Tesla Model Y Facelift im Test: Mehr Reichweite, mehr Komfort für den Bestseller
- Armin Grasmuck

- 29. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Mai

Bestseller reloaded
Mehr Komfort, mehr Effizienz: Das Update des Model Y von Tesla stellt auch und speziell für die Manager von Fuhrparks und Flotten eine attraktive Alternative dar.
Kein Schlüssel, das ist krass. Unser Testwagen steht frisch poliert zur Übergabe bereit. Doch Schlüssel haben wir keinen. Von Tesla haben wir lediglich einen Link per E-Mail zugeschickt bekommen. Angeklickt und mit der Applikation des Herstellers auf dem Smartphone verknüpft. Schwupps, schon tragen wir den digitalen Autoschlüssel in unserem Handy. Er gilt für die Zeit unserer Ausfahrten und keine Sekunde länger. Cool irgendwie, doch auch beängstigend. Was ist, wenn der Akku unseres Smartphones einmal leer ist? Auto zu? Ausfahrt Ende?
Okay, wir vertrauen dem Tesla Model Y, diesem einzigartigen Erfolgsmodell. Das SUV der Mittelklasse, seit dem Frühjahr 2020 auf dem Markt, ist das mit Abstand am meisten verkaufte Elektroauto der Welt. Mehr als vier Millionen Fahrzeuge dieses Modells hat der amerikanische Hersteller bis zum Ende des vergangenen Jahres verkauft. Auch 2026 bleibt es, global betrachtet, führend – jedoch mit leicht rückläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr.
Für uns steht das Model Y in der Variante „Standard Hinterradantrieb Maximale Reichweite“ bereit. Es ist eine überarbeitete Version des Urtyps, die erst seit ein paar Wochen auf dem Markt ist.
Uns fällt direkt auf, dass der Publikumsliebling im Außendesign nachhaltig aufpoliert worden ist. Die neu gestaltete Frontpartie mit den schmalen Scheinwerfern lässt den Tesla moderner und eine Spur eleganter wirken. Auch am Heck strahlt die Lichtsignatur nun dezenter. Laut Auskunft des Herstellers ist zudem die Aerodynamik mit probaten Mitteln wie Frontlippe, Diffusor und Spoiler verbessert worden. Die Reichweite soll auf diese Weise um fünf bis zehn Prozent erhöht worden sein. Rein optisch, das können wir an dieser Stelle bereits festhalten, hat das Model Y in der neuen Version klar dazu gewonnen.
Wir steigen ein – aufgesperrt hat einfach und ohne Trara das Smartphone – und spüren sofort: Auch der Innenraum ist nachhaltig aufgewertet worden. Gehaltvoll wirken die Materialien, dezent akzentuiert gemäß dem ureigenen Motto von Tesla: weniger ist mehr. Das Model Y wirkt auch im Jahr 2026 voll auf der Höhe des Zeitgeists. Radikal reduziert – mit einem Touchscreen, der alles dominiert. Tasten, Knöpfe oder Schalter? Fehlanzeige. Nur auf dem Lenkrad sind zwei Drehregler und ein paar Tasten zu finden, über welche die wichtigsten Funktionen rund um den Fahrbetrieb gesteuert werden können.

Ein Wischer zum Losfahren
Jetzt geht‘s los! Startknopf? Nö. Ein Wählhebel mit dem D wie Drive zum Losfahren. Gibt es keinen. Ernsthaft. Im Tesla wird die Fahrtrichtung nach einem ersten Tritt auf die Bremse am linken Rand des großen Bildschirms mit dem Finger gewischt. Der Wischer nach oben heißt vorwärts, Wischer nach unten rückwärts. Ein kleiner Tupfer auf das P in der Mitte bedeutet: parken. Da ist es wieder, dieses riesige Spektrum von genial bis gewöhnungsbedürftig. Wir finden es cool – auch weil es perfekt funktioniert. Kein Ruckeln, kein Hänger, kein Wackeln. Sensorik und Software liefern genau das, was per Wischer gewünscht wird.
Okay, wir gleiten vom Parkplatz und ja: Da ist er wieder, dieser Tesla-Sound. Dieses einzigartige Surren und Säuseln, das nach der Zukunft klingt, nach technologischem Fortschritt, Science-Fiction auf vier Rädern. Immer verbunden mit dem kräftigen Vorschub, der heute allerdings kein außergewöhnliches Merkmal mehr darstellt. Unser Standard-Model-Y schiebt immerhin mit der Kraft von fast 300 Pferden an. Im Jargon der Elektromobilen sind es 220 Kilowatt.

Typisch Tesla
Zudem rollt auch dieser Tesla gewohnt sportlich über den Asphalt. Straff klebt er auf der Fahrbahn, da fährt jeder Gullydeckel in die Beine. Er lenkt sehr direkt, was speziell die lang gezogenen Kurven auf der Landstraße zu dem Spaßfaktor macht, der für einen SUV dieser Kategorie außergewöhnlich erscheint.
Das Model Y ist auch in der Standardversion mit den Elementen ausgestattet, für die Tesla steht. Das heißt: Komfort, Konnektivität, Software und Sicherheit. Serienmäßig fährt der Neustarter mit den dunklen 18-Zoll-Felgen, elektrisch verstellbaren Sitzen, Klimaanlage sowie dem einzigartigen und 15,4 Zoll großen Touchscreen vor. Er ist das zentral angeordnete Element, über das so gut wie alles gesteuert wird. Dieser Bildschirm liefert auch die für die Fahrt relevanten Anzeigen, weil dem Tesla auch nach dem Facelift das obligatorische Info-Display hinter dem Lenkrad fehlt.
Achtung, streng bewacht!
Das Spektrum des Touchscreens ist dafür umso beeindruckender. Per Fingerwisch wird keineswegs nur gefahren, sondern auch Frunk und Kofferraum aufgemacht. Gut gefällt uns die Zeile mit den Kurzbefehlen am unteren Rand des Bildschirms. Klimaanlage, Telefon, die Kameras und die generellen Einstellungen können hier mit einem Wisch aktiviert werden.
Stichwort Kameras. Das Model Y bietet auch den sogenannten Wächter-Modus. Es ist eine Funktion, die das geparkte und verriegelte Fahrzeug konsequent überwacht. Über die Außenkameras und Sensoren werden laut Tesla verdächtige Aktivitäten rund um das Auto erkannt und auch aufgenommen. Clou: Der Fahrer kann das Geschehen auch selbst überwachen, denn die Kameras übertragen sämtliche Aufnahmen via App live in das Smartphone. Allerdings nur, solange der Ladestand der Autobatterie über 20 Prozent liegt – wie wir bei einem ersten Praxistest feststellen dürfen.
Reichweite bis 657 Kilometer
Stichwort Batterie. Unser Testwagen zieht seine Energie aus einer 74 Kilowattstunden großen Batterie, die im Idealfall bis zu 657 Kilometer nach WLTP-Standard ohne nachzuladen ermöglichen soll. Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei 12,7 Kilowattstunden auf 100 Kilometer.
Stichwort laden. Das Stromziehen ist und bleibt bei Tesla, zumindest für die Fahrer der eigenen Modelle, das reine Vergnügen. Hinfahren, einstecken, ausstecken, weiterfahren – so einfach geht das. Abgerechnet wird einmal im Monat über die in der App hinterlegten Kreditkarte. Von der angegebenen Ladeleistung bis 250 Kilowatt sind wir auf unserer Rundtour allerdings weit entfernt. Am Supercharger vor den Toren Münchens zieht unser Testwagen den Strom lediglich mit gut 150 Kilowatt. Diesen Wert hält er konstant, was die Wartezeit an der Ladesäule im Rahmen hält.

Tarife der gehobenen Kategorie
Auf dem Rückweg fahren wir Autobahn. Wir möchten noch testen, wie der Autopilot im neuen Tesla funktioniert. Der adaptive Tempomat wird einfach per Druck auf den Drehregler rechts am Lenkrad aktiviert – und unser Stromer übernimmt das Kommando. Das Model Y bremst, wenn die vorausfahrenden Autos die Geschwindigkeit reduzieren, es schließt auf, wenn nötig – und es hält zuverlässig die Spur. Unser persönliches Tempolimit legen wir spielend leicht über den Drehregler fest. Sobald wir selbst lenken oder bremsen, wird der Tempomat automatisch deaktiviert.
Um das Model Y preislich noch attraktiver anbieten zu können, hat Tesla die Standardvariante etwas abgespeckt. Kein riesiges Glasdach, keine Premium-Soundanlage, kein Sitzbezug in veganem Leder, Felgen in 18 statt 19 Zoll, konventionelle und keine frequenzabhängigen Stoßdämpfer. Fehlt uns etwas? Nein. Na ja, die guten Dämpfer für die Gullydeckel vielleicht ...
Wie auch immer: Unterm Strich steht das Tesla Model Y in der Version Standard Hinterradantrieb Maximale Reichweite mit 46.990 Euro auf der Preisliste. Aktuell bietet der Hersteller zudem einen Kaufbonus von 3000 Euro – was den Mittelklasse-SUV speziell für Dienstwagenfahrer interessant machen dürfte. Preis hoch Leistung plus reichlich Volumen, so ist das gute Geschäft umrissen.

Technische Daten
Hersteller | Tesla |
Modell | Model Y Standard Max. Reichweite |
Antriebsart | Elektro |
Leistung | 217 kW / 295 PS |
Maße / Gewicht | 4751 x 1921 x 1624 mm / 1959 kg |
Antriebsachse | Hinterrad |
Anzahl der Türen | 5 |
Kofferraumvolumen | 854 - 2118 l + Frunk 117 l |
Reichweite | 657 km (WLTP) |
0-100 km/h | 7,2 Sekunden |
Spitze | 201 km/h |
Preis | 46.990 € |


