Kolumne Kurt Sigl: Ein Traum, der die Welt elektrisiert
- Kurt Sigl

- vor 2 Tagen
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Ich weiß, es klingt gespenstisch. Doch im Schlaf ist mir ausgerechnet Donald Trump begegnet – im Jahr 2028 und als unfreiwilliger Architekt der globalen Energie- und Mobilitätswende. Getriggert hat mich wohl die Eskalation rund um die Straße von Hormus, nach deren Blockade die Ölpreise durch die Decke schießen, Tankstellen zu Luxusorten werden und selbst Hardcore-Pick-up Fahrer plötzlich „Fahrrad mit Sitzheizung“ googeln.
Donald reagiert – wie immer – schnell, laut und mit maximaler Selbstüberzeugung, oder eher Selbstüberschätzung. In einer improvisierten Rede erklärt er: „We don´t need their oil. Oil is overrated. Wind? Solar? Very American!“ Öl ist out, also her mit den Alternativen.
Was als Trotzreaktion beginnt wird zur Doktrin: „Energy Independence 2.0. No Oil. No Waiting, Just Winning.“ Schnell und einfach mit sauberer Energie gewinnen, so lautet das Motto.
Innerhalb weniger Monate passiert das Undenkbare: Subventionen für Öl werden gestrichen – zu abhängig, „very weak“. Solaranlagen werden zur Pflicht auf jedem Gebäude – „roofs should work, not just sit there“, die Dächer sollen arbeiten. Elektroautos werden steuerfrei, solange sie nur „schnell und wenigstens ein bisschen protzig“ sind.
Die Industrie zieht mit. Nicht aus Überzeugung, sondern weil Benzin inzwischen mehr als Champagner kostet. Selbst die alten Ölriesen entdecken plötzlich ihre große Liebe zum Wind – vor allem, weil dieser keinen Cent kostet und auch nicht blockiert werden kann. Das Wort Sonne bekommt für sie plötzlich eine neue, eine unendlich währende Bedeutung.
Europa schaut, wie gewohnt, irritiert aus der Ferne zu. Während man dort jahrelang über den Netzausbau diskutierte, hat ein geopolitischer Schock plus Trumps Ego gereicht, um alles zu beschleunigen. Am Ende steht eine Reihe von Windrädern, spiegeln sich Solaranlagen in der Sonne.
„Honestly, nobody wanted this more than me“, strahlt Donald und klopft sich auf die Brust: „I saw it coming. The wind and the beautiful sun told me.“ Na klar, er hat selbstverständlich schon immer an die Kraft von Wind und Sonne geglaubt ...
Mein Wecker klingelt, rein elektrisch betrieben, was für ein Glück!
Hier schreibt Kurt Sigl

Er streitet, poltert und insistiert. Er treibt und verbindet, erklärt und stört. Kurt Sigl ist Experte der Elektromobilität und schickt für jede Ausgabe von electricar eine E-Mail aus Ingolstadt, in der er aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Themen seiner Branche analysiert und kommentiert. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident des Bundesverbandes eMobilität gilt Sigl als Leitfigur auf den Gebieten der Elektromobilität und der erneuerbaren Energie. Der kernige Oberbayer, einst im Dienst von Audi, punktet mit seiner über Jahrzehnte ausgeprägten Expertise und der Gabe, Menschen zusammen zu bringen. Mit Nachdruck arbeitet er daran, traditionelle Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um Raum für neue und zukunftsfähige Modelle zu schaffen.


