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Range-Rover-Chef Martin Limpert im Interview: Elektroantrieb trifft auf britische Tradition

Autorenbild: Armin Grasmuck
Armin Grasmuck
vor 3 Minuten
8 Min. Lesezeit

Der neue Range Rover Electric ist nach fünf Jahren Entwicklungszeit startklar. Was bedeutet Ihnen dieser Launch persönlich?


Martin Limpert: In Englisch würde ich sagen: The magic moment. Es ist wirklich magisch, wenn wir auf unsere 56 Jahre Unternehmensgeschichte blicken: der erste vollelektrische Range Rover ever. Wir sind davon überzeugt, dass es der perfekte Antriebsstrang ist, um unsere DNA-Werte tatsächlich auf die nächste Ebene zu bringen. Außerdem launchen wir den vollelektrischen Range Rover Sport. Dazu kommt noch ein auf der neuen EMA-Plattform basiertes Modell. Also drei vollelektrische Fahrzeuge in sehr kurzer Zeit – nach 56 Jahren. Das ist ein absolut großer Moment.


Wie herausfordernd ist es, die Transformation einer traditionsreichen Automarke wie Range Rover – auch was das Fahrerlebnis betrifft: gediegen kernig, gerne Offroad – nachhaltig voranzutreiben?


Ich darf an dieser Stelle fairerweise einwerfen: Das Mindset war schon da, bevor ich 2024 als Managing Director einstieg. Wir haben bereits vor gut zehn Jahren begonnen, die MLA-Plattform zu entwickeln, auf der wir den elektrischen Range Rover bauen. Sie war von Tag eins an als flexible Plattform konzipiert – und wir haben immer gesagt: Es muss möglich sein, hier vollelektrische Fahrzeuge zu bauen. Das war also immer unser Plan. Doch vor zehn Jahren war die Zeit für uns einfach noch nicht reif.


Exklusive Einblicke - Im Entwicklungszentrum Gaydon bei Birmingham: electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck mit dem Range Rover Electric. Foto: Range Rover
Exklusive Einblicke - Im Entwicklungszentrum Gaydon bei Birmingham: electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck mit dem Range Rover Electric. Foto: Range Rover

Wie schaffen Sie es, die spezielle DNA der Marke auf die nächste Ebene zu bringen?


First, it‘s a Range Rover. Das war und ist unsere Prämisse. Unsere Kunden müssen das bekommen, wofür wir stehen. Eine leise Kabine. Effortless driving, sagen wir, also die Einfachheit der Bedienung und die erhöhte Sitzposition. Wir sprechen gern über den Magic-carpet-ride, diesen fliegenden Teppich, der über jede Unebenheit hinwegschwebt. Dazu die Handwerkskunst, der Blick für jedes Detail. Das war schon immer die typische DNA von Range Rover. Und der Electric bringt das alles auf das nächste Level. Es war also nicht schwer, die Leute davon zu überzeugen.


Die Verantwortlichen anderer Hersteller, auch in Deutschland, hatten durchaus Überzeugungsarbeit zu leisten. Wie haben Sie es geschafft, Ihre Mitarbeiter für die Elektromobilität zu begeistern?


Es war natürlich auch bei uns ein Umbruch in der Unternehmenskultur, das gehört dazu. Doch es waren und sind dieselben Leute, also die Ingenieure, die diese Elektromotoren entwickelt haben. Das Gleiche gilt für die Batterietechnologie. Es ist alles bei uns entwickelt worden – und es wird auch bei uns in England gebaut. Das heißt: Die Leute, die das entwickelt haben sowie jetzt auch zusammenbauen und ins Fahrzeug bringen, sind dieselben, die auch unsere Benzin- und Dieselmotoren gebaut haben. Da ist ein extrem großer Stolz, diesen Prozess von der Entwicklung bis zur Produktion begleitet zu haben.


Startklar in jedem Gelände - Der batteriegetriebene Range Rover auf der intensiven Testfahrt im firmeneigenen Offroad-Parcours. Foto: Range Rover
Startklar in jedem Gelände - Der batteriegetriebene Range Rover auf der intensiven Testfahrt im firmeneigenen Offroad-Parcours. Foto: Range Rover

Einige Marktbegleiter haben die Transformation schneller vorangetrieben. Warum ist die Zeit für Ihre E-Modelle jetzt reif?


Die Produkte sind reif, die meisten Märkte sind reif und die Bereitschaft in den Märkten ist auch reif. Für uns war es wirklich wichtig zu sagen: Range Rover first und Electric second. Wir geben unseren Kunden ein Versprechen. Es bezieht sich speziell auf die Fähigkeiten, die All- und Offroad-Tauglichkeit unserer Fahrzeuge. In den Testzyklen stellten wir dann etwa auf halber Strecke fest: Die Technologie, auf die wir gesetzt hatten, liefert nicht zu 100 Prozent das, was wir erwarteten.


Wo hakte es konkret?


Ursprünglich hatten wir angedacht, auf der Hinterachse einen Permanent-

Magnetic-Motor und auf der Vorderachse einen Induktivmotor zu haben. Als wir diese Architektur testeten, vom Polarkreis in Schweden bei minus 40 Grad bis zum Red Rock in Dubai, wo wir die Sanddünen hochfuhren, registrierten wir: Die Leistung war da, aber nicht wiederholt, wiederholt, wiederholt. Doch genau das ist es, was wir unseren Kunden versprechen: Der Range Rover liefert unter allen Umständen immer wieder das, was du von ihm erwartest. Deswegen haben wir gesagt: Da müssen wir noch einmal ran. Nun haben wir auch auf der Vorderachse den Magnetic-Motor, das passt. Das war nur einer der Gründe, warum es etwas länger dauerte. Ein anderer war die Lautstärke in der Kabine. Die Vibration und die Geräusche des Benzinmotors fallen im E-Fahrzeug weg, nun geht es nur noch um Wind- und Reifenabrollgeräusche. Auch da wollten wir keinen Kompromiss eingehen, weil unseren Kunden dieser leise Innenraum wichtig ist.


Ecosystem komplett: Der britische Produzent bietet auch Lösungen rund um das Laden, zuhause und unterwegs, sowie die dazugehörige Applikation an. Foto: Range Rover
Ecosystem komplett: Der britische Produzent bietet auch Lösungen rund um das Laden, zuhause und unterwegs, sowie die dazugehörige Applikation an. Foto: Range Rover

Haben sich Ihre zumeist wohlhabenden Kunden offensiv nach batteriegetriebenen Alternativen erkundigt?


Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich, doch viele haben vergleichbare Werte. Wir sind eine globale Marke. Im Mittleren Osten gibt es im Moment beispielsweise weniger Bedarf an elektrischen Fahrzeugen. Dann haben wir Kunden in Nord-, West- und Zentraleuropa, wo die Elektrifizierung vorangeschritten ist. Das Verständnis ist da, die Ladeinfrastruktur ist da. Plug-in-Hybride, auch unsere, sind erfolgreich unterwegs – und werden zum Teil auch schon voll elektrisch gefahren. Das alles passt zu unserem Anspruch, eine elektrische Variante als Ergänzung zu unserer Motorenpalette anzubieten.


Sie haben Ihre Kunden auch intensiv befragt. Was erwarten sie von Ihrer elektrischen Alternative?


Der wichtigste Punkt war: Stellt sicher, dass es aussieht wie ein Range Rover. Wir haben darum bewusst entschieden: Das Erscheinungsbild, dieses einzigartige Design, wird an keiner Stelle so verändert, dass es erkennbar ein elektrisches Fahrzeug ist. Es gibt nur funktionsbedingte Anpassungen wie den Frontgrill, der flacher gemacht wurde. Was unseren Kunden auch wichtig ist: keine Kompromisse bei der Leistung. Das heißt also 900 Millimeter Wattiefe und das Drehmoment von 850 Newtonmetern.


Eleganz mit britischer Note - Der Range Rover Electric fährt mit 119-kWh-Batterie vor, die Reichweiten von bis zu 600 Kilometern ermöglicht.Preis: ab 163.500 Euro. Foto: Range Rover
Eleganz mit britischer Note - Der Range Rover Electric fährt mit 119-kWh-Batterie vor, die Reichweiten von bis zu 600 Kilometern ermöglicht.Preis: ab 163.500 Euro. Foto: Range Rover

Wie schaffen Sie es, das oft noch leidige Thema des Ladens möglichst einfach und komfortabel zu interpretieren?



Es ist wichtig, dass auch das gesamte Ecosystem um das Fahrzeug herum unterstützt wird. Das beginnt mit der Wallbox zuhause, unsere Händler arbeiten mit den entsprechenden Partnern zusammen. Es geht weiter mit Lösungen für das Laden unterwegs und das Bezahlen. Der finale Punkt in diesem Ecosystem ist, dass wir mit dem elektrischen Range Rover auch unsere App auf den Markt bringen werden. Und mit dieser App kann der Kunde vom Bestellprozess über den Warteprozess, bis das Fahrzeug kommt, und später natürlich im Lebenszyklus des Autos mit dem Händler interagieren.


Sie hatten bereits die Gelegenheit, den Range Rover Electric zu testen. Was fanden Sie besonders beeindruckend?


Wenn man sich in das Auto setzt, die Tür zumacht, ist es so leise, als würde man in einer Bücherei sitzen. Und wenn man das genießt, diese Ruhe und Entschleunigung zu haben, ist es beeindruckend. Genauso wie das Drehmoment, das bei Elektromotoren natürlich sofort da ist. Auch die Einfachheit, wie dieses Drehmoment bei uns auf die einzelnen Räder übertragen wird, ob auf Schnee, auf Eis, auf Schotter oder auf wirklich hartem Gestein in den Bergen. Ich habe das alles gemacht, und es hat mich absolut beeindruckt.


Akkus made in England


Im Electric Propulsion Manufacturing

Centre (EPMC) von Jaguar Land Rover (JLR) in Wolverhampton werden künftig Batterie-Packs und elektrische Antriebseinheiten parallel zu Verbrennungsmotoren gefertigt. Es ist ein zentraler Baustein der Elektrifizierungsstrategie des britischen Premiumherstellers.


Foto: Range Rover
Foto: Range Rover

Dieses Werk, knapp 30 Kilometer nordwestlich von Birmingham, ist eng mit der Fahrzeugproduktion im nahen Solihull verzahnt, wo der erste vollelektrische Range Rover vom Band läuft. Im EPMC entstehen die Hochvoltbatterien in mehreren Prozessschritten: von der Zellprüfung über das Clustering und Verschweißen bis hin zum Einbau in Aluminiumgehäuse, ergänzt durch Steuergeräte, Kühlsysteme und Hochvoltanschlüsse. Rund 1500 Mitarbeitende in Wolverhampton und weitere 9000 in Solihull werden für die Elektromobilität geschult, um die Transformation des Kompetenzzentrums vom Verbrenner- zum E-Antrieb zu meistern. Durch die lokale Produktion verkürzt JLR die Lieferkette – ein klarer Wettbewerbsvorteil.


Kickdown in Bestform


bgeklebt und gut versteckt steht in einer Halle des Werks Wolverhampton, im streng bewachten und abgeschlossenen Bereich hinter Rolltoren und hohen Raumteilern, der Prototyp eines Durchstarters aus dem Hause Range Rover. Wow-Faktor inklusive. Der britische Nobelproduzent schickt ein von Grund auf neu entwickeltes GT-Modell auf die Spur, das sich optisch und inhaltlich deutlich von den traditionellen SUV unterscheidet.


Foto: Range Rover
Foto: Range Rover

Ein Blick durch die abgedunkelten Scheiben verheißt luxuriöses Ambiente und gediegenen Fahrkomfort in einer frischen Form. Es ist das fünfte Modell im Portfolio des Herstellers - und der erste rein elektrische Range Rover von der neuen Plattform EMA, gebaut in Halewood nahe dem Flughafen Liverpool. „Der Range Rover GT wird das Segment der Grand Tourer neu definieren“, sagt Martin Limpert, der Managing Director, im Gespräch mit electricar. „Er vereint die für diese Fahrzeugklasse typische, faszinierende Souveränität, die eleganten Proportionen und den Langstreckenkomfort mit Fähigkeiten, die kein herkömmlicher GT bieten kann.“ Noch in diesem Jahr sollen die Aufkleber sanft vom Lack poliert werden.


Sportliches Design


Der Range Rover GT markiert einen radikalen Stilbruch in der Modellgeschichte der britischen Edelmarke. Auf den ersten Blick fällt auf: Dieser batteriegetriebene Gran Turismo verzichtet auf die markante Frontpartie mit Kühlergrill, die seit Jahrzehnten das Gesicht der Marke prägte. Es ist die sportlichste Variante im Portfolio des Premiumherstellers – mit schlitzartigen Scheinwerfern. Die Dachlinie fällt flach nach hinten ab, bündig sind die Türgriffe, dazu passen auch die großen, fein akzentuierten Leichtmetallräder.


Typisch Gran Turismo: Die Dachlinie fällt deutlich flacher und damit windschnittiger als bei den klassischen Modellen von Range Rover ab. Foto: Range Rover
Typisch Gran Turismo: Die Dachlinie fällt deutlich flacher und damit windschnittiger als bei den klassischen Modellen von Range Rover ab. Foto: Range Rover

Grundsätzlich neu gedacht wirkt auch der Innenraum, stark reduziert und im Stil des Zeitgeists. Vor dem Fahrer gibt es nur einen schmalen Bildschirm, komplettiert durch das Head-up-Display und den zentral über der Mittelkonsole angeordneten Touchscreen. Es gibt nur wenige Knöpfe und Schalter. Der über die gesamte Breite verlaufende Luftauslass und die dezent integrierten Lautsprecher unterstreichen den minimalistischen Ansatz.

Auch am Heck sorgen die schmalen Leuchten für spezielle Akzente. Klare Linien und große, aufgeräumte Flächen dominieren im Innenraum. Foto: Range Rover
Auch am Heck sorgen die schmalen Leuchten für spezielle Akzente. Klare Linien und große, aufgeräumte Flächen dominieren im Innenraum. Foto: Range Rover

Effizient in Form


Es ist davon auszugehen, dass sich der GT zumindest technisch am Range Rover Electric orientiert. Dort leisten zwei von Jaguar Land Rover selbst entwickelte Elektromotoren jeweils bis zu 260 Kilowatt, also 354 PS. Im Topmodell EV550 ergibt das eine Systemleistung von bis zu 405 Kilowatt, bei dem maximalen Drehmoment von 850 Newtonmetern. Den Stromverbrauch des SUV von rund 23 Kilowattstunden auf 100 Kilometer sollte der Gran Turismo allein aufgrund seiner aerodynamischen Vorteile jedoch deutlich unterbieten können.

Wird der GT mit der adäquaten 119-kWh-Batterie ausgestattet, sind auch neue Bestwerte bezüglich der Reichweite zu erwarten – also weit mehr als 600 Kilometer nach WLTP-Standard. Aufgrund des 800-Volt-Bordsystems scheinen auch in diesem Modell Ladeleistungen von bis zu 350 Kilowatt möglich. An entsprechend ausgelegten Stromsäulen sollten die Akkus des Neustarters folglich in rund 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden können.


Marktstart 2027


Range Rover nennt noch keine offiziellen Preise für den GT. Es ist davon auszugehen, dass auch dieses Modell des Premiumproduzenten deutlich im sechsstelligen Bereich liegen wird. Konkrete Zahlen zu den technischen Daten und den Preisen hat der Hersteller noch für dieses Jahr angekündigt. Anfang 2027 soll der Gran Turismo in den Markt starten – also kurz nach den Premieren der voluminöseren Markenbrüder.


Sportliche E-Variante


Foto: Range Rover
Foto: Range Rover

Sportliche E-Variante

Auf dem Goodwood Festival of Speed hat der Range Rover Sport Electric seine Premiere gefeiert. Als zweites vollelektrisches Modell der britischen Nobelmarke läutet dieser Performance-SUV eine neue Ära für sportlichen Luxus ein. Bei exklusiven Einsätzen auf dem Motor Circuit zeigte der Neustarter bereits, was in ihm steckt. Auffällig waren die muskulöse Silhouette, das modern getunte Chassis und die vehemente Durchzugskraft samt maßgeschneidertem Sounddesign, was der batteriegetriebenen Sportversion den unverwechselbaren Charakter gibt – und das auf jedem Terrain. Damit komplettiert der reine Elektroantrieb das vielseitige Antriebsportfolio des Range Rover Sport.

 
 
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