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Baum kracht auf E-Auto: Alpine A290 bewahrt Technikexperte Jens Andersen vor Schlimmerem

Henning Krogh
vor 1 Minute
3 Min. Lesezeit

Glück im Unglück hatte Jens Andersen am Volant einer Alpine A 290, als Totholz auf das E-Fahrzeug schlug. Der Technikexperte und frühere Topmanager von VW arbeitet die Geschehnisse im Gespräch mit electricar auf.



Ein warmer Sonntag im Juni dieses Jahres. Der Lübecker Jens Andersen lenkt die Alpine A 290 seiner Ehefrau Petra durch Nordwestmecklenburg. Bei „guter Musik aus der hervorragenden Hi-Fi-Anlage dieses E-Autos und bester Laune“, wie er electricar später berichten wird.


Foto: Jens Andersen
Foto: Jens Andersen

Urplötzlich schlägt das Schicksal zu. Die Instrumente des sportiven Kompaktstromers aus französischer Fertigung weisen, als es passiert, ein Tempo von 70 km/h aus. Und just das ist auch gut so: „Bei 67 oder 68 km/h“, graust sich der Lübecker, „wäre ich jetzt tot“.


Denn gegen 15.50 Uhr kippt ein altersschwacher Baum über die Kreisstraße K 45. Krachend knallt der Stamm auf das Dach des Renault-5-Derivats – und eben nicht durch die Windschutzscheibe. „Ich hatte Glück, denn es ging um Zentimeter und Zehntelsekunden“, sagt der promovierte Ingenieur und gestandene Automotive-Kenner. Von 1990 bis 2018 wirkte Andersen bei VW, unter anderem als Leiter der Technologiestrategie. Später führte der Antriebsexperte als Generalsekretär eines europäischen Industrieverbands komplexe Verhandlungen auf EU-Ebene.


BAUM UND ZEIT: Als diese massiven Holzstücke herabstürzten, war Jens Andersen mit den zulässigen 70 km/h unterwegs. Ein Einschlag in der Frontscheibe hätte fatal enden können. Foto: Jens Andersen
BAUM UND ZEIT: Als diese massiven Holzstücke herabstürzten, war Jens Andersen mit den zulässigen 70 km/h unterwegs. Ein Einschlag in der Frontscheibe hätte fatal enden können. Foto: Jens Andersen

Vor dem Hintergrund dieser beruflichen Einsätze sowie im Hinblick auf sein privates „Glück im Unglück“ sind Andersens Analysen so aktuell wie plausibel: „Klimawandel bedeutet nicht nur Hitze und Trockenheit. Er bedeutet auch neue Risiken für Stadt- und Straßenbäume“, sagt der Hanseat. „Die Bürger dürfen erwarten, dass gefährliche Bäume nicht erst nach einem Unfall auffallen“.


Bekenntnis zur Gehölzpflege


Andererseits weiß der Fahrzeugspezialist: „Man kann nicht jedes Auto so bauen, dass es jeden Baumsturz übersteht, das wäre Symptombekämpfung“. Daraus folgt für Andersen: „Nicht das Auto muss den morschen Baum kompensieren, sondern der morsche Baum muss rechtzeitig erkannt werden“.


Hier kommt die Politik ins Spiel. „Der Deutsche Bundestag hat in einer Ausarbeitung zur Verkehrssicherungspflicht für Straßenbäume ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Straßenverkehrssicherungspflicht auch Gefahren durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste betrifft“, berichtet Andersen.


FLOTTE FLUNDER: Beim Goodwood Festival of Speed zeigte Alpine stolz die Stromer-Studie A 110 Future – ein flaches, zweisitziges Coupé mit 800-Volt-Batteriesystem. Bild: Alpine
FLOTTE FLUNDER: Beim Goodwood Festival of Speed zeigte Alpine stolz die Stromer-Studie A 110 Future – ein flaches, zweisitziges Coupé mit 800-Volt-Batteriesystem. Bild: Alpine

Und weiter: „Die USA haben mit FMVSS 216a eine explizite Dachfestigkeitsregel. Ziel ist nicht die Abdeckung des Falles ‚Baumsturz’, sondern der Schutz des Überlebensraums bei Überschlägen. Diese Unfallart passiert in den USA offenbar häufig genug, dass der Gesetzgeber sich veranlasst sah, diesen Lastfall in eine Vorschrift zu überführen“.


In Europa hingegen „gibt es für normale Pkw meines Wissens keinen direkt vergleichbaren verpflichtenden Roof-Crash-Test nach dem Muster FMVSS 216a“, so Andersen. „Die EU-Typgenehmigung ist umfassend geregelt; Euro-NCAP prüft Frontalcrash, Seitenaufprall, Pfahlaufprall, Far-Side, Whiplash, Rettung/Extraktion und weitere Szenarien – aber keinen isolierten Dachquetschtest wie FMVSS 216a“.


Lob für die Karosseriestruktur


Das jedoch will Andersen keinesfalls als Schuldzuweisung verstanden wissen: „Die eigentliche Lehre ist nicht: Baut noch steifere Autos. Die Lehre ist: Erkennt Gefahren früher und plant immer resilient sowie redundant. Auch wenn es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Denn reine Gesetzeserfüllung taugt nicht als Basis für eine Unternehmensstrategie“, sagt er mit einem Augenzwinkern.


TOTALSCHADEN: Mehrere „Treffer“ haben die Dachpartie der A 290 so stark demoliert, dass Andersens Alpine nicht mehr verkehrssicher zu reparieren ist. Foto: Jens Andersen
TOTALSCHADEN: Mehrere „Treffer“ haben die Dachpartie der A 290 so stark demoliert, dass Andersens Alpine nicht mehr verkehrssicher zu reparieren ist. Foto: Jens Andersen

Ausdrücklich hebt Andersen denn auch hervor: „Dass mein Fahrzeug mich geschützt hat, spricht für konstruktive Reserven der Sicherheitszelle – nicht dafür, dass dieser Sonderfall regulatorisch sauber abgedeckt werden müsste“.


SPUREN DER GEWALT: Auch zahlreiche Glas- und Holzsplitter auf der Rückbank des Unglücksfahrzeugs zeugen von der Wucht des Aufeinandertreffens von Ast und Auto. Foto: Jens Andersen
SPUREN DER GEWALT: Auch zahlreiche Glas- und Holzsplitter auf der Rückbank des Unglücksfahrzeugs zeugen von der Wucht des Aufeinandertreffens von Ast und Auto. Foto: Jens Andersen

Drei kernige Verbrenner des Typs A 110 nannte Alpine-Fan Andersen bereits sein Eigen. Nach dem Totalschaden an der A 290 warten er und seine Gemahlin jetzt zunächst auf die Auslieferung eines Volkswagen ­ID. 7 als Limousine. Auf lange Sicht allerdings hegt der Norddeutsche andere Pläne: „Das Sportwagenkonzept A 110 Future, wie es Alpine jüngst beim Goodwood Festival of Speed präsentiert hat, wird so, wie ich mir eine automobile Leichtathletin des 21. Jahrhunderts vorstelle – kompakt, leichtgewichtig aufgrund einer Aluminiumkarosserie wie beim Vorgänger, mit leistungsstarkem batterieelektrischen Antrieb“.


Andersen betont: „Das sind wichtige Ingredienzen für eine überzeugende Querdynamik und viel nachhaltigen Fahrspaß.“



 
 
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