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Vom E-Van zum Tinycamper: VW rüstet den ID. Buzz auf

  • Henning Krogh
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Stefan Mecha hat die Welt gesehen. Vor allem als Topmanager des VW-Konzerns, auf meist mehrjährigen Auslandsmissionen. In Südafrika, Brasilien und China etwa war der 56-Jährige für den Global Player aus Wolfsburg schon als Expatriate aktiv.


Auch bei der Autoverladung in Niebüll erweist sich der ID. Buzz als rundum übersichtlicher und leicht zu manövrierender Stromer. Foto: BeHonest
Auch bei der Autoverladung in Niebüll erweist sich der ID. Buzz als rundum übersichtlicher und leicht zu manövrierender Stromer. Foto: BeHonest

Seit Juli 2025 ist Mecha der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) mit Hauptsitz im niedersächsischen Hannover. In seiner offiziellen VWN-Kurzbiografie findet sich nichts von einem beruflichen Kapitel in der Schweiz. Dabei drängt sie sich tatsächlich auf, jene humorvoll-freche Frage einer Strandbesucherin, die Mecha an diesem sonnigen Sonntag bei der Arbeit beobachtet: „Haben Sie das in Lausanne gelernt, an dieser renommierten Hotelfachschule?“. Heiterkeit auf Sylt.


Bettenbau ist Chefsache


Ja, die École hôtelière de Lausanne (EHL) aus dem französischsprachigen Teil der Schweizerischen Eidgenossenschaft gilt international quasi als das erste Haus am Platz für angehende Führungskräfte im Gastgewerbe. Nein, Mecha ist kein EHL-Absolvent. Zwar habe er in jungen Jahren „durchaus mit einer Karriere als Hotelkaufmann geliebäugelt“, blickt Mecha im Gespräch mit electricar zurück. Letztlich seien die Offerten von Sixt und Daimler zum Einstieg ins Automotive-Geschäft „dann doch attraktiver“ gewesen.

Eine großflächige Heckklappe und zwei Schiebetüren machen die hinteren Plätze des E-Bullis gut zugänglich von drei Seiten. Foto: BeHonest
Eine großflächige Heckklappe und zwei Schiebetüren machen die hinteren Plätze des E-Bullis gut zugänglich von drei Seiten. Foto: BeHonest

Jetzt aber, an einem drückend warmen und damit schweißtreibenden Junitag bei Rantum im Süden des Nordseeeilands, bezieht die VW-Führungskraft wirklich frisch ein Bett. Eigenhändig, gegen 11.30 Uhr, mit einem duftig-blütenweißen Laken – und unter interessierter Beobachtung durch Scharen Sylter Sommerkurgäste.


Die vielfältigen Vorzüge des sogenannten Gute-Nacht-Pakets (GNP) möchte Mecha eben unbedingt persönlich präsentieren. Das neue und ab 2600 Euro erhältliche Ausstattungsangebot soll „komfortables Übernachten im ID. Buzz“ ermöglichen, wie es bei VWN heißt. Dieser vollelektrisch angetriebene Bulli lässt sich als Pkw mit kurzem und langem Radstand sowie in verschiedensten Sitzanordnungen konfigurieren. Die Preise des geräumigen Stromers beginnen in Deutschland bei rund 50.000 Euro.

Ein Schlaf-Fall für zwei


Zu Demonstrationszwecken schickt VW Nutzfahrzeuge einen früh produzierten ID.-Buzz-GNP in der schmucken Sonderlackierung „Candy-Weiß/Bay Leaf Green Metallic“ auf eigenen Achsen von Hannover nordwärts. Die Reise führt über Hamburg auf der BAB 7 zum Stromladestopp bei Handewitt und weiter ins nordfriesische Niebüll. Von dort geht es nach unkomplizierter Verladung des Dreitonners dann per Autozug schließlich über den Hindenburgdamm nach Westerland.


Hier kommt Strom rein und bei Bedarf raus – die neue Funktionalität Vehicle-to-Load gestattet den Betrieb externer E-Geräte. Foto: BeHonest
Hier kommt Strom rein und bei Bedarf raus – die neue Funktionalität Vehicle-to-Load gestattet den Betrieb externer E-Geräte. Foto: BeHonest

Das Interview mit electricar setzt Mecha ganz bewusst direkt vor und in der Sylter „Sansibar“ an. Mit diesem idyllisch und nicht weit weg vom Watt gelegenen Szenelokal unterhält Volkswagen Nutzfahrzeuge einen emissionsfreien Shuttle-Service auf ID.-Buzz-Basis (siehe Seiten 22/23).


Die ohnehin schon vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der seit 2022 gefertigten Baureihe ID. Buzz will VWN mit dem GNP-Package nochmals kräftig erweitern: „In Kombination mit der neuesten Softwaregeneration wird das Fahrzeug zu einem komfortablen Begleiter für spontane Camping-Ausflüge und Wochenendtrips“, versprechen die Niedersachsen.


Im Lieferumfang des Gute-Nacht-Pakets enthalten sind daher unter anderem ein filigran-leichtgewichtiges Bettgestell und eine „passgenaue Klappmatratze“ (VWN). Letztere eignet sich mit einer Länge von 2,03 Metern selbst für hoch aufgeschossene Erholungssuchende und bietet ob ihrer immerhin 120 Zentimeter in der Breite zwei – möglichst auch beim Umdrehen einigermaßen toleranten – Menschen ausreichend Platz.


Wohlfühloase auf Rädern


Neben diesem Nachtlager haben die Entwicklungsingenieure und Vertriebsstrategen von Volkswagen Nutzfahrzeuge ein maßgeschneidertes Verdunklungsset für alle Scheiben sowie Lüftungsgitter für die seitlichen Fensterflächen des Fahrerhauses in das Gute-Nacht-Paket geschnürt. Eine rechteckige Tischplatte auf vier stabilen Beinen und zwei bequeme Klappstühle – wie gemacht für das entspannte Redaktionsgespräch vor der geöffneten linken Seitentür des ID. Buzz – vervollständigen die GNP-Hardware.


„Ein Bett im Kornfeld“, wie einst Barde Jürgen Drews hat Manager Mecha nicht arrangiert, dafür ein umso nobleres Nachtlager in den Rantumer Dünen. Foto: BeHonest
„Ein Bett im Kornfeld“, wie einst Barde Jürgen Drews hat Manager Mecha nicht arrangiert, dafür ein umso nobleres Nachtlager in den Rantumer Dünen. Foto: BeHonest

Rund um Bits und Bytes wiederum profitiert der E-Bulli von der aktuellen Softwaregeneration der Kernmarke Volkswagen insgesamt. „Mit der ID. Software 6 wird Ihr ID. vielseitiger und komfortabler“, lässt VW die Stammkundschaft sowie potenzielle Interessenten gleichermaßen wissen. Zudem heißt es: „Neue Bedienmöglichkeiten, optimierte Assistenzfunktionen und smarte Dienste unterstützen Sie unterwegs, beim Laden und in der täglichen Nutzung“. In diesem Kontext heben die VW-Macher im Internet beispielsweise die Aspekte „Digitaler Schlüssel“ und „Emergency Assist“ sowie „In-Car Shop“ als Highlights hervor.


Für „Gelegenheitscamper“, wie sie VW Nutzfahrzeuge mit dem

Gute-Nacht-Paket nach eigener Darstellung vorrangig erobern will, bringt die ID.-Software-6-Generation weitere handfeste Vorteile mit sich. Da ist zum einen der neuartige „Übernachten“-Modus. Im Innenraum des ID. Buzz soll dieser Betriebszustand verlässlich konstante Temperaturen gewährleisten. Und zwar im Sommer wie im Winter. VWN spricht von „dauerhafter Klimatisierung (...) über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden“.

So bleibe in diesem „Tinycamper für zwei Personen“ auch über Nacht die Temperatur im Fahrzeug konstant auf jedem individuell als angenehm empfundenen Niveau. „Unabhängig von den äußeren Bedingungen“ (VWN), also in der Hitze Marokkos ebenso wie an Norwegens eiskalten Fjorden. „Gleichzeitig werden störende Licht- und Komfortfunktionen reduziert, um eine ruhige Schlafumgebung zu schaffen und Energie zu sparen“, heißt es zum „Übernachten“-Modus.


Strom für die Elektro-Bikes


Zum anderen beinhaltet auch das Gute-Nacht-Paket nun auch die seit Langem von vielen E-Bulli-Fans erhoffte Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Die Idee dahinter ist, den ID. Buzz zu einer mobilen Energiequelle zu machen. Anbieter VWN beschreibt seine V2L-Konzeption so: „Über entsprechende Adapter kann eine 230-Volt-Stromversorgung mit bis zu 2.000 Watt Dauerleistung genutzt werden“. Und weiter: „Damit lassen sich beim Camping verschiedenste elektrische Geräte betreiben – von der Kühlbox bis zur Kaffeemaschine sowie ein Ladegerät für E-Bikes“.


Die beiden Stühle aus dem Gute-Nacht-Paket von VWN sind ruckzuck ausgeklappt, etwa für Ladepausen – auch am helllichten Tag. Foto: VWN
Die beiden Stühle aus dem Gute-Nacht-Paket von VWN sind ruckzuck ausgeklappt, etwa für Ladepausen – auch am helllichten Tag. Foto: VWN

Bei der Erläuterung möglicher V2L-Verbindungen im Sylter Sand durch VWN-CEO Stefan Mecha höchstselbst bedauert der aus Hamburg gebürtige Autor dieser Zeilen denn auch, weder einen kleinen Elektrogrill noch dicke Bockwürste („Hafenlümmel“) oder zumindest ein paar dünn geschnittene Schollenfilets („Fangfrisch vom Kutter“) im Testwagen verstaut zu haben.


Alles in allem preist Volkswagen Nutzfahrzeuge sein neues Gute-Nacht-Paket als pfiffige „Kombination aus durchdachtem Zubehör, intelligenter Software und elektrischer Infrastruktur“. Man unterstreiche damit „den Anspruch, innovative und alltagstaugliche Lösungen für eine neue Generation von mobilen Freizeitkonzepten zu entwickeln“. Und, konkret auf den Elektro-Van bezogen: „Der ID. Buzz wird damit einmal mehr zum vielseitigen Allrounder – im Alltag wie auf Reisen“.


Geschwister in neuem Glanz


Doch auch die anderen Modellfamilien hält Volkswagen Nutzfahrzeuge mit regelmäßigen Technik-Updates und optischen Verfeinerungen attraktiv. So den umfassend überarbeiteten Caddy, der seit Juni bestellbar ist. Sein Cockpit ziert nun ein freistehendes Zentral-Display mit 12,9-Zoll-Bildschirmdiagonale. Das Exterieur werten Stoßfänger in zwei Design-Varianten sowie neue Außenlackierungen und Leichtmetallfelgen auf. Eine buchstäblich spannende Motorisierung trägt die Bezeichnung „eHybrid“ und bietet nach VWN-Angaben über 620 Kilometer Reichweite, davon bis zu 122 Kilometer rein elektrisch.


Der Microcamper Caddy California „kombiniert kompakte Abmessungen (4,5 bzw. 4,85 Meter als Maxi) mit einer durchdachten Campingausstattung ab Werk“ (VWN). So sollen „komfortable Tellerfedern unter der Matratze und ein optionales Panoramaglasdach (...) für besonderen Schlafkomfort mit Blick in den Sternenhimmel“ sorgen. Der Hersteller bewirbt den Caddy California als smarten Ableger eines Camping-Klassikers: „Dank herausnehmbarem Bett und optionaler Miniküche im Heck vereint er hohe Flexibilität mit clever genutztem Raum – ganz im Stil der California-Familie“.


Alerte Assistenten an Bord


Apropos: Das groß dimensionierte Reisemobil California und den gediegenen Multivan hat VWN jüngst ebenfalls einer Evolution unterzogen. Punkten sollen „beide Bullis mit der neuesten Entwicklungsstufe des Assistenzsystems „Travel Assist“, die nun erstmals auch eine automatische Ampelerkennung bietet“, so VWN. Integriert ist überdies das Notfallsystem „Emergency Assist“.


Tiefschlaf per Touchscreen – über das stilisierte Campingzelt auf orange-farbenem Untergrund wird der heimelige „Übernachten“-Modus aktiviert. Foto: VWN
Tiefschlaf per Touchscreen – über das stilisierte Campingzelt auf orange-farbenem Untergrund wird der heimelige „Übernachten“-Modus aktiviert. Foto: VWN

Topmodell bleibt die vor einem Jahr eingeführte Version „eHybrid 4Motion“. Ihr Herzstück ist der Plug-in-Hybrid-Allradantrieb mit einer Systemleistung von 180 Kilowatt (245 PS) nebst 19,7 Kilowattstunden großer Lithium-Ionen-Batterie. All das schließlich ergibt im Zusammenspiel, salopp formuliert, ein feines „Guten-Tag-Paket“.



 
 
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