Kolumne Kurt Sigl: Gescheitert an der Offenheit zur Technologie?
- Kurt Sigl

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Nach der abrupten Abberufung des Verkehrsministers Patrick Schnieder brodelt die politische Gerüchteküche. Offiziell geht es um neue Impulse.
Inoffiziell kursiert auf den Fluren des Regierungsviertels eine andere Theorie: Schnieder soll an der wichtigsten Tugend moderner Politik gescheitert sein: der Technologieoffenheit. Achtung, das ist reine Satire!
Technologieoffenheit. Ein Begriff, der inzwischen ähnlich beliebt ist wie „zeitnah“ oder „unbürokratisch“: Jeder verwendet ihn, aber niemand weiß so genau, was er am Ende bedeutet. Gerüchten zufolge soll Schnieder in einer Sitzung die folgenschwere Frage gestellt haben: „Für welche Technologie sind wir eigentlich offen?“
Es folgte wohl ein Moment betretenen Schweigens. Denn in Berlin gilt: Technologieoffenheit bedeutet, alle Möglichkeiten zu begrüßen – Elektro, Wasserstoff, E-Fuels, Verbrenner, Fahrrad und am besten ein paar weitere Optionen, die es noch zu erfinden gilt.
Problematisch wurde es angeblich, als Schnieder den Eindruck erweckte, irgendwann müsse man sich vielleicht auch entscheiden und Projekte tatsächlich umsetzen. Damit verstieß er gegen eine ungeschriebene Regel des politischen Betriebs: Offenheit ist gut – solange sie keine Richtung verlangt. Aus dem Kanzleramt hieß es natürlich fiktiv: Wir danken Herrn Schnieder für seinen Einsatz. Er hat viele Wege aufgezeigt. Leider wollte er am Ende wissen, wohin sie führen.
Empört zeigte sich die Opposition vor allem darüber, dass eine politische Entscheidung wohl schneller getroffen wurde als ein deutsches Bauprojekt genehmigt werden kann. „Ich hätte mir nur gewünscht, das die Technologie irgendwann auch offen für meine Pläne gewesen wäre“, warf Schnieder verbittert hinterher. Am Ende soll er den Kanzler gebeten haben, ihn zu entlassen. Schließlich wollte er nicht länger der Einzige im Ministerium sein, der eine klare Richtung sucht.
Und so bleibt am Ende die wichtige Erkenntnis: In der modernen Verkehrspolitik kann man über vieles streiten – aber eines ist sicher: Offen bleibt die Technologie. Sehr offen. Der Neue, Steffen Bilger, wurde dem Kalkül entsprechend ausgesucht, da sind wir uns sicher.
Hier schreibt Kurt Sigl
Er streitet, poltert und insistiert. Er treibt und verbindet, erklärt und stört. Kurt Sigl ist Experte der Elektromobilität und schickt für jede Ausgabe von electricar eine E-Mail aus Ingolstadt, in der er aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Themen seiner Branche analysiert und kommentiert. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident des Bundesverbandes eMobilität gilt Sigl als Leitfigur auf den Gebieten der Elektromobilität und der erneuerbaren Energie. Der kernige Oberbayer, einst im Dienst von Audi, punktet mit seiner über Jahrzehnte ausgeprägten Expertise und der Gabe, Menschen zusammenzubringen. Mit Nachdruck arbeitet er daran, traditionelle Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um Raum für neue und zukunftsfähige Modelle zu schaffen.


