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  • AutorenbildArmin Grasmuck

Genesis Electrified GV70 im ELECTRICAR Praxistest

Klingt vielleicht komisch, ist jedoch die Realität in Reinform: Es gibt sie, diese Autos, die mit einem machen, was sie wollen. Da wird aus dem geplanten Kurztrip eine ausgedehnte Genussfahrt – ganz einfach, weil‘s so schön ist. In unserem Fall steht zu Beginn eine Dienstreise nach Linz. Knapp 300 Kilometer. Wir fahren zeitig los, auch weil wir die Verkehrslage nur schwer einordnen können. Ja, und ganz ehrlich, weil wir unseren Testwagen, diesen Genesis Electrified GV70, gerade erst kennenlernen. Auf den ersten Blick registrieren wir: Dieser Stromer hat das gewisse Etwas. Edel bis elegant, mit pfiffiger Pointe. Genesis? Selbst wenn es biblisch bis poprockig klingen mag, es ist das erste rein elektrische SUV der Premiummarke aus dem Hyundai-Konzern, das uns hier nachhaltig zu beeindrucken versucht.

Einmal um die Alpen - electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck hatte die Gelegenheit, den GV70 ausführlich zu testen.

Wer genau hinsieht, ist klar im Vorteil. Electrified, zu Deutsch: elektrifiziert, das heißt bezogen auf den GV 70: Hier ist kein Fahrzeug mit batterie-elektrischem Antrieb von Grund auf neu entwickelt worden. Nein, der Electrified GV70 ist die elektrifizierte Variante des Verbrennermodells der Mittelklasse. Ein hundertprozentiger Stromer im klassischen Ambiente, der dem einen oder anderen Zauderer den Umstieg auf die Mobilität von morgen möglicherweise einfacher vollziehen lässt. Wer in den Genesis einsteigt, wird sich wohlfühlen. So viel steht schon einmal fest. Die Sitze – angenehm. Alles schön anzusehen, hochwertige Materialien, Leder, fein gebürstetes Aluminium, ansprechend gestaltet. Hier fährt etwas Spezielles, etwas Besonderes mit.

Gediegene Eleganz - Der elektrifizierte GV70 ist stilvoll und hochwertig ausgestattet. Im Gegensatz zu einigen anderen E-Modellen bietet er auch zahlreiche Schaltknöpfe, Hebel und Tasten.

Volumen mit Chic - Die Passagiere genießen auf allen Plätzen reichlich Beinfreiheit, bis zu 1.678 Liter fasst der Gepäckraum.

Einfach geregelt


Und ja, für Traditionalisten mag es doppelt interessant klingen: Hier gibt es sie noch, eine ganze Reihe von Schaltknöpfen, Tasten, Drehreglern und Hebeln, die in vielen neuen Elektromodellen bereits in mitunter schwer zu begreifenden Wischfunktionen auf dem Touchscreen verschwunden sind. Wer sich vor Beginn der Fahrt ein bis zwei Minuten intensiv mit dem Electrified GV70 befasst, hat den Dreh raus. Schnell und einfach. Abfahrt, bitte!


Wir rollen los, oder besser: Wir gleiten. Denn der Genesis bleibt ruhig, kein Fahrgeräusch, nichts. „Flauschig-komfortabel“, so bezeichnen es die professionellen Analysten des ADAC – besser ist es kaum auszudrücken. Mit 50 Stundenkilometern aus dem Ort hinaus, knapp 100 Sachen auf der Bundesstraße, der GV70 bleibt ruhig. Kein Schnurren, es wirkt, als würden wir schweben. Die „aktive Geräuschkontrolle“, so nennen es die Entwickler von Genesis, misst mithilfe von vier Sensoren und acht Mikrofonen die Geräusche der Fahrbahn – und arbeitet mit inversen Schallwellen dagegen, um den Geräuschpegel zu senken. Es gelingt eindrucksvoll.


Wir schweben auf die Autobahn gen Süden und werden erneut überrascht: Als wir auf der Einfahrt das Strompedal etwas fester treten, schiebt der Genesis plötzlich an wie ein Supersportler. Es presst uns in die Sitze. In 4,2 Sekunden von null auf hundert Sachen, so werden wir später im Datenblatt lesen. Wow! Das wirkt massiv. Doch ganz ehrlich: Wir fahren dieses elegante E-SUV viel lieber im flauschig-komfortablen Modus. 130 km/h betrachten wir in diesem Auto als ideale Reisegeschwindigkeit.


Schnell Strom ziehen


Kurz vor der österreichischen Grenze bittet uns der künstlich intelligente Routenplaner zum Ladestopp. Auch dort brilliert der GV70 mit Bestwerten. Dank der bewährten 800-Volt-Technik aus dem Hause Hyundai zieht er den Strom ratzfatz mit der beeindruckenden Ladeleistung von bis zu 225 Kilowatt. Für uns bedeutet dies: Nur elf Minuten Pause. Für zwei Schlückchen Kaffee und drei Bissen vom Käsebrötchen reicht es immerhin.


Mit der zu 27 Prozent gefüllten Batterie werden wir in Linz ankommen, der Routenplaner hat es bereits berechnet. 455 Kilometer soll der Genesis mit vollen Akkus laut WLTP-Standard schaffen. In der Praxis sind es eher gute 350. Gemessen an der überdurchschnittlich starken Ladeleistung sind diese Werte ohnehin relativ. Nach knapp drei Stunden erreichen wir Linz, unser erstes Ziel – ausgeruht und tiefenentspannt. Berufsverkehr, knapp 50 Kilometer in der Kolonne auf der Bundesstraße – war das was?


Stabil in allen Lagen


Eigentlich haben wir beabsichtigt, in Linz zu übernachten und morgen nach Graz zu unserem nächsten Geschäftstermin zu reisen. Nach der Präsentation und den folgenden Gesprächen in der Linzer Innenstadt schauen wir dem GV70 tief in die Scheinwerfer und beschließen: Wir fahren die gut 200 Kilometer heute noch. Weil wir diesen Fahrgenuss zu schätzen wissen. An den im Abendlicht etwas düster wirkenden Schnellladesäulen des Rastplatzes Voralpenkreuz ziehen wir noch einmal Strom – und weiter geht‘s.


Um kurz nach 21 Uhr fahren wir ­allerdings in ein schweres Unwetter mit Starkregen, Windböen und Hagelschlag. Wie gut, dass der Genesis weiterhin ruhig und souverän über die Autobahn gleitet. Tempo 60, der Scheibenwischer arbeitet in der höchsten Frequenz. Wir fühlen uns auch auf der regennassen Fahrbahn wohl und zu jeder Zeit sicher. Der GV70 zeigt Charakter. Wir wissen es zu schätzen, dass er in diesem Sturm stabil die Spur hält und uns über das Bordsystem stets auf dem aktuellen Stand hält, was Geschwindigkeit, Fahrzeit und Batteriestand betrifft. Denn die Verkehrsschilder können wir zeitweise nur noch schwer erkennen und entziffern. Kurz vor Graz hört der Regen auf. Nach rund 550 Kilometern und zwölf Stunden nach unserer Abreise in Bayern fahren wir unser SUV in die Garage.


Auf großer Tour


Zwei Tage nach dem Aufenthalt in der Steiermark steht unser nächster Geschäftstermin im Terminkalender: Zürich. Der kürzeste und schnellste Weg würde uns zurück über München in die Schweiz führen. Doch die Herbstsonne lacht, der Genesis strahlt voll positiver Energie. Also entscheiden wir uns kurzfristig, die Ostalpen an der südlichen Seite zu umfahren. Über Slowenien und Italien mit Ladestopps in Ljubljana und Venedig sowie einer Nacht am Gardasee und einem weiteren Ladestopp in Bellinzona. Von Zürich aus geht es zurück nach Bayern. Das macht knapp 2000 Kilometer in fünf Tagen.


Einzigartiger Fahrgenuss


Für den batteriegetriebenen GV70 ist es ein Härtetest, den er mit Bravour besteht. Dieses Elektroauto ist für geschäftliche – und natürlich auch private – Touren auf der Langstrecke bestens geeignet. Der Genesis fährt, federt und lädt in Höchstform. Er macht das Reisen zum Genuss und selbst das Stromziehen zum willkommenen, weil knackig frischem Zwischenstopp.


Knapp 70.000 Euro für dieses Premium-SUV der Mittelklasse sind stattlich – gemessen an der umfangreichen Ausstattung und dem einzigartigen Fahrspaß jedoch adäquat. Sportliche 360 Kilowatt, umgerechnet 490 PS, bei dem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern – so lauten die Eckdaten, die selbst nüchterne Betrachter beeindrucken dürften.


Neues Vertriebskonzept


Der Genesis Electrified GV70 punktet zudem mit dem für diese Klasse durchweg attraktiven Raumangebot. Insassen von bis zu 1,90 Meter sitzen vorne wie hinten angenehm. Der Gepäckraum ist trotz des schnittig nach unten gezogenen Hecks opulent: bei umgeklappter Rückbank mit dem Volumen von bis zu 1.385 Liter. Dazu kommt der praktische 15-Liter-Frunk unter der Fronthaube.


Neu ist das Vertriebsmodell der Koreaner: Genesis hat kein Händlernetz, derzeit nur Showrooms in München, Frankfurt und Berlin – bestellt wird im Internet. Ein „Personal Assistent“ bringt den Neuwagen. Er steht bereits vor dem Kauf auch für Probefahrten parat, holt das Auto für Kundendienste ab und bringt es wieder. Zumindest die ersten fünf Jahre – so lautet das Garantieversprechen von Genesis, das auf Wunsch verlängert werden kann.








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