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Neue Ladepreise: Wettbewerb an der Ladesäule belebt den Markt

Wolfgang Plank
vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit

Lange Zeit sind Fahrer von E-Autos verlässlich belächelt worden. Zu teuer die Fahrzeuge, hieß es, zu lästig das Laden, zu hoch das Risiko, irgendwo weit draußen in der Strompampa mit leerem Akku auszurollen. Wirklich sparen, tröstete sich die Verbrennerfraktion Jahr um Jahr, lasse sich bei den horrenden Energiepreisen hierzulande ohnehin nur wenig. Und das mit dem Klimawandel werde bestimmt auch übertrieben. Dann doch lieber rein mit dem Rüssel und die nächsten 40 Liter aufgegossen.


Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die fröhlichen Mienen jedoch verstärkt bei jenen auszumachen, für deren Vortrieb Magnetfelder sorgen und nicht Kolben. Ist doch der Spritpreis nach Auslaufen des Tankrabatts wieder über die Zwei-Euro-Marke geschossen, wo er stur verharrt – während pünktlich zur Ferienreisezeit der Strom billiger wird. Das ist das exakte Gegenteil von dem, was man seit Jahrzehnten von Tankstellen kennt. Im Bundeskartellamt jedenfalls dürften sie sich verwundert die Augen reiben, was echter Wettbewerb so alles bewirkt. Aral Pulse etwa hat seit 1. Juli die Strompreise im Klassik-Tarif für App-Nutzer um durchweg sieben Cent je Kilowattstunde gesenkt. AC-Laden kostet seither 47 Cent, für DC-Laden bis 50 kW gelten 52 Cent, ab 50 kW nun 62 Cent.


Foto: BeHonest
Foto: BeHonest

Stromgeschenke bei Ionity


Eine Rabattaktion läuft bis 30. September auch beim Branchenprimus EnBW. Kunden des Energiekonzerns sparen fünf Cent je Kilowattstunde in allen „mobility+“-Tarifen. Unverändert bleiben die variablen Preise an Ladepunkten anderer Betreiber, die Ad-Hoc-Preise sowie die Blockiergebühr. Mit einem anderen Angebot lockt der Thüringer Versorger TEAG. Ebenfalls bis 30. September gilt ausschließlich für App-Nutzer, die auch darüber abrechnen, ein vergünstigter Tarif ab der 29. Kilowattstunde. Bis dorthin werden die üblichen 49 Cent fällig, darüber hinaus nur noch 29 Cent. Heißt: Je mehr man lädt, desto günstiger wird’s.


Das genaue Gegenteil verspricht hingegen Ionity. Hier bekommt sogar Strom geschenkt, wer weniger lädt. Wird das Fahrzeug vom Stecker getrennt, bevor der Ladestand 85 Prozent erreicht, gibt’s automatisch eine Gutschrift von fünf Kilowattstunden. Ziel der Aktion: kürzere Wartezeiten, mehr freie Säulen. Zusätzlich motiviert das Unternehmen, außerhalb der Stoßzeiten zu laden. Kunden, die zwischen 22 und 6 Uhr zapfen, erhalten ebenfalls fünf Kilowattstunden gratis, die beim nächsten Ladevorgang automatisch verrechnet werden. Einen kleinen Haken hat die Aktion allerdings: In beiden Fällen müssen mindestens 40 Kilowattstunden durchs Kabel. Es empfiehlt sich bei vielen Autos also, mit einigermaßen leerem Akku vorzufahren.


Dauerhaft günstiger: Anfang Juli hat Aral Pulse die Preise an seinen Ladepunkten gesenkt – 47 Cent pro Kilowattstunde.
Dauerhaft günstiger: Anfang Juli hat Aral Pulse die Preise an seinen Ladepunkten gesenkt – 47 Cent pro Kilowattstunde.

Natürlich ist es nicht so, dass all die Anbieter plötzlich dem Profitstreben abgeschworen oder ihr Herz für einkommensschwache E-Auto-Fahrer entdeckt hätten. Es tobt schlicht ein gnadenloser Wettbewerb. Anders als gerne suggeriert wird, ist die Ladeinfrastruktur in Deutschland nach anfänglichen Schwierigkeiten nämlich deutlich schneller gewachsen als der Bestand an Elektroautos. Zu Jahresbeginn 2023 kamen noch 122 Stromer auf einen Schnellladepunkt, Anfang 2026 waren es nur noch knapp halb so viele. Nach Jahren reiner Expansion müssen die Anbieter verstärkt um die wirtschaftliche Auslastung ihrer Ladesäulen kämpfen. Die lag im vergangenen Jahr im Schnitt bei gerade mal zwölf Prozent.


Neues Angebot: Wer richtig lädt, bekommt bei Ionity auch Strom geschenkt. Foto: electricar
Neues Angebot: Wer richtig lädt, bekommt bei Ionity auch Strom geschenkt. Foto: electricar

Weil Wettbewerb das Geschäft belebt, ist der durchschnittliche DC-Strompreis seit Ende 2024 um zehn Cent pro Kilowattstunde gesunken. Laut einer Analyse von Charge Point Radar entfielen im zweiten Quartal dieses Jahres zwar immer noch mehr als zwei Drittel aller Ladevorgänge an deutschen DC-Schnellladern auf gerade einmal fünf Anbieter – EnBW (27,2 Prozent), Tesla (13,4), EWE Go (10,2), Aral Pulse (9,4) und Ionity (7,9). Der Rest jedoch verteilt sich auf mehr als 350 weitere Betreiber – ein Gewirr aus Stadtwerken, Kommunen, Konsortien und regionalen Anbietern.


Monopol der Metropole: In Hannover betreiben die Stadtwerke 95 Prozent der Ladesäulen. Foto: Hannover
Monopol der Metropole: In Hannover betreiben die Stadtwerke 95 Prozent der Ladesäulen. Foto: Hannover

Marktmacht der Stadtwerke


Beim AC-Laden in Städten und Gemeinden indes gibt es diese Vielfalt nur selten. Der Wettbewerb werde ausgehebelt, beklagt gar der Stromanbieter Lichtblick in seiner Monopolanalyse. Demnach

decken Akteure in einzelnen Städten mehr als drei Viertel des lokalen Marktes ab. Besonders erdrückend sei diese Marktmacht in Hannover, wo die Stadtwerke 95 Prozent der Ladesäulen betreiben. In Wiesbaden entfallen 94 Prozent aller Stationen auf die örtliche ESWE Versorgungs AG, in Nürnberg kontrolliert N-Ergie rund 83 Prozent der Ladepunkte.


Im Kartellrecht wird ab einem Anteil von 40 Prozent gesetzlich vermutet, dass ein Unternehmen marktbeherrschend ist. Dennoch könnten es sich die lokalen Monopolisten leisten, Tarife und

Bedingungen zu diktieren und überhöhte Preise durchzusetzen, kritisiert Lichtblick. Denn anders als beim Haushaltsstrom, wo das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) seit der Liberalisierung des Strommarkts freien Zugang jedes Anbieters ohne Kostenaufschlag regelt, nehmen lokale Ladenetzbetreiber für die Durchleitung des Stroms von anderen Anbietern hohe Gebühren. Fehle aber der Wettbewerb, so heißt es in der Analyse, sei Laden im Roaming um mindestens 20 Cent pro Kilowattstunde teurer.


Neue Stromsäulen in München? Der Anbieter Qwello kämpft für freien Wettbewerb in der bayerischen Millionenstadt. Foto: Qwello
Neue Stromsäulen in München? Der Anbieter Qwello kämpft für freien Wettbewerb in der bayerischen Millionenstadt. Foto: Qwello

Stromstation am Rathausplatz


Doch nun könnte Bewegung in die Sache kommen. Nach einer Klage des niederländischen Stromanbieters Fastned erklärte das Oberlandesgericht Düsseldorf im März die bisherige Vergabepraxis für Schnellladesäulen an Autobahnraststätten für rechtswidrig. Der Betrieb sei eine eigenständige Dienstleistung, die von der bundeseigenen Autobahn GmbH künftig europaweit ausgeschrieben werden müsse. Und Ähnliches passiert derweil auch in den Städten. In Garmisch hat Fastned ein klassisches Bieterverfahren gewonnen und acht 400-kW-Lader am Rathausplatz in Garmisch-Partenkirchen eröffnet. Gleiches versucht Qwello aktuell in München. Der örtliche Anbieter kämpft vor Gericht für die Aufhebung einer Genehmigung, die den Stadtwerken München den weiteren Betrieb der bestehenden Ladeinfrastruktur bis Juni 2027 erlaubt. Die Chancen stehen nicht schlecht.


Justiz pro Vielfalt Das Oberlandesgericht Düsseldorf hält das Vergabeverfahren für Schnellladesäulen an Autobahnraststätten für rechtswidrig. Foto: Charlie1965nrw
Justiz pro Vielfalt Das Oberlandesgericht Düsseldorf hält das Vergabeverfahren für Schnellladesäulen an Autobahnraststätten für rechtswidrig. Foto: Charlie1965nrw

Viele Betreiber setzen ihre Hoffnung in die wachsende Zahl von Unternehmen, die ihre Flotten elektrifizieren wollen. So sieht der französische Anbieter Electra seinen weiteren Ausbau im europäischen Schnelllademarkt gezielt in Deutschland. Bis Ende des Jahres sollen rund 90 Ladeparks entstehen, insgesamt sind mehrere hundert geplant – vorrangig bei Discountern, Möbelmärkten oder Waschstraßen. Aber wie das so ist unter echten Marktbedingungen: Es gibt auch Anbieter, die aussteigen. Der angeschlagene Baywa-Konzern will seine Ladesparte abstoßen, auch der Energieriese Total Energies sucht dem Vernehmen nach Käufer für seine Starkstromsäulen. Dabei hat das französische Unternehmen eben erst seinen ersten großen Flagship-Ladehub mit 18 überdachten Schnellladepunkten am Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Sieht aus, als könnte der Wettbewerb noch reichlich turbulent werden.


MITTEN IN DER HAUPTSTADT: Total Energie hat gerade einen Schnellladepark nahe dem Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Foto: shutterstock
MITTEN IN DER HAUPTSTADT: Total Energie hat gerade einen Schnellladepark nahe dem Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Foto: shutterstock

 
 
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