Leapmotor-Deutschland-Chef Martin Resch im Interview: Neue Modelle und Kooperation mit Opel

Martin Resch, Deutschland-Chef von Leapmotor, spricht über den erfolgreichen Marktstart des chinesischen Herstellers, das spezielle Profil seiner Kunden und die geplante Kooperation mit Opel.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg bei BEST IN CLASS. Haben Sie vielleicht insgeheim damit gerechnet, dass der B05 als bestes Elektroauto des Jahres in der Kompaktklasse ausgezeichnet werden könnte?
Martin Resch: Es hat uns positiv überrascht. Wir sind stolz und dankbar, dass wir bereits zum zweiten Mal mit diesem Award ausgezeichnet werden. Im vergangenen Jahr als Newcomer der Branche, jetzt mit dem B05 – wir betrachten es keineswegs als selbstverständlich, dass wir in relevanten deutschen Medien diese Aufmerksamkeit bekommen. Es freut uns deswegen umso mehr, dass die Jury uns allein aufgrund von Fakten auf den ersten Platz gewählt hat.
Wir sprechen hier in München, kurz nach Ende des Oktoberfests. Hatten Sie bereits Gelegenheit, auf die Geschäftszahlen von Leapmotor anzustoßen?
Nein, so weit sind wir noch lange nicht. Wir sehen uns gut im Plan. Vielleicht setzen wir uns am Ende des Jahres, wenn wir alle Zahlen analysiert und bewertet haben, zusammen und blicken zurück. Wir hatten ein sehr gutes drittes Quartal, doch es gibt für uns auch noch sehr viel zu tun.
Nüchtern betrachtet: Wie fällt Ihre Bilanz rund zwei Jahre nach dem Marktstart in Deutschland aus?

Exakt am 7. November 2024 hatten wir die erste Zulassung in Deutschland. 2025 ging es darum, mit den ersten beiden Modellen die Strukturen zu schaffen, etwa das Händlernetz aufzubauen. 2026 sind noch einmal zwei Modelle in neuen Segmenten dazugekommen, der B05 und der B03X. 2027 können wir also zum ersten Mal mit einem kompletten Line-up in den Markt gehen. Es soll ein Jahr des Wachstums werden. Wir sind so unterwegs, wie es in unserem Dreijahresplan vorgesehen war, sogar einen Tick schneller. Die Zwischenbilanz fällt für uns sehr zufriedenstellend aus. Selbstverständlich profitieren wir von den Möglichkeiten, die wir durch Stellantis haben. Nur so können wir unser Netz in dieser Geschwindigkeit skalieren. Das ist ein riesiger Wettbewerbsvorteil. Wir erwarten in Deutschland dieses Jahr deutlich mehr als 20.000 verkaufte Fahrzeuge.
Worauf führen Sie diese positive Entwicklung konkret zurück?
Stellantis bringt uns in eine Ausgangslage, die in dieser Industrie einzigartig ist. Unser Wachstum ist darauf zurückzuführen, dass wir neue Modelle und mehr Händler haben. Mit unserem Portfolio decken wir, was die Segmente betrifft, 65 Prozent des Pkw-Marktes ab. Dazu kommt das Timing. Jetzt ist der Punkt, an dem die Elektromobilität Fahrt aufnimmt. Sie kommt im Mainstream an, das merken wir. Es gibt die staatliche Förderprämie, die E-Mobilität für alle zugänglich macht – nicht nur für Privilegierte. Die Benzinpreise steigen. Es kommen gerade viele Dinge zusammen, die unsere Fahrzeuge noch attraktiver wirken lassen.

Sie bauen in Vertrieb und Service vornehmlich auf Händler aus dem Konzern Stellantis. Wie haben die Fachkräfte, die bislang bevorzugt etwa Modelle von Opel, Citroën oder Fiat verkauften, den neuen Partner aus China angenommen?
Ich denke, die Händler sehen die Möglichkeit, mit dieser chinesischen Marke Kunden zu erreichen, die sie sonst nicht erreicht hätten. Wir haben mittlerweile detaillierte Auswertungen über die Kundenwanderung innerhalb des Stellantis-Konzerns. Da bekommen wir bestätigt, was wir erwartet hatten: Es gibt nur wenige Effekte, die auf direkte Konkurrenz im eigenen Konzern hindeuten. Von den Händlern, die uns aufnehmen, höre ich unisono, dass sie viele neue Kunden gewinnen und auf diese Weise auch ihr gesamtes Geschäft profitiert.
Welches Feedback bekommen Sie von Ihren Kunden?
Wir haben mehrere Schleifen, in denen wir die Meinung unserer Kunden einholen. Wir screenen, auch technisch sehr intensiv, das Internet – und dort die Foren rund um Leapmotor. So wissen wir: Worüber wird debattiert? Wo können wir uns noch verbessern? Uns sind auch offene Worte nach Testfahrten wichtig – vom Kunden direkt oder vom Händler. Nach dem Launch des B05 hörten wir beispielsweise, dass der Spurhalteassistent etwas grob agiert. Wir haben die Punkte direkt nach China weitergegeben und bereits wenige Tage später war klar: Es gibt ein Over-the-Air-Update, damit der Assistent in Zukunft smarter eingreift. Das ist mittlerweile auch schon angekommen und hat das Fahrgefühl noch einmal deutlich aufgewertet.
Wo hakt es noch?
Wenn es Kritikpunkte gibt, arbeiten wir sie konsequent ab. Wir haben gerade den C10 des Modelljahres 2027 vorgestellt. Die Kunden hatten bemängelt, dass sie ihre Smartphones nicht koppeln können. Ab sofort wird es Apple Carplay und Android Auto im C10 geben. Keine Lordosenstütze? Hat er jetzt. Kein Parksensor vorn? Hat er jetzt. Und in der 400-Volt-Variante erhöhen wir die Ladeleistung von 84 auf 120 Kilowatt. Alles, was wir nicht softwaremäßig Over-the-Air lösen können, packen wir ins neue Modelljahr. Wir sind bereit, andere Wege zu gehen. Der Sprachassistent des C10 wird künftig etwa durch den Einsatz von KI optimiert.
Wie kommt der kleine SUV B03X an, den Sie gerade auf den Markt bringen?
(lacht) Brutal gut. Im Ernst: Die Auftragseingänge sind phänomenal. Es passiert uns auch zum ersten Mal, dass Kunden das Auto bestellen, ohne es überhaupt richtig gesehen zu haben. Der Zuspruch ist so stark, dass selbst wir überrascht sind. Der B03X scheint optisch und inhaltlich voll den Zeitgeist zu treffen.

Auf dem Autosalon in Paris haben Sie den riesigen Luxus-SUV D19 vorgestellt. Wie passt dieser zu Ihrem Markenbild?

Paris war in diesem Jahr eine globale Leitmesse. Da wollte Leapmotor natürlich zeigen, dass es ein Techkonzern ist. Der D19 ist das Aushängeschild – mit 1000-Volt-Technologie. Es heißt allerdings nicht, dass wir den D19 demnächst in Europa sehen werden. Für uns geht es weiterhin darum, bezahlbare Elektromobilität anzubieten.
Wie weit ist der kompakte SUV gediehen, den Opel auf der technischen Basis von Leapmotor vorantreibt?

Die 21-prozentige Beteiligung von Stellantis an Leapmotor und das Joint Venture für das internationale Geschäft bringen die beiden Firmen grundsätzlich eng zusammen. Natürlich gibt es gleichermaßen Erwartungshaltungen. Der komplett eigenständig entwickelte Opel auf der Plattform von Leapmotor ist das erste Projekt dieser Art. Es gibt einen intensiven Austausch. Genau das ist der Kerngedanke dieser Kooperation. Ein gutes Beispiel sind auch die europäischen Werke, die wir mithelfen auszulasten. Seit dem 16. Oktober produziert Leapmotor offiziell auch am Stellantis-Standort Saragossa, dort wird der B10 gebaut.
Was sind Ihre nächsten Schritte auf dem Weg, Leapmotor nachhaltig im deutschen Markt zu etablieren?
Im ersten Quartal 2027 werden wir den B03 bringen und unser Portfolio damit abrunden. Auf diese sechs Modelle, die wir dann im Markt haben werden, möchten wir uns intensiv konzentrieren. Jedes Modell muss gepflegt und beworben werden. Wir sind top aufgestellt und in jedem relevanten Segment vertreten. Die Breite haben wir. Jetzt geht es darum, jedes Modell konsequent in Szene zu setzen und weiterhin nachhaltig zu wachsen.



