• Harald Gutzelnig

Das sind die besten Lade Flatrates für Ihr E-Auto

Sie bezahlen einen monatlichen Fixbetrag, egal wie oft und wie voll Sie Ihr Auto laden! Sie haben keine Probleme mehr, die geeignete Stromsäule zu finden. Das hört sich gut an – und es wird noch viel besser: So genannte Lade-Flatrates machen das stark elektrisierende Versprechen zur Realität.


Ladestationen sind für E-Auto-Fahrer noch wichtiger als Tankstellen für Verbrenner. Es mag zwar mehr Ladepunkte geben, doch jeder einzelne könnte genau dann besetzt sein, wenn man ihn braucht. Immerhin dauert das Vollladen auf öffentlichen Ladepunkten zwischen einer halben und 2 Stunden, wohingegen der Sprit in rund einer halben bis 2 Minuten den Tank befüllt. Umso wichtiger ist es, fast jede Ladestation tatsächlich auch nutzen zu können. Pech nur, wenn der Betreiber der nächstgelegenen Station keine der zehn Ladekarten akzeptiert, die man im Portemonnaie mitführt.


Ladekarten-Flatrates Vergleich - So haben wir getestet

Wir haben neben den Preisen pro kWh (40%) auch die Ladeinfrastruktur (10%) bewertet, ebenso wie die Möglichkeit des Schnellladens (20%). Die Kündigunsfristen, die Möglichkeit nicht verbrauchtes Kontingent mitzunehmen, sowie die Preise, die über die Flat Fee hinaus verrechnet wurden, haben wir mit 15% gewichtet. Und schließlich waren uns die Support- und Zusatzleistungen sowie die Übersichtlichkeit des Angebots ebenfalls 15% Gewichtung wert.




Die Ladekarten-Flatrate Anbieter im Detail

Die bekanntesten Anbieter für echte Flatrates sind jucr, elvah aus Deutschland und GoGreenEnergy (aus Österreich). Alle drei bieten ihre Flatrates europaweit an. Zwei weitere Anbieter haben sich auf den deutschen Markt spezialisiert. Die Lechwerke (LEW) haben Ihren Schwerpunkt in Bayrisch-Schwaben, darüber hinaus aber ein deutschlandweites Angebot und energis hat ein wirklich empfehlenswertes Angebot für seine Bestandsstromkunden.


Folgende Ladekarten-Flatrate Anbieter habe wir in unserem Vergleich berücksichtigt:


Das Ladeservice-Startup Jucr mit Sitz in Berlin wurde im Jahr 2020 gegründet. Es verspricht Lade-Flatrates für Privat- und Geschäftskunden. E-Auto-Fahrer können ihr Fahrzeug zu einem monatlichen Fixpreis an mehr als 250.000 Ladepunkten in Europa laden.


Die wichtigsten Partner im Netzwerk von Jucr sind bekannte Größen wie Ionity, EnBW und Innogy. Aktuell bietet Jucr vier Tarif an, zwei für Privatkunden und zwei für Geschäftskunden, wobei je einer für Schnellladen (DC) und einer für langsames AC-Laden steht.


Dem Unternehmen steht es frei, Kunden, die unverhältnismäßig hohe und unübliche Ladevorgänge aufweisen einseitig zu kündigen, wobei eine jährliche Fahrleistung von mehr als 30.000 km als unverhältnismäßig angesehen wird. Sozialen Medien ist zu entnehmen, dass von dieser Art der Kündigung im Vorjahr offenbar sehr häufig Gebrauch gemacht wurde.


Zwei weitere Minuspunkte haben wir gefunden: Das Laden ist nur via App möglich. Die lässt sich in Österreich jedoch nicht aus dem Play Store herunterladen. Und die Kommunikation mit dem Unternehmen ist alles andere als einfach, aber auf die Österreich-App angesprochen haben wir erfahren, dass das aktuelle Angebot nur für Kunden aus Deutschland gilt.


 

elvah: Sieger Schnelladetarif Deutschland


Auch bei elvah können Sie eine Strompauschale für das Nachladen Ihres E-Autos buchen. Auch hier genügt eine App und man kann 200.000 Stromtankstellen europaweit nutzen. Die kompetentesten Partner von elvah sind EnBW, Ionity, eweGo und Allego sowie e.on. Bis vor kurzen hatte elvah noch ein recht kostengünstiges Angebot im Portfolio, doch seit neuestem sind die Tarife der Versionen 1.0 und 2.0 Geschichte. Nun gibt es nur noch die Tarife der Version 3.0 und im Vergleich zu den ersten beiden Versionen sind diese nun deutlich weniger attraktiv. Es gibt drei Tarife für 10, 90 und 180 kWh.


elvah wurde wie Jucr im Jahr 2020 unter anderem von Sören Ziems und Wilfried Röper gegründet. Der dritte Co-Gründer stammt gebürtig aus Sri Lanka. In seiner Heimatsprache heißt vah so viel wie „über das Land fahren“. Die Gründer stellten ein „el“ voran und schon war der Name für ihr Start-up geboren.


Auch für elvah gilt: Als Kunde muss man viel Geduld aufbringen, wenn es mal Probleme und daraus ableitend Anfragen gibt.


 

energis: Sieger Kombitarif Deutschland


Ein spezielles Angebot hat die energis GmbH aus Saarbrücken im Köcher. Bei der energis Tankflat national handelt es sich erstens um eine Flatrate für Deutschland und zweitens nur für bestehende Stromkunden. Wir haben den Tarif dennoch mit aufgenommen, einfach weil er genial günstig ist.


An 10.000 Ladepunkten in Deutschland kann der E-Autofahrer sein Fahrzeug zu einem jährlichen Fixpreis von 420 Euro laden. Das sind gerade einmal 35 Euro pro Monat und das ist angesichts der Tatsache, dass auch DC-Ladestationen enthalten sind, günstig. Allerdings wird auch hier ein verhältnismäßiger Verbrauch zugrunde gelegt, andernfalls ist energis berechtigt, den Vertrag aufzukündigen. Wenn dies nicht der Fall ist, endet er automatisch nach Ablauf eines Jahres.


Wer sich entschließen kann, bei energis Stromkunde zu werden oder schon ist, der ist mit diesem Kombitarif bestens beraten.


 

LEW: Sieger Schnellladetarif Süddeutschland


Die Lechwerke sind bereits seit vielen Jahren im Bereich der Elektromobilität engagiert. Die erste Ladesäule ging übrigens 1992 in Memmingen in Betrieb – schon damals in Verbindung mit einer PV-Anlage. Der Anbieter spielt seine Stärke in Bayrisch Schwaben aus, verfügt aber deutschlandweit über ein Netz von rund 350 Ladepunkten, darunter auch welche mit DC-Option. Dennoch ist der Tarif nur für Kunden aus dem südlichen Deutschland interessant, weil es in der oberen Hälfte verhältnismäßig wenige Ladepunkte gibt. Wer also im süddeutschen Raum angesiedelt ist, dem können wir den LEW Autostrom Pass Regional empfehlen. Bis zu 85 kWh bezahlt man pauschal 29,99 Euro, was über dieses Kontingent hinausgeht, wird kWh-scharf mit 0,42 ct abgerechnet, egal ob für AC- oder DC-Laden - selbstverständlich mit reinem Ökostrom. Die Lechwerke haben auch Bündeltarife im Angebot, damit können Sie die monatliche Flat Fee auf bis zu 4,99 Euro drücken. Schade, dass es kein Angebot für Vielfahrer gibt. Mit 85 kWh schafft man in der Regel rund 500 km im Monat. Dennoch: Für E-Autofahrer aus Süddeutschland eine starke Empfehlung.


 

go green energy: Sieger AC Tarif Österreich / Sieger Schnelllade-Tarif Österreich


Sehr vielfältig ist das Angebot des österreichischen Anbieters go green energy, ein Unternehmen, das aus der easy green energy hervorging. Seinen Schwerpunkt hat der Anbieter in der Steiermark, für das Laden von E-Fahrzeugen stehen aber europaweit rund 15.000 Ladepunkte bereit, in Österreich sind es immer noch stolze 3.500. Bei den Angeboten wird zunächst einmal nach AC- und DC-Laden sowie nach Region unterschieden. Es gibt europaweite Angebote, aber auch welche für Österreich und die Steiermark. Für jede Region gibt es vier Schnell- und vier AC-Ladetarife. Die Informationsbeschaffung war nicht einfach, ein Helpdesk-Mitarbeiter war alles, was uns mit spärlichen Informationen zur Verfügung stand. Dafür ist das Angebot für E-Autofahrer durchaus interessant. Auffällig ist der sehr solide Preis von 18 ct pro kWh, der für AC-Laden über die Flatrate hinaus verrechnet wird. Und nicht uninteressant ist auch die Tatsache, dass man 50% des nicht verbrauchten Monatskontingents in den Folgemonat mitnehmen kann. Schließlich schafften es die Österreich-Tarife Fix XL und Fix XL+ aufs Siegerpodest.


 

Fast 30.000 Ladepunkte


Waren es Ende 2020 noch rund 21.000 Ladepunkte in Deutschland, so werden es im dritten Quartal 2022 bereits 28.000 sein. Doch bei weitem nicht alle bieten günstige Möglichkeiten, das Auto mit Strom zu betanken. Und die günstigsten zu finden, die darüber hinaus die mitgeführten Ladekarten akzeptieren, gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Keine guten Voraussetzungen, wenn man es eilig hat.


Kein Wunder also, dass sich neuerdings immer mehr Anbieter finden, die mehr Flexibilität beim Laden versprechen, vor allem indem sie so genannte Lade-Flatrates anbieten. Sprich einen monatlichen Pauschalbetrag für (beinahe) unbegrenztes Laden und das nicht nur an einigen wenigen Ladepunkten in Europa, sondern an so vielen, dass mehr Flexibilität kaum mehr geht. Es sind junge Start-ups, die sich dieser Idee angenommen haben und auch in Zukunft annehmen werden. Ähnlich wie bei Mobilfunkverträgen werden Flatrates angeboten, also ein Pauschalbetrag, der alles abdeckt, was man benötigt. Tatsächlich alles? Nein, nicht alles. Selbstverständlich muss man sich an bestimmte Vorgaben halten. Und weil auch in diesem Bereich der Vergleich gar nicht so einfach ist, stellen wir diesen für Sie an und sagen Ihnen, wer das attraktivste im Portfolio Angebot hat.


Tarife mit Vorsicht genießen


Über alle Angebote hinweg gilt: Die Strompreise kennen im Moment nur eine Richtung. Insofern sind die angegebenen Preise mit Vorsicht zu genießen. Andererseits muss man, um einen Vergleich ziehen zu können, einfach irgendwann einmal einen Schlussstrich ziehen, auch wenn einige Anbieter demnächst neue Tarife haben werden.