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  • Andreas Sturm

Werden die Stromer bald günstiger – oder nicht? Ein Blick nach vorne

Die sollen einen wesentlichen Beitrag zu der Verkehrswende leisten – die Elektroautos. Doch bisher sind die reinen Stromer und die Hybridfahrzeuge noch deutlich teurer als die Wagen mit Verbrennermotoren. Wie Verkehrsminister Volker Wissing einschätzt, liegt der Durchschnittspreis für E-Autos aktuell bei mehr als 40.000 Euro.


Doch im Laufe dieses Jahres sind die Preise in Bewegung gekommen. Vorreiter hier ist Tesla. Bereits zweimal hat der US-amerikanische Hersteller in diesem Jahr die Preise für seine gesamte Fahrzeugpalette gesenkt. Das macht Druck, nicht nur auf die deutschen Autohersteller. Ein Grund dafür ist, dass nach Pandemie und Lieferengpässen die hohen Preise durch geringere Abkäufe nun wieder sinken.


Besonders dramatisch ist der Preiskampf in China. Hier drängen immer mehr einheimische Automarken auf den Elektroautomarkt. Um den sinkenden Marktanteilen entgegenzuwirken, hat der Volkswagen-Konzern den Preis für sein Elektroauto ID.3 auf umgerechnet 15.000 Euro inklusive Förderung gesenkt. In Deutschland wird der Wagen für 40.000 Euro vor Förderung verkauft, ist jedoch nicht vollständig identisch zu dem Modell, das VW in China verkauft.


Mehr als vier Millionen Stromer


Weltweit wächst die Zahl der Neuzulassungen von Elektroautos. So wurden in den ersten sechs Monaten in China, Europa und den USA mehr als vier Millionen vollelektrische Autos angemeldet. So steigt der Anteil der E-Autos an der Anzahl der insgesamt zugelassenen Fahrzeuge, wie ein Bericht des Center of Automotive Management (CAM) zeigt. Besonders hoch ist dieser Anteil in China. 23 Prozent der in den ersten sechs Monaten zugelassenen Fahrzeugen waren vollelektrisch. In Europa lag der Anteil im gleichen Zeitraum dagegen bei 14,3 Prozent und in den USA bei 7,3 Prozent.


In Deutschland spitzt sich der Absatzkampf zwischen VW und Tesla zu. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden in den ersten sechs Monaten 36.400 Teslas und 34.400 VW-Elektroautos neu zugelassen. Damit hat der Volkswagen-Konzern den amerikanischen Konkurrenten fast eingeholt. Dieser Absatzkampf wird laut Branchenexperten von VW und anderen Marken durch Preisnachlässe verschärft.


Aggressiver Preiskampf


Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research erwartet in Europa einen heftigen Preiskampf im Elektrosegment. In einem Gespräch mit dem TV-Sender n-tv sagte Dudenhöffer „Tesla hat in den vergangenen 15 Monaten deutlich mehr Fahrzeuge produziert als verkauft, und in China kann der Hersteller seine Autos nicht mehr mit Rabatten auf den Markt werfen. Dadurch verlagert sich der Preiskrieg nach Europa.“


Noch boomt der Verkauf von Elektrofahrzeugen. Doch die Zuwächse sind keineswegs mehr so hoch wie im vergangenen Jahr. Das liegt vor allem an den gesunkenen Umweltzuschüssen. Durch die hohe Nachfrage 2022 wurden die Produktionszahlen der Autohersteller entsprechend stark erhöht und die Preise blieben hoch. Trotzdem kam es im vergangenen Jahr zu langen Wartezeiten für die Neuwagen.


Jetzt, da es bei den Herstellern nicht mehr so gut läuft, ist damit zu rechnen, dass die schwächelnde Nachfrage gezielt mit Rabatten wieder angekurbelt werden soll. Bei VW wurde angesichts dieses aktuellen Negativtrends im Juni sogar die Produktion von Elektroautos in Emden vorübergehend gedrosselt.


Hohe Herstellungskosten


Wenn auch manche Aufwendungen wieder gesunken sind, bleiben doch Tarife, die höher sind als vor der Corona-Pandemie. „Der Kosten- und Konsolidierungsdruck auf die Autobauer steigt, da die Margen der Elektromobilität bei vielen etablierten Volumenherstellern gering oder negativ sind“, erklärt der CAM-Branchenexperte Stefan Bratzel. Um weiterhin den Abverkauf von Elektroautos hochzuhalten, sei es wichtig, dass das Modellangebot von preisgünstigen Fahrzeugen weiterhin gesteigert wird.


Kostentreiber Batterie


Das ist für Hersteller mit einem Komplettangebot von Benzinern, Dieselmodellen und auch Stromern nicht so einfach. Ein Kostentreiber, gerade bei den Elektromobilen, sind die Batterien. Deshalb fordert Bratzel die Akkus von der Angst zu trennen, keine hohe Reichweite zu haben. Die einfache Formel würde für ihn dann lauten, weniger Reichweite für günstigere Batterien. Im Umkehrschluss heißt das aber auch wieder, dass das Schnellladenetz konsequent weiter ausgebaut werden muss.


Die Akkus bilden vor allem wegen ihrer Bestandteile ein Preisproblem. Denn die Preise für Lithium, Kobalt und andere Rohstoffe sind weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. So bleibt es die Aufgabe aller Autohersteller, die Herstellungskosten an anderen Schnittstellen weiter zu optimieren. Einzelne Hersteller bieten inzwischen die Möglichkeit an, Batterien für E-Autos zu mieten, anstatt sie zu kaufen.


Dem ADAC zufolge können sich immer mehr Menschen vorstellen, in Zukunft ein Elektroauto zu fahren. In einer Umfrage der ADAC-Autoversicherung halten es 24 Prozent für wahrscheinlich, dass sie sich als nächstes Auto ein E-Auto kaufen werden. Und sogar neun Prozent sind sich sicher, dass es ein Vollstromer sein wird. Wichtigster Aspekt für diese Entscheidung ist dabei die Frage des Klimaschutzes. Für ganze 65 Prozent ist das der Entscheidungsgrund Nummer eins. Doch auch schon in diesem Jahr ist auf den Straßen deutlich zu erkennen, dass immer mehr E-Autos unterwegs sind. So betrug der Stromeranteil an den Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland 16 Prozent.


Bestandteile der Autobatterie


Der Akku ist in einem Elektroauto das größte und teuerste Bauteil. Es können Preise von 6.000 bis 20.000 Euro pro Batterie anfallen. Mehrere Module müssen zusammenarbeiten, um die Fahrleistung von 15 bis 30 Kilowattstunden (kWh) zu erreichen. In jedem Modul befinden sich Hunderte einzelne Zellen. In den aktuellen Elektroautos haben sich Lithium-Ionen-Akku durchgesetzt. Um diese Batterien herzustellen, werden Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit oder Mangan benötigt. Dies sind nicht nur teuer, sie stehen auch stark in der Kritik, weil der Abbau der Rohstoffe in den Herkunftsländern zu großen Umweltschädigungen führt und oft genug auch noch mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht wird.


Gibt es einen Unterschied zwischen der herkömmlichen Autobatterie und einem Akku? Nein, es gibt keinen gravierenden, denn der Begriff Batterie ist der Oberbegriff für Energiespeicher jeder Art. Jeder Akku ist somit eine Batterie. Eine einfache Batterie, beispielsweise in einem Fahrzeug mit Verbrenner-Motor, ist jedoch kein Akku. Akkumulatoren (Akkus) können im Unterschied zu den Autobatterien immer wieder neu aufgeladen werden und ihre Leistung an den E-Motor wieder abgeben.


E-Autos liegen im Trend


Mit 41 Prozent landete der Umweltbonus auf Platz 3 bei den Käuferentscheidungen in der ADAC-Umfrage. Doch dieser Anreiz wird immer mehr sinken. Von 2022 auf 2023 sank der Bundesanteil bereits um 1.500 Euro. Ab 1. Januar 2024 werden es wieder 1.500 Euro weniger sein und 2025 soll der Umweltbonus ganz gestrichen werden. Zudem fällt seit Jahresbeginn die Förderung für Plug-In-Hybride weg und ab September 2023 wird der Umweltbonus nur noch an Privatpersonen gezahlt. Firmen- und Dienstwagen fallen aus der Förderung heraus.


Dies erhöht natürlich nicht den Anreiz, sich ein Elektroauto anzuschaffen. Aber auch die Aussichten für die Verbrenner sind nicht günstiger. So werden die steigenden CO2-Preise dafür sorgen, dass Benzin und Diesel immer teurer werden. Für die Kunden bleibt zu hoffen, dass die weitere Entwicklung auch günstigere Elektroautos möglich macht und den wegfallenden Umweltbonus damit wieder ausgleicht.


Wachsende Konkurrenz aus Fernost


Auch wenn aus europäischer Sicht der Absatzkampf vor allem zwischen Tesla und der VW Group tobt: Der Anteil der Fahrzeuge von chinesischen Herstellern wächst rasant. So konnte BYD aus China laut Center of Automotive seinen Absatz im ersten Halbjahr 2023 auf 617.000 Fahrzeuge erhöhen. Das ist ein Zuwachs von 90 Prozent. Der US-Hersteller Tesla führt zwar noch mit 889.000 Auslieferungen, hat aber nur einen Zuwachs von 57 Prozent.


Neben BYD streben weitere chinesische Hersteller von Elektromobilen auf den europäischen Markt – wie Aiways, Nio, Ora (GWM), MG (SAIC), Lynk & Co., JAC und andere. Die Verkaufsangebote der asiatischen Konkurrenz liegen in der Regel unter den Preisen der westlichen Hersteller. Die niedrigeren Produktionskosten, bedingt durch geringere Lohn- und Entwicklungskosten, sind dafür ausschlaggebend. Die chinesischen Hersteller bieten ein umfangreiches Modellspektrum vom Kleinwagen über SUV bis zu sportlichen Limousinen.


Neue Qualität made in China


Die chinesischen Autobauer wollen neben dem Preisvorteil auch noch mit Innovationen punkten. So bietet Nio einen Batterietausch als Innovation zu der Reichweitenproblematik. Dazu sollen in Partnerschaft mit dem Mineralölkonzern Shell entsprechende Stationen für den schnellen Akkutausch aufgebaut werden. Auch in Nischen, die europäische Hersteller nicht mehr füllen wollen, stoßen die Chinesen. Dazu zählt unter anderem das Kleinwagengeschäft von dem sich Mercedes, BMW und Audi aus Rentabilitätsgründen verabschiedet haben.


Lange Zeit galten chinesische Autos gemessen an Sicherheits- und Qualitätsaspekten als wenig empfehlenswert. In den letzten Jahren haben die Hersteller aus dem Reich der Mitte jedoch intensiv daran gearbeitet, sich auch in diesen Bereichen weiterzuentwickeln und Anschluss an das westliche Niveau zu erreichen. So besitzen die modernen Modelle jetzt Sicherheitsfunktionen wie Airbags, ABS, ESP und auch Kollisionswarnsysteme. Dementsprechend erhielten Fahrzeugmodelle von Nio, Ora, Wey und Lynk & Co in Sicherheitstests der europäischen Crashtest-Gesellschaft Euro NCAP Bestwerte von fünf Sternen. Bei weniger bekannten Marken können allerdings weiterhin noch gewisse Unterschiede zu den europäischen Standards bestehen.


In Punkto Qualität wurde in China viel in moderne Fertigung investiert, die Standards allgemein angehoben. Dennoch kann es auch in diesem Bereich noch zu Unterschieden zwischen den einzelnen Modellen kommen. Es ist ratsam, sich unabhängige Testberichte anzusehen, ehe man überlegt, sich einen preisgünstigen chinesischen Wagen zu kaufen. In Fragen der Zuverlässigkeit gibt es ebenfalls noch Unterschiede. Um Autos preisgünstig anbieten zu können, verzichtet mancher Hersteller auf hochwertige Materialien und gute Verarbeitung, wie es bei europäischen Marken üblich ist.


Fazit


Es spricht zwar einiges dafür, dass angesichts fallender Preise und Überproduktionen die Hersteller versuchen werden mit Rabatten den Absatz wieder anzukurbeln. Dem steht allerdings der immer geringer werdende und bald auslaufende Umweltbonus entgegen. Es liegt an den staatlichen Rahmenbedingungen und den Herstellern, die Elektroautos preislich höchst attraktiv für den Massenmarkt zu gestalten, damit sie tatsächlich zum entscheidenden Bestandteil der Energiewende werden können.



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