Interview mit Thomas Goldboom: Citroëns Strategie für erschwingliche Elektroautos
- Armin Grasmuck

- vor 2 Stunden
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Thomas Goldboom, Deutschland-Chef von Citroën, erklärt die neue Bandbreite seines Portfolios, die gezielte Kooperation mit dem professionellen Sport und den positiven Trend, den der traditionsreiche Hersteller verzeichnen kann.

Sie sind gerade von den Olympischen Spielen aus Italien zurückgekehrt. Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Thomas Goldboom: Einfach alles! Ob es die ganzen Locations sind, ob es die Kulisse ist, ob es die Sportler sind, die Fans – also wirklich von A bis Z. Die Atmosphäre unter den Zuschauern, speziell in Cortina, war extrem gut. Nationenübergreifend, das fand ich sehr beeindruckend. Natürlich das deutsche Team, das deutsche Haus, der Medal Drive. Wir hatten Glück mit dem Timing, konnten miterleben, wie unsere Rodler im Team die Goldmedaille holten.
Citroën engagiert sich als Automobilpartner des deutschen Teams. Wie kam es zu dieser Kooperation?
Wir sind natürlich immer auf der Suche, die Marke so zu positionieren, wie wir sie selbst sehen. Grundsätzlich wollen wir nah am Menschen sein. Wir wollen für jedermann erreichbar sein. Das sind die Werte, die wir haben: Zugänglichkeit und Nahbarkeit, Erschwinglichkeit. Uns geht es nicht darum, nur Goldmedaillengewinner zu posten. Wir wollen für jede Athletin und jeden Athleten in Deutschland da sein, auch für diejenigen, die keine Medaillen gewinnen aber danach streben und auch für diejenigen, deren Sportart nicht olympisch ist. Das ist eine sehr große Zielgruppe. Wenn man sich überlegt, wie viele Menschen allein in den Sportvereinen aktiv sind. Natürlich eint gerade junge Sportler der Traum von den Olympischen Spielen. Jeder 12-, 14- oder 16-Jährige mit sportlichem Talent träumt davon, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Diesen Traum und Weg wollen wir fördern.
Werden Sie auch bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles am Start sein?
Ja, diese Kooperation ist langfristig angelegt.
Wie ist die erste Resonanz auf die Sondermodelle, die Citroën rund um Olympia herausgebracht hat?
Wir haben die Fahrzeuge parallel zu den Spielen gelauncht, es ist also alles noch frisch. Von den Händlern gab es schon ein sehr positives Feedback. Für uns ist jetzt entscheidend, dass die Fahrzeuge zügig bei den Händlern ankommen. Klar ist: Diese Team-D-Sondermodelle sind nicht nur für die Olympischen Spiele aufgelegt, sie sollen langfristig durchlaufen. Es sind gut ausgestattete Fahrzeuge mit einem attraktiven Preisvorteil. Generell bietet Citroën – und das meine ich mit zugänglich – gute Preispunkte. Wenn wir etwa an den C3 oder den C3 Aircross mit Listenpreisen ab 15.990 Euro denken, zeigt sich, wie attraktiv unsere Einstiegsangebote bereits sind. Nehmen wir die neuen Sondermodelle mit ihrer umfangreichen Ausstattung dazu, sind wir wie immer Preis-Leistungs-Sieger. Das ist die Idee, und das gilt es zu kommunizieren. Wenn Sie die Olympischen Spiele gesehen haben, kamen Sie an Citroën nur schwer vorbei.
Nach Bekanntgabe der neuen Förderprämie locken Sie die Kunden mit zusätzlichen Rabatten. Schlägt sich dieser frische Schwung bereits in Zahlen nieder?
Wir verdoppeln die E-Autoförderung! Das, was die Bundesregierung da macht, ist ein sehr sozial ausgewogenes System. Und wir wollen das einfach unterstützen und gehen doppelt mit. Für diejenigen, bei denen der Geldbeutel nicht so locker sitzt. Für das, was für Familie steht. Ein Beispiel: Wer kriegt die volle Förderung? Das ist eine Familie mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 45.000 Euro im Jahr und zwei Kindern. Wenn dieser Kunde zu unserem Händler kommt, bekommt er aktuell noch eine Null-Prozent-Finanzierung on top.

Wie herausfordernd ist es, einen traditionsreichen Automobilbauer wie Citroën durch diese Phase der großen Transformation zu führen?
Es gibt ehrlicherweise keinen schöneren Job. Wir haben eine komplett erneuerte Modellpalette, alles ist elektrifiziert. Wir sehen die Fahrzeuge immer mehr auf der Straße, das war ein bisschen verloren gegangen. Citroën war eine Marke mit über zwei Prozent Marktanteil. Dann sind wir runtergerauscht auf 1,4 und jetzt laufen wir wieder auf dem Niveau um zwei Prozent. Dieses
Thema Aufschwung, Wachstum, das liegt in meinen Genen, das liegt auch in den Genen des Teams und der Marke. Jetzt kommt das Thema Elektro dazu: Mit dem ë-C3 und ë-C3 Aircross haben wir extrem starke Modelle am Start – plus das richtige Marketing und die sehr einfache Kommunikation, die für jedermann verständlich ist. Da sind wir auch sehr erfolgreich, das werden die Zulassungszahlen in den nächsten Monaten belegen.
Citroën gilt seit jeher als Hersteller mit dem gewissen Etwas: Wie gelingt es Ihnen, in einem Konzern wie Stellantis den eigenen Charakter zu bewahren?
Citroën hat seit jeher eine sehr klare Markenidentität – geprägt von Mut, Kreativität und dem Anspruch, Mobilität für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Genau dieser eigenständige Charakter ist ein wichtiger Teil unserer Strategie. In einem Konzern mit so vielen Marken ist es keineswegs selbstverständlich, dass jeder seinen Weg findet. Citroën steht traditionell für Komfort, originelles Design und ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir haben darauf aufgebaut und Citroën in Deutschland klar positioniert mit Engagements nah an den Menschen mit dem Einsatz jetzt bei Olympia, aber auch seit einiger Zeit schon im Bereich Windsurfen mit dem Windsurf World Cup auf Sylt und unserer Partnerschaft mit dem dortigen Mobility Center. Das Thema Surfen bauen wir jetzt auch noch aus, aber das erzählen wir beim nächsten Mal.
Für welche Attribute steht Ihre Marke innerhalb des Konzerns?
Zugänglichkeit, Erschwinglichkeit, Kreativität, Cleverness, in jeglichen Bereichen. Wir schaffen es mit vernünftigem Mitteleinsatz eine sehr hohe Durchschlagskraft zu generieren. Es funktioniert nur mit einfachen, klaren Botschaften. So, wie wir es gerade mit unseren Händlern verabredet haben: Neue E-Förderung? Wird von uns verdoppelt! Das versteht jeder. Diese Klarheit ist Teil unserer Markenphilosophie. Es fällt leichter, die Botschaften zu transportieren, wenn sie nagelneue und attraktive Produkte anbieten können.
Mit welchen Auftritten – sportlich wie geschäftlich – ist von Citroën kurz- und mittelfristig zu rechnen?
Wir haben einen hohen Eingang, was die Kaufverträge betrifft, ein starkes Wachstum bei den Elektromodellen, speziell bei den kleineren. Das stimmt uns positiv. Sobald die Variante des ë-C5 Aircross mit mehr als 650 Kilometern Reichweite verfügbar ist, werden wir auch im B2B-Bereich noch stärker angreifen. Da sind wir dann im Herzen der deutschen Hersteller mit dem entsprechenden Marktdruck. Wir haben den Anspruch, auch in diesem Segment nachhaltig Marktanteile zu gewinnen.
Sie sind seit mehr als zwei Jahren an der Spitze von Citroën in Deutschland. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Wir befinden uns mitten in der Transformation. Das ist herausfordernd und auch sehr spannend. Wir profitieren davon, dass wir in einem Konzern wie Stellantis angesiedelt sind. Bei Citroën konnten wir in den vergangenen 18 Monaten praktisch durchgehend neue Produkte vorstellen. In diesem Jahr launchen wir unsere Sondermodelle. Auch auf den Pariser Autosalon, so viel kann ich bereits verraten, darf man gespannt sein. Die Geschichte von
Citroën ist keineswegs auserzählt. Im Gegenteil: Diese Erfolgsgeschichte wird weitergehen, davon bin ich überzeugt.




