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Smartes Fuhrparkmanagement: Wie Unternehmen Kosten, Fahrten und Ladepunkte im Blick behalten

Wolfgang Plank
vor 2 Minuten
4 Min. Lesezeit

Früher war das Management des Fuhrparks vor allem Papierkram – heute braucht es einen professionellen Mix aus Mobilitätswende, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.



Wer es von neun bis fünf vorrangig geruhsam schätzt, ist als Gebieter über eine Flotte definitiv auf dem falschen Posten. Das gilt gleichermaßen für den Admiral wie den Fuhrparkmanager – mit dem feinen Unterschied, dass Ersterer in aller Regel deutlich besser besoldet ist, während Letzterem im Tagesgeschäft meist das Wasser bis zum Hals steht. Da ist es womöglich nur ein kleiner Trost, dass man auf dem Firmenparkplatz eher selten mit Schirmmütze und goldenen Schulterstücken herumlaufen muss.


Foto: Envato
Foto: Envato

Der Mangel an Beschaulichkeit im Fuhrparkjob hat Gründe. Früher war die Arbeit überschaubar, aber nervig – heute ist sie trotz allen technischen Fortschritts unendlich komplex. Ehedem fristeten die Manager, die damals noch Leiter hießen, ihr Dasein zwischen Aktenordnern, Schlüsselbrettern und Ablagekästen voller Tourenbelege, Tankquittungen und Werkstattrechnungen. Später priesen sie den Computer für die Erlösung von aller Zettelwirtschaft, doch selbst Excel-Tabellen sind mittlerweile ein Fall für das Museum. Wer heutzutage mehr als eine Handvoll Wagen verwaltet, kommt um modernes Datenmanagement und künstliche Intelligenz kaum noch herum. Soll man vielleicht dem Chef erklären, dass wegen verschwundener Papiere eine Lieferung verbaselt wurde oder eine Inspektion? Von den Rügen des Controllers wegen Verstößen gegen den Datenschutz oder mangelnder Transparenz ganz zu schweigen.


Bild: Midjourney
Bild: Midjourney

Finanzielle Anreize


Noch schwieriger wird die Arbeit, wenn nebenher die Umstellung auf E-Autos organisiert werden soll. Dabei gehört das längst zur Jobbeschreibung. Auch wenn als Folge des Iran-Krieges die Zahl privater E-Autokäufe deutlich zugenommen hat – nach wie vor werden in Deutschland zwei von drei neuen Autos gewerblich zugelassen. Der finanzielle Reiz: Anders als das bei Verbrennern übliche eine Prozent vom Kaufpreis muss bei rein elektrischen Dienstwagen lediglich die Hälfte davon als geldwerter Vorteil versteuert werden. Liegt der Bruttolistenpreis unter 100.000 Euro, ist es gar nur ein Viertel Prozent. Obendrein sind Stromer für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Und weil Klimawandel und Umweltschutz verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, sehen nicht selten Kunden wie Mitarbeiter eine Umstellung des Fuhrparks als praktizierten Innovationsgeist und Ausdruck von Verantwortung.


Smart unterwegs - Der Dienstreisende profitiert von den neuen Möglichkeiten des Fuhrpark-Managements. Foto: envato
Smart unterwegs - Der Dienstreisende profitiert von den neuen Möglichkeiten des Fuhrpark-Managements. Foto: envato

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Dienstwagen, Nutzfahrzeuge oder beides handelt: Kostendruck und Bürokratie fordern den immer schärferen Blick. Und genaueste Antworten auf die stets gleiche Frage: Wer fährt warum gerade wo – und was kostet die Tour? Immer klügere Software erfasst und dokumentiert Autos, Insassen und Wegstrecken, trennt sauber zwischen geschäftlichen und privaten Fahrten – und erlaubt so die ständige Kontrolle von Auslastung, Standzeiten und Routenplanung. Automatisch werden Verträge verwaltet, Rechnungen zugeordnet und säumige Kunden gemahnt. Parallel managt das System den Wust an Dokumenten um Führerscheine, Unfallverhütungsvorschriften – und sogar Strafzettel. Alles zentral archiviert, rechtssicher und jederzeit abrufbar.


Moderne Technik kann aber noch viel mehr: Via Telematik übertragen Sensoren Verkehrsdaten, Wetterinformationen, Fahrverhalten, Energieverbrauch sowie Lenk- und Ruhezeiten, überwachen Reifendruck, Temperatur und Beladung. Algorithmen berechnen daraus den Verschleiß und mahnen rechtzeitig zum Besuch der Werkstatt. Lange bevor ein rotes Lämpchen dem Lieferfahrer die Tour vermiest. Was immer der Fuhrparkmanager wissen möchte: Er kann es sehen. Selbstverständlich in Echtzeit. Problem: Je digitaler die Flotte, desto wichtiger das Thema Cyber-Sicherheit.


Voll unter Kontrolle - Immer klügere Software erfasst und dokumentiert Autos, Insassen und Wegstrecken. Bild: Media Stellantis
Voll unter Kontrolle - Immer klügere Software erfasst und dokumentiert Autos, Insassen und Wegstrecken. Bild: Media Stellantis

Kommunikation in Echtzeit


So oder so ist die digitale Steuerung des Fuhrparks ein gewaltiger Markt, den längst auch die Hersteller für sich entdeckt haben. Nutzfahrzeuggiganten wie Ford und Stellantis offerieren maßgeschneiderte Angebote bis hin zum Rundum-Sorglos-Paket. Im Blick haben sie vor allem kleine und mittlere Firmen, die womöglich nicht über Vollzeit-Flottenmanager und Betriebshof mit Lademöglichkeiten verfügen. Top-Level ist die Echtzeitkommunikation zwischen Büro und Fahrern vor Ort. Im Klartext: Aufträge ploppen optimiert zum Akkustand im Display auf, die neuen Zielorte landen samt Route sofort im Navi, und die Disponenten werden zeitgleich über den aktuellen Status informiert. Lästiges Telefonieren im Dreieck war gestern. Neueste Entwicklung: Auf der IAA Mobility in Hannover hat Stellantis gerade „Box on Wheels“, einen selbstfahrenden Elektroprototypen für die Zustellung auf dem letzten Kilometer, vorgestellt.


Einfach Installiert - Der Wandlader Smallbox von Charge Big hat die Größe einer Steckdose und kann beliebig skaliert werden. Foto: chargeBIG
Einfach Installiert - Der Wandlader Smallbox von Charge Big hat die Größe einer Steckdose und kann beliebig skaliert werden. Foto: chargeBIG

Fahrdaten automatisch erfasst


Wer bei Daten in Herstellerhand Bedenken trägt – passgenaue Lösungen gibt es auch bei unabhängigen Unternehmen wie Vimcar, Fleet Geo oder Avrios. Allen gemein: keine handschriftlichen Einträge mehr. Alle Fahrten werden, meist per OBD-Stecker, automatisch erfasst und online im digitalen Fahrtenbuch gespeichert. Selbst zum lästigen Drumherum des kolbenlosen Antriebs kann man sich bei Anbietern wie Elli, Webfleet oder E-Mobilio beraten lassen – und notfalls auch davon befreien. Sei es die Schulung der Mitarbeiter für die neue Technik, den effizientesten Fahrstil im E-Auto, die Doku-

mentation der Umweltbilanz, mögliche Ausgleichszahlungen für CO2-Emissionen oder die ständige Beobachtung von Förderrichtlinien und Vorschriften.


Ein Klick und alles im Blick - Anbieter wie Vimcar speichern über OBD-Stecker alle Daten im digitalen Fahrtenbuch. Foto: vimcar.de
Ein Klick und alles im Blick - Anbieter wie Vimcar speichern über OBD-Stecker alle Daten im digitalen Fahrtenbuch. Foto: vimcar.de

Noch nicht mal um den Strom und seine Wege muss man sich mehr kümmern. Der durch seine Kolben bekannte Zulieferer Mahle etwa bietet skalierbare Ladeinfrastruktur mit integriertem Lastmanagement. Der Konfiguration von Ladeparks hat sich auch Charge Big verschrieben – samt eichrechtskonformer Abrechnung sowie Freischaltung per App, QR-Code-Scan, NFC oder E-Roaming. Auch ehemals reine Komponentenhersteller wie Phoenix liefern mittlerweile cloud- und kommunikationsfähige Ladetechnik mit intelligenter Software. Und wo es – gerade für elektrische Busse und Lkw – besonders eng zugeht: Der Hersteller Keba bietet ultraschnelles Laden mit bis zu 500 kW auf gerade mal einem halben Quadratmeter.


Einer für alle - Bei Pool-Lösungen können Flottenfahrzeuge je nach Bedarf gebucht und genutzt werden. Foto: shutterstock
Einer für alle - Bei Pool-Lösungen können Flottenfahrzeuge je nach Bedarf gebucht und genutzt werden. Foto: shutterstock

Nicht selten jedoch wird der Wagen gar nicht auf dem Firmengelände geladen, sondern zuhause oder unterwegs. Mobile Wallboxen von go-e oder NRGkick funktionieren dabei wie eine Art Zwischenstecker überall dort, wo Strom verfügbar ist. Gleichzeitig erlauben sie eine automatisierte und transparente Abrechnung, wie sie etwa auch für die THG-Quote wichtig ist. Nachteil der punktgenauen Erfassung von allem und jedem: Der individuelle Firmenwagen kommt zunehmend aus der Mode. Schließlich steht das Gefährt bei Urlaub oder Krankheit nur rum und kostet Geld. Egal, ob gekauft oder geleast. Für den einzelnen Mitarbeiter nicht ganz so komfortabel, dafür aber deutlich billiger, sind Pool-Lösungen, bei denen Fahrzeuge über Buchungstools geordert werden. Die Folge: bessere Auslastung, kleinere Flotte. Einem echten Admiral würde das ganz sicher nicht gefallen.



 
 
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