Peking wird zur E-Auto-Bühne: Neue Konzepte für die Mobilität von morgen
- Armin Grasmuck

- 5. Juni
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Mercedes: Nächste Dimension der schnellen, intelligenten und nachhaltigen Innovationen
Der deutsche Premiumhersteller lässt den Stern im Reich der Mitte strahlen. Mehrere Weltpremieren und das innovative Technologieprogramm Tomorrow XX präsentieren die Strategen von Mercedes-Benz auf der Auto China in Peking. Dieses Konzept, das auf erfolgreichen Studien wie Vision EQXX und Concept AMG GT XX aufbaut, soll Nachhaltigkeit ganzheitlich in Design, Produktion und Fahrzeugtechnik integrieren.
Konkret verbirgt sich hinter Tomorrow XX die klare Ambition zur Kreislaufwirtschaft, die den gesamten Lebenszyklus von Fahrzeugen, von der Materialwahl über die Produktion bis hin zum Recycling, in den Fokus rückt. Das Programm verkörpert den Anspruch des traditionsreichen Autobauers, Nachhaltigkeit als konkretes Technologie‑ und Architektur‑Modul zu verankern und keineswegs nur als zeitgerechtes Modell des Marketings.
Im gesamten Kontext soll Tomorrow XX ergänzt werden mit den Elektroarchitekturen wie MB.EA und der Mercedes‑Benz Modular Architecture, dem MB.OS als Betriebssystem sowie durch KI‑basierte Dienste und automatisiertes Fahren. Diese Technologiepakete werden laut Hersteller in China entwickelt oder zumindest stark lokal angepasst, langfristig sollen sie auch für andere Märkte bereitstehen.

„Die Auto China ist für Mercedes-Benz die ideale Bühne, um unser strategisches Bekenntnis zu China mit Produktsubstanz zu untermauern“, sagt Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG, in
Peking: „Künftig werden wir unsere Lokalisierung weiter vertiefen, indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle weltweit nutzen.“
Tomorrow XX ist ein markenweites Programm, das die Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft entlang des gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs voranbringen soll, von der ersten Skizze bis zum Recycling am Ende der Nutzungsdauer. Es bündelt Innovationen, die bislang zumeist in Einzelprojekten steckten, systematisch über alle Baureihen und Antriebsarten hinweg.
„Design for Environment“ und „Design for Circularity“, so lauten die Leitprinzipien. Die Nachhaltigkeit und der Kreislaufgedanke werden künftig von Beginn an konsequent in die Konstruktion impliziert. Als Ziel ist konzernweit vorgegeben, den CO₂‑Fußabdruck der Serienfahrzeuge deutlich zu senken und den Anteil an verwertbaren und wiederverwendeten Materialen massiv zu erhöhen. Konkret bedeutet dies: Alle Bauteile und Materialien werden neu durchdacht, von der Batterie über Karosserie, Interieur bis hin zu Dämmstoffen und Verkleidungen, um sie leichter trennen, reparieren und wiederzuverwerten zu können.

Rund 40 neue Konzepte für Bauteile und Materialien, die innerhalb von rund zwei Jahren entwickelt wurden, bündelt Tomorrow XX. Es geht etwa um den verstärkten Einsatz von Monomaterialien statt schwer trennbarer Verbunde, damit Kunststoffe und Metalle sauber zurückgewonnen werden können. Komponenten aus Aluminium oder Stahl sollen beispielsweise aus vollständig recyceltem Schrott im Elektrolichtbogenofen produziert werden. Alte Fahrzeuge werden dementsprechend gezielt zerlegt, wertvolle Materialien in die Produktion für neue Bauteile eingespeist. Stichwort Kunststoffe. Tomorrow XX zielt darauf ab, spezielle Konstruktionen zu forcieren, etwa ein PET‑Monosandwich für Interieurbauteile, und damit die Sortenreinheit für das Recycling faktisch zu erhöhen.
Smart #2: Comeback des Stadtflitzers

Er ist wieder da! Der Smart #2 feiert auf der Auto China als Studie Concept #2 seine Messepremiere. Doch eigentlich ist es das große Comeback des Kleinen, die Rückkehr der Marke zu ihrem originalen ultrakompakten Urmodell. Rund drei Jahrzehnte nach dem Fortwo präsentiert Smart – inzwischen ein Joint Venture von Mercedes und Geely – einen Nachfolger mit chinesischer Technologie, der auf knapp 2,80 Metern Länge zwei Sitze und einen Wendekreis von nur 6,95 Metern bietet sowie Reichweiten von etwa 300 Kilometern ohne nachzuladen ermöglichen soll. Sein Marktstart ist in Deutschland für das Frühjahr 2027 geplant, in China fährt der #2 bereits Ende dieses Jahres vor.
BYD: Supercar mit mehr als 1000 PS

Der Fang Cheng Bao Formula X2 ist einer der Publikumslieblinge auf der Messe in Peking. Dieses zweitürige Cabrio im Supercar-Showcar-Modus markiert den radikalen Einstieg der BYD-Tochtermarke Fang Cheng Bao in das Premiumsegment. Das scharfe Profil mit der tief liegenden Silhouette wirkt in jeder Sequenz höchst dynamisch, angriffslustig die Frontpartie. Das Heck kickt mit Ringleuchten, aktivem Spoiler und hohlen Diffusoren an den Hinterrädern, die den Luftstrom kanalisieren. Aus purer Carbonfaser ist die Karosserie, die entsprechend leicht und performant wirkt. Die spektakulären Türen – teils Scheren, teils Flügel – öffnen sich nach oben, wie es sich für den Supersportwagen gehört. In Zahlen: 800-Volt-Architektur, drei Motoren, mehr als 1000 PS. Der Serienstart ist für 2027 geplant.
Leapmotor: XL-Format zum Bestpreis

D19, so heißt das neue Topmodell des chinesischen Herstellers. Mehr als fünf Meter lang, fast zwei Meter breit, knapp 1,80 Meter hoch und einen Radstand von 3,11 Metern – damit übertrifft der massive SUV von Leapmotor sogar manchen deutschen Premiumhersteller in der Luxusklasse. Auch technisch punktet der rein elektrische D19. Er nutzt eine 1000-Volt-Architektur mit bis zu 115 Kilowattstunden großen CATL-Batterien, die Reichweiten von bis zu 720 Kilometern ermöglichen sollen. Der SUV wird von zwei bis drei Motoren angetrieben, die mit 550 bis 734 PS anschieben. Konkret heißt das: aus dem Stand auf Tempo 100 in weniger als drei Sekunden. Attraktiv klingen auch die angegebenen Ladeleistungen, die an entsprechend starken Stromsäulen bis zu 350 frische Kilometer Reichweite in nur 15 Minuten ziehen, und der Preis. In China wird das Einstiegsmodell für umgerechnet rund 27.500 Euro angeboten.

Dreame: Sportwagen aus Deutschland?

Eigentlich ist das chinesische Unternehmen als Produzent von Staubsaugern und Reinigungsrobotern bekannt, doch auf der Automesse in Peking sorgt Dreame mit dem Showcar Nebula Next 01 Jet Concept für Furore. Hervorstechend ist das atemberaubende Design mit der flachen Silhouette, langem Vorderwagen, großen Lufteinlässen und schnittiger Aerodynamik. Wow-Faktor: Das Hypercar soll mit zwei Feststoffraketenboostern im Heck arbeiten, die den Elektroantrieb unterstützen. Schubkraft: bis zu 100 Kilonewton. Beschleunigung von null auf Tempo 100: sagenhafte 0,9 Sekunden. Das Nebula-Next-01-Konzept soll – ohne Raketen – ab 2027 in einem neuen Werk in der Nähe von Berlin gebaut werden. Zwischenzeitlich war auch Brandenburg im Gespräch, doch scheint die Hauptstadt der bevorzugte Standort für die europäische Produktion zu sein.
Audi: Neues Konzept ohne Ringe

Eigens entwickelte Fahrzeuge, frisches Design und ein neues Logo mit großen Buchstaben und ohne die vier legendären Ringe – exklusiv für China. Die Schwestermarke von Audi präsentiert in Peking den E7X, ihren ersten SUV. Dieser wuchtige Neustarter ist als vollelektrisches Premiummodell konzipiert worden, gemeinsam mit dem staatlichen Autobauer SAIC und gezielt für den chinesischen Markt. Audi versucht damit, seine klassische Markenkompetenz mit einem digitalen Ökosystem, das auf lokale Nutzergewohnheiten und urbane Mobilität zugeschnitten ist, zu verbinden. Der aus Ingolstadt bekannte Anspruch an Technik und Fahrdynamik soll laut Audi mit speziell für China entwickelten Funktionen und einem „eigenen Innenraumerlebnis“ angepasst werden.


