Ladeparks der Zukunft: Mehr Komfort, Leistung und Transparenz
- Armin Grasmuck

- vor 15 Minuten
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Einfach, komfortabel und transparent: Die Ladestationen der Zukunft sollen mehr als nur frische Energie bieten.
Gediegener Komfort, fortschrittliche Technologie und nachhaltige Energie. So lauten die Attribute, mit denen die Ladeparks für batteriegetriebene Fahrzeuge in Zukunft umrissen sein werden. In dieser Phase, da sich die Elektromobilität in der breiten Mitte der Gesellschaft etabliert, geht es darum, die Stromstellen von morgen entsprechend ganzheitlich zu konzipieren. Es gilt, Konzepte zu entwerfen, in denen das Laden einer von mehreren relevanten Punkten ist.
Das Auge lädt mit. Selbstverständlich spielt – egal ob auf beruflichen oder privaten Touren – auch bei der Wahl des Ladeparks der erste Eindruck eine entscheidende Rolle: sauber, frisch, möglichst großzügig, was die Zufahrt und den Ladeplatz betrifft, sowie barrierefrei. Die herausragenden Stromtankstellen der Zukunft sorgen zudem stilistisch architektonisch für positive Energie.
Stärker, schneller, kürzer: Höchst moderne Ladetechnologie wird bereits in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die E-Autos den Strom einfacher und effizienter in die Akkus ziehen können. Das High-Power-Charging mit Ladeleistungen von mehreren Hundert und sogar mehr als 1000 Kilowatt wird zur Normalität. Fahrer, die es besonders eilig haben, können die Ladezeit auf ein Minimum von wenigen Minuten reduzieren. Fortschrittliche Elemente wie das induktive Laden, automatisiertes Management des Kabels oder Click-and-charge, wie das einfache Ein- und Ausstecken mit automatischer Abrechnung über die Kreditkarte bezeichnet wird, machen das Laden komfortabler.
Der Bedarf an Ladestrom steigt mit dem Aufschwung der E-Mobilität. Folglich sind die Anbieter des Ladestroms und die Netzbetreiber aufgefordert, die Stromstellen mit moderner Software auszustatten, die intelligentes und effizientes Management der Energie ermöglicht. Über diese Systeme wird der Strom bedarfsgerecht koordiniert und verteilt. Im Idealfall fließt auch lokal erzeugter Strom aus Solar-, Wasser- oder Windkraft in die Säulen, der die CO2-Bilanz entsprechend verbessert.
Laden, wo es passt. Es ist bereits heute zu vernehmen, dass viele Schnellladesäulen an Orten des öffentlichen Lebens – im Fachjargon: multifunktionale Einrichtungen – installiert werden. Die Ladepunkte stehen vermehrt auf Stellflächen oder in Parkhäusern in nächster Nähe zu Einkaufszentren, Restaurants oder Sportstätten. Manche bieten außerdem attraktive Lounges mit WLAN und smarten Shops, in denen es Getränke und frisch zubereitete Snacks gegen Kreditkarte gibt. Das Laden des Autos kann auf diese Weise einfach und komfortabel in den Alltag des Fahrers integriert werden.
Digital und künstlich intelligent: Es liegt auf der Hand, dass der Ladepark der Zukunft in Echtzeit angesteuert werden kann. Über speziell entwickelte Applikationen im Smartphone ist leicht zu erkennen, welche Vorzüge der jeweilige Standort bietet, ob und zu welchen Konditionen die Ladepunkte verfügbar sind. Stromziehen per Fingerwisch – einfach, transparent und in jeder Sequenz professionell.

Neue Welt der Mobilität
In Deutschland gibt es bereits einige Ladeparks, die optisch und inhaltlich futuristisch gestaltet sind und das Stromziehen in weiter gefasste Gesamtkonzepte integriert haben: Aral Pulse (Foto) im Mönchengladbacher Nordpark, EnBW am Kamener Kreuz und in Lichtenau bei Chemnitz (siehe Seite 97) sowie Sortimo am Innovationspark Zusmarshausen, 30 Kilometer westlich von Augsburg direkt an der Autobahn A8. Noch etwas weiter Richtung Stuttgart, in Merklingen (Baden-Württemberg), hat sich der gesamte Ort der Mobilität von morgen verschrieben. In dieser 2200-Einwohner-Gemeinde gibt es rund 70 Schnelllader nahe der Autobahn und am Bahnhof 259 (!) Ladepunkte mit der Leistung von je elf Kilowatt.

Faktor Premium: Energie exklusiv
Autohersteller der gehobenen Klasse, wie Mercedes (Foto), Porsche oder Audi, sind dabei, Premiumladeparks entlang der großen Routen zu etablieren. Das durchdachte Design, etwa mit charakteristischen Markenelementen wie dem Chromstern von Mercedes, Plug-and-charge sowie generell barrierefreie und großzügig konzipierte Parkflächen geben dem Zwischenstopp die exklusive Note. „Wir bringen Innovation, Zuverlässigkeit und höchsten Komfort beim Reise- und Ladeerlebnis an den zentralen Hauptverkehrsknotenpunkten
zusammen: erstklassige Lade- und Gastronomieinfrastruktur, die optimal auf die Bedürfnisse unserer E-Mobilitätskundinnen und -kunden abgestimmt ist“, sagt Michael Springmann, CEO High Power Charging Europe bei Mercedes.

Logistik: Partner im Schwerverkehr
Zeit ist Geld – speziell in der Logistik. Um auch dem Anspruch der umweltfreundlichen Belieferung durch batteriegetriebene Lkw gerecht werden zu können, kooperiert die Supermarktkette Kaufland künftig mit Milence, dem Betreiber von Ladestationen. In unmittelbarer Nähe des Verteilerzentrums von Kaufland in Barsinghausen, 25 Kilometer westlich von Hannover, wird gerade ein neuer Ladepark fertiggestellt. Elektro-Lkw können künftig an den vier 400 Kilowatt starken Säulen der Milence-Station den Strom ziehen. Laut Kaufland ist geplant, die Ladekapazität in Zukunft zu erhöhen. Zeitgleich mit der E-Ladestation im Verteilerzentrum werden sechs weitere E-Lkw für die Kaufland-Logistik zum Einsatz kommen. Die neuen Stromstellen ermöglichen den verstärkten Einsatz von batteriegetriebenen Lastern mit größerer Reichweite, so können weiter entfernte Filialen in Norddeutschland von Barsinghausen aus beliefert werden.
Foto: Kaufland und Milence

Flash Charging: Akku voll in fünf Minuten
BYD bringt gerade die neue Ladetechnologie Flash Charging nach Europa, die Elektroautos mit bis zu 1500 Kilowatt versorgen soll. In nur fünf Minuten können die Batterien der Fahrzeuge auf 70 Prozent gefüllt werden. Der Ladevorgang von zehn auf 90 Prozent dauert laut Hersteller lediglich neun Minuten – selbst bei extremen Außentemperaturen von minus 30 Grad. Dieser rekordverdächtige Akt des Stromziehens erfordert selbstverständlich ein optimal abgestimmtes Gesamtsystem aus Ladesäule und Fahrzeug. Das heißt: 1000-Volt-Architektur, Blade-Batterie 2.0 und flüssigkeitsgekühlte Kabel. Als erstes Modell wird der Z9GT von der luxuriösen Tochtermarke Denza das Flash Charging in Europa ermöglichen.

Verteiler: Effizienz und Flexibilität mit System
MS-Tankstelle – so heißt das Zukunftsprojekt, an dem die Experten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zusammen mit renommierten Industriepartnern arbeiten. Es geht um eine Mittelspannungssystemtechnik, die Spitzenlasten von bis zu 3,5 Megawatt an Schnellladestationen ermöglicht. Durch den Einsatz innovativer Siliziumkarbidhalbleiter und die Anhebung des Spannungsniveaus sollen der Materialeinsatz und die Kosten für diese leistungsstarken Ladesäulen nachhaltig reduziert werden können. Die großen Vorteile des neu entwickelten Systems: Effizienz und Flexibilität. Es lässt sich problemlos an die Größe des jeweiligen Ladeparks anpassen, kann verschiedenste Fahrzeugtypen mit Energie versorgen.

Next Level: Nachhaltig komplett
Der Prototyp des Schnellladeparks der Zukunft ist bereits in Lichtenau bei Chemnitz am Netz. „Next Level“, so nennt es EnBW, mit mehr als 8000
Ultraschnellladepunkten und einem Anteil von mehr als 30 Prozent der Marktführer bei Schnellladevorgängen in Deutschland. Next Level, die nächste Ebene, bedeutet bezogen auf das Stromziehen: Das Unternehmen plant Nachhaltigkeit von der Konstruktion bis zum Betrieb des Standorts in drei Dimensionen mit ein – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich. In Chemnitz wird zum Beispiel neben dem Holzdach mit Photovoltaikanlage unter anderem auch die Umgebung großflächig begrünt. 24 Schnellladepunkte stehen den Autofahrern bereit. Jeder mit der Leistung von bis zu 400 Kilowatt. Autos, die mit der entsprechend leistungsstarken Ladetechnik ausgestattet sind, können innerhalb von 15 Minuten bis zu 400 Kilometer in ihre Batterien ziehen.


