top of page
  • Christoph Lumetzberger

Toyota Proace Verso Electric im ELECTRICAR-Praxistest

Egal ob Großfamilie oder Taxiunternehmen: Der Toyota Proace Verso Electric ist mit seiner Geräumigkeit und seinen bis zu acht Sitzplätzen für viele Einsatzgebiete bestens geeignet. Nur halt nicht allzu lange – doch dazu später mehr.


Die E-Mobilität ist schon längst auch im Segment der Kleinbusse angekommen. Mehrere Modelle ähnlicher Bauart sind bereits auf dem Markt, wie etwa der Citroën ë-Spacetourer oder der Opel Zafira-e Life. Diese ähneln sich aus gutem Grund, basieren sie doch allesamt auf dem gleichen Baukasten.


Die Qual der Wahl


Der Toyota Proace Verso Electric kam in der Ausführung Family+ zu uns, auf einer Skala von Einstiegs- zu Luxusvariante siedelt sich das Testfahrzeug auf der zweiten Stufe an. Die Basisversion heißt Shuttle, dann kommt der Family, dann besagter Family+ und an der Highend-Klippe steht der VIP. Unseren Testwagen gibt es ausschließlich mit der größeren Batterieausstattung, also der 75 kWh-Version. Die zwei Einstiegs-Varianten sind auch mit einer 50 kWh-Batterie zu bekommen, doch die Anschaffung des kleineren Energiespenders sollte wohlüberlegt werden.


Der Bus bietet sehr viel Komfort und lässt sich seinem Naturell entsprechend äußerst modular benutzen. Bei Auslieferung befinden sich ganze acht Sitze im Wageninneren. Zwei davon in der ersten, drei jeweils in der zweiten und dritten Sitzreihe. Vor allem hinter dem Lenkrad und auf dem Beifahrersitz steht richtig viel Beinfreiheit zur Verfügung. Außerdem ist der erhabene Ausblick im zähfließenden Verkehr zur Stoßzeit etwas, was Sie nicht missen werden. In den Reihen zwei und drei ist das Platzangebot ebenfalls mehr als ausreichend, allerdings nicht ganz so geräumig als vorne. Wird der Proace Verso Electric zum Personentransport genutzt, ist allerdings sichergestellt, dass jeder auf den acht Plätzen ausreichend Bewegungsfreiheit vorfindet.

Wird der Wagen zum Transport von Gütern benötigt, so spielt er seine ganze modulare Vielschichtigkeit aus. Die letzten beiden Sitzreihen sind auf Schienen angebracht und können, je nachdem wie viel Platz benötigt wird, auf Wunsch herausgenommen werden. Bei unserem L1-Modell, die mittlere der drei erhältlichen Längen-Varianten, passen so bei voller Belegung der Sitze bis zu 800 Liter unters Dach, bei umgeklappten Sitzen steigt diese Zahl auf 2.700 Liter. Wenn Sie sich die Mühe machen und die Sitzreihen zur Gänze herausnehmen, lässt sich - etwas überspitzt formuliert - quasi alles befördern, was nicht niet- und nagelfest ist. Von den Surround-Boxen, über einen Rasenmäher bis hin zu Fahrrädern oder eine Vielzahl an Koffern und Reisetaschen finden ohne Probleme im Proace Verso Electric ihren Platz.

Klassisch: Der Wagen kann seinen Ursprung im Verbrenner-Segment keinesfalls verleugnen.

Praktisch und elegant


Auf beiden Seiten befinden sich elektrische Schiebetüren, was sowohl das Beladen mit Gütern, als auch den Personentransport erleichtert. In die dritte Sitzreihe gelangt man, wenn die zweite kurzzeitig umgeklappt wird. Die Kofferraumklappe schert nach hinten beim Öffnen ziemlich stark aus, weshalb Sie vor allem aufpassen sollten, wenn Sie den Wagen in eine parallele Parklücke manövriert haben und zum Fahrzeug dahinter nicht mehr allzu viel Abstand besteht. Der Nutzen dieser großen Öffnung liegt jedoch klar auf der Hand: Güter können ohne lästige Stufen und Ladekanten ein- und auch wieder ausgeladen werden. Alternativ kann die Zuladung kleinerer Gegenstände auch über die separat zu öffnende Heckscheibe erfolgen.


Sind Waren und Personen im Wagen ordnungsgemäß untergebracht, geht es endlich ans Steuer. Sie blicken auf ein aufgeräumtes Interieur, welches den Ursprung im Verbrenner-Segment nicht leugnen kann. Zahlreiche Knöpfe und Schalter, dafür nur wenige Display- und Touchscreen-Flächen stehen dem Piloten zur Seite. Die fehlende Mittelkonsole vermissen Sie nur zu Beginn, bald haben Sie sich daran gewöhnt, dass der Hebel für den Wechsel zwischen den Automatik-Modi unterhalb der Klima-Steuerzentrale und dem Ablagefach für Geldbörse und Smartphone liegt.


Etwas angestaubt


Das Infotainmentsystem ist akzeptabel, hat im Vergleich mit Lösungen der Konkurrenz aber doch gewisse Schwächen. Manche Menüs wirken etwas altbacken und verschachtelt, außerdem kommt dem System insgesamt nicht zugute, dass das Display relativ klein ist. Im Test probierten wir alle Einstellungsmöglichkeiten durch und mit etwas Geduld gewohnten wir uns auch daran. Nervig empfanden wir jedoch, dass - obwohl wir beim ersten Mal ein Smartphone per Bluetooth gekoppelt und Musikwiedergabe gewählt haben - bei jedem Neustart das Telefon als Quelle für Musikwiedergabe erneut ausgewählt werden muss. Alternativ haben wir auch CarPlay per Kabelverbindung genutzt, das vom Proace Verso Electric unterstützt wird. Hier macht sich die schlaue Platzierung des USB-Anschlusses bezahlt, dieser ist nämlich direkt neben der Öffnung für die Smartphone-Aufbewahrung angebracht.


Durstiger Zeitgenosse


Der Multivan ist keine Rakete, aber für seine wuchtige Erscheinung doch ziemlich flott. In etwas mehr als zwölf Sekunden erfolgt der Spurt aus dem Stand auf 100 km/h, bei maximal 137 ist Schluss und es wird abgeriegelt. Die 100 kW- bzw. 136 PS-Maschine ist dabei allerdings kein Akkuflüsterer, sondern treibt mit einem kumulierten Verbrauch von beinahe 30 kWh auf 100 Kilometern jedem Langstrecken-Aficionado die Schweißperlen auf die Stirn. Bei einer Vollladung und einer moderaten Autobahn-Tour mit maximal 120 km/h schafften wir nur mit Müh und Not die 200 Kilometer-Marke, ehe die dramatisch schrumpfende Batterieanzeige schon den nächsten Ladevorgang erzwang. Zwar waren wir vollbesetzt mit acht Personen und hatten auch die Klimaanlage aktiviert, dennoch war der Fahrstil - noch dazu im Eco-Modus - alles andere als rabiat, viel mehr gemütlich und eher aus der Kategorie Kaffeefahrt. Uns fiel aber auch auf, dass sich die Batterieanzeige, bei konstant ähnlichem Fahrstil, anfangs deutlicher im Abwärtsstrudel befand als gegen Ende der Batteriekapazität. Somit stresst die Anzeige zunächst mehr als sie dann am Ende tatsächlich die Wahrheit spricht.

Doch welches Fazit sollen wir nun ziehen? In Sachen Geräumigkeit, Fahrgefühl und Modularität ist der Toyota Proace Verso Electric über jeden Zweifel erhaben. Der Wagen schafft den Spagat zwischen edlem Stromer und praktischem Multivan und richtet sich damit gleichermaßen an Unternehmer und Privatpersonen. Wäre da nicht die Sache mit der mauen Akkulaufzeit. Ein Familienvater mit Gattin und vier Kindern, der den Wagen mit Koffern vollpackt und in den Italienurlaub fährt, muss sich auf mehrere Ladestopps pro Strecke einstellen, die ob der großen Batterie und dem üppigen Verbrauch sogar einigermaßen lange dauert, selbst am Schnelllader. Wer jedoch eher auf Kurzstrecken unterwegs ist und regelmäßig die Möglichkeit hat, den Van aufzuladen, der kann bedenkenlos eine Probefahrt vereinbaren.


Technische Daten

Hersteller

Toyota

Modell

Proace Verso Electric

Antriebsart

Electric

Leistung

100 kW (136 PS)

​Maße / Gewicht

5.309 x 1.920 x 1.899 mm / 1.894 kg

Türanzahl

5

Ladevolumen

550 bis 1600 l

Batteriekapazität

75 kWh

​Ladeleistung

11 kW / 100 kW (AC/DC)

Reichweite

315 km (WLTP)

​0-100 km/h

13,3 Sekunden

Spitze

130 km/h

Preis

71.470 Euro (unser Testwagen)



bottom of page