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Power2Drive Europe 2026: Ladeinfrastruktur und Solarstrom im Fokus

  • Autorenbild: Philipp Lumetsberger
    Philipp Lumetsberger
  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit


Branchentreff - Mehr als 375 Aussteller präsentieren auf der Power2Drive ihre Innovationen. Bild: Power2Drive
Branchentreff - Mehr als 375 Aussteller präsentieren auf der Power2Drive ihre Innovationen. Bild: Power2Drive

Die Messe München wird von 23. bis 25. Juni zum Treffpunkt für Ladeinfrastruktur, Elektromobilität und erneuerbare Energie. Die Power2Drive Europe findet im Rahmen von The smarter E Europe statt, sie läuft unter dem Motto „Charging the Future of Mobility”. Im Mittelpunkt steht dabei weniger das Elektroauto selbst als die Frage, wie Strom zuverlässig, wirtschaftlich und intelligent ins Fahrzeug kommt, sei es zu Hause, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder entlang wichtiger Verkehrsachsen.


Rund 375 Aussteller werden bei der Power2Drive in diesem Jahr erwartet. Sie präsentieren ihre neuen Produkte, Innovationen und Konzepte auf etwa 23.000 Quadratmetern. Schon im November 2025 meldete der Veranstalter eine hohe Nachfrage: Mehr als 90 Prozent der Ausstellungsfläche waren zu diesem Zeitpunkt bereits reserviert, über 60 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland. Dies belegt, wie stark sich der Markt entwickelt hat.


Bild: Power2Drive
Bild: Power2Drive

Ladepunkte und Energiesysteme


Die Branche ist inzwischen über die reine Aufbauphase hinaus. Zwar bleibt die Zahl der Ladepunkte wichtig, doch ebenso entscheidend sind Verfügbarkeit, Bedienkomfort, Abrechnung und Netzverträglichkeit. Eine Wallbox oder Ladesäule ist heute keineswegs mehr nur ein Einzelprodukt. Sie ist Teil eines Systems aus Fahrzeug, Netzanschluss, Erzeugung, Speicher und Steuerungssoftware. Genau diese Verbindung macht die Power2Drive zu einem wichtigen Branchentreffpunkt.


Intelligentes Laden als Schlüssel


Ein zentrales Thema ist Smart Charging. Intelligentes Laden soll dafür sorgen, dass Fahrzeuge genau dann laden, wenn der Strom günstig, erneuerbar verfügbar oder netzseitig sinnvoll nutzbar ist. Für private Nutzer bedeutet das niedrigere Energiekosten und mehr Komfort. Für Unternehmen geht es um Planbarkeit. Wer Dienstwagen, Lieferfahrzeuge oder Transporter betreibt, muss Ladezeiten koordinieren, Lastspitzen vermeiden und Energiekosten im Blick behalten. Firmenparkplätze, Hotels, Handelsstandorte oder Fuhrparks stellen dadurch neue Anforderungen an Hard- und Software.


Noch deutlicher wird der Systemgedanke beim bidirektionalen Laden. Die Power2Drive widmet dem Thema mit der Bidirectional Zone in Halle C6 einen eigenen Schwerpunkt. Die Idee dahinter: Elektrofahrzeuge verbrauchen keineswegs nur Strom, sie können künftig auch als flexible Speicher eingesetzt werden. Im privaten Umfeld kann ein Fahrzeug etwa zur Versorgung eines Hauses beitragen. In größeren Anwendungen könnten viele Fahrzeuge gemeinsam das Energiesystem entlasten. Bis dieses Potenzial breit nutzbar ist, müssen technische Standards, regulatorische Vorgaben, Tarifmodelle und Fahrzeugfreigaben ineinandergreifen.


Eng damit verbunden ist die Frage der Interoperabilität. Die strategische Partnerschaft der Power2Drive Europe mit CharIN rückt Themen wie CCS, Megawatt Charging, Ladekommunikation und Netzintegration stärker in den Fokus. Für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität ist Standardisierung entscheidend. Nur wenn Fahrzeug, Ladepunkt, Backend, Bezahlsystem und Stromnetz zuverlässig miteinander kommunizieren, kann Laden so selbstverständlich werden wie erwartet.

Dialog auf Augenhöhe - Podiumsdiskussionen fördern den Austausch und schaffen Raum für lebhafte Debatten. Bild: Power2Drive
Dialog auf Augenhöhe - Podiumsdiskussionen fördern den Austausch und schaffen Raum für lebhafte Debatten. Bild: Power2Drive

Flotten und Schwerverkehr


Besonders groß ist der Handlungsbedarf im gewerblichen Bereich. Die Elektrifizierung von Flotten wird für Unternehmen, Kommunen und Dienstleister zu einer strategischen Aufgabe. Dabei geht es um die passenden Fahrzeuge und auch um gesamtheitliche Konzepte. Welche Strecken werden täglich gefahren? Welche Ladeleistung ist nötig? Wie lässt sich die Infrastruktur später erweitern? Formate wie die Fleet Transformation Days beziehungsweise der Fleet Manager Day greifen diese Fragen auf.


Auch der Schwerverkehr rückt stärker in den Mittelpunkt. Während im Pkw-Bereich viele Grundlagen gelegt sind, steht der elektrische Fern- und Güterverkehr vor einer neuen Ausbaustufe. Depotladen bleibt wichtig, doch auf längeren Strecken braucht es leistungsfähige Schnellladepunkte entlang zentraler Routen. Megawatt Charging gilt hier als Schlüsseltechnologie. Systeme mit sehr hoher Leistung sollen schwere E-Lkw in deutlich kürzerer Zeit wieder einsatzbereit machen. Dafür müssen Netzanschlüsse, Standortwahl, Pausenlogistik und Auslastung zusammenpassen.


Die Messe zeigt damit eine Branche, die sich professionalisiert. Neben Ladehardware gewinnen digitale Betriebsführung, Servicekonzepte und skalierbare Plattformen an Bedeutung. Betreiber müssen wissen, ob Standorte wirtschaftlich funktionieren, wie hoch die Auslastung ist und wie sich Wartung oder Abrechnung effizient organisieren lassen. Für Unternehmen mit eigenen Fuhrparks wird Ladeinfrastruktur zu einem essenziellen Bestandteil der Energie- und Mobilitätsstrategie.


Auch etablierte Anbieter nutzen die Power2Drive als Bühne für neue Produkte und Systemlösungen. Keba hat etwa im Rahmen der Messe die Präsentation von Lösungen rund um AC- und DC-Laden, digitale Services, Lifecycle-Angebote und eine neue DC-Generation angekündigt. Die Dinitech GmbH zeigt unter ihrer Marke NRGkick mobile und portable Ladelösungen – also Geräte, mit denen sich auch ohne fest installierte Wallbox an unterschiedlichen Anschlüssen flexibel laden lässt. EM2Go präsentiert sein Portfolio an AC-Wallboxen für Heim- und Geschäftskunden, das in unabhängigen Vergleichstests zuletzt vor allem für Konnektivität und App-Anbindung ausgezeichnet wurde. Der Wallbox-Hersteller go-e stellt unter anderem den go-e Charger Pro mit integriertem MID-Zähler in den Mittelpunkt, ausgelegt für Firmenflotten und Mehrparteienhäuser und durch ISO 15118 bereits auf Plug-and-Charge sowie bidirektionales Laden vorbereitet. Auch Mahle ist mit seiner Tochtermarke Chargebig vertreten und konzentriert sich auf zentralisierte Ladelösungen für Tagparker und Flotten. Exemplarisch zeigt sich daran die Breite der Messe: von Ladehardware über intelligente Steuerung bis zu Anwendungen für Gewerbe, Flotten und öffentliche Ladepunkte.


e-mobilität live erleben - Beim Test Drive-Areal können Besucher die ganze Bandbreite der Elektromobilität unter realen Bedingungen erleben. Die Palette reicht dabei vom elektrischen Leichtfahrzeug bis zum E-Truck, gefahren wird auf der Autobahn oder durch den Stadtverkehr. Bild: Power2Drive
e-mobilität live erleben - Beim Test Drive-Areal können Besucher die ganze Bandbreite der Elektromobilität unter realen Bedingungen erleben. Die Palette reicht dabei vom elektrischen Leichtfahrzeug bis zum E-Truck, gefahren wird auf der Autobahn oder durch den Stadtverkehr. Bild: Power2Drive

Beim Test Drive-Areal können Besucher die ganze Bandbreite der Elektromobilität unter realen Bedingungen erleben. Die Palette reicht dabei vom elektrischen Leichtfahrzeug bis zum E-Truck, gefahren wird auf der Autobahn oder durch den Stadtverkehr.


Natürliche Ergänzung: Solarstrom


Parallel geht in München auch die Intersolar Europe über die Bühne. Sie gilt als weltweit führende Fachmesse der Solarwirtschaft und steht unter dem Motto „Connecting Solar Business”. Erwartet werden rund 1300 Aussteller auf etwa 101.000 Quadratmetern Fläche. Im Fokus stehen Photovoltaik, Solarthermie, Solarkraftwerke, PV-Produktionstechnologien und neue Geschäftsmodelle. Für die Elektromobilität liefert sie den energetischen Hintergrund für viele Fragen, die auf der Power2Drive diskutiert werden.


Wer Ladeinfrastruktur wirtschaftlich und nachhaltig betreiben will, denkt fast automatisch an Photovoltaik, Speicher und Energiemanagement. Das gilt für Einfamilienhäuser ebenso wie für Unternehmen, Wohnanlagen, Hotels oder kommunale Gebäude. PV-Überschussladen, Eigenverbrauchsoptimierung, dynamische Stromtarife und Lastverteilung werden zu wichtigen Bausteinen. Die Frage lautet nicht mehr nur, wo geladen wird, sondern auch, wann, mit welchem Strom und zu welchen Kosten.


Damit entsteht zwischen Elektromobilität und Solarenergie eine engere Verbindung. Ladepunkte, Solaranlagen, Speicher und digitale Steuerung wachsen zu einem gemeinsamen System zusammen. Für Nutzer kann das niedrigere Betriebskosten und mehr Unabhängigkeit bedeuten. Für Unternehmen eröffnet es Möglichkeiten, Energie- und Mobilitätskosten gemeinsam zu planen.


The Bidirectional Zone - Der Weg vom Testbetrieb zur Umsetzung steht beim bidirektionalen Laden im Mittelpunkt. Aktuelle Studien, Anwendungen und geführte Rundgänge zeigen, wie die Technologie flächendeckend eingesetzt werden kann.           Bild: Power2Drive
The Bidirectional Zone - Der Weg vom Testbetrieb zur Umsetzung steht beim bidirektionalen Laden im Mittelpunkt. Aktuelle Studien, Anwendungen und geführte Rundgänge zeigen, wie die Technologie flächendeckend eingesetzt werden kann. Bild: Power2Drive

Die Power2Drive Europe und die Intersolar Europe zeigen, wohin sich der Markt bewegt. Elektromobilität wird Teil einer groß angelegten Energieinfrastruktur, in der Fahrzeuge, Gebäude, Stromerzeugung, Speicher und digitale Systeme mittel- und langfristig zusammenspielen. Die nächste Aufgabe lautet demnach, das Laden verfügbar, bezahlbar, einfach und netzdienlich zu gestalten.

 
 
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