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  • AutorenbildHarald Gutzelnig

So wirtschaftlich sind E-Autos: Antriebsarten im TCO-Vergleich

Glaubt man verschiedenen Studien so haben Elektrofahrzeuge eine vorteilhafte Klimabilanz im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Neben der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und der individuellen Fahrzeugnutzung spielen die Kosten eine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Elektrofahrzeugs. Obwohl Elektrofahrzeuge höhere Anschaffungskosten haben können, galten batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) lange Zeit als kostengünstiger in Bezug auf Betriebs- und Energiekosten.


Um die höheren Anschaffungskosten zu relativieren, hat die Bundesregierung mehrere Investitionsförderprogramme eingeführt. Im Jahr 2022 wurden die Förderbedingungen angepasst und der Umweltbonus wurde reduziert. Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEVs) werden nicht mehr durch den Umweltbonus gefördert. Zudem sind ab September 2023 nur noch private Halter förderberechtigt, und 2024 wird der Umweltbonus weiter gesenkt.


Die Unsicherheit der Fahrzeugkäufer bei der Auswahl eines geeigneten Antriebs hat infolgedessen zugenommen. Um diese Unsicherheiten zu verringern, wurde von den Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) ein Vergleich von ausgewählten Pkw-Modellen mit verschiedenen Antriebsarten entwickelt. Dieser TCO-Vergleich zeigt die Gesamtkosten der Nutzung in Abhängigkeit von der Ladeinfrastruktur und möglichen Änderungen der Förderung und Energiepreise. TCO steht dabei für Total Cost of Ownership, also für die Gesamtkosten während der kompletten Nutzungsdauer.


Benzin vs. Strom


Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit von Investitionen wie dem Kauf eines neuen Pkw ist es wichtig, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Es ist jedoch nicht sinnvoll anzunehmen, dass die Energiepreise über die gesamte Haltedauer von bis zu 15 Jahren konstant bleiben. Es gibt mehrere Gründe dafür. Einer davon ist das im Klimaschutzgesetz festgelegte Ziel zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2030 und die Einführung einer CO2-Bepreisung. Dies wird voraussichtlich zu einer Preiserhöhung bei fossilen Kraftstoffen führen, da der CO2-Preis bis 2030 und darüber hinaus steigen wird. Gleichzeitig wird der Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung voraussichtlich zu einem Rückgang der Strompreise führen. Aufgrund dieser Faktoren werden für den Vergleich keine konstanten Energie- und Kraftstoffpreise angenommen.


Die Berechnungen basieren auf Energiepreisen, die angepasst an das durchschnittliche Preisniveau des Jahres 2022 an die angenommene Entwicklung in den Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland (Krail et al. 2021) angelehnt sind.


Um eine Vorstellung dafür zu bekommen, wie sich diese Preisentwicklungen auf die durchschnittlichen Energie- bzw. Kraftstoffkosten über die Jahre auswirken, wird in Abbildung 2 (nächste Seite) ein Vergleich der Energie bzw. Kraftstoffkosten für 100 gefahrene Kilometer pro Antriebsart dargestellt.


Für BEV ergibt sich nach dem Spritmonitor ein realer Durchschnittsverbrauch von 18,9 kWh/100 km, für PHEV zwischen 4,5 und 5,5 Liter/100 km, für Diesel 6,75 Liter/100 km und für Benziner 7,37 Liter/100 km.


Während die Angaben für diese Fahrzeuge im repräsentativen Bereich liegen, sind die Angaben für Brennstoffzellenfahrzeuge auf Grund der geringen Bestandszahl nicht repräsentativ. Die Darstellung zeigt den auch unter den aktuell hohen Strompreisen noch deutlich sichtbaren Kostenvorteil von Stromern gegenüber Verbrennern, der sich über den Zeitverlauf mit den zu erwartenden Änderungen der Energiepreise noch stärker abzeichnet.

Sind es im Jahr 2023 noch 2,22 € pro 100 km Kostenvorteil des Elektrofahrzeugs gegenüber einem Verbrenner mit Ottomotor, steigt der Kostenvorteil im angenommenen Szenario bis 2037 auf über 7 € an.


Um einen sinnvollen Vergleich zwischen Fahrzeugen mit verschiedenen Antriebsarten zu ermöglichen, wurden für die Auswertung die im Jahr 2022 am häufigsten zugelassenen Pkw-Modelle innerhalb der jeweiligen Fahrzeugsegmente ausgewählt. Die großen Preisunterschiede machen einen Vergleich nur innerhalb dieser Segmente sinnvoll.


Reine Elektrofahrzeuge (sowie Brennstoffzellenfahrzeuge) bieten über die gesamte Nutzungsphase hinweg Kostenvorteile. Diese ergeben sich aus geringeren Energiekosten im Vergleich zu Verbrennungsmotoren sowie dem Wegfall der Kfz-Steuer und der Inanspruchnahme einer jährlichen THG-Quote.


Die Auswertung umfasste Fahrzeuge aus den Segmenten Mittelklasse, SUV, Kompaktklasse und Kleinwagen. Bei Elektrofahrzeugen der Mittelklasse und SUV ist der Kostenvorteil gegenüber Verbrennungsmotoren bereits innerhalb von drei Jahren erreicht. Bei elektrifizierten Kleinwagen dauert es hingegen fünf bis acht Jahre, bis die Kostenparität erreicht ist.


In der Mittelklasse belaufen sich die Kostenvorteile von reinen Elektrofahrzeugen bereits nach drei Jahren auf 5.100 bis 6.500 Euro im Vergleich zu Benzinern. Nach zehn Jahren steigt der Kostenvorteil sogar auf 7.800 bis 11.200 Euro an.


Für die Auswertung wurden als „BEV“ ein Tesla Model 3 Standard Range Plus sowie als „BEV2“ ein Polestar 2 Standard Range Single Motor ausgewählt und mit einem Passat Variant 1.5 TSI OPF als Benziner und einem Passat Variant 2.0 TDI SCR DSG als Diesel verglichen. PHEV (BMW 320e Steptronic) sowie FCEV (Toyota Mirai) sind im Segment der Mittelklasse angesichts der TCO zumindest kostenseitig die schlechtesten Antriebsoptionen.


Anschaffungskosten entscheidend


Die Kostenkomponenten einer TCO-Rechnung verdeutlichen das hohe Gewicht der Anschaffungskosten. Bei Fahrzeugmodellen der Mittelklasse machen die Anschaffungskosten bei einer Haltedauer von zehn Jahren einen Anteil von 63% (BEV und Benziner) bis 67% (PHEV und Diesel) aus. Durch die Anschaffung der Ladeinfrastruktur, steigt dieser Anteil um etwa 2%.


Im Laufe der Haltedauer haben BEV jedoch einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Benzinern, da die Energiekosten nur 13% bis 14% der gesamten TCO ausmachen, verglichen mit 19% bei Benzinern. Die Kosten für Inspektion, Wartung und Instandhaltung bewegen sich zwischen 9% und 13%, während die Versicherungskosten zwischen 7% und 8% liegen. Die Kfz-Steuer hat mit maximal 2,5% der TCO (beim Diesel) nur einen geringen Einfluss auf den Kostenvergleich.




Einfluss der Ladeinfrastruktur


Es steht außer Frage, dass die Energie- bzw. Kraftstoffkosten einen erheblichen Einfluss auf den Kostenvergleich haben. Daher spielen die Rahmenbedingungen und die Kosten für das Laden eines E-Autos eine wichtige Rolle.


Nutzer von E-Autos, die ihre Fahrzeuge an ihrer eigenen Photovoltaikanlage mit Überschussladung aufladen können, haben einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber jenen, die auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sind. Bei vorrangiger Nutzung des selbst produzierten PV-Stroms könnten die Energiekosten für ein BEV um ca. 60% günstiger sein. Im Gegensatz dazu müssten diejenigen, die zu 100% auf öffentliche Ladestationen angewiesen sind, bis zu 42% höhere Energiekosten einplanen.


Die Abbildung 4 veranschaulicht die Unterschiede bei den Kostenvorteilen eines BEV im Vergleich zu einem Benziner in der Mittel- und Kleinwagenklasse für die beiden betrachteten Ladeprofile. Die Nutzung des selbst produzierten PV-Stroms kann die Kostenvorteile eines BEV gegenüber einem Benziner für drei Jahre Haltedauer um zusätzliche 2.500 € (Mittelklasse) bzw. 2.700 € (Kleinwagen) steigern und für 15 Jahre Haltedauer sogar um 11.000 € (Mittelklasse) bzw. 12.000 € (Kleinwagen) erhöhen.


In jedem Fall zeigt sich, dass zumindest bei Fahrzeugen der Mittelklasse eine hundertprozentige Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur mit höheren Strompreisen trotzdem zu einem TCO-Vorteil für den Nutzer führt.


Wiederverkaufswert


Viele Autokäufer vernachlässigen bei ihrer Entscheidung für einen Antrieb die Möglichkeiten des Wiederverkaufs und die Werte ihrer gebrauchten Fahrzeuge. Die Einschätzung der Restwerte wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Nach dem Dieselskandal wurden die Restwerte von Dieselautos stark reduziert. Ein aktuell diskutiertes Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035, das von der EU vorgeschlagen wurde, hat auch das Potenzial, die Restwerte von konventionellen Fahrzeugen negativ zu beeinflussen. Im Gegensatz dazu liegen die Wiederverkaufswerte von jungen gebrauchten Elektrofahrzeugen derzeit deutlich über denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Gleichzeitig besteht jedoch die Möglichkeit, dass ein Technologiefortschritt bei Elektrofahrzeugen zu unerwarteten Wertverlusten führt. Der Einfluss der Wiederverkaufswerte ist aus diesen Gründen schwer abzuschätzen.


Fazit


Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Fahrzeugsegmenten. In den höherpreisigen Segmenten wie der Mittelklasse und SUV wird die Kostenparität zwischen Elektrofahrzeugen (BEV) und Verbrennungsmotoren bereits nach drei Jahren Haltedauer erreicht. In der Kompaktklasse und insbesondere bei Kleinwagen mit ihren derzeit noch hohen Anschaffungspreisen dauert es jedoch deutlich länger. Hier sind die Kostenvorteile nur geringfügig. Das verdeutlicht die Bedeutung der Förderung durch den Umweltbonus und die Innovationsprämie, insbesondere in den unteren Fahrzeugsegmenten, bis sich die Preise von Elektrofahrzeugen und Verbrennungsmotoren deutlich angleichen.


Langfristig haben hohe Strompreise oder steigende fossile Kraftstoffpreise nur begrenzte Auswirkungen auf den Kostenvergleich zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennungsmotoren.


//Quelle: NOW (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie)//

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