VW startet Batterieproduktion in Spanien: Martorell wird E-Auto-Zentrum
- Beatrice Bohlig

- vor 2 Stunden
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In der katalanischen Stadt Martorell, dem Stammsitz von Seat und Cupra, geht eine innovative Fertigung für Batteriesysteme ans Netz. Der VW-Konzern plant, die eigenen Akkus direkt in neuen Modellen wie dem Cupra Raval und dem ID. Polo von Volkswagen zu verbauen.

Das Stammwerk von Seat und Cupra im spanischen Martorell wird strategisch noch bedeutsamer für den deutschen Mutterkonzern VW. Mit dem Anlauf eines rund 300 Millionen Euro teuren Montagebereichs für Batteriesysteme von E-Autos avanciert der Produktionsstandort zu einem „Epizentrum der Mobilität der Zukunft“, sagt Topmanager Markus Haupt anlässlich der Eröffnung der Teilfabrik.
„Wir sind bereit“, so kündigt der CEO von Seat und Cupra an, „100 Prozent elektrische Fahrzeuge ‚Made in Spain‘ zu produzieren, die Elektromobilität in ganz Europa zugänglich machen werden“. Haupt gegenüber electricar am Rande der Einweihungszeremonie unweit der katalanischen Metropole Barcelona: „Personell und technisch ist Martorell bestens aufgestellt“. Hier könnten die Teams von Seat und Cupra fortan gemeinsam mit VW „die Spielregeln der Elektrifizierung verändern“.
Hintergrund dieser Perspektive ist die sogenannte urbane
Elektrofahrzeugfamilie aus der Markengruppe Core der Volkswagen Group. Hier bündelt der Wolfsburger Multi die vier Volumenlabel VW Pkw und Seat mit Cupra sowie Skoda und VW Nutzfahrzeuge. Wichtiges Ziel: reine Batteriefahrzeuge für den Stadtverkehr mit Preisen ab 25.000 Euro. Die Projektleitung hat VW an Seat und Cupra übertragen.

In diesem März wird als erster von vier bei Core geplanten City-Stromern der Kleinwagen Cupra Raval in der Serienversion präsentiert. Im Abstand von jeweils rund drei Monaten folgen der technisch verwandte Volkswagen ID. Polo sowie die einander konzeptionell ebenfalls ähnelnden Stadt-SUV Skoda Epiq und Volkswagen ID. Cross. Letzteres Duo wird am spanischen VW-Standort Navarra vom Band laufen. Die Fertigung von Cupra Raval und ID. Polo hingegen erfolgt in Martorell.
Stadtflitzer mit 85 kW aufwärts
Als Plattform dient dem Cupra Raval VWs Modularer E-Antriebs-Baukasten in optimierter Form, kurz MEB+. Der nur vier Meter lange Fronttriebler kommt zunächst in drei Launch-Editionen auf den Markt: Die ab etwa 26.000 Euro erhältliche Basisversion Dynamic mit 155 kW respektive 211 PS soll eine Reichweite von 450 Kilometern bieten. Darüber rangieren die Typen Dynamic Plus sowie das vorläufige Topmodell VZ Extreme (166 kW/226 PS, 400 Kilometer).
Zum Vergleich: Mit ebenfalls 166 kW wird VW den ID. Polo als sportiven GTI in das Rennen um Marktanteile schicken. Darunter positionieren die Wolfsburger drei Leistungsstufen mit 85 kW (116 PS) und 99 kW (135 PS) sowie 155 kW (211 PS). „Die 85-kW- und 99-kW-Versionen werden serienmäßig mit einer 37 kWh großen LFP-Version (Lithium-Ferrophosphat-Akku) der neuen Hochvolt-Batterie starten“, teilt VW mit. Dieser Akku lasse sich mit bis zu 90 kW an DC-Schnellladesäulen laden.

„Die 155-kW- und 166-kW-Antriebe werden serienmäßig von einer NMC-
Variante (Nickel-Mangan-Kobalt-Akku) der neuen PowerCo Einheitszelle mit Strom versorgt“, heißt es weiter aus dem Unternehmen. Diese Batterie biete den Energiegehalt von 52 kWh, sei mit bis zu 130 kW an DC-Säulen mit Frischstrom zu befüllen.
In der Tochtergesellschaft PowerCo bündelt VW sämtliche Aktivitäten rund um das Arbeitsfeld Batterie. „Die in Martorell produzierten MEB+ Batteriesysteme sind in allen wesentlichen Aspekten voll wettbewerbsfähig und ein klarer Fortschritt, weil wir die Einheitszelle einführen“, sagt Günther Mendl, Leiter des konzernweiten Center of Excellence Battery. „Sie ist nicht einfach eine weitere Batteriezelle, sondern unsere globale Technologieplattform, die eine bislang unerreichte Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Flexibilität über Marken, Regionen und Segmente hinweg ermöglicht“.
Bis zu 300.000 E-Autos pro Jahr
Martorells Werkleiter Jose Arreche betonte denn auch beim Fabrikrundgang, man wolle hier das Beste aus zwei Welten – Verbrenner und Elektromobilität – miteinander verbinden: Ausgelegt als „flexible Fabrik“, können in Martorell reine BEV sowie Hybrid-Pkw und ICE-Modelle gefertigt werden. 2024 waren im drittgrößten VW-Autowerk auf europäischem Boden gut 481.000 Neuwagen entstanden. Im Zuge der laufenden Transformation verfolge man das „Ziel, eine maximale Kapazität von 600.000 Einheiten pro Jahr zu erreichen, von denen künftig bis zu 300.000 vollelektrische Fahrzeuge (BEV) sein könnten“, lässt die Führungsriege von Seat und Cupra wissen.

Das neue Batteriesystem-Montagewerk jedenfalls ist dafür bereits gerüstet: In der hochmodernen Schlüsselanlage können an jedem Werktag 1200 Akkukomplexe zusammengesetzt werden, mithin 300.000 pro Jahr. Über eine 600 Meter lange Brücke gelangen die Batteriesysteme im Wege eines automatisierten Transports an die Produktionslinien von Cupra Raval und VW ID. Polo in der Montagehalle.


