• Harald Gutzelnig

Parken 4.0: Die Zukunft des Parkens

Noch haben die meisten Parkhäuser kein gutes Image: düstere Treppenhäuser, knappe Stellplätze, stickige Luft. Doch das Parkhaus von morgen bietet keineswegs nur Stellplätze, sondern zahlreiche Mobilitätslösungen. Es sollen Mobility Hubs entstehen, in denen man auf den E-Scooter genauso umsteigen kann wie auf die Öffis oder Carsharing.


Selbstverständlich sollen E-Autos auch geladen werden können. Was aber entscheidend ist: Parken wird intelligent. Möglich macht dies die Vernetzung verschiedenster Komponenten mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien. Wir werden in Zukunft nicht mehr minutenlang alle Stockwerke abfahren, um einen freien Parkplatz zu ergattern, das Auto kommuniziert mit dem Parkhaus und findet den Stellplatz ohne unser Zutun. Handelt es sich um ein E-Auto, so fährt ein Laderoboter völlig autonom an das Auto heran und dockt mit seinem Ladekabel am Ladeanschluss an. Auch induktives Laden wird eine Option sein. Und idealerweise verlassen wir an der Einfahrt zum Parkhaus das Auto und überlassen den Rest seinen autonomen Fahrkünsten.


Und selbstverständlich gibt es an der Einfahrt keine Schranken mehr, via Kennzeichenerkennung wird schrankenfreies Parken ohne Parkticket ermöglicht. Bei der Einfahrt wird das Kennzeichen gescannt, ebenso bei der Ausfahrt. Dadurch wird die Parkdauer ermittelt und die Gebühr lässt sich

bequem via App bezahlen.


Das alles klingt nach ferner Zukunft und bis alle Parkhäuser und Fahrzeuge tatsächlich mit den nötigen Funktionen ausgestattet sind, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Aber wir werden bereits in der Übergangsphase viele Annehmlichkeiten erfahren. Wir haben jedenfalls einige bereits bestehende Projekte mit großem Potenzial für die Zukunft genauer unter die Lupe genommen.

Maxiparking

Wie alle anderen Anbieter von Parkraumlösungen verschreibt sich auch das in München ansässige Unternehmen Maxiparking der Nachhaltigkeit. Die Parktürme sind nach dem Baukastenprinzip erweiterbar und in nur drei Tagen auf- bzw. abgebaut.


Drei Systeme werden angeboten. Den Maxitower nennen die Hersteller das Höhenwunder unter den Parksystemen. Hier finden zwischen 6 und 16 Fahrzeuge bis SUV-Größe Platz, wobei gerade einmal die Fläche von zwei normalen Parkplätzen benötigt wird. Maxipuzzle ist auf geringe Höhen ausgelegt und bietet einzeln Platz für vier Pkw, allerdings lassen sich auch hier endlos viele Systeme zusammenführen. Maxiduplex schließlich eignet sich für den Außen- und Innenbereich von kleineren Immobilien, wie private Haushalte, Wohn- und Geschäftsgebäude. Die Systeme von Maxiparking lassen sich leasen oder kaufen.

Infos: www.maxiparking.de

Peter Park

Das ebenfalls in München beheimatete Unternehmen Peter Park hat sich dem Parkraummanagement verschrieben, egal ob Parkraumbewirtschaftung oder Parkraumkontrolle. Grundlage für eine Optimierung ist dabei die automatische Kennzeichenerkennung, die schrankenfreies und rasches Parken ermöglicht. Die Kennzeichenerkennung ermittelt die Parkdauer, Kontrollpersonal ist nicht mehr notwendig. Die Bezahlung erfolgt unter Eingabe des Kennzeichens am Automaten oder über eine Park-App. Das geht so weit, dass zum Beispiel in Kooperation mit EasyPark bei Einfahrt der Parkvorgang automatisch in der EasyPark-App gestartet wird, ohne dass diese geöffnet werden muss. Verlässt der PKW die Fläche wieder, wird der Parkvorgang automatisch beendet und die Bezahlung erfolgt. Ein- und Ausfahrt erfolgen unkompliziert ohne Schranken.


Administration und Analyse laufen über ein eigenes Dashboard, das via Smartphone, Tablet oder PC gesteuert wird. Hier hat der Betreiber dann alle Informationen zu Park-Prozessen in einem System von der Erfassung, Bezahlung über Verwaltung bis zur Analyse.

Infos: www.peter-park.de

Best in Parking

In Österreich kümmert sich die Best in Parking AG um nachhaltige und effiziente Parklösungen. Das Unternehmen bietet E-Charging mit garantiertem Parkplatz an den wichtigsten Punkten der Stadt Wien. Das Ganze läuft unter der Marke Best in Mobility. Das Angebot umfasst E-Ladesäulen, die zu 100 % mit Öko-Strom betrieben werden, sowie zwei- und vierrädrige E-Sharing-Fahrzeuge für die „letzte Meile“. Während E-Charging bereits an 48 Standorten von Best in Parking in Österreich angeboten wird, ist das E-Sharing ganz neu und kommt zunächst einmal in vier Garagen in Wien.


Verfügbar sind E-Moped, E-Roller, E-Lastenfahrrad, E-Bike und E-Auto, die stunden- und tageweise im Voraus via App bestellt werden können. Nach der Bestätigung von Führerschein und Zahlungsmittel kann das Wunsch-Fahrzeug gebucht werden. Das Öffnen und Schließen des Fahrzeuges sowie die Nutzung erfolgt über das Smartphone. Für alle neuen Kundinnen und Kunden gibt es einen 10-Euro-Gutschein für die Erstbuchung.

Infos: www.bestinmobility.com

Klaus Multiparking

Nicht nach oben, sondern nach unten verfrachtet Klaus Multiparking die Autos. Mit den MultiBase-Unterflursystemen lassen sich Autos sicher und gut versteckt unter der Erde parken. Die zwei verfügbaren Plattformen nehmen Fahrzeuge mit einem Maximalgewicht von 2,6 Tonnen und einer Höhe von zwei Metern auf. Mit einer Stellplatzbreite von bis zu 2,7 Metern steht außerdem ausreichend Platz zum Ein- und Aussteigen zur Verfügung. Der Parkvorgang läuft einfach, sicher und schnell ab. Über ein Bedienelement kann der Benutzer die Unterflurbühne anheben und absenken, so dass das Auto innerhalb von nur einer Minute im Boden verschwindet.


Auch die Optik kommt nicht zu kurz, denn der Bodenabschluss auf der oberen Plattform kann individuell gestaltet werden. Egal, ob Rasen, Sand oder Pflasterstein: Die Oberfläche lässt sich so wählen, dass das Parksystem völlig unsichtbar ist und die Harmonie der Bebauung erhalten bleibt.

Infos: www.multiparking.com


E-Parktower

Auch bei diesem Konzept geht es darum den vorhandenen Raum möglichst optimal zu nutzen. Dazu sind Flexibilität, Nachhaltigkeit und Modulbauweise vonnöten. Immerhin: E-Parktower gibt das Versprechen ab, das effizienteste System zum Parken von Autos zu haben.


Jeder Parkturm ist in sechs Varianten erhältlich, von 6 bis 16 Parkplätzen. Und er ist für eine PV-Anlage inkl. Batteriespeicher, E- und Mikro-Mobilität sowie zur Anbringung einer digitalen Werbefläche vorbereitet. Optional kann man ihn um E-Auto Ladefunktion auf jedem Stellplatz, Fassadenbegrünung, Videoüberwachung mit Kennzeichenerkennung, App-Anbindung, 5G-Antenne und E-Bike-Lademöglichkeiten erweitern. Auch das Anbringen digitaler Werbefläche ist möglich.


In Haltern am See in Nordrhein-Westfalen hat im Juni 2022 der erste E-Parktower eröffnet. Die 64 Stellplätze im Turm beanspruchen gerade einmal 448 Quadratmeter.

Infos: www.e-parktower.de

VePa

VePa steht für Vertical Parking und bietet ein ähnliches Konzept wie E-Parktower: vertikale Parktürme, um Flächen optimal auszunutzen. Damit möchte man der Flächenversiegelung bei großen Parkplätzen und -häusern sowie den hohen Investitionskosten bei Tiefgaragen entgegenwirken. Die Vorteile: Man bekommt zwölf Stellplätze auf der Grundfläche von zwei Plätzen, hat durch das Anbringen von Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach des Turms einen um 98 Prozent verringerten Co2-Fußabdruck hinterlassen und spart viel Bauzeit - der Turm ist in rund fünf Tagen aufgebaut. Auch hier ist eine Auslegung auf 6,8,10 und 12 Stellplätze ebenso möglich, wie das Begrünen der Fassade und die Anbindung via App. Und selbstverständlich die Integration von Elektroladesäulen und von Stellplätzen für E-Bikes und Motorrädern. Das soll es Städten ermöglichen, das Angebot an emissionsfreier Mobilität zu erhöhen und auch mehr autofreie Zonen zu schaffen.

Infos: www.vepa.space