top of page
  • AutorenbildHarald Gutzelnig

Sechs Reichweiten-Tipps für die Langstrecke

Die sogenannte Reichweitenangst verliert zwar immer mehr an Bedeutung, dennoch ist es gut zu wissen, was man tun kann, um die in den diversen Broschüren angegebenen Reichweiten nach WLTP wenigstens annähernd zu erzielen. Wir geben Ihnen wichtige Ratschläge.


Die durchschnittliche Reichweite aller Elektroautos in Deutschland lag im Jahr 2022 bei 504 Kilometern und soll bis zum Jahr 2025 auf 784 ansteigen. Das ist ein beträchtlicher Zuwachs, den es bisher in diesem Ausmaß noch nicht gab. 2021 waren es 375 und ein Jahr später 435 Kilometer.


Aktuell (Stand August 2023) beträgt die durchschnittliche Reichweite alles Elektroautos der Oberklasse 553 Kilometer und jene der Mittelklasse 506 Kilometer. Anders stellt sich die Reichweite in der Klasse der Kleinwagen dar: Mit einem Stromer dieser Klasse kommen Sie im Schnitt nur 341 Kilometer. Und die elektrischen Transporter liegen gar nur bei durchschnittlich 244 Kilometern. Dies mag auch der Hauptgrund dafür sein, dass die Durchdringung bei den Kleinnutzfahrzeugen gerade mal bei 6 Prozent liegt. Hier ist es also ratsam, sparsam mit den Ressourcen umzugehen und die nachfolgenden Tipps zu beherzigen.


1) Gemäßigte Temperatur beim Parken


Jeder, der schon mal ein E-Auto über längere Zeit gefahren ist, weiß, dass die Umgebungstemperatur einen großen Anteil an der erzielten Reichweite hat. Schließlich liegt die optimale Temperatur bei rund 20 Grad. In dieser Umgebung lassen sich zumindest 80 bis 90 Prozent der angeführten WLTP-Reichweite schaffen. Im Winter hingegen sinkt dieser Prozentsatz auf rund 60 Prozent. Wer keine Garage hat, kann hier kaum entgegenwirken. Alle anderen sollten den Stromer tunlichst nicht im Freien stehen lassen.

 

2) Verbraucher deaktivieren


Strom benötigt nicht nur der Motor eines Stromers, auch andere Verbraucher sind hungrig, besonders die Heizung bzw. Klimaanlage. Sie verbraucht immerhin 4 kW pro Stunde. Damit büßen Sie pro Stunde in etwa 25 km an Reichweite ein. Erwähnenswert ist noch die Heck- und Frontscheibenheizung, die mit einem Verbrauch von 0,8 kWh bzw. einem Reichweitenverlust von rund 5 km pro Stunde zu Buche schlägt. Alle anderen Verbraucher wie Navi, Radio, Sitzheizung, Abblendlicht etc. sind vernachlässigbar. Aber wer zum Beispiel die Heizung ausstellt und im Gegenzug die Sitzheizung aktiviert, kann einiges an Reichweite einsparen.

 

3) Öffentliches Laden planen


Bei vielen E-Autos, wie etwa bei allen Tesla-Modellen, wird die Batterie vorbereitet, wenn sie „weiß“, dass in Kürze ein Ladevorgang stattfindet. Daher sollten Sie unbedingt eine längere Fahrt via Navigationsgerät planen. Erstens schlägt Ihnen dieses die passenden Ladepunkte vor und zweitens wird die Batterie rechtzeitig aufbereitet. Ein kleiner Tipp noch für Tesla-Fahrer: Zwei Ladesäulen eines Superchargers teilen sich je einen Gleichrichter und bilden ein Ladepaar (durch eine Nummer gekennzeichnet). Da das Supercharger Ladesystem nach dem Prinzip „First Come, First Serve“ funktioniert, bedeutet dies, dass nur das zuerst angeschlossene Fahrzeug an einem Ladepaar die maximal mögliche Leistung bekommt. Deshalb ist es ratsam, einen Platz zu wählen, bei dem noch kein anderes Fahrzeug am gleichen Ladepaar angeschlossen ist. Beachten sollte man auch den Umstand, dass die Batterie mit Zunahme des ­Ladestands immer langsamer lädt. Es ist daher besser, nicht vollzuladen, sondern mehrere kürzere Ladestopps einzuplanen. Und ganz allgemein sollte man Schnellladungen möglichst vermeiden, denn diese bekommen einer Batterie in der Regel gar nicht gut.

 

4) Vorausschauend und nicht zu schnell fahren


Damit können Sie am Allermeisten bewirken. Wenn Sie nicht mit Vollgas zur nächsten Straßenkreuzung brausen, sondern den Fuß rechtzeig vom Strompedal nehmen, sparen Sie viel Energie. Außerdem wird bei langsamem Fahren deutlich weniger Strom verbraucht. Ideal wäre eine Grundgeschwindigkeit von ca. 60 km/h. Da diese jedoch nicht alltagstauglich ist, sollte man wenigstens eine mittlere Geschwindigkeit von 90 km/h anpeilen. Auf Autobahnen ist selbst dies zu langsam, aber wer statt 130 nur 110 km/h fährt, senkt den Stromverbrauch deutlich. Aber nicht nur ihr persönlicher Fahrmodus wirkt sich auf die Reichweite aus, auch der des Stromers. Jedes Elektroauto hat wenigstens zwei Fahrmodi, wie etwa Sport und Eco. Wählen Sie die niedrigste Stufe, wenn Sie es nicht eilig haben, die Reichweite wird es Ihnen danken.

 

5) Nie ganz vollladen


Auch zuhause sollte man die Batterie nur dann voll aufladen, wenn eine länge Fahrt geplant ist. Ständiges Aufladen auf 100% lässt den Akku frühzeitig altern. Der ideale Ladestand nach dem Laden ist 80%. Umgekehrt sollte man die Batterie nie ganz leer fahren, sondern bei spätestens 20% Ladestand eine Stromtankstelle aufsuchen. Letzteres Problem hat man aber sicher nur in Ausnahmefällen.

 

6) Rekuperativ bremsen


Sie sollten unbedingt die Rekuperation aktivieren. Beim Bremsen bzw. starken Verringern der Geschwindigkeit wird nämlich Energie freigesetzt, die durch das Rekuperieren in die Batterie eingespeist wird. Einerseits ist durch diese Technik das Betätigen des Bremspedals beinahe überflüssig – das Auto bremst ab, sobald man den Fuß vom Gas nimmt – andererseits holt man dadurch ein paar Extrakilometer heraus. Dass dies nicht unbedeutend ist, werden Sie spätestens erkennen, wenn Sie mal eine Passstraße bergabfahren. Unten angekommen haben Sie plötzlich mehr Reichweite als ganz oben.

 

Es gibt noch einige weitere Tipps, die die Reichweite steigern können, etwa eine hohe Zuladung oder zu großen Luftwiderstand zu vermeiden oder den Reifendruck regelmäßig zu prüfen, aber diese wirken sich nur marginal aus. Am meisten gewinnen Sie, wenn Sie vorausschauend und rekuperierend fahren und das Auto zumindest im Winter in einer Garage abstellen.

Comments


bottom of page