top of page

Best in Class: Die Jury des E-Auto-Fachpreises im Gespräch

  • Autorenbild: Armin Grasmuck
    Armin Grasmuck
  • vor 7 Stunden
  • 10 Min. Lesezeit

BEST IN CLASS: Die hochkarätig besetzte Jury kürt und prämiert die herausragenden Elektroautos des Jahres. Den einzigartigen Fachpreis betrachten die Mitglieder dieses Expertenkreises selbstverständlich aus verschiedenen Blickwinkeln.

Michael Jost Head of Group Strategy Product und CSO Volkswagen Brand a.D.  Bild: Volkswagen
Michael Jost Head of Group Strategy Product und CSO Volkswagen Brand a.D. Bild: Volkswagen

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Die wirklich entscheidenden Eigenschaften eines großartigen Autos sind für mich zunächst einmal völlig unabhängig vom Antrieb: Design, Komfort, Package, Anmutung, Markenwelt, Service-

Erlebnis – all das entscheidet darüber, ob Menschen sich emotional mit einem Fahrzeug verbinden. Das Elektroauto bringt darüber hinaus seine eigene Magie mit: diese unmittelbare Beschleunigung, dieses lautlose Gleiten. Das ist kein technischer Vorteil mehr – das ist ein neues Fahrerlebnis. Das echte Differenzierungspotenzial entsteht aber an anderer Stelle: in der intelligenten Nutzung von Energie und in der radikalen Vereinfachung des Alltags.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Wir stehen immer noch mitten in einem mentalen Übergang. Technologisch ist vieles längst möglich – gesellschaftlich fehlt aber oft noch die echte Überzeugung. Vor allem fehlt mir der Mut vieler Menschen in Verantwortung, sich wirklich unabhängig vom Fossilen zu machen. Gerade Europa verschenkt derzeit leichtfertig enorme Wertschöpfungspotenziale. Umso wichtiger ist es, dass die E-Mobilität aus der Nische kommt, für breite Bevölkerungsschichten erreichbar wird. Genau dort entscheidet sich die Zukunft. Eine epochale Transformation kann man nicht einfach dem Markt überlassen. So etwas muss strategisch gestaltet werden.


Welches ist das nächste „Big Thing“ der großen Transformation?


Ich sage: Think bigger! Wir müssen das Automobil aus dem klassischen Blechverarbeitungsdenken herausholen. Ich kenne keinen relevanten Automobilhersteller mit einem Enterprise Value weit über 100 Milliarden Dollar. Aber ich kenne praktisch keinen bedeutenden Plattformanbieter, der darunterliegt. Der eigentliche Wert der Zukunft entsteht nicht mehr nur durch Hardware – sondern durch Plattformen, Software, Daten und intelligente Services. Deshalb geht es jetzt nicht mehr um Optimierung. Es geht um Überlebensfähigkeit. Die Arche Noah hatte am Ende auch nicht Platz für alle – sondern für die Richtigen.

Kurt Sigl Mobility Consultant, Gründer, langjähriger Präsident Bundes-verband E-Mobilität Bild: Mobility Consultant
Kurt Sigl Mobility Consultant, Gründer, langjähriger Präsident Bundes-verband E-Mobilität Bild: Mobility Consultant

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Der Gewinner des Awards sollte folgende Attribute vorweisen können: bidirektionale Ladefähigkeit, selbstverständlich Schnellladefähigkeit, eine

moderne Optik das Äußere betreffend und eine feine Haptik im Innenraum. Klar übersichtlich und selbsterklärend. Kompakt und nicht monströs.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Derzeit in erster Linie an den Zulassungszahlen und am Schub auf dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge. Nicht zuletzt auch an der Berichterstattung der Mainstream-Medien. Leider verunsichert die Politik die Verbraucher noch.


Wie kann ein Elektroauto besonders effizient und umweltfreundlich betrieben werden?


Ein E-Auto sowie übrigens auch ein E-Zweirad ist grundsätzlich effizient und ja, auch hier geht es immer ein Stück besser – in der Kombination mit den Erneuerbaren. Oder wie ich es seit 17 Jahren formuliere: Energie- und Mobilitätswende gehören einfach zwingend zusammen gedacht und umgesetzt.

Astrid Witzany Geschäftsführerin Witzany GmbH, Kongress-managerin El-Motion Bild: elmotion
Astrid Witzany Geschäftsführerin Witzany GmbH, Kongress-managerin El-Motion Bild: elmotion

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Ein Elektroauto sollte in der heutigen Zeit nicht nur über den gleichen Komfort eines gewöhnlichen Kfz verfügen, damit meine ich die Reichweite im Sommer mit Klimaanlage wie Winter mit Heizung, sondern auch die Möglichkeit haben, schnell die Batterie laden zu können.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Sobald ein E-Fahrzeug preislich wie auch vom Komfort äquivalent zum Verhalten der Konsumenten ist, gewinnt es an Relevanz. Kunden kaufen Fahrzeuge und an deren Bedürfnisse sollte sich die Technologie anpassen, nicht andersherum.


Wie können Unternehmen ihre Fuhrparks und Flotten idealerweise elektrifizieren?


Da ist die Sicht auf das Fahr- und Nutzungsverhalten der Mitarbeiter ein entscheidender Punkt. Im E-Lkw-Bereich sind mehrere Themen relevant: Einerseits das Thema Nachhaltigkeit und VSME, besonders aus Zustellverkehr- und Frächtersicht, andererseits die Förderungen. Im Pkw-Bereich ist in Österreich gerade die Diskussion wegen dem Sachbezug entbrannt, wobei da ehrlicherweise anzumerken ist, dass dieser dann noch immer weit unter dem Sachbezug eines Hybrids respektive Verbrenners liegt. Für Unternehmen sind immer die Kosten entscheidend und entsprechend wird sich auch die Technologie entscheiden.

Harald Gutzelnig Verleger, Gründerelektroauto-datenbank.com Bild: electricar
Harald Gutzelnig Verleger, Gründerelektroauto-datenbank.com Bild: electricar

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Das Gewinnerauto muss mehr sein als ein Fahrzeug mit guten Laborwerten. Entscheidend sind ein überzeugendes Gesamtpaket aus Effizienz, Reichweite, Ladeleistung, Sicherheit, Alltagstauglichkeit und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Best-in-Class-Modell sollte zeigen, dass Elektromobilität nicht mehr Verzicht bedeutet, sondern in Komfort, Bedienung und Fahrfreude mindestens auf Augenhöhe mit klassischen Antrieben liegt.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Man erkennt es daran, dass die Diskussion nicht mehr nur von Technikbegeisterten geführt wird. Heute fragen Familien, Pendler, Gewerbetreibende und Dienstwagenfahrer ganz konkret nach Reichweite,

Ladezeiten, Leasingraten, Stromkosten und Wiederverkaufswert. Sobald nicht mehr die Frage lautet, ob ein E-Auto grundsätzlich funktioniert, sondern welches Modell am besten zum eigenen Alltag passt, ist die breite Mitte erreicht.


Welche Kerndaten sind beim Kauf eines E-Autos entscheidend?


Die wichtigsten Kerndaten sind reale Reichweite, Verbrauch, Ladeleistung und Ladezeit – idealerweise nicht nur nach Prospekt, sondern unter Bedingungen des Alltags. Dazu kommen Batteriekapazität, Effizienz, Garantiebedingungen, Softwarequalität, Platzangebot und natürlich der Preis. Am Ende zählt nicht der einzelne Spitzenwert, sondern wie stimmig das Gesamtpaket im Alltag funktioniert.

Christoph Knogler Chief Executive Officer Keba Group AG Bild: Keba
Christoph Knogler Chief Executive Officer Keba Group AG Bild: Keba

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Das Gesamtpaket muss stimmen. Mich begeistern E-Autos, die in Ihrer Klasse keinen Grund mehr offen lassen, vom Verbrenner auf Elektro zu wechseln. Dazu gehören Alltagstauglichkeit, Features und Technik, Spitzigkeit und auch

ein tolles Design. Und als Keba Group achten wir natürlich ganz speziell auf die Spezifikationen, was das Laden betrifft.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Am Straßenbild. Es sind zwar erst rund fünf Prozent der österreichischen und deutschen Gesamtflotte rein elektrisch. In den Städten und auf den Autobahnen sind E-Fahrzeuge aber keine Seltenheit mehr. Wichtig wird, dass ein gesunder Gebraucht-E-Automarkt entsteht, auf dem die vielen E-Firmenwagen in private Hand wechseln. Alles eine Frage der Zeit – und je schneller, umso besser für die Energiewende und das Klima.


In welchen Bereichen hat die Ladeinfrastruktur das größte Potenzial?


In allen. Unverändert bleibt, dass ein E-Auto immer dort geladen und entladen werden sollte, wo es parkt. Zuhause, am Arbeitsplatz und im Urlaub beim Hotel – mit niedriger Leistung, was die Netze schont. Außerdem will und muss die „Batterie auf vier Rädern“ bewirtschaftet werden, wenn Sektorenkopplung gelingen soll und Sonnen- bzw. Windstrom auch bei Nacht und Flaute zur Verfügung stehen soll. Bi-di macht das in AC und DC möglich. Mega-Potenzial bietet zudem das Schnellladen im E-Auto – aber vor allem auch im Bereich der E-Lkw. Um den Schwerverkehr zu elektrifizieren, braucht es noch jede Menge Schnellladepunkte entlang den Autobahnen und in den Logistikzentren.

Matthias Groher Geschäftsführer Institut Neue Mobilität Bild: Institut Neue Mobilität
Matthias Groher Geschäftsführer Institut Neue Mobilität Bild: Institut Neue Mobilität

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Um was es nicht geht: PS und maximale Reichweite. Sondern vielmehr um: im Alltag, auf der Langstrecke, bei Kosten, Sicherheit und Nachhaltigkeit besonders ausgewogen überzeugen. Schön im Sinne von Design und Emotion. Auch innovative Technik, natürlich Sicherheit und schließlich muss Preis-Leistung stimmen.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Es geht heute zum Glück endlich weniger um Ideologie und mehr um praktische Fragen: Was kostet mich das Auto im Monat? Wie weit komme ich wirklich? Wo kann ich laden? Passt es zur Familie, zum Pendeln, zum Urlaub? Harte Marktzahlen: der Anteil an batteriegetriebenen Fahrzeugen liegt mittlerweile bei 19,1 Prozent. Damit ist das E-Auto nicht mehr Randerscheinung, sondern ein relevanter Teil des Neuwagenmarkts. Ich kenne Autohändler bei denen sind 70 Prozent der Neuwagen rein elektrisch.


Welche Newcomer werden in der Branche kurz- und mittelfristig nachhaltig Akzente setzen?


Spannende Frage, weil ja Newcomer nicht automatisch Gewinner

bedeutet. Die Newcomer, die wirklich nachhaltig Akzente setzen, sind nicht zwingend die lautesten Marken, sondern die, die drei Dinge gleichzeitig schaffen: bezahlbare Produkte, technologische Differenzierung und ein belastbares Vertriebs- und Servicenetz. Letzteres ist für mich sogar das wichtigste nach dem alten Grundsatz „Autos kaufen keine Autos, Menschen kaufen Autos.“

Johann Tomforde Professor und Diplomingenieur, GF Teamobility GmbH, Strategieberater, Designer, Erfinder des Smart Bild: GF Teamobility GmbH
Johann Tomforde Professor und Diplomingenieur, GF Teamobility GmbH, Strategieberater, Designer, Erfinder des Smart Bild: GF Teamobility GmbH

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Es muss kein Beschleunigungs- und Reichweitenweltmeister sein! Für den weiteren Durchbruch der Elektromobilität braucht es meines Erachtens mehr universell einsetzbare und alltagstaugliche Elektroautos zu fairen Preisen und hoher Werterhaltung. Also ein E-Auto, das für unsere europäischen Verkehrsverhältnisse und Fahrgewohnheiten bestens geeignet und nicht mit unnötigen Features überfrachtet ist.



Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Die Mobilität von morgen und welches Antriebssystem ist dafür nachhaltig sinnvoll? Womit halten wir uns zukünftig individuell mobil? Diese Fragen beschäftigen die Mitte der Gesellschaft spätestens seit der Nahost- und Iran-Krise noch intensiver.


Was ist der Schlüsselfaktor der großen Transformation?


Wenn wir es in den nächsten paar Jahren nicht hinkriegen, speziell in den Urbanisationen, also überall dort, wo E-Autos am meisten Sinn machen und parken, eine funktionierende und leicht zugängliche Ladeinfrastruktur zu installieren, die bestenfalls auch das bidirektionale Laden ermöglicht, vergeben wir die Chance einer großen Transformation.

Ursula Kloé Managing Partner Ju-Know GmbH Bild: JU-KNOW GmbH
Ursula Kloé Managing Partner Ju-Know GmbH Bild: JU-KNOW GmbH

Welche Attribute sollte das E-Auto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Wichtig ist ein überdurchschnittlich stimmiges Gesamtpaket aus Technik, Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit, Innovation und Design. Die Reichweite ist entscheidend für die Kundenzufriedenheit, die Ladeleistung muss der Alltagsrealität entsprechen, die Software muss eine gute Navigation mit Ladeplanung, Echtzeitverbrauch, Smartphone-Integration und Over-the-Air-Updates bieten. Wichtig sind auch innovative und recycelte oder recyclingfähige

Materialien. Und neben den Fakten muss das Fahrzeug auch über das Fahr- und Innenraumerlebnis begeistern können.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Es gibt inzwischen Elektroautos in allen Segmenten, wir sehen steigende Zulassungszahlen und damit mehr und mehr E-Autos auf den Straßen. Sie werden von immer mehr Menschen ohne Probleme im Alltag, zum Pendeln und für Urlaubsfahrten genutzt. Und mit den vielen Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum wird parken und laden zunehmend zur Normalität. Genau das ist für die breite Mitte wichtig: zu sehen, dass es funktioniert und dass diejenigen, die es nutzen, gut zurechtkommen und zufrieden damit sind. Und, last but not least, sehen wir einen Imagewandel: Elektromobilität wird mehr und mehr mit Fahrspaß und Design verbunden, gilt als modern, zukunftsorientiert, und attraktiv.


In welchen Bereichen hat die Verkehrswende noch Aufklärungsbedarf?


Bei der Elektromobilität gibt es bei denjenigen, die sie noch nicht kennen, nach wie vor Informationsdefizite bei Reichweite und Alltagstauglichkeit. Insbesondere das Thema „Laden unterwegs“ wirft bei Interessierten und Neueinsteigern Fragen auf: Wo kann ich laden? Wie kann ich laden? Mit welcher Ladekarte? Wie funktioniert Roaming? Und bei gebrauchten Elektroautos, die ein guter Einstieg wären, ist die Unsicherheit groß, was den Wertverlust und die Haltbarkeit der Batterie angeht. Wir wissen um diesen Aufklärungsbedarf und bieten zum Beispiel im Rahmen des e4 Testivals, bei dem auch der BEST IN CLASS Award verliehen wird, Informations- und Austauschformate an, um hier mehr Klarheit zu schaffen und Entscheidungssicherheit zu bieten.

Christian Clerici Fernsehjournalist, Moderator, Produzent, Autor und Unternehmer, Head of Content & Creation bei Vibe Bild: vibe
Christian Clerici Fernsehjournalist, Moderator, Produzent, Autor und Unternehmer, Head of Content & Creation bei Vibe Bild: vibe

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Für mich disqualifiziert sich jedes Auto, das nach Kompromiss riecht – also keine Resterampe aus dem Verbrenneruniversum, der man nachträglich eine Batterie verpasst hat. Ein Award-Auto muss von Grund auf elektrisch gedacht sein, nicht elektrisch nachgerüstet. Dann die Hausaufgaben: ehrliche Reichweite, die auch im Januar bei Minusgraden hält, und Laden, das schneller geht als mein Kaffee an der Raststation. Aber das ist nur die Eintrittskarte. Die eigentliche Frage ist eine andere: Macht das Auto Lust? Ich will dieses Grinsen beim Ampelstart. Und ein Siegerauto sollte schon weiterdenken – bidirektional laden, Strom also nicht nur ziehen, sondern auch abgeben können. Ein Auto, das zum rollenden Kraftwerk wird. Das gewinnt bei mir.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Ehrlich gesagt, erkenne ich es nicht an den Hochglanzmagazinen, sondern am Boulevard. In dem Moment, wo das Boulevardblatt plötzlich eine gute Nachricht über erneuerbare Energien bringt statt der nächsten Untergangsgeschichte, weiß ich: Jetzt ist es in der Mitte angekommen. Das zweite Signal sehe ich täglich bei Vibe – der überwiegende Teil unseres Geschäfts läuft über Firmenflotten. Das heißt, das E-Auto kommt nicht über den Öko-Pionier mit Eigenheim und Photovoltaik in die Gesellschaft, sondern über den Außendienstmitarbeiter, die Pflegekraft, den ganz normalen Dienstwagen. Und das dritte: Es wird nicht mehr ideologisch diskutiert, sondern gerechnet. Wenn die Leute anfangen zu rechnen statt zu glauben, dann ist ein Thema erwachsen geworden.


Was entgegnen Sie den Autofahrern, die immer noch von Batteriephobie, Reichweitenangst und Ladepanik geplagt sind?


Zuerst einmal nehme ich diese Sorgen ernst, ich mache mich nicht darüber lustig. Wer jahrzehntelang getankt hat, dem treibt man die Routine nicht in zwei Sätzen aus. Aber dann sage ich gern: Schauen Sie sich Ihren eigenen Alltag an. Ihr Auto steht rund 90 Prozent seiner Zeit herum, und die wenigsten von uns pendeln mehr als 25 Kilometer zur Arbeit. Reichweitenangst sitzt fast immer im Kopf, selten auf der Straße. Ich gebe es ehrlich zu – meine Frau Marion und ich haben uns auf einer Venedig-Reise am Supercharger auch ordentlich gestritten. Aber das ist Jahre her. Heute lädt man in der Zeit, in der man ohnehin einen Kaffee trinkt. Mein bester Rat ist deshalb gar kein Argument, sondern eine Einladung – fahren Sie einfach zwei Wochen elektrisch. Wer das einmal gemacht hat, will meistens nichts anderes mehr. Es braucht dafür keinen Mut, nur ein bisschen weniger Angst.

Beatrice Bohlig Autorin und Geschäftsinhaberin BeHonest Bild: Beatrice Bohling
Beatrice Bohlig Autorin und Geschäftsinhaberin BeHonest Bild: Beatrice Bohling

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?


Für mich muss jeder Siegerstromer unbedingt Emotionen wecken, sein Charakter, das wahre Wesen des Wagens einnehmend sein. Schön ist, wenn das Elektrofahrzeug für möglichst breite Interessentenkreise vergleichsweise erschwinglich ist. Und mindestens ein so richtig erstrebenswertes Detail sollte gegeben sein – ganz besonders schnelles Laden der Fahrbatterie etwa oder eine überragende Reichweite.


Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?


Ich lebe in Hamburg und sehe hier immer mehr Ladestationen am Straßenrand sowie verschiedenste Wallboxen in der Nachbarschaft, im Freundes- und Bekanntenkreis. Viel öfter als früher brummt der Betrieb an all diesen Anlagen im Norden. Es ist keine Seltenheit, dass E-Autonutzer eine Weile warten müssen, bis ein Kabel frei wird.


Welche Akzente machen ein E-Auto außen wie innen einzigartig?


Das Design ist entscheidend. Beim Exterieur gefallen mir persönlich klare Linien, ruhige Flächen. Und unverwechselbare Lichtsignaturen, an der Front wie am Heck. Aber bitte nie übertreiben – opulente Ornamentik, womöglich gar schwülstiges Styling sind mir ein Graus. Im Interieur sollte das Cockpit keinesfalls beliebig wirken, sondern eine individuelle Note vermitteln. Das gelingt etwa über die Haptik von Tasten, Schaltern, Knöpfen. Für mich muss nicht alles über zig Menütiefen des Zentralmonitors zu regeln sein.

Bild: Best in Class
Bild: Best in Class

Der große Preis am Ring


BEST IN CLASS – die besten Elektroautos des Jahres werden von der Jury ermittelt sowie im Rahmen des e4 Testivals am 16. Oktober am Hockenheimring gekürt und prämiert. Bewertet werden alle in Deutschland angebotenen E-Autos anhand ihrer Spezifikationen – von der Oberklasse bis zu den Klein- und Kleinstwagen. Effizienz und Nachhaltigkeit stehen hier genauso im Fokus wie klassische Werte in den Bereichen Fahrleistung, Komfort und Qualität. Zudem gibt es spezielle Einreichkategorien, für die sich Automobilhersteller und andere Produzenten der Elektromobilität in Eigeninitiative mit ihren Modellen und Projekten bewerben können. «Bestes Design», «Bestes Familienfahrzeug», «Bestes Flottenfahrzeug», «Bestes Stadtfahrzeug» sowie «Newcomer der E-Mobilität» und «Best Global Brand» sind die Auszeichnungen in diesen Sonderklassen.

 
 
bottom of page