Autonom unterwegs: SUE zeigt die Zukunft des urbanen Transports
- Beatrice Bohlig

- vor 3 Stunden
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Es strahlt vorne wie hinten, hinein und heraus geht es durch riesige Portale – nur auf der rechten Seite: Das Elektro-Shuttle SUE interpretiert Mobilität auf radikale Weise. Im Zentrum des neuen Stadtfahrzeugs steht: der Mensch.

Cool in der City
Alexander Uedelhoven ist im Geschäft mit der Zukunft fest etabliert. Der Aufbau spektakulärer Showcars etwa für Automessen zählt ebenso wie die Planung fahrtüchtiger Prototypen als Partner namhafter Fahrzeugkonzerne bereits seit 1991 zu den Kernkompetenzen der UE Studios. Und bei diesem Design- und Ingenieurdienstleister mit gut 200 Beschäftigten hält Uedelhoven als Prokurist die Fäden in der Hand.
Dies gilt besonders für die jüngste Kreation des in Gaimersheim bei Ingolstadt ansässigen Servicehauses. Schlicht SUE heißt das futuristisch wirkende Vehikel, und Uedelhoven ist als Projektleiter das Mastermind hinter diesem rundlichen Zweitürer mit Pirellis performanten P-Zero-Pneus auf Felgen im stattlichen 22-Zoll-Format.
Doch es ist alles andere als ein zwölfzylindriger Supersportwagen, was Uedelhoven bei der Weltpremiere im Gespräch mit electricar stolz als „zu 100 Prozent designed, developed und made in Germany“ preist: Das Kürzel SUE steht für Self-Driving Urban E-Shuttle – und kennzeichnet laut dem Hersteller einen „vollelektrischen, autonom fahrenden People Mover, der gezielt für den realen Einsatz im ÖPNV entwickelt wurde“.
Neben dem öffentlichen Personennahverkehr, wo sich SUE konzeptionell zwischen herkömmlichen Linienbussen und On-Demand-Sammeltaxis à la Moia einfädeln soll, peilen Uedelhoven und sein Team perspektivisch auch potenzielle Kunden wie strikt der E-Mobilität verpflichtete Hotelketten oder an innovativen Transportlösungen interessierte Reha-Kliniken an. „Das Shuttle ist für den autonomen Betrieb mit bis zu acht Fahrgästen ausgelegt und kann alternativ mit Operator eingesetzt werden“, sagt der Produzent: „Dadurch eignet sich SUE sowohl für erste Einsatzszenarien als auch für einen schrittweisen Übergang in den vollautonomen Betrieb“.

Klarer Kurs: Kostenhygiene
Ob mit oder ohne Sicherheitschauffeur – „stets steht der Mensch im Mittelpunkt bei SUE“, hebt Alexander Uedelhoven hervor. Die Philosophie rund um Farben und Formen umreißt der Manager gern als „human-centric“. Soll heißen: Ihren People Mover haben die UE-Studios-Tüftler stringent aus Sicht der künftigen Passagiere entworfen. Folglich steht der Mensch nicht nur, buchstäblich sitzt er auch im Mittelpunkt des neuen Bayern-Stromers: „Hochwertige, nachhaltige Materialien“, so Uedelhoven, im loungeartig angeordneten Kabinenmobiliar beispielsweise sollen das Wohlbefinden der Shuttle-Insassen auf längeren Touren fördern.
Unterwegs ermöglichen „großzügige Sichtachsen“ tagsüber eindrucksvolle Ausblicke. Bei Nacht stiftet dann die „Ambientebeleuchtung in Form einer digitalen Kerze“ gediegene Behaglichkeit: „Die Lichtstimmung orientiert sich an einer warmen, restaurantähnlichen Atmosphäre und trägt zur Beruhigung des Innenraums bei“, so umreißt es der Hersteller.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) fördert SUE finanziell. Zu den Trägern der Autonomous-Driving-Initiative zählt eine interdisziplinäre Allianz aus Industrie, Forschung und öffentlicher Hand. Die lange Liste der Konsortialpartner reicht von DB Regio über die Technische Hochschule Ingolstadt bis hin zum Landkreis Kehlheim. Dort, zwischen Neustadt an der Donau und dem Kurortsteil Bad Gögging, soll eine Pilotstrecke das Potenzial des People Movers demonstrieren. Die Idee spricht sich bereits herum: So will Thomas Salzberger, Bürgermeister von Markt Kaufering im Landkreis Landsberg am Lech, alsbald prüfen, ob SUE für den Einsatz im Münchner Umland taugt.
Generell jedenfalls steht der sparsame Mensch vom Rathaus-Controlling bei den SUE-Strategen ebenfalls im Mittelpunkt: „Die innovative 48-Volt-Architektur arbeitet im sicheren Niedervolt-Bereich“, so lassen die Gaimersheimer über ihren von 23 bis 160 Kilowatt, umgerechnet 31 bis 218 PS, skalierbaren Elektroantrieb wissen: „Dies gewährleistet maximalen Berührschutz, senkt die Betriebskosten und vereinfacht die Wartung erheblich und erlaubt auch kleineren Kommunen den Betrieb und die Wartung ohne Hochvolt-Fachpersonal“.

Akku-Packs in Bodenhaltung
Das Batteriesystem von Zulieferer Elring-Klinger bietet eine Kapazität von 63 kWh und ermöglicht durch die betont flache Integration des Akkuduos in den Fahrzeugboden nach Angaben der Produzenten einen „barrierearmen, ebenen Einstieg ohne zusätzliche Liftsysteme von nur 28 Zentimetern“ in der Höhe. „Human-centric“ eben.
Um den Preis einer SUE-Einheit in Euro und Cent zu beziffern, sei es „noch zu früh“, bittet Alexander Uedelhoven um Geduld. Auch die Frage, in welchem Werk eine Serienproduktion erfolgen könnte, sowie Erkundigungen zur angepeilten Stückzahl oder möglichen Exportmärkten lässt der von Berufs wegen vorsichtige Prokurist einstweilen noch offen.
Die Grundhaltung des dynamischen Projektleiters ist jedoch klar umrissen: „Wir haben SUE von Grund auf neu entwickelt und gestaltet, um der Fortbewegung von morgen ein Gesicht zu geben“, diese Botschaft gibt Uedelhoven den Besuchern mit auf den Heimweg. „Es ist unser Beitrag zu einer autonomen und nachhaltigen Mobilität“.



