top of page

Elektromobile aus der Türkei: Togg startet in Deutschland durch

  • Autorenbild: Beatrice Bohlig
    Beatrice Bohlig
  • 15. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Mit digitalem Ökosystem und vielen Stationen zum Schnellladen: Der türkische Autobauer Togg möchte Elektromobilität rundum zeitgemäß ausrollen. In Deutschland sind zwei batteriegetriebene Modelle am Start.


Seit 2023 ist der E-SUV T10X in der Türkei erhältlich. Foto: Togg
Seit 2023 ist der E-SUV T10X in der Türkei erhältlich. Foto: Togg

Seit gut sieben Jahren wirkt Gürcan Karakas bereits als CEO an der Spitze von Togg. Letzteres Kürzel steht für Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu, zu Deutsch etwa Türkische Automobil-Unternehmensgruppe. Diese Industrieallianz „entwickelt vollelektrische und vernetzte Fahrzeuge“, heißt es bei Togg offiziell zum Geschäftszweck. Und die Gruppierung „schafft ein integriertes Mobilitätsökosystem, das über das Fahrzeug hinausdenkt“.


Stolze Töne kommen aus den Reihen des ersten rein türkischen Automobilherstellers überhaupt. Dazu passt die selbstbewusste Sentenz, mit der Karakas seine Präsenz auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn überschreibt: „Impossible is just an opinion!“ Möglich wird mit dieser Einstellung nachhaltig Beachtliches: Vom Elektro-SUV T10X hat Togg auf dem Heimatmarkt seit 2023 rund 70.000 Einheiten verkauft.


Nun folgt der zukunftsträchtige Schritt über die Landesgrenzen hinaus. Togg,

gegründet 2018, plant sukzessive nach Europa zu expandieren. Vor wenigen Tagen öffnete der Newcomer in Deutschland die Bestellbücher für den T10X – und zugleich für das brandneue E-Modell T10F, eine Limousine mit Fließheck. Energiegeladene Zeiten für Karakas, der vor seinem Wechsel zu Togg lange in Diensten des weltgrößten Zulieferers gestanden hatte – Bosch.


Exklusive Einblicke: Togg-CEO Karakas präsentiert die Vorzüge der E-Modelle, die jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommen. Foto: Beatrice Bohlig
Exklusive Einblicke: Togg-CEO Karakas präsentiert die Vorzüge der E-Modelle, die jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommen. Foto: Beatrice Bohlig

Und Gründe genug für electricar, den Topmanager im Togg-Werk zu besuchen, das seinen Sitz in Gemlik südwestlich der Metropole Istanbul am Marmarameer hat. Neben den Recherchen in der Provinz Bursa gab es an der Nahtstelle von Asien und Europa auch andernorts Gelegenheit zu vertiefenden Gesprächen mit weiteren Entscheidern aus Wirtschaft und Politik.


So mit Ömer Bolat. Der Handelsminister der Republik Türkei hofft einerseits von Amts wegen auf erkleckliche Exporterfolge für Togg. Andererseits kennt Bolat als Alumnus des renommierten Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) den hart umkämpften deutschen Automarkt, auf den immer mehr chinesische Konkurrenten drängen – speziell mit Stromern wie Togg. Gleichwohl ist Bolat zuversichtlich: „Die Elektromobilität wird sich durchsetzen – und Togg ist dafür bestens aufgestellt“. Das rasche Aufkommen der Rivalen aus dem Reich der Mitte beobachtet auch Baran Celik „aufmerksam und mit Respekt“, wie der Präsident des türkischen Verbands der Autoexporteure OIB einräumt. Doch Toggs spezielle Stärken machen Celik wie Bolat Mut.


Da ist Toggs aufstrebende Ladesparte namens Trugo, die in Kooperation mit spezialisierten Infrastrukturpartnern und lokalen Behörden ein Schnellladenetz mit über 2000 Stromstellen in der Türkei aufgebaut hat. Da ist Toggs digitale Plattform Trumore für allgemeine Mobilitätsanwendungen und individuelle Konfigurationsideen sowie für konkrete Bestellungen aus dem ersten Kontingent der für Deutschland bestimmten Stromer aus türkischer Produktion.


Die Togg-Stromer laufen im Werk in Gemlik - südwestlich der Metropole Instanbul - vom Band. Foto: Togg
Die Togg-Stromer laufen im Werk in Gemlik - südwestlich der Metropole Instanbul - vom Band. Foto: Togg

Attacke mit Augenmaß


Und da sind die wohlüberlegten Preise, von denen sich Togg im Wettbewerb mit E-SUV-Platzhirschen wie dem Skoda Enyaq und batteriegetriebenen Schräghecklimousinen in der Art des Peugeot E-408 gute Chancen verspricht: Der heckgetriebene T10F V2 LR startet bei 45.590 Euro und bietet serienmäßig etwa ein Winterpaket samt beheiztem Lenkrad sowie ein Panoramadach.


Mit 46.190 Euro liegt der Grundpreis des ähnlich komfortabel ausgestatteten SUV-Typs T10X V2 LR nur wenig höher. Als Reichweiten nach WLTP für diese Long-Range-Ausführungen gibt der Hersteller „bis zu 523 Kilometer (T10X) beziehungsweise 623 Kilometer (T10F)“ an. Mit Blick auf besonders kostenbewusste Interessenten plant Togg eine Reihe günstigerer Varianten, die ab 2026 erhältlich sein sollen, darunter sogenannte „Standard Range“-Modelle für 34.295 Euro.


Von Billigware ist derlei Pricing weit entfernt – und soll es bewusst auch bleiben. Auf die Qualität von Neuwagen aus türkischer Fertigung jedenfalls lässt Yakup Birinci, Präsident des Zuliefererverbands Taysad, nichts kommen. Als besondere Stärken des Automobilstandorts Türkei nennt er „Vielfalt und Resilienz sowie Anpassungsfähigkeit“. Ian Foston, Direktor für Produktentwicklung bei Ford Otosan, wo VW seinen T7-Transporter montieren lässt und sich electricar ebenfalls informieren konnte, ergänzt: „Das Ausbildungsniveau der Belegschaften hier ist enorm hoch, an Fachkräften besteht kein Mangel“.


Fachgespräch in Gemlik: Togg-Lenker Gürcan Karakas im türkischen Stammwerk mit electricar-Autorin Beatrice Bohlig. Foto: Beatrice Bohlig
Fachgespräch in Gemlik: Togg-Lenker Gürcan Karakas im türkischen Stammwerk mit electricar-Autorin Beatrice Bohlig. Foto: Beatrice Bohlig

Togg-Chef Karakas ist ohnehin fest überzeugt vom Aufstieg in die Riege der ernstzunehmenden Autoanbieter in vielen Ländern Europas. Etwa auf dem Schlüsselmarkt Deutschland, wo Schätzungen zufolge rund drei Millionen Menschen leben, deren familiäre Wurzeln zumindest teilweise in der Türkei liegen. „Auch viele von ihnen haben Togg auf dem Schirm“, freut sich Karakas, „und sie interessieren sich für unsere Stromer“.





 
 
bottom of page