Braucommune Freistadt elektrifiziert ihre Lkw-Flotte
- Armin Grasmuck

- vor 11 Stunden
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Logistik mit Zukunft: Die Braucommune Freistadt stellt ihre Lkw-Flotte schrittweise auf batteriegetriebene Modelle um, betrieben mit Strom aus der eigenen PV-Anlage.

Wenn Tradition die Quellen der Innovation anzapft ... Als einer der ersten Bier herstellenden Betriebe elektrifiziert die Braukommune im oberösterreichischen Freistadt ihre Lkw-Flotte in konstanten Schritten. So lautet die Nachricht, die keineswegs nur die Anhänger des gehaltvollen Hopfengebräus elektrisiert.
Braucommune? Diese historische Brauerei beruht auf einer einzigartigen Eigentümerstruktur, die bereits seit 1770 besteht. Demnach sind exakt 149 Hausbesitzer in der Freistädter Altstadt berechtigt, ihr eigenes Bier zu brauen. Das Freistädter Bier und der angeschlossene Braugasthof sind seit jeher weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

E-Flotte? Bereits seit Ende Februar 2024, als der erste batteriegetriebene Lkw des Typs Mercedes E-Actros 300 angeschafft wurde, liefert die Braucommune viele ihrer Flaschen und Fässer mit Elektrofahrzeugen. „Wir sind bestrebt, unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren“, sagt Paul Steininger, der Geschäftsführer. „Durch den Einsatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zeigen, dass nachhaltige Mobilität auch in der Logistikbranche möglich ist.“

Reichweite bis zu 300 Kilometer
Nachhaltigkeit – mit diesem Thema ist die Braucommune bereits seit mehr als 250 Jahren beschäftigt. Das Freistädter Bier wird mit regionalen Rohstoffen hergestellt und nur im Umkreis von rund 50 Kilometern vertrieben. Das Unternehmen hat inzwischen drei rein elektrische Mercedes-Laster zur Bierverteilung im Raum Mühlviertel, Linz und Wels im Einsatz. Im Logistikzentrum läuft ein eigener Transformator, die Energie kommt aus der hauseigenen Photovoltaikanlage. In Zahlen ausgedrückt: Die Braucommune produziert rund 700.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – und spart gleichzeitig 510.000 Kilogramm CO2 ein. Bis zu 300 Kilometer schaffen die E-Lkw mit einer voll geladenen Batterie.

Der Stolz und der Spaß, mit dem die Freistädter die Mobilität von morgen vorantreiben, lässt sich auch gut an den Werbebotschaften ablesen, die an den Bierlastern prangen: „Der voll elektrische Freistädter LKW“, so ist dort in großen Buchstaben zu lesen: „Pure E-Motion“ Oder auch: „Null Emission, voll geladen“.
Seit Beginn dieses Jahres hat die Brauerei die Ladevorgänge ihrer E-Flotte weiter professionalisiert – mit einer skalierbaren Splitlösung von Keba, bestehend aus Stromsäulen des Typs KeContact DCL10 und der externen Power Unit KeContact DCU10. „Für uns war entscheidend, dass die Lösung im Alltag funktioniert“, erklärt Geschäftsführer Steininger: „Unsere Fahrzeuge müssen jeden Morgen einsatzbereit sein. Gleichzeitig war es eine klassische Brownfield-Situation – wir mussten die Ladeinfrastruktur in ein bestehendes Depot integrieren. Umso wichtiger war ein System, das sich flexibel anpassen lässt, mit unserer Flotte mitwächst und durch die Integration von Photovoltaik auch wirtschaftlich schnell amortisiert.“
Im Praxisfall heißt das: Kehren die E-Lkw am Abend in die Braucommune zurück, sind ihre Akkus so gut wie leer gefahren. Gleichzeitig ergibt sich über Nacht der Energiebedarf von rund 400 Kilowattstunden pro Fahrzeug.
Gemessen an der verfügbaren Standzeit, kommt dies einer durchschnittlichen Ladeleistung von 40 Kilowatt gleich.
E-Lkw auch in Bayern
„Mit der Integration von Photovoltaik und Speichern wird das Depot vom reinen Energieverbraucher zum aktiven Teil des Energiesystems – der Betreiber wird zum Prosumer“, sagt Stefan Richter, CEO von Keba Energy Automation. „Entscheidend ist jedoch, diese Energie so zu steuern, dass sie zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist. Denn am Ende geht es darum, dass missionskritische Flotten zuverlässig einsatzbereit sind – jeden Tag.“

Die Transformation des Freistädter Biervertriebs verläuft mustergültig – und sie scheint Schule zu machen. Auch die Staatsbrauerei Weihenstephan im bayerischen Freising plant den Gerstensaft künftig mit E-Lkw auszuliefern. Die nach Firmenangaben älteste Brauerei der Welt hat bereits ein batteriegestütztes Schnellladesystem in Betrieb genommen.


