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Kolumne Kurt Sigl: China baut, Europa diskutiert

Autorenbild: Kurt Sigl
Kurt Sigl
vor 51 Minuten
2 Min. Lesezeit

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Gipfelerklärungen. Während China in Afrika Häfen, Eisenbahnstrecken, Kraftwerke und digitale Netze mitfinanziert, sitzt Europa gerne am Konferenztisch und diskutiert über die richtige Formulierung. Peking denkt in Jahrzehnten. Europa denkt oft bis zur nächsten Haushaltsrunde.



China hat für Afrika bis 2027 Finanzierungen von 360 Milliarden Yuan, umgerechnet knapp 48 Milliarden Euro, angekündigt. Die BRICS – ein internationales Staatenbündnis aufstrebender Volkswirtschaften, zu dem auch Nationen wie Brasilien, Russland und Indien gehören – wachsen und werden für immer mehr Länder des Globalen Südens zu einer zusätzlichen politischen und wirtschaftlichen Plattform.


Und Deutschland? Wir reden über Afrika vor allem dann, wenn es um Migration, Entwicklungshilfe oder Krisen geht. China redet über Märkte, Rohstoffe, Infrastruktur, Technologie und langfristige Partnerschaften. Das ist der Unterschied.


Dabei hätte Deutschland eigentlich beste Voraussetzungen. Maschinenbau, Technologie, Ausbildung, Mittelstand, Kapital und jahrzehntelange wirtschaftliche Erfahrung. Europa verfügt ebenfalls über erhebliche finanzielle Möglichkeiten. Mit Global Gateway soll allein in Afrika ein Investitionsvolumen von bis zu 150 Milliarden Euro mobilisiert werden.


Doch Geld auf dem Papier ist noch keine geopolitische Strategie. Afrika braucht keine europäischen Belehrungen. Afrika braucht Partner, die investieren, produzieren, ausbilden und Wertschöpfung ermöglichen. Und vor allem Partner, die verlässlich sind. Denn während wir in Europa über Bürokratie, Zuständigkeiten und politische Abstimmungen diskutieren, entstehen anderswo neue Handelswege, neue Finanzierungsstrukturen und neue politische Bündnisse.


Das bedeutet keineswegs, dass China automatisch der Gewinner dieser Entwicklung ist. Und es heißt schon gar nicht, dass Afrika sich zwischen China und Europa entscheiden muss. Aber es zeigt etwas anderes: Wer nicht präsent ist, verliert Einfluss.


Deutschland darf deshalb nicht länger glauben, seine wirtschaftliche Bedeutung sei selbstverständlich. Die Welt von morgen wird multipolarer. Indien wächst. Die Golfstaaten investieren. Brasilien sucht neue Spielräume. Die BRICS erweitern ihre Zusammenarbeit. Afrika wird wirtschaftlich und politisch selbstbewusster.


Und Europa? Europa besitzt eigentlich alles, was man für eine starke globale Partnerschaft braucht – außer mitunter den politischen Willen, daraus eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, ständig zu fragen, was Afrika von Europa braucht.


Die bessere Frage lautet: Was wollen wir gemeinsam mit Afrika aufbauen? China hat darauf längst eine Antwort. Europa sollte seine nicht erst formulieren, wenn die anderen bereits gebaut haben.


Hier schreibt Kurt Sigl


Kurt Sigl

Er streitet, poltert und insistiert. Er treibt und verbindet, erklärt und stört. Kurt Sigl ist Experte der Elektromobilität und schickt für jede Ausgabe von electricar eine E-Mail aus Ingolstadt, in der er aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Themen seiner Branche analysiert und kommentiert. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident des Bundesverbandes eMobilität gilt Sigl als Leitfigur auf den Gebieten der Elektromobilität und der erneuerbaren Energie. Der kernige Oberbayer, einst im Dienst von Audi, punktet mit seiner über Jahrzehnte ausgeprägten Expertise und der Gabe, Menschen zusammenzubringen. Mit Nachdruck arbeitet er daran, traditionelle Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um Raum für neue und zukunftsfähige Modelle zu schaffen.

 
 
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