• Philipp Lumetsberger

Sieben E-Scooter im ELECTRICAR-Praxistest

Sie prägen in zunehmendem Maße den Verkehr in den Städten, und sie sind aus dem urbanen Raum kaum mehr wegzudenken: Tretroller mit Elektromotor – besser bekannt als E-Scooter.


Diese einspurigen Gefährte bieten zahlreiche Vorteile. Vor allem in engen und überfüllten Innenstädten spielen sie ihre Stärken aus. Man kommt überall durch, muss sich um einen Parkplatz keine Sorgen machen und bei Bedarf lassen sich E-Scooter in Windeseile zusammenklappen und können so in Bus oder Bahn mittransportiert werden. Und sie haben einen weiteren, großen Vorteil. Sie lassen sich nämlich an jeder Haushaltssteckdose aufladen, während man sich am Arbeitsplatz, der Uni oder bei einer Veranstaltung aufhält.


Entscheidend ist bei der Wahl des richtigen Scooters, dass dieser dem gewünschten Einsatzzweck entspricht. Denn je nach Modell sind die Reichweite, die Beschleunigung, das Eigen- und Traggewicht des Gefährtes oder auch die Bremswirkung sowie der Fahrkomfort sehr unterschiedlich. Außerdem sollten Sie beim Kauf darauf achten, dass der Motor mindestens eine Dauerleistung von 300 Watt aufweist, damit Sie einigermaßen zügig vorankommen. In puncto Tragegewicht sollt der Scooter mindestens 100 Kilogramm bewältigen können.


Kein Fahrspaß ohne Regeln


E-Scooter sind hauptsächlich für den Personentransport auf der sogenannten letzten Meile im innerstädtischen Umfeld gedacht. Aus diesem Grund unterliegen sie auch zahlreichen gesetzlichen Regelungen. So müssen diese beispielsweise über eine Straßenzulassung verfügen, um mit ihnen im öffentlichen Raum fahren zu dürfen. In Deutschland darf die Höchstgeschwindigkeit dieser einspurigen Fortbewegungsmittel 20 km/h nicht überschreiten. Das Fahren ist grundsätzlich auf Radwegen, Radfahrstreifen und auf Fahrradstraßen erlaubt. Falls solche fehlen, ist sogar die Nutzung der Fahrbahn erlaubt. Das Mindestalter für die Nutzung von elektrischen Scootern liegt bei 14 Jahren. Eine Helmpflicht besteht zwar nicht, dennoch wird das Tragen eines Helms empfohlen.


Zwingend vorgeschrieben ist hingegen der Abschluss einer Haftpflichtversicherung, die im Durschnitt mit rund 40 Euro pro Jahr zu Buche schlägt. Die dazugehörige Versicherungsplakette wird direkt auf den Roller aufgeklebt.


In Österreich wiederum sind die gesetzlichen Regelungen etwas anders. So sind dort E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h und einer Motorleistung von 600 Watt überall dort zulässig, wo auch das Radfahren erlaubt ist. Eine Haftpflichtversicherung zur Nutzung ist nicht zwingend vorgeschrieben, sie wird allerdings empfohlen. Und auch beim Mindestalter offenbaren sich Unterschiede. Ab einem Alter von zwölf Jahren ist das Fahren mit einem elektrischen Scooter erlaubt. In Begleitung einer mindestens 16 Jahre alten Person dürfen auch schon Kinder ab zehn Jahren diese nutzen, vorausgesetzt sie sind im Besitz eines Radfahrausweises.


E-Scooter Auf dem Prüfstand


Nachfolgend stellen wir Ihnen jene Modelle kurz vor, die wir für unseren Test ausgewählt haben und die uns von den jeweiligen Herstellern freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Bei der Auswahl der E-Scooter haben wir darauf geachtet, dass die Motorleistung und auch die Reichweite in einem gewissen Rahmen liegen und somit in weiterer Folge eine bessere Vergleichbarkeit gegeben ist.

 

Micro Explorer


Der Micro Explorer des Schweizer Unternehmens Micro Mobility glänzte in unserem Test nicht nur mit einer hervorragenden Verarbeitung und einer ordentlichen Motorleistung, sondern auch mit einem geringen Gewicht. Mit 13,5 Kilogramm lässt sich der E-Scooter mühelos im Bus oder Straßenbahn transportieren.


Auf einen Seitenständer verzichtet der Hersteller, stattdessen kommt ein augeklügelter Fußfaltmechanismus zum Einsatz, mit dem sich der Scooter parken lässt.


Webseite: micro-mobility.com

Preis: € 1.099,99

 

Scotex H10


Der auf den Namen H10 getaufte Elektroscooter der Marke Scotex ist mit 8,5 Zoll großen Luftreifen versehen, die zuverlässig kleinere Fahrbahnunebenheiten ausgleichen. Ausgestattet mit einer Trommelbremse am Vorderrad und einer elektrischen Bremse hinten überzeugte uns der H10 beim Bremsverhalten am meisten. Weniger als vier Meter benötigte er beim Bremstest, um zum Stillstand zu kommen. Eine vollständige Akkuladung reicht laut Herstellerangaben für eine Strecke von 30 Kilometern. Diesen Wert konnten wir zwar nicht ganz erreichen, jedoch schaffte der Scooter mehr als 27,5 Kilometer, bevor er wieder an die Steckdose musste.


Webseite: scotex.de

Preis: € 599,-

 

Vmax VX3 LT


Mit einer Motorleistung von 400 Watt ist der ­

VX3 LT in der Lage, Steigungen von bis zu 20 Prozent zu bewältigen. Im Unterschied zu anderen E-Scootern ist das Gefährt aus dem Hause VMAX lediglich mit einem Bremshebel ausgestattet, mit dem die vordere Trommelbremse und die elektronische Bremse am Hinterrad gleichzeitig betätigt werden.


Der Rahmen des Trittbretts ist aus einem einzigen Stück Aluminium gefertigt, was den Scooter rein optisch zu einem echten Hingucker macht.


Webseite: vmax-escooter.de

Preis: € 649, -

 

IOMI Scooter T350


Beim Modell T350 der emporia-Tochtermarke IOMI stehen drei verschiedene Fahrmodi zur Verfügung, die sich bequem per Knopfdruck wechseln lassen. Für einen angenehmen Fahrkomfort sorgen die 10 Zoll großen Räder in Kombination mit dem Federstoßdämpfer. Kleinere Fahrbahnunebenheiten werden dadurch zuverlässig ausgeglichen. Ein großes und hervorragend ablesbares LCD-Display versorgt den Fahrer mit allen relevanten Informationen wie etwa den Akkustand oder die aktuelle Geschwindigkeit


Webseite: iomi.style

Preis: € 499,99

 

comscoot Eco


Das im steirischen Lebring ansässige Unternehmen comscoot ist der österreichische Vertriebspartner der Marke Streetbooster. Rein optisch ist der comscoot ECO – mit Ausnahme des Schriftzugs – völlig identisch mit dem Streetbooster One. Lediglich in puncto Technik ist das Pendant aus der Alpenrepublik etwas modifiziert. Als besonders praktisch erwies sich in unserem Test der Klappmechanismus, mit dem der Elektroscooter in wenigen Sekunden mit nur zwei Handgriffen auf- bzw. zusammengeklappt wird.


Webseite: comscoot.com

Preis: € 799,-

 

ePF-1 Pro


Obwohl der ePF-1 Pro mit nur einem Fahrmodus ausgestattet ist, lässt sich die maximale Höchstgeschwindigkeit individuell einstellen. Die Spannweite beträgt dabei 6 bis 22 km/h. Um dies zu bewerkstelligen, ist allerdings die Kopplung des Scooters via Bluetooth mit dem Smartphone notwendig. Mithilfe der mobilen Applikation lässt sich zudem in nur wenigen Schritten eine elektrische Wegfahrsperre einrichten.


Für einen hohen Fahrkomfort sorgen zwei Federelemente an der Hinterachse und ein verlängerter Radstand.


Website: epowerfun.de

Preis: € 659,-

 

Velix E-Kick 20 V.2021


Der E-Kick 20 V.2021 der Marke Velix legt dank der Scheibenbremsen vorne und hinten ein hervorragendes Bremsverhalten an den Tag, trotz des vergleichsweise hohen Gewichts von 18 Kilogramm.


Über die dazugehörige Smartphone-App lässt sich eine Vielzahl an Leistungsdaten wie beispielsweise die Restreichweite oder die Fahrzeugtemperatur abrufen und auch die Mindestgeschwindigkeit des Tempomats per Knopfdruck individuell anpassen.


Website: rolektro.de

Preis: € 809,-

 

So haben wir getestet


Im Rahmen unseres Scooter-Vergleichs richteten wir unseren Fokus auf die Kategorien Technik, Sicherheit und Bedienung. Für den Teilbereich „Technik“ haben wir jeden unserer sieben Testkandidaten einem umfangreichen Reichweitentest unterzogen. Hierfür wurden vorab eine Teststrecke definiert und die E-Scooter vollständig aufgeladen. Danach hat sie von ein Testfahrer in der höchsten Leistungsstufe so lange gefahren, bis sich der Akkustand dem Ende zuneigte. Die zurückgelegte Distanz wurde via GPS-Ortung mithilfe eines Smartphones ermittelt. Zusätzlich haben wir die Abweichung unserer ermittelten Reichweite mit den Herstellerangaben in Relation gesetzt und bewertet.


Im Anschluss daran wurden die E-Scooter einzeln wieder komplett aufgeladen und die Ladedauer mithilfe einer smarten Steckdose erfasst. Zur besseren Vergleichbarkeit haben wir diese umgerechnet in die Ladedauer pro Kilometer.


In dem Teilbereich „Sicherheit“ haben wir zur Messung der Lichtstärke des Frontlichts ein Luxmeter verwendet. Um den Bremsweg zu ermitteln, wurden die Testmodelle an einer kaum befahrenen Straße auf 20 km/h beschleunigt und bei einem vorher festgelegten Punkt abrupt abgebremst. Im Anschluss daran wurde die Distanz bis zum völligen Stillstand des Gefährts gemessen. Insgesamt wurde dieses Procedere für jeden Scooter mehrmals wiederholt und die kürzeste Distanz wurde schlussendlich für die Bewertung herangezogen.


Für die Teilkategorie „Fahrkomfort / Handling“ haben vier Kollegen aus der electricar-Redaktion die sieben Modelle Probe gefahren und zusätzlich jeden Testkandidaten im zusammengeklappten Zustand herumgetragen. Abschließend wurde der Fahrkomfort und die Transportierbarkeit mit Punkten von 1 bis 10 bewertet. Die in der Tabelle angeführten Ergebnisse stellen den Mittelwert dar.


Außerdem haben wir uns noch die besonderen Features der jeweiligen E-Scooter angesehen. Vor der Bewertung wurde eine Liste von Funktionen erstellt und diese gewichtet. Anhand dessen erfolgte anschließend die Bewertung.


Zu guter Letzt wurden der Preis der einzelnen E-Scooter und deren Gesamtnote in Relation gesetzt und ein Preis/Leistungs-Sieger gekürt.