Armin Grasmuck - Editorial ELECTRICAR 1/26
- Armin Grasmuck

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Ein legendärer Torwart würde es wohl einfach wie prägnant formulieren: Da ist das Ding! Sie kommt also, diese Prämie, die das ganze Land mobilisieren soll. Nach großen Debatten und zähem Verhandeln bis zur letzten Minute hat die Bundesregierung ihr neues Programm zur Förderung von Elektroautos beschlossen. Wer einen Stromer kauft oder least, kann bis zu 6000 Euro vom Staat bekommen. Der große Beifall bleibt allerdings aus.
Jawohl, sagen die positiv Gestimmten, die staatliche Förderprämie gibt der Elektromobilität einen kräftigen Schub auf dem Weg in die breite Mitte der Gesellschaft. Falsche Intention und im Detail nur wenig substanziell – so kritisieren andere. Selbst in der Branche wird diese von der Politik beschlossene Maßnahme zwiespältig aufgenommen. Klarheit und Verlässlichkeit, damit professionelles und nachhaltiges Planen auch mittelfristig möglich ist: In diesem Rahmen würden die meisten Strategen und Entscheider bevorzugt ihre Projekte verwirklichen, Förderprämie hin oder her. Der Schock und die massiven Einbußen, die mit dem abrupten Ende der ersten E-Autoförderung durch die Bundesregierung Ende 2023 verbunden waren, sorgen bis heute für Wehklagen.
Entscheidend ist ohnehin, wie die geneigten Kunden auf das Angebot reagieren. Fühlen sie sich durch den finanziellen Anreiz animiert, sich ernsthaft mit den batteriegetriebenen Fahrzeugen zu beschäftigen? Werden die Autofahrer tatsächlich im großen Stil transformieren und vom Verbrenner auf das
E-Auto umsteigen? Doppelt interessant ist in diesem Zusammenhang, dass zahlreiche Hersteller zusätzlich zu der staatlichen Förderprämie attraktive Preisnachlässe anbieten. Ford reagierte am schnellsten. Nur wenige Minuten nach dem Beschluss der Bundesregierung verschickte der US-Produzent aus der Kölner Filiale verlockende Nachrichten nach dem Motto: 5000 Euro Rabatt auf vier E-Modelle und einen Plug-in-Hybrid – zusätzlich zu der staatlichen Förderung.

Adäquat umrissen ist die Offerte für den Dacia Spring. Der rumänische Hersteller hat bestätigt, dass der Kleinstwagen abzüglich des aktuellen Preisnachlasses von 5000 Euro samt der im besten Fall gewährten Förderprämie von 6000 Euro bis auf weiteres für 5900 (!) Euro käuflich zu erwerben ist. Damit kostet der Spring weniger als Leichtkraftfahrzeuge wie der Opel Rocks Elektro oder der Microlino, für die der Staat keine Förderprämien vorsieht – was logisch wiederum nur äußerst schwer nachzuvollziehen ist. Die attraktiven Preise und zahlreiche neue Modelle, die Woche für Woche auf den Markt kommen, werden dafür sorgen, dass das Geschäft mit den Elektromobilen in diesem Jahr fast zwangsläufig anspringt. Auch weil die Hersteller von der EU angehalten sind, wesentlich mehr umweltverträgliche Autos zu verkaufen. Dazu kommt der Druck durch neue Hersteller aus China wie BYD, Leapmotor, Changan oder Zeekr.
Wie aktiv, effizient und nachhaltig die große Transformation gestaltet werden kann, beweist der Reifenhersteller Pirelli. Im deutschen Werk in Breuberg vollzieht dieser Premiumproduzent inzwischen ganze Entwicklungszyklen virtuell. Und die mehr als 100 für die Fertigung der Reifen benötigten Heizpressen werden in diesem Jahr auf elektrischen Betrieb umgestellt. Selbstverständlich bietet Pirelli auch spezielle Modelle für E-Autos an. Der beste Reifensatz kostet hier mehr als der günstige Dacia.
Viel Spaß beim Lesen!


