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Interview go-e-CEO Erik Yesayan: Warum E-Mobilität im Mainstream angekommen ist

  • Autorenbild: Armin Grasmuck
    Armin Grasmuck
  • vor 2 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit
Erik Yesayan, CEO von go-e, über den aktuellen Aufschwung im Segment der Ladeinfrastruktur, nachhaltige Projekte auf öffentlichen Parkplätzen und den neuen Trend zum bidirektionalen Laden. Foto: go-e
Erik Yesayan, CEO von go-e, über den aktuellen Aufschwung im Segment der Ladeinfrastruktur, nachhaltige Projekte auf öffentlichen Parkplätzen und den neuen Trend zum bidirektionalen Laden. Foto: go-e

Vor einem Jahr sind Sie als CEO an die Spitze von go-e gerückt. Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus?


Erik Yesayan: Der Markt hat sich gut erholt. Es gibt vermehrt neue europäische Autos, die das Geschäft preislich und qualitativ beleben. Die E-Mobilität rückt in den Mainstream. Vor neun Jahren, als ich hier einstieg, haben wir uns bereits damit beschäftigt. Damals war es noch ein idealistisch geprägtes Nischenthema.

Inzwischen spielt die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Viele Kunden und Konsumenten sehen heute die Vorteile der Elektromobilität. Ich kann kostengünstig zuhause oder unterwegs laden. Und konkret auf uns bezogen: Spätestens ab Quartal zwei des vergangenen Jahres spürten wir, dass die Umsätze ordentlich nach oben gehen. Dementsprechend war es ein erfolgreiches Jahr für uns. Wir haben drei neue Produkte auf den Markt gebracht. Wir wachsen, haben viele neue Mitarbeiter eingestellt – und wir haben noch einige Stellen zu besetzen. Die Nachfrage steigt konstant an, das ist ein sehr gutes Zeichen.


Der neue go-e Charger Pro Cable hat einen MID-Zähler und ist leicht in die Haus-technik zu integrieren. Foto: go-e
Der neue go-e Charger Pro Cable hat einen MID-Zähler und ist leicht in die Haus-technik zu integrieren. Foto: go-e

Die Lage, speziell im Segment der Anbieter von Ladeinfrastruktur, war nach dem Wegfall der staatlichen Förderprämie herausfordernd. Wie haben Sie diese schwierige Phase gemeistert?


(lacht) Sehr gute Frage! Ich war bereits zu dieser Zeit für die Finanzen zuständig. Das ist natürlich der Albtraum jedes Finanzverantwortlichen. Es gab die Förderung für Ladeinfrastruktur in Deutschland, wo Leute unterstützt wurden, die nicht einmal ein E-Auto haben mussten. Das war ein Eldorado

für die Hersteller von Ladeboxen. Dann wurde die Förderung abrupt gestrichen – und die Nachfrage war über Nacht weg. Im doppelten Sinn, weil potenzielle Kunden, die erst später das E-Auto bekamen, bereits die Wallbox in der Garage hatten. Dann wurde auch noch die Förderprämie für die Fahrzeuge gestrichen, was den Markt zusätzlich negativ beeinflusste. Für uns als Unternehmen war es in höchstem Maße herausfordernd, weil wir in der umsatzstarken Phase investiert und entsprechend Kapital gebunden hatten. Trotzdem

beschlossen wir, keine Mitarbeiter abzubauen. Darauf sind wir stolz, denn wir haben es geschafft, uns zurückgekämpft. Jetzt schauen wir positiv in die Zukunft.


Neu auf dem Markt - Der go-e Charger Pro Cable kommt überall dort zum Einsatz, wo ein MID-konformer Zähler gefragt ist – etwa bei Dienstwagenfahrern. Foto: go-e
Neu auf dem Markt - Der go-e Charger Pro Cable kommt überall dort zum Einsatz, wo ein MID-konformer Zähler gefragt ist – etwa bei Dienstwagenfahrern. Foto: go-e

War es langfristig geplant, dass Sie den Posten des CEO übernehmen und Ihre Vorgängerin Susanne Palli sich auf die internationale Expansion konzentriert?


Das hat sich ergeben. Eines Tages kam Susanne Palli auf mich zu und sagte: Erik, ich möchte meinen Fokus auf das internationale Geschäft legen – und dass du Geschäftsführer wirst. Sie hatte zuvor bereits die Expansion in Skandinavien betrieben. Wir arbeiten von Tag eins an gut zusammen, teilen jede Aufgabe unter uns auf, unterstützen uns gegenseitig. Insofern war es für Susanne die logische Konsequenz, mich mit ihrer Nachfolge zu betrauen. Für mich haben sich neue Horizonte eröffnet. Als Finanzverantwortlicher war ich darauf bedacht, das Geld zusammenzuhalten. Auf der anderen Seite geht es auch darum, in die Zukunft zu investieren. Dieser Spagat bereitet manchmal Schmerzen, doch er ist unbedingt notwendig.


Kooperation in der Region - go-e leitet das Forschungskonsortium „Shared Charging” für neue, inklusive Ladelösungen. Foto: Audi Charging Hub
Kooperation in der Region - go-e leitet das Forschungskonsortium „Shared Charging” für neue, inklusive Ladelösungen. Foto: Audi Charging Hub

Ihr konkretes Ziel lautet, bis 2030 Marktführer bei den Ladelösungen in Europa zu werden. Wie weit sind Sie?


Wir sind die beliebteste Marke in Deutschland, unserem Hauptmarkt. Das haben uns zwei Institute unabhängig voneinander bestätigt. Dort haben wir einen Marktanteil von fünf bis sechs Prozent, sind damit Marktführer. Darauf bauen wir auf. Unser nächstes Produkt werden wir eichrechtskonform positionieren, was speziell für den gewerblichen Einsatz von großer Bedeutung ist.


Speziell für Geschäftskunden haben Sie gerade das neue Modell go-e Pro auf den Markt gebracht. Wie kommt dieser Wandlader bei den Kunden an?


Unsere Auftragsbücher sind voll, und wir arbeiten im Dauerbetrieb daran, an die Kunden auszuliefern. Mit dem Pro-Modell werden auch Projekte im großen Stil umgesetzt. Wir haben zum Beispiel Aufträge im Haus, bei denen es darum geht, ganze Tiefgaragen mit Wandladern auszustatten. In der Spitze sprechen wir da von bis zu 500 Exemplaren pro Auftrag.


Sie sind auch in der Region aktiv. Shared Charging – übersetzt so viel wie: Laden für alle – so lautet ein Forschungsprojekt in Kärnten. Worum geht es genau?


Wir haben uns mit großen Unternehmen wie Infineon und dem Energieversorger Kelag zusammengeschlossen, um das nachhaltige und kostengünstige Laden überall zu ermöglichen. Dieses Projekt hat zwei Teilbereiche. Einmal geht es darum: Wo laden wir? Wo ist der Bedarf am höchsten? Andererseits interessieren uns einfache und günstige Ladepunkte. Das Laden soll jedem ermöglicht werden. Man kommt an, parkt und zieht Strom. Es ist möglich, ganze Parkplätze relativ kostengünstig entsprechend auszustatten.


Wandmotiv in der Firmenzentrale in Feldkirchen - Direkt neben dem Eingang zur Produktion, in der alle Ladegeräte von go-e-hergestellt werden, können Besucher das Innenleben der beliebten Wallbox Gemini flex 2.0 sehen. Foto: electricar
Wandmotiv in der Firmenzentrale in Feldkirchen - Direkt neben dem Eingang zur Produktion, in der alle Ladegeräte von go-e-hergestellt werden, können Besucher das Innenleben der beliebten Wallbox Gemini flex 2.0 sehen. Foto: electricar

Ihr Motto lautet: Jeder öffentliche Parkplatz soll die Möglichkeit bieten, E-Fahrzeuge aufzuladen. Ist das realistisch?


Wir sind davon überzeugt, dass es notwendig sein wird. Ja, es sollte möglich sein, an jedem Parkplatz Strom zu ziehen – zentral gesteuert von einer Hardware, die auch das professionelle Lastmanagement beinhaltet. Auf diese Weise können 100, 200 oder 300 Parkplätze versorgt werden. Der Strom wird genau dorthin geleitet, wo er benötigt wird. Der jeweilige

Parkplatz braucht also keine Wallbox, sondern nur einen Stecker.


In der Praxis soll es heißen: Die Autofahrer lassen sich einmal registrieren und können fortan laden, egal wo sie stehen?


Das ist die Idee. Sie ist bei uns im Unternehmen während einer Diskussion geboren worden. Für das folgende Projekt haben wir andere Unternehmen kontaktiert, die Resonanz war überwältigend. Es ist ein Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft weit über Kärnten hinaus und soll modellhaft zeigen, wie nachhaltige Ladelösungen aussehen können, wenn etwa 90 Prozent der Fahrzeuge batterieelektrisch sind.


Ihre Region scheint allein aufgrund der Topografie mit natürlichen Energiequellen gesegnet zu sein. Ist ein adäquates Projekt auch im Flachland umsetzbar?


Sonnen- und Windenergie gibt es überall, mancherorts mehr als bei uns. Unser Modell ist überall einsetzbar, es ist skalierbar und erweiterbar. Das ist der Grundgedanke, der dahintersteckt.


Hat es Sie überrascht, dass die deutsche Regierung den Weg für das bidirektionale Laden geebnet hat?


Ja, ich hatte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Unsere go-e Pro unterstützt bidirektionales Laden selbstverständlich. Die Hardware gemäß ISO 15118 ist in den neuen Produkten bereits verbaut. Sobald der Standard in den Elektroautos implementiert ist, wird es per Software-Update für unsere Ladeboxen nachgeliefert.


Welche Themen treiben Sie 2026 voran?


Der Ausbau unserer Partnerschaften, wie zuletzt mit Eon, ist uns sehr wichtig. Weitere Themen sind Energiemanagement, bidirektionales Laden als ein Teil davon, und die konsequente Erweiterung unseres Portfolios – mit neuen

Produkten und Software-Features.



Positive Energie


Die go-e GmbH ist ein Unternehmen mit Sitz in Feldkirchen/Kärnten, das sich auf smarte Ladelösungen für Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Gegründet 2015 von Peter Pötzi und anderen als Start-up im Rahmen eines Kickstarter-Projekts, begann das Unternehmen zunächst mit einem aufrüstbaren Elektroantrieb für Fahrräder und wandte sich 2016 der E-Mobilität zu. 2017 stellte go-e mit dem go-e Charger Home+ die weltweit erste mobil verwendbare smarte Wallbox vor, die bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung, Steuerung per App, dynamische Lastverteilung und Plug-and-Play-Funktionen bietet. go-e beschäftigt europaweit rund 120 Mitarbeiter, auch an Standorten in Graz, Berlin und Stockholm. Das Unternehmen bedient Partner in über 30 Ländern – unter anderem mit starkem Wachstum in Deutschland, Skandinavien und den Benelux-Ländern.




 
 
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