn er elektrisch fährt.

Klar ist man sich auch darüber, dass Hybridfahrzeuge eine Übergangstechnologie sind. Noch aber verkaufen sich die Zwei-in-Einem Antriebspakete sehr gut und helfen, die ambitionierten europäischen Emissionswerte zu erreichen. Den Kunden nehmen sie die Reichweitenangst und lassen sie ihre Vehikel genauso wie vollelektrische Modelle vielerorts kostenlos abstellen. Mit ihrer freilich geringen rein elektrischen Reichweite von 50 bis 54 Kilometer müssen sie vor City-Zentren, die nur Elektromobilität erlauben, nicht kapitulieren.


Sternenschimmer für alle Eventualitäten

Das lateinische Adjektiv stellans, stellantis bedeutet von Sternen schimmernd. Mit diesem Sternenglanz will Gesamtkonzernchef Carlos Tavares seine 14 unterschiedlichen Marken so gut wie möglich bestäuben. Was sich nicht rechnet, wird eingestellt. Genauso wenig wird der auf maximale Effizienz bedachte gebürtige Portugiese nicht müde, die Agilität seines Megakonzerns zu betonen. Man richte sich nach den Vorgaben der Politik. Denn technologisch beherrsche man Diesel, Benziner, Hybrid und rein elektrisch.

Ja, sogar Wasserstoff, wie Peugeot mit dem Konzeptfahrzeug 207 ePure schon im Jahr 2006 bewies, können die Franzosen. Warum also die zusätzliche Plattform eVMP (electric Vehicle Modular Platform), die Reichweiten von bis 650 Kilometern für die Kompakt- und Mittelklasse verspricht, nicht auch ein Wasserstoffauto aus der Schublade ziehen, wenn es sich zu rechnen beginnt? Man munkelt, ein solches Fahrzeug werde noch dieses Jahr kommen. L‘art pour l’art jedenfalls gibt es unter Tavares nicht.

Wer so nüchtern, rigide und rational argumentiert, der erwartet vor allem eines: gute Verkaufszahlen. Peugeot Deutschland zielt deshalb auf einen Marktanteil von drei Prozent plus x. Einen Zeitpunkt, bis wann dieses Wachstum um knapp ein Prozent erreicht sein soll, gibt es nicht. „Wir wollen gesund wachsen“, so das Credo. Gibt das Portfolio das bei den wählerischen Deutschen her? Eindeutiges Ja.


Conceptcar

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Der 207 ePure gab vor 14 Jahren einen Vorgeschmack auf ein Wasserstoffauto. Dieses Jahr soll daraus Realität werden.


Schon jetzt haben Kunden die Qual der E-Wahl ob der vielen Motorisierungen und Ausstattungslinien pro Fahrzeugmodell. Benziner, Diesel, PHEV oder rein elektrisches Fahrzeug. Stopp. Diesel? Ja, richtig gelesen. Man muss es nach Dieselgate betonen und es ist ein weiterer kluger Schachzug. Im Gegensatz zu etlichen Wettbewerbern hält Peugeot am Diesel fest. Der Kunde soll die für ihn optimale Motorenwahl haben, so der Hersteller.

Weiter also im automobilen Wünsch-Dir-Was: welche Stärke der Motorisierung oder Systemleistung darf’s denn sein? Allrad für alle Witterungen und für ein wenig Offroad? Welche Ausstattungslinie, im Kern also Active, Allure oder GT? Sonst noch Extra-Wünsche?


Technisch intuitiv und up-to-date

Allen neuen Modellen gemein ist das aktualisierte i-Cockpit mit modernster Konnektivität. Angenehm selbsterklärend und übersichtlich – wie auch die unmittelbar verständlichen Toggles oder Schalter in der Leiste rechts vom für Peugeot typisch abgeflachten Lenkrad. Diese analogen Features in Reih und Glied sehen nicht nur schick aus, sie geben dem Fahrer auch das Gefühl, mit dem Drücken von Tasten den souveränen Captain an Bord geben zu können.

Beim vergleichenden Ritt durch die aktuelle Fahrzeugflotte ist es natürlich leicht, die Leistungselite unter den Löwen und damit den 508 und das knackige SUV 3008 besonders zu mögen. Zunächst ein Wort zum Kleinsten im Rudel. Dabei ist es müßig zu spekulieren, ob und warum der 208 ein Frauenauto ist. Die World Women’s Car of the Year Auszeichnung als bestes Stadtauto hat er eingeheimst, nachdem er schon im Jahr zuvor insgesamt einige Trophäen ergattern konnte. Als e-208 gibt sich das Löwenbaby surrend handzahm. Sein Erscheinungsbild ist rundum stimmig, sicherlich mit ein Grund, dass bis Ende Januar weltweit schon 265.000 Einheiten des Kleinwagens verkauft wurden.

Der Autorin, die viele unterschiedliche Löwen als Verbrenner, rein elektrisch oder als PHEV fahren konnte, hat es dennoch besonders der 3008 angetan – als Hybrid mit Allrad. Ein SUV und kein Motorenbrummen – zumindest im elektrischen Modus – ist das kein Widerspruch in sich? Alles Gewöhnungs- zumindest aber Ansichtssache. Schließlich gibt es neben der Formel 1 unterdessen auch eine erfolgreiche Formel E.


i-Cockpit

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Sein intuitives Cockpit hat Peugeot seit seiner Einführung im Jahr 2012 sukzessive weiterentwickelt und auf den technologisch neuesten Stand gebracht.


King on and off the Road

Mit einer Systemleistung von bis zu 220 kW (300 PS) ist der 3008 Hybrid4 gleichzeitig das leistungsstärkste Serienfahrzeug der Löwenmarke. Das Fahrerlebnis macht ihn besonders begehrenswert. Knackig flott unterwegs mit wahlweise vier Fahrmodi (Elektro-, Hybrid-, Sport- und Allradmodus), in der Stadt, auf der Landstraße oder der Autobahn. Der Ausflug mit ihm ins abschüssige und reichlich unebene oder matschige Gelände macht dann doch den größten Spaß. Das Beste daran: Auch in Schieflage signalisiert der 3008 Hybrid4 zu jeder Zeit Sicherheit, manövriert sich aus Situationen heraus, in denen sein Kollege mit Zweiradantrieb (165kW / 225 PS) ein Fall für den Profipilot wäre. Drei Benziner und zwei Diesel stehen alternativ zur Auswahl.

Bei all dem Spaß ist doch zu betonen, dass Peugeot effizientes Powerplay betreibt. So gehören die CO2 Emissionswerte des 3008 Hybrid4 mit 29 bis 31 Gramm CO2 pro Kilometer nach WLTP zu den Besten auf dem Markt für Plug-in-Hybride.


Fotos: Peugeot