• Armin Grasmuck

Von BMW iX bis VW ID.4: die zehn E-Autos mit der größten Reichweite

Die Königsdisziplin in der Elektromobilität ist, eine möglichst große Reichweite mit nur einer Akkuladung erreichen zu können. Hier trennt sich ganz klar die Spreu vom Weizen.


Tesla Model S

Reichweite: 663 km


Die Pioniere der Elektromobilität haben ihre Model-S-Technik noch einmal verbessert – und damit weiterhin die Nase vorn. Mit dem Update des Fahrzeugs, das bereits seit 2012 auf dem Markt ist, knacken sie erstmals die 650-km-Marke. Das Model S Long Range Plus, in Deutschland als „Maximale Reichweite Plus“ bezeichnet, kommt nach Angaben des Herstellers mit einer Ladung seines etwa 100 kWh großen Akkus bis zu 663 Kilometer weit. Die Ingenieure habe die Aerodynamik des Tesla optimiert, das Gesamtgewicht deutlich reduziert und die Module, die dazu dienen, Energie während der Fahrt zurückzugewinnen, verfeinert. Unverändert sind die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h sowie der kernige Antrieb, der das Auto in 3,8 Sekunden auf 100 km/h katapultiert. Der von der amerikanischen Umweltbehörde EPA bestätigte Rekord im Segment der Reichweite unterstreicht die Kraft des Klassikers aus dem Hause Tesla.



 

BMW iX

Reichweite: 630 km


Nur noch wenige Wochen, dann strahlt BMW mit seinem neuen Superstar auf dem Asphalt. Der iX tritt im Bereich der rein batteriebetriebenen Luxus-SUV gegen den Tesla Model X, den Audi e-tron und den Mercedes EQC an und ist – zumindest, was die Reichweite betrifft – der Klassenbeste. 630 Kilometer verspricht das im bayerischen Dingolfing gefertigte E-Auto. Die Kapazität des Akkus hat sich im Vergleich zum Prototypen des kleinen Bruders i3, der 2013 auf den Markt kam, nahezu verfünffacht. Erste Testfahrten bestätigten, dass der iX selbst bei etwas rasanterer Fahrweise gut 450 km pro Ladung garantiert. Trotz seines massives Auftritts (Gewicht: 2510 kg) bewegt sich der neue BMW leicht und locker über die Landstraße. Wer es etwas schneller mag: Auf der Autobahn sind 200 km/h drin, dann regelt der iX von selbst ab.



 

Ford Mustang Mach-E

Reichweite: 610 km


Immerhin 180 Sachen bringt Fords erstes vollelektrisches SUVModell in der Spitze auf den Tacho, dafür fährt es lange und länger. Fahrer, die sich beim Kauf oder Leasing für die Extended-Range-Version mit dem 88 kWh-Akku entscheiden, dürfen Ausfahrten von bis zu 610 Kilometer pro Ladung erwarten. An Schnellstationen (HPC) – etwa von Ionity, zu deren Verbund auch Ford gehört – kann der Mustang Mach-e mit einer Leistung von bis zu 150 kW laden. Innerhalb von zehn Minuten sollen auf diese Weise stolze 100 Kilometer Reichweite nachgeladen sein. Die serienmäßig eingebaute Software „Intelligent Range“ liefert via Internet präzise und realistische Prognosen, was Batterie und Reichweite betrifft. Starker Service: Eine App im Bordcomputer weist auf die günstigsten kW-Preise an europaweit mehr als 125.000 öffentlichen Ladepunkten hin.



 

BMW i4

Reichweite: 591 km


Praktisch zeitgleich mit dem wuchtigen iX bringt BMW den i4, die erste Elektro-Limousine des Hauses, auf die Straße. Im Innenraum bedient er sich ungeniert vom großen Bruder, was speziell beim Blick auf das riesige gebogene Display sofort auffällt. Auch im Segment der Reichweite steht der i4 praktisch auf Augenhöhe: 591 Kilometer schafft das Zwei-Tonnen-Gefährt, wenn es in der Version eDrive40 von einem Elektromotor mit 250 kW (340 PS) an der Hinterachse angetrieben wird. Der stärkere i4 M50 hat je einen Motor pro Achse – zusammen 400 kW (544) – und schafft eine Reichweite von bis zu 510 Kilometern. Die Akkus können mit bis zu 200 kW geladen werden. An der Schnellladesäule können in nur zehn Minuten satte 164 frische Kilometer generiert werden.



 

Tesla Model 3

Reichweite: 580 km


Die Konkurrenz im Elektrosegment der Mittelklasse wird härter, deshalb hat der Autobauer aus Kalifornien das populäre Model 3 in diesem Jahr noch einmal runderneuert und aufgepeppt. Unter anderem gibt es ein Software-Update, das die Motorsteuerung und das Management der Batterie optimieren soll, und eine Wärmepumpe. Diese erfüllt besonders in den frischeren Monaten des Übergangs und im Winter ihren Zweck, weil sie dann den Verlust an Energie für die Heizung deutlich reduziert und auf diese Weise die Reichweite erhöht. Bis zu 580 Kilometer sind laut Hersteller in der Long-Range-Variante mit einer Akkuladung möglich. Die Standardversion kommt immerhin auf 430 Kilometer. Mit seinen 340 kW (462 PS) kann Teslas Model 3 wie ein Rennwagen beschleunigen – allerdings viel leiser.



 

Tesla Model X

Reichweite: 580 km


Die Basisvariante „Maximale Reichweite“ ist und bleibt in ihrer einzigartigen Kombination aus Platzangebot, Leistung und eben Reichweite ein Kassenschlager. Ebenfalls 580 Kilometer schafft das Model X, in dem der mit 100 kWh große Serienakku auf das größte Ladefenster trifft. Einmal voll auftanken, da werden bis zu 106 Kilowattstunden Strom gezogen. Wie das Model S wird das Model X mittlerweile mit einem Adapter ausgeliefert, damit ist das Auftanken an jedem CCS-Lader möglich. Die beste Ladeleistung, bis zu 160 Kilowatt, schafft Tesla in Deutschland an den Boxen von Ionity, Innogy und Allego. Nur gut 120 Kilowatt liefern die hauseigenen Tesla-Supercharger. Der Aufbau der nächsten Generation, des Superchargers V3 mit bis zu 250 kW, hat jedoch bereits begonnen.



 

VW ID.3

Reichweite: 550 km


Der Volksstromer von Volkswagen ist das erste rein als Elektroauto entwickelte Fahrzeug des weltgrößten Produzenten und gilt damit zumindest in Expertenkreisen als legitimer Nachfolger der Legenden VW Käfer und VW Golf. Eine Reichweite von bis zu 550 Kilometern verspricht der Hersteller – und dokumentiert diese Angaben sogar mit einer hauseigenen Rekordfahrt. Der Fahrer Felix Egolf schaffte demnach, ausgestattet mit dem Modell „Pro Performance“, einer 58-KWh-Batterie und 204 PS, die 531 Kilometer lange Strecke vom Produktionsstandort Zwickau nach Schaffhausen in die Schweiz. Laut VW führte seine Route ausschließlich über öffentliche Straßen und Autobahnen. Verbraucher wie Navigation, Tagfahrlicht, Radio und Lüftung waren teilweise oder dauerhaft eingeschaltet.



 

Polestar 2

Reichweite: 540 km


Das Geld des chinesisches Herstellers Geely und das technische Know-how des schwedischen Mutterkonzerns Volvo machen dieses Start-up-Unternehmen zum Geheimtipp in der boomenden Branche der E-Autos – und der Polestar 2 unterstreicht die großen Ambitionen. Er punktet mit seinem herausragenden Design, einem bedienerfreundlichen Betriebssystem, dem brutal starken Antrieb und einer Reichweite, die ihn in den Klub der Großen hievt. 540 Kilometer verspricht die Long-Range-Version. In der Praxis wird der Fahrer mitunter von einem Gewissenskonflikt geplagt: Kontrolliert und auf Reichweite fahren – oder die sportlichen Qualitäten des Polestar 2 auf die Fahrbahn bringen und im weit kürzeren Rhythmus die Ladesäule ansteuern.



 

Skoda Enyaq iV 80

Reichweite: 536 km


Das erste elektrische SUV-Modell der tschechischen VW-Tochter besticht durch eine gewisse Lässigkeit, viel Raum im Innern und langem Atem. 536 Kilometer, etwas mehr als der technisch nahezu baugleiche Konzernbruder ID.4, schafft der Enyaq mit voller Batterie. Mit der Wärmepumpe, die gegen Aufpreis erhältlich ist, bleibt die Reichweite auch im Winter relativ stabil. Der Skoda ist mit Akkus der Größen 52, 58 oder 77 kWh erhältlich, die große, im iV 80 eingebaute Batterie kann mit Wechselstrom (AC) über den Steckertyp 2 und Gleichstrom (DC) über den CCS-Stecker betankt werden. Zum Geduldsspiel wird das Laden an der normalen 230-Volt-Steckdose – es dauert 35 bis 40 Stunden.



 

VW ID.4

Reichweite: 520 km


Er kommt – und fährt direkt auf einen der Spitzenplätze. 520 Kilometer, so lange soll laut Hersteller in dem gerade auf den Markt gekommenen ID.4 das Fahrvergnügen mit einer vollen Ladung andauern. Wer hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist, kann diese Marke anpeilen. Eine schnelle Fahrt auf der winterlichen Autobahn wird allerdings bereits nach spätestens 300 Kilometern an die Ladestation führen. VWs neuer Elektro-SUV ist als Familienauto konzipiert worden. Er wirkt geräumig, ist 2,2 Tonnen schwer und ideal zum entspannten Dahingleiten. Die Spitzengeschwindigkeit wurde auf 160 km/h begrenzt, was speziell mit Blick auf die Reichweite vernünftig scheint.




Die Schallmauer
1000 KM Die Reichweite von 500 Kilometern pro Akkuladung scheint bei den Elektroautos, die derzeit auf den Markt kommen, der Mindestanspruch zu sein. Um mittel- und langfristig mit den Verbrennermotoren konkurrieren zu können, benötigen die batterieangetriebenen Fahrzeuge jedoch weit größere Ausdauer. Höhere Dichte, neue Speichermaterialien, weniger Graphit, dafür mehr Silizium – so lauten die Schlagworte, die Forscher, Wissenschaftler und Unternehmen elektrisieren. Professor Maximilian Fichtner, der Experte für Batterien der Universität in Ulm, erwartet in den nächsten Jahren große Fortschritte im Bereich der Stromspeicher für E-Autos. „Durch eine bis zu zehnmal höhere Speicherdichte wird der Energiegehalt der Batterien deutlich steigern“, erklärt Professor Fichtner. „Zudem können künftige Batteriesysteme bei gleicher Größe fast doppelt so viel Speichermaterial aufnehmen. Das ist ein wichtiger Hebel für die Reichweite.“ Distanzen von deutlich über 500 Kilometer sind laut dem Experten bald selbstverständlich, selbst 1000 Kilometer durchaus möglich. Hersteller wie Mercedes und Volvo haben die Entwicklung des 1000-Kilometer-Akkus bereits in ihren Zukunftsplänen fest verankert.