Schnellladen mit Komfort: Deutschlands neue Generation von Ladeparks
- Wolfgang Plank
- vor 8 Stunden
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Bundesweit eröffnen kleine und größere Ladeparks der nächsten Generation. Dort soll der Strom möglichst einfach, komfortabel und auch preiswert in die Batterien der Elektromobile fließen.
Wer die attraktivsten Plätze Deutschlands finden möchte, greift zum Reiseführer. Oder er klickt sich durch diverse Online-Rankings. Um die schrecklichsten Orte der Republik aufzuspüren, reicht im Grunde ein Elektroauto. Denn anders als in hübschen Werbefilmchen suggeriert, findet sich die ersehnte Ladesäule eher selten in heimeliger Umgebung, sondern oft genug im hinterletzten Industriegebiet. Da, wo es dunkel ist, zieht wie Hechtsuppe, und kein noch so kleines Dächlein vor Regen schützt. Der eine Ladepunkt ist defekt, der andere von einem mitunter nicht elektrischen Pick-up zugeparkt, am dritten schließlich tröpfelt der Strom mehr als dass er fließt – und das gern gepriesene Pausenkäffchen gibt es, wenn überhaupt, lau und to go am Automaten-Shop. Anlässe genug also, bei denen man sich inständig seinen Verbrenner zurückwünscht. Und die gute alte Tanke gleich mit dazu.

Strom frei in Grünheide
Nahezu alle Umfragen, Studien und Analysen zeigen: In aller Regel verdrießt das elektrische Fahren kein bisschen, sehr wohl aber das Laden. Und auch wenn sich moderne E-Autos die Reichweitenkilometer nahezu im Sekundentakt reinziehen – selbst für ein Viertelstündchen Stromstopp hätte man es doch gerne wenigstens ein klein wenig komfortabel. Dass die aktuellen Umstände die Leute keineswegs scharenweise zum E-Auto locken, haben mittlerweile auch die Betreiber erkannt und so gehen sie verstärkt in die Offensive.
Zumindest bezogen auf die Anzahl der Ladepunkte braucht man sich in Grünheide bei Berlin nicht zu sorgen. Auf dem südlichen Parkplatz der Tesla-Gigafactory finden sich exakt 527 Ladesäulen. Allerdings nur 226 geschützt und alle mit maximal elf Kilowatt – dafür ist der Strom für Besucher und Kunden kostenlos. Immerhin noch knapp die Hälfte an Anschlüssen warten beim ehemaligen „Weltmeister“ Merklingen. Rund 25 Kilometer westlich von Ulm an der A8 gibt es 259 Ladepunkte – einen mehr als am chinesischen Großflughafen Shenzhen. Großer Vorteil: Alle sind solarbedacht und selbst Ad-hoc-Laden kostet nur 39 Cent je Kilowattstunde. Mehr als elf kW gibt es allerdings auch hier nicht.

Gedacht wird bundesweit aber auch an diejenigen, die im dreistelligen Bereich Strom zapfen wollen. EnBW, größter Anbieter von Schnellladeinfrastruktur in Deutschland, hat zum Ende des vergangenen Jahres zehn neue Ladeparks entlang wichtiger Fernverkehrsrouten in sechs deutschen Bundesländern in Betrieb genommen. Insgesamt stehen damit 148 neue High-Power-Charger mit bis zu 400 kW Ladeleistung zur Verfügung. Die Standorte befinden sich nahe Dummerstorf (Autobahn A20) und Wittenburg (A24), bei Sottrum (A1), in Gelnhausen (A66), Lahr (A5), Amt Wachsenburg/Neudietendorf (A4/A71) sowie nahe Ibbenbüren (A30), Duisburg-Neumühl (A42), Büren (A44) und Aachen (A4/A76).
Gigahub in Gladbach
In Gütersloh hat Allego im Januar den 200. Ladepark im Rahmen des Deutschlandnetzes eröffnet. Mit dem Projekt schafft das Bundesverkehrsministerium 9000 zusätzliche Schnellladepunkte für Elektroautos an mehr als 1000 Standorten. Der Jubiläumsstandort verfügt über acht überdachte Ladepunkte, über eine angrenzende Tankstelle besteht Zugang zu Sanitäranlagen, einem Shop und einer Waschstraße.

Ebenfalls bis zu 400 kW bieten die 28 Ladepunkte im Aral Pulse Gigahub im Mönchengladbacher Nordpark an der A61. Volle Leistung gibt’s allerdings nur, wenn lediglich ein E-Auto an der Säule steht, ansonsten wird zwischen zwei Fahrzeugen aufgeteilt. Immerhin: Das Dach mit Photovoltaik-Anlage sorgt keineswegs nur für Ökostrom-Anteile, sondern bietet auch Schutz vor Niederschlägen. Neben dem Ladepark steht ein unbemannter Smart Store, in dem es auch Sitzgelegenheiten und Toiletten gibt.
Mit 72 Ladepunkten verschiedener Anbieter und bis zu 350 kW gilt der überdachte und beleuchtete Sortimo Innovationspark in Zusmarshausen an der A8 als einer der größten und innovativsten Standorte. Im Campus-Design finden sich dort Gastronomie, Sanitäranlagen, Aufenthaltsbereiche und sogar ein Kinderspielplatz. Kostenloses WLAN rundet das Angebot ab.
Ebenfalls vorne im Ranking moderner Ladeparks rangiert das Kreuz Hilden (A3/A46) zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Dort gibt es neben diversen überdachten Superchargern auch eine Nio-Power-Swap-Station für den schnellen Batteriewechsel. Sogar spezielle Säulen für Fahrzeuge mit Anhänger stehen zur Verfügung. Das Café-Bistro Seed & Greet mittendrin wird von der Bäckerei Schüren beliefert, die 2025 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde. Da lockt das Stromziehen mit kulinarischen Genüssen.

Ladeplätze der Autohersteller
Im Trend liegt auch das Laden unter seinesgleichen. Im erlauchten Kreis der eigenen Marke muss man sich um Platz und Kabel nicht mit Hinz und Kunz streiten. Am EUREF-Campus nahe am Düsseldorfer Flughafen hat Audi jüngst seinen zehnten Charging Hub in Betrieb genommen. An vier Ladeplätzen können hier zwar E-Autos jeglicher Provenienz mit bis zu 400 kW laden, reservieren indes lässt sich nur im Zeichen der vier Ringe – und günstiger ist der Strom obendrein. Verschiebbare Displays können auch von Rollstuhlfahrern bedient werden, und per Schwenkarm lässt sich das Kabel bequem bugsieren – wo immer die Ladeklappe auch sitzen mag. So exquisit wie in Audis erstem Ladekubus in Nürnberg mit Lounge im ersten Stock geht es hier allerdings nicht zu. Immerhin Imbiss und Toiletten gibt es auf dem Campus-Gelände.
Porsche hat derweil im vergangenen Jahr die fünfte seiner Charging Lounges in Hamburg-Rahlstedt eröffnet – die anderen liegen in Bingen am Rhein, Estenfeld bei Würzburg, Ingolstadt und im österreichischen Koblach. Für den Zugang zu den 400-kW-Stationen und dem kameraüberwachten Lounge-
Bereich braucht man eine Porsche ID. Ist das Kennzeichen mit ihr verknüpft, öffnet sich die Schranke automatisch. Getränke, Snacks und ein Sanitärraum stehen ebenso zur Verfügung wie ein leistungsfähiges WLAN.

Da will die Marke mit dem Stern natürlich nicht nachstehen. Mit der Eröffnung des Mercedes-Benz High-Power Charging Hubs am Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald (A93/A6) ist vergangenes Jahr der erste von mehr als zehn geplanten Premium-Ladeparks ans Netz gegangen. Vor Ort stehen drei Hypercharger von Alpitronic mit bis zu 400 kW bereit. Ziel ist es, in absehbarer Zeit auch Ladeleistungen von einem Megawatt anbieten zu können.
Der Ladestromanbieter Ionity plant mit ähnlichen Stromstärken. Zunächst in Frankreich, bald auch in Deutschland sollen Elektroautos an den schicken Säulen mit bis zu 600 Kilowatt laden können. Tendenz auch hier steigend. Als erster hiesiger Standort geht dieser Tage Werne im Münsterland ans Netz, auf Sicht sollen die Power-Säulen Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Deutschland mit dem Mittelmeer verbinden.

Laden im höchsten Tempo: Wenn das so weitergeht, bleibt vor lauter Stromfluss beim Laden fast keine Zeit mehr für den obligatorischen Kaffee und Co.


