• Armin Grasmuck

Interview mit Christoph Erni, Gründer und CEO der Juice Technology AG

Christoph Erni, Gründer und CEO der Juice Technology AG, über den rasanten Aufschwung der Elektromobilität und die Tücken, die es zu bewältigen gilt.


Macher mit Elan: Firmenchef Christoph Erni beim Aufladen des Autos mit Juice Booster 2, einem Spitzenprodukt aus dem eigenen Unternehmen.

Der Boom in der Elektromobilität scheint sich täglich massiv zu verstärken, doch es hakt – aus diversen Gründen – in den Lieferketten und am Ausbau der Infrastruktur. Was muss passieren, dass die große Nachfrage der potenziellen Neukunden kurz- und mittelfristig gestillt werden kann?


Christoph Erni: Ein wichtiger Hebel für die Verbreitung der Elektromobilität ist, dass die große Vielfalt an Fahrzeugmodellen, die mittlerweile angeboten wird, auch auf die Straße kommt. Die Kleinwagen, die Limousinen der Mittel- und Oberklasse bis hin zu den SUVs und Geländewagen – diese Auswahl an neuen Modellen zu erschwinglichen Preisen macht die E-Mobilität für alle zugänglich und attraktiv. Höhere Absatzzahlen bei den Fahrzeugen steigern wiederum die Nachfrage nach Ladeangeboten. Der Schlüsselfaktor ist ein gut ausgebautes Ladenetz – noch wichtiger die passende Ladeinfrastruktur vor Ort. Denn das Auto wird normalerweise genau dort geladen, wo es ohnehin für längere Zeit steht, also zuhause oder am Arbeitsplatz.


Wie können Länder und Kommunen die Mobilitätswende beschleunigen?


Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen von allen Seiten, öffentlich und privat. Die Politik muss den Ausbau der Ladeinfrastruktur beispielsweise durch beschleunigte Genehmigungsverfahren vereinfachen. Gemeinden und staatliche Betriebe sollten Lademöglichkeiten auf ihren Parkplätzen bereitstellen. Unternehmen können einen Beitrag leisten, indem sie ihre Fahrzeugflotten sukzessive elektrifizieren. Die Mobilität muss zudem multimodal gestaltet werden, etwa mit Parkplätzen an den Stadtgrenzen, die durch eine lückenlose Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz zu attraktiven Verkehrsknotenpunkten ausgebaut werden.


Die Idee, Juice Technology zu gründen, hatten Sie 2014, weil Sie kein passendes Ladegerät für Ihr Elektroauto finden konnten. Damals ging es um die Verfügbarkeit der Hardware, ist heute die Software der entscheidende Faktor?


Die Hardware ist grundlegend, sie muss in jeder Situation zuverlässig funktionieren. Unser Juice Booster 2 etwa hebt sich von anderen Ladestationen ab, weil er so robust ist, dass er sogar noch funktioniert, wenn ein 42-Tonnen-Panzer über ihn rollt. Das haben wir im Test bewiesen. Doch der eigentliche Schlüssel zum Erfolg ist die Software, denn sie macht die Ladestationen dank wiederkehrender Updates aufrüstbar und somit langfristig nutzbar, also zukunftssicher. Nachhaltige Mobilität beginnt definitiv mit einer nachhaltigen Infrastruktur.


Juice Technology ist weltweit führend bei mobilen 22-Kilowatt-Ladestationen. Doch Sie bieten die volle Produktpalette, einschließlich der Schnellladegeräte. In welche Richtung geht Ihr nächster Schritt?


Wir werden weiterhin exzellente Hardware produzieren, vor allem jedoch in unseren Softwarebereich investieren. Ein wesentlicher Teil liegt in der Entwicklung von Software, die den Ladevorgang vollautomatisch abwickeln kann, damit sich der Nutzer nur noch um das Einstecken des Kabels kümmern muss. Software ist der Schlüssel, keineswegs nur bei der Ladeinfrastruktur, sondern in der E-Mobilität allgemein.


Wie wird der Wandel zur Elektromobilität das Verkehrsgeschehen verändern?


Ich gehe davon aus, das wir in 20 Jahren alle elektrisch fahren werden. Spätestens dann werden auch die ersten autonomen Autos unterwegs sein, was den Verkehr spürbar beruhigen, aber auch zu weiteren großen Umwälzungen führen wird. Freunden, denen ich das erzähle, sagen oft: Ach, du spinnst. Aber das haben auch die Pferdebesitzer gesagt, als das Auto langsam aufkam. Für uns als junges, agiles Unternehmen ergeben sich dadurch große Chancen, deswegen schauen wir auch sehr entspannt in die Zukunft.


|| Voll unter Strom: Aus purem Frust gründete der Schweizer Christoph Erni (59) vor acht Jahren die Juice Technology AG, weil für sein damals neues Tesla Model S keine brauchbaren mobilen Ladestationen angeboten wurden. Erni entwickelte sie einfach selbst – der Juice Booster wurde ein Erfolg. Heute ist Juice Technology mit den Tochtergesellschaften Juice Power (Ökostrom), Juice Services (Vermietgeschäft), Juice Telemetrics (Software) und weiteren Ablegern Weltmarktführer bei mobilen Ladegeräten für Elektroautos, beschäftigt rund 200 Angestellte rund um den Globus. Inzwischen bietet das Unternehmen mit Sitz in Bachenbülach auch Wallboxen, Schnelllader und Ladesysteme zum Management großer Parkhäuser an.