Armin Grasmuck - Editorial ELECTRICAR 5/26
- Armin Grasmuck

- vor 4 Stunden
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Das große Brummen ist vorbei.
Selbst auf der IAA Transportation wird zunehmend gesurrt und geschnurrt. Die internationale Leitmesse für Nutzfahrzeuge,
Transport und Logistik steht in diesem Jahr mehr denn je im Zeichen der großen Transformation. Lieferwagen, Busse und schwere Lastzüge, na klar. Die Strategen mit dem Blick für die Zukunft sehen ihre Flotte allerdings eingebettet in ein schlüssiges Gesamtkonzept, das auch die auf Software basierende Vernetzung der Vehikel, die passende Ladeinfrastruktur und zumindest mehrere Sequenzen des automatisierten Fahrens beinhaltet. Von künstlich intelligenten Assistenten gesteuert und überwacht, versteht sich. Hört sich futuristisch an? Auf der Messe in Hannover sind es die Kernpunkte.
Wie viel Zeit, Hirn und Herz in die Konzeption eines Fahrzeugs investiert werden können, wird am Beispiel des Modells auf unserer Titelseite deutlich. Der ID. Buzz war, als er im Herbst 2022 auf den Markt kam auf Anhieb ein Liebling des Publikums. Schön anzuschauen, voll im Zeitgeist, so hieß es. Und doch, es hakte, mancher klagte: zu klein die Batterie, zu wenig Reichweite, Macken in der Software, auch preisintensiv. Jetzt, knapp vier Jahre später, ist der Elektro-Bulli so weit, wie Volkswagen ihn haben möchte. Stefan Mecha, der CEO von VW Nutzfahrzeuge höchstpersönlich, hat bei einer Stippvisite auf Sylt für electricar eindrucksvoll dokumentiert, wie ausgewogen und komfortabel sich der ID. Buzz des Jahres 2026 präsentiert. Der batteriegetriebene Bus wird selbstverständlich auch auf der IAA Transportation vorfahren.
Ein Besuch auf der Messe und das auf diesem Weg erworbene Verständnis für die relevanten Themen rund um die Mobilität von morgen sei an dieser Stelle auch den verantwortlichen Damen und Herren aus der hohen Politik empfohlen. Konkret – und ganz abgesehen von dem abrupten wie merkwürdigen Ende des Verkehrsministers Schnieder: Wie kann es eigentlich sein, dass es in dieser Phase, da die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos konstant ansteigt, weiterhin monopolistische Strukturen bei der Ladeinfrastruktur in Städten und Gemeinden gibt? Wie ist es möglich, dass selbst neu gebaute Ladeparks renommierter Anbieter mit acht Stromsäulen und mehr monatelang brach liegen, weil der Anschluss ans Netz fehlt?

Schwer zu verstehen ist außerdem, dass es beim bidirektionalen Laden, einem Trendthema dieses Jahres, bislang noch keine Regularien gibt – auch was die steuerlichen Aspekte betrifft. Die neuen Autos können es, die Energieversorger treiben es voran, die Kunden frohlocken – nur von staatlicher Seite fehlen einmal mehr die klaren Aussagen.
Dabei ist der Stromfluss in das Fahrzeug und – bei Bedarf – von dort wieder hinaus auch für die Betreiber von Fuhrparks und Flotten relevant. Schließlich sind die Unternehmen kurz- und mittelfristig ebenfalls angehalten, die betriebliche Mobilität konsequent voranzutreiben. E-Auto schön, Bahnkarte gut, Firmenrad prima. Doch die Manager mit Weitsicht planen digital, ökologisch und effizient. Alles gut vernetzt und voll automatisch. Zumindest in der Theorie.


