• Armin Grasmuck

VW ID.5 GTX im ELECTRICAR-Praxistest

Spitzenmodell aus dem Hause VW: Der ID.5 GTX glänzt mit seinem sportlichen, komfortablen und spürbar ausgereiften Auftritt – geniale Software inklusive.

Wie heißt es so schön? Es ist die kleinen, feinen und einfachen Dinge, die effektiv wie beschwingend wirken und dem Alltag die spezielle Note verleihen. Der ID.5 GTX hat – so gesehen – das Potenzial, als elektrisch angetriebener Freund und Helfer bei den geneigten Fahrern nachhaltig zu punkten. Er kann so viel erledigen, seinen Passagieren die Teilnahme im Straßenverkehr vereinfachen und im Idealfall sogar versüßen. Oder hat Sie vielleicht ihr Auto schon einmal gefragt, ob es das Einparken übernehmen darf? Finden Sie gut? Ein schneller Wisch mit dem Finger, den Rest übernimmt der Neue aus dem Hause Volkswagen. Sanft und zuverlässig schiebt er Sie auf den gewünschten Standplatz, egal wie eng und holprig er auch sein mag. Es soll Kollegen geben, die während dieses Vorgangs ihre Aktentasche packen, danach ihre Haare richten, um schließlich perfekt vorbereitet und gut frisiert aus dem Auto zu steigen. So viel bis hierher ...


Selbstverständlich hat das neue Topmodell aus der ID.5-Linie eine ganze Menge mehr zu bieten. Die GTX-Variante von VWs erstem batteriegetriebenen SUV-Coupé ist eine animierende, inspirierende und kraftvolle Komposition, optisch wie inhaltlich, die das Fahren und Erleben der Elektroklasse auf eine neue Ebene hebt. Allein, wie er dasteht: massiv und bullig, dabei angriffslustig, schwungvoll und ­zukunftsweisend im Design.

Im Praxistest

electricar-Redakteur Armin Grasmuck vor der Abfahrt mit dem ID.5 GTX


Dynamisch bis in die Felgen

Diese mächtige Frontpartie, dazu das stechende Leuchten der Scheinwerfer und die stilvoll nach unten gezogene Dachlinie, die in dem sportlichen Schrägheck mündet. An diesem Elektroauto werden in den nächsten Monaten und Jahren viele Kunden ihren Gefallen finden. Das stimmige Bild, das sich bis in die dynamisch gezeichneten Felgen zieht. Und ja, das ist erst der Anfang.


Der VW ID.5 GTX setzt auch im Bereich des Innenraums neue Maßstäbe. Bei allem Hang und Drang zum sportlich aktiven Auftritt bietet dieses schnittige Coupé auch die starken Argumente, die Elektrofahrzeuge der gehobenen Klasse attraktiv machen: reichlich Platz und höchsten Fahrkomfort. „Da scheppert nix“, so lautete das geflügelte Wort eines früheren VW-Bosses zum Ansporn der eigenen Mitarbeiter. Die Konstrukteure des ID.5 GTX werden diesem hehren Anspruch gerecht. Wir steigen ein, wir sitzen bequem, dank des angenehmen Seitenhalts der Sportsitze auch stabil – und wir fühlen uns wohl. Der neue E-VW wirkt hochwertig verarbeitet, die Schalt- und Fahrkomponenten sind auf den ersten Blick zu erfassen und zu bedienen. Also fahren wir einfach los!

Kernig in den Kurven

Es mag banal klingen, ist in diesem Fall jedoch unbedingt erwähnenswert: Dieses Auto hält auf der Straße, was es auf dem Parkplatz versprochen hat. Der ID.5 GTX rollt mit der speziellen Kraft über die Fahrbahn, die er ausstrahlt, jederzeit souverän und ruhig. Wenn es denn sein soll, gerne auch etwas wuchtiger. Es wird dann kernig in den Kurven, bei voller Kontrolle. Dafür verantwortlich ist höchstwahrscheinlich der sogenannte Fahrdynamikmanager – ein neues System, dass sämtliche technischen Assistenten auf intelligente Art kombiniert – und die satten 220 Kilowatt (299 PS) aus zwei Antriebsmotoren, dass dieser gut 2,2 Tonnen schwere SUV locker und leicht zu steuern ist. Na klar, und das massive Drehmoment von insgesamt 460 Newtonmetern sorgt keineswegs nur an der Ampel für reichlich Vergnügen.


Der allradgetriebene ID.5 GTX ist ein Alleskönner, der auf jedem Terrain überzeugt. Er glänzt beim Einkaufen in der Innenstadt genauso wie auf der Langstrecke in den Urlaub. Er kann gemütlich, er kann schnell. Er beißt sich auch im Gelände durch, wie in dem neuen Fahrmodus „Traction“ – neben den Eco-, Komfort- und Sportvarianten – dokumentiert ist.

Futuristisches Design

Der VW ID.5 GTX ist als sportliches SUV-Coupé konzipiert – das schwungvoll gezogene Heck fällt vergleichsweise steil ab.


Meisterwerk der Technik

Das Herzstück dieses höchst sportlichen Stromers ist zweifellos die neue VW ID.Software 3.1 – ein Quantensprung, was den Autogiganten aus Wolfsburg betrifft, jedoch auch mit Blick auf die direkten Konkurrenten. Die Fahrer, die bereit sind, sich damit zu beschäftigen, darauf einzulassen und auch einen Teil der eigenen Souveränität an die moderne Technik abzugeben, werden die mitunter genialen Eigenschaften des neuen Betriebssystems alsbald zu schätzen wissen.


Wo fangen wir an? Gut, den Tempomat, der das Auto in den richtigen Momenten bremst und beschleunigt, gibt es auch bei anderen Herstellern. Doch die ID.Software 3.1 ist bereits zwei bis drei Schritte weiter. Der auf Landstraßentempo programmierte ID.5 GTX weiß, wann das nächste Ortsschild kommt. Er bremst rechtzeitig und ohne Ruckeln herunter, damit wir mit den regulären 50 Sachen einfahren können. Das Gleiche gilt für enge Kurven und Kreisverkehre, die er kennt, ohne sie passiert zu haben. Der Elektro-VW reduziert die Geschwindigkeit und er gibt die Richtung vor. Es wirkt, als würde der technische Fahrassistent uns durch den Kreisverkehr schieben. Die Hände sind selbstverständlich am Steuer, halb lenkend, halb gelenkt werdend. Wie magisch.


Auch die navigierten Zielfahrten werden in dem VW ID.5 GTX zu einem neu definierten Erlebnis. Ist der Ankunftsort einmal programmiert, übernimmt wiederum die Technik. In der Praxis bedeutet dies: Wir müssen abbiegen, unser Auto reduziert die Geschwindigkeit, weist uns zudem mit mehreren optischen Elementen darauf hin. Der blinkende blaue Pfeil im Head-up-Display beispielsweise – oder der blaue Streifen, der unterhalb der Frontscheibe dynamisch von links nach rechts wandert. Und wehe, wir wagen es, bewusst oder versehentlich, geradeaus weiterzufahren. Dann bremst die Software von sich aus das Auto spürbar herunter und gibt uns klar zu erkennen: So nicht, verehrte Damen und Herren am Lenkrad! So nicht! Der GTX fordert uns bei der erstbesten Gelegenheit auf, umzudrehen und auf den richtigen Kurs zurückzukehren. Er blinkt im Display, zaudert und nervt, bis wir seinen Ratschlägen schließlich folgen. Unglaublich!


Stichwort ID.Light. Dieses schmale Lichtband, das unterhalb der Windschutzscheibe über die gesamte Breite verläuft, soll die Passagiere intuitiv unterstützen. Mit unterschiedlichen Lichtimpulsen wird zum Beispiel signalisiert, ob das Auto startklar ist, wo konkret abgebogen werden sollte oder ob die Batterie schnellstmöglich geladen werden muss. ID.Light besteht aus 54 mehrfarbigen LEDs, die in weit über hundert Farben kommunizieren können. Es sind Elemente der Elektromobilität auf dem Weg in die Zukunft.

Schlicht und Einfach

Das Funktionsmenü des ID.5 GTX ist klar strukturiert, die neue ID.Software 3.1 bereits ab Werk installiert.


Tag für Tag, punktgenau

Ach ja, den neuen Einparkassistenten hatten wir schon. Er überraschte uns nachhaltig. Ein paar Mal schien er unser Einparkverhalten vor der eigenen Haustüre studiert zu haben. Dann schickte uns der GTX eines Tages kurz vor der Ankunft das Angebot auf das Display, ob er denn diesmal das Einparken übernehmen solle. Wir ließen ihn gewähren und staunten mit großen Augen. Funktioniert perfekt. Tag für Tag, immer punktgenau, ohne Dellen und Kratzer. Sehr cool, das hat was.


Stark ist auch der Assistent zum Spurwechseln auf der Autobahn. Einmal blinken genügt, den Rest erledigt der Elektro-VW von selbst. Er kontrolliert und analysiert den Verkehr auf allen Spuren und wechselt die Fahrbahn erst, wenn es die Lage erlaubt. Wer sich daran gewöhnen kann, fährt auch auf der Autobahn frisch und frei in die nächste Dimension.

Software und technische Hilfen zählen bei den Elektrofahrzeugen zu den Kernargumenten, über die auch die jeweiligen Qualitätsstandards definiert werden – jetzt und in Zukunft. Der VW ID.5 GTX trifft mit seinem Set-up voll den Zeitgeist. Ein sportlicher Volkswagen als Vorturner. Er hat das Potenzial, ein Seriensieger zu werden.

Voluminöses Heck

Auch als Geschäftswagen für die Mobilen von morgen scheint er prädestiniert zu sein. Der Kofferraum schluckt mit dem Volumen von 549 Litern das Reisegepäck genauso wie diverse Industriekartons. Sind die Rücksitze umgeklappt, vergrößert sich der Laderaum auf 1.561 Liter. Wer noch mehr Transportvolumen benötigt, kann einen Anhänger von bis 1,4 Tonnen an den GTX koppeln.


Es bleibt die große Preisfrage: 56.455 Euro kostet der VW ID.5 GTX in der Grundversion vor Abzug der staatlichen Förderprämie. Interessierte sollten zeitnah ihre Probefahrt vereinbaren. Denn so wie es aktuell aussieht, fährt dieses Auto weit länger, als die Prämie bezogen werden kann.


Technische Daten

Hersteller

VW

Modell

ID.5 GTX

Antriebsart

Allrad

Leistung

220 kW (299 PS)

Maße / Gewicht

4.599 x 1.852 x 1.615 mm / 2.243 kg

Türanzahl

5

Kofferraum­volumen

549 bis 1.561 l

Batteriekapazität

77 / 82 kWh (netto/brutto)

Ladeleistung

11 kW / 170 kW (AC/DC)

Reichweite

512 km

​0-100 km/h

6,3 Sekunden

Spitze

180 km/h

Preis

ab 56.455 Euro