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  • AutorenbildArmin Grasmuck

Hans-Joachim Stuck im Interview

Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck erklärt, warum die Stromer auch fahrtechnisch betrachtet die perfekte Wahl auf dem Weg in die Mobilität von morgen sind.


Training und Dialog

Im Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings auf dem Areal des renommierten Hotels Stanglwirt in Going (Tirol) traf electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck den Rennfahrer Hans-Joachim Stuck (72) zum Interview. Der in Garmisch-Partenkirchen geborene Spitzenpilot, den Freunde «Striezel» nennen, ist seit mehr als 50 Jahren im Einsatz. Noch im vergangenen Jahr fuhr er bei der Europameisterschaft in der GT2-Klasse auf Platz zwei. Stuck ist auch als Testfahrer für VW aktiv – und General Stewart der Formel E, in der nur Autos mit Elektromotoren starten.

Startklar für die Zukunft: „Striezel“ Stuck bat die Angestellten des Stanglwirts zum Fahrsicherheitstraining in einem der neuen hauseigenen „Bio-Mobile“, die Resonanz war durchweg positiv.


Als Fahrer der Spitzenklasse, der seit Jahrzehnten über die Rennpisten brettert, haben Sie im Fachjargon eigentlich Benzin im Blut. Woher rührt Ihre Leidenschaft für die Elektromobilität?

Hans-Joachim Stuck: Es ist wichtig, dass wir in Zukunft auf unsere Ressourcen achten und versuchen, unsere Umwelt mehr zu schonen. Die E-Mobilität ist ein elementarer Teil davon. Es wird sicherlich Alternativen geben, Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoff. Ich finde, die Elektromobilität elementar, und ich bin froh, dass in dieser Richtung gut gearbeitet wird.


Sie haben die Verbrennungsmotoren in extremen Situationen auf der Rennstrecke erlebt, treten jetzt beherzt auf das Strompedal. Wie unterscheiden sich die beiden Antriebstypen?

Gewaltig! Ich bin ja als General Stewart im Gremium der Formel E im Einsatz, in der nur Fahrzeuge mit Elektromotoren am Start sind – hatte auch schon die Ehre, einen Formel-E-Rennwagen fahren zu dürfen. Also darf ich mir erlauben zu sagen: Die Beschleunigung in diesen Autos ist der absolute Hammer, weil der Motor einen hundertprozentigen Wirkungsgrad hat. Kein Verbrenner kann das schaffen. Du hast mit dem ersten Berühren des Gaspedals die volle Leistung. Das macht das Fahren in allen Bereichen sehr schwierig, es erfordert neue, spezielle Kenntnisse. Da ist es umso wichtiger, dass die E-Autos alle ABS haben und damit die richtige Stabilität in den Kurven. Die Umstellung auf der Rennpiste war auch für mich als Routinier gewaltig.


Bezogen auf den Rennsport: Ist dieser kompromisslose Antrieb die größte Diskrepanz zwischen dem neuen Stromer und dem traditionellen Verbrenner?

Ja, diese Leistungsentfaltung hinzunehmen und richtig zu verarbeiten. Speziell wenn man wie ich lange Jahre mit Turbomotoren unterwegs war. Da gab es dieses typische Turboloch. Du hast das Gaspedal voll durchgetreten ... einundzwanzig, zweiundzwanzig ... und dann: Bumm, war die volle Leistung da. Es ist deshalb fantastisch, mit einem Elektromotor zu fahren. Und wenn du ihn hundertprozentig beherrschst, macht es auch richtig Spaß.


Fiel es Ihnen schwer, sich auf den neuen Antrieb einzustellen?

Ich habe mit meiner Körperlänge zwar nicht optimal in den Formel-E-Rennwagen hineingepasst, bin auch nicht auf Rundenzeiten gefahren, doch die Umstellung fiel mir verhältnismäßig leicht. Ich weiß auch von der Entwicklung der E-Autos bei uns im VW-Konzern, etwa von den Tests auf dem Nürburgring: Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, wie das Auto zu fahren ist, geht es wunderbar.


Die deutschen Hersteller waren lange Jahre stolz auf ihre Ingenieure, die mutmaßlich die besten Motoren weltweit entwickelten. Schmerzt es Sie, dass in den E-Autos vornehmlich die Kraft der Batterie und die Software die relevanten Größen zu sein scheinen?

Es hat sich geändert, wie alles im Leben, und speziell in Zeiten wie diesen. Ich sehe es weniger dramatisch. Ich denke, dass hundertprozentig saubere Verbrenner auch eine Zukunft haben. Es geht jedoch klar in eine andere Richtung, das muss man deutlich sagen – und das ist auch vernünftig so. Was unsere Ingenieure betrifft: Ich kenne viele, die intensiv an den nächsten E-Modellen entwickeln. Da geht es natürlich auch um Software, Daten und Steuergeräte. Es bleibt also eine spannende Geschichte. Man sollte immer offen bleiben. Ich bin mittlerweile auch schon 72, und ich kenne einige Kollegen, die sich den neuen Technologien verschließen. Das finde ich echt blöd.


Wir befinden uns erst am Anfang der großen Transformation. Haben Sie eine Vision, in welche Richtung sich die verschiedenen Formen der Mobilität entwickeln könnten?

(lacht) Es ist lustig, dass Sie das fragen. Ich war erst vergangene Woche zu Gast in ­Monaco bei Fürst Albert, einem guten Freund von mir. Dort gab es ein große Symposium rund um die Zukunft der Mobilität, mit Gästen aus der ganzen Welt. Wissenschaftler und andere schlaue Menschen. Die Frage, wie es in 50 Jahren auf unseren Straßen aussehen wird, konnte keiner beantworten. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die nächsten zehn bis 15 Jahre in diesem Bereich sehr spannend werden. Und ich freue mich drauf.


Derzeit gibt es rund um die Elektromobilität noch viele Fragen, was beispielsweise das Aufladen der Akkus, die Reichweite der Fahrzeuge und die Infrastruktur im Generellen betrifft. Was muss passieren, damit die Stromer noch attraktiver erscheinen können?

Als Testfahrer habe ich eine große Bitte ... Gerade hatte ich wieder einen aktuellen Fall, als mich ein Freund besuchte, ein Tesla-Fahrer aus Italien. Er wollte am Mittag da sein, dann kam er um halb eins. Er sagte: „Stucki, du wirst nicht glauben, was ich jetzt erlebt habe ...“ Er hat am Brenner am Supercharger nachgeladen. Da hört er hinter einer Mauer ein Brummen. Was ist hinter der Mauer? Da stehen vier Dieselgeneratoren, die den Strom für die Ladesäulen erzeugen. Dazu muss ich eines sagen: Das finde ich voll besch ... eiden. Meine Bitte: Es ist besonders wichtig, dass wir schauen, wo der Strom für die Ladestationen herkommt. Hier geht es um das Thema Nachhaltigkeit, daran müssen wir intensiv arbeiten. Das finde ich besonders wichtig.


Vor diesem Gespräch haben Sie auf dem Parkplatz des Stanglwirts einen engen Kurs für ein Fahrsicherheitstraining aufgebaut, nur wenige Meter von der Bundesstraße entfernt. Hatten Sie keine ernsthaften Bedenken?

Nein, ich weiß ja, was das Auto kann. Deswegen war der Kurs auch hundertprozentig sicher. Es hat mir Spaß gemacht zu sehen, wie die Leute sich im Auto hineingesteigert haben. Wie sie relativ schnell merkten: Ah, ich kann selbst in der engen Kurve voll auf die Bremse steigen, ohne dass etwas passiert. Ich finde diese Erlebnisse ungeheuer wichtig. Jeder Fahrer sollte ein spezielles Fahrtraining machen, um sein Auto besser kennenzulernen. In der Kurve bremsen, aktiv ausweichen – damit er ein Gespür dafür bekommt, was die neuen Autos heute leisten können. Denn wenn ich eine richtige Bremsung mache, dabei ein, zwei Meter gewinne: Das kann einen Unfall verhindern.


Stanglwirt setzt auf Elektromobilität

Der Stanglwirt hat seinen Fuhrpark um fünf Elektroautos erweitert. Eine Investition in die Zukunft, von der speziell die 340 Mitarbeiter des renommierten Bio- und Wellnessresorts in Going (Tirol) profitieren. Sie können die VW-Stromer, intern als „Bio-Mobile“ bezeichnet, für geschäftliche Fahrten und auch für private Spritztouren nutzen. Die Resonanz ist durchweg positiv. „Unsere Bio-Mobile sind fast durchgehend ausgebucht“, freute sich Hotelchefin Maria Hauser. Die Elektromobilität liege ihrer Familie sehr am Herzen, erklärte sie, der Stanglwirt wolle in diesem Bereich eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir registrieren, dass immer mehr Gäste mit dem E-Auto anreisen“, sagte Hauser. Herausragend: Im Stanglwirt gibt es insgesamt 19 Ladepunkte für Gäste und Angestellte, darunter auch einen schnellen Hypercharger auf dem öffentlichen Parkplatz.

 

Bio- und Wellnessresort Stanglwirt

Kaiserweg 1

A-6353 Going am Wilden Kaiser

Telefon: +43 5358 2000


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