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  • Wolfgang Plank

Debatte um satte Rabatte: Der Preiskampf bei den E-Autos nimmt Fahrt auf

Der Preiskampf im Segment der Elektroautos verschärft sich. Neue Modelle sind immer günstiger erhältlich. Dagegen wird es zunehmend schwieriger, gebrauchte Stromer zu taxieren.


Den Takt gibt wieder einmal Elon Musk vor. Wer sonst?! Erst sorgte dieser stets auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn agierende Multimilliardär dafür, dass das Elektromobil überhaupt an Fahrt aufnahm. Nicht bloß auf den Drehtellern der einschlägigen Messen, sondern real und massenhaft im internationalen Straßenverkehr. Hätte Tesla nicht die traditionellen Hersteller aus ihrer Wohlfühlwelt der Kolben und Ventile hochgeschreckt – womöglich wäre das Akkuauto als ­vorüberrollende Modeerscheinung schlicht ausgesessen worden.


So aber stecken Daimler, BMW und Co. offensichtlich im Dilemma. Seit Jahrzehnten sind sie weltweit führend bei den klassischen Verbrennermodellen. Wenn es gilt, Sprit in pure Leistung zu verwandeln, macht ihnen so schnell keiner etwas vor. Aber unter den Konzernen, die rund um den Globus die meisten Elektro­mobile verkaufen, dominieren neben Tesla Namen wie BYD, BAIC oder SAIC – allesamt Wagen chinesischer Provenienz. Die Deutschen rangieren in diesem Segment noch unter ferner fuhren …




Provozierter Absturz


Nun allerdings scheint es, dass ausgerechnet Musk den kapitalen Durchhänger des von ihm so fulminant ins Werk gesetzten Elektroautos nachhaltig befördert. Und das in einer Weise, die an jemanden erinnert, der in einer Sackgasse stur den Fuß auf dem Pedal lässt. Dieses Pedal ist zwar keines mehr des Gases, sorgt aber eben elektrotypisch für brachialen Vortrieb.


Begonnen hat die auf diesem Weg provozierte Fahrt ins Abseits mit der weltweit einsetzenden Erkenntnis der Regierenden, die Elektromobilität nicht mehr um jeden Preis mit Geld päppeln zu wollen. Zu teuer, zu einseitig, zu wenig akzeptiert, so hieß es allenthalben. Die deutsche Ampelkoalition hatte zwar auch schon gekürzt, die staatliche Förderprämie eigentlich immerhin bis Ende des Jahres 2025 fest zugesagt.


Nachlässe für mehr Nachfrage


Doch das politische Versprechen war genau in dem Moment nichts mehr wert, als das Bundesverfassungsgericht Kanzler Scholz und seinem Kabinett die Brocken ihrer milliardenschweren Schuldenschieberei vor die Füße geworfen hatte.


Über Nacht und zum Schrecken vieler potenzieller Neukunden zog Berlin bezüglich der Förderung für E-Autos komplett den Stecker. Womöglich eine vorschnelle Fehlentscheidung. Denn ohne stattlichen staatlichen Zuschuss sind E-Autos den Allermeisten schlicht noch zu teuer.


Um den Markt nicht völlig einbrechen zu lassen, haben die Hersteller prompt reagiert. Sie räumen seither hohe Nachlässe ein. Im Schnitt 18 Prozent registriert eine Marktanalyse der Fachzeitschrift Auto Motor und Sport, Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Bochumer Center Automotive Research (CAR) kommt auf 16 Prozent. Fünfstellige Rabatte scheinen derzeit allerorts möglich. Den höchsten Abschlag gebe es beim vollelektrischen Dacia Spring mit bis zu 44 Prozent, so heißt es in beiden Studien.


Offensive aus Fernost


Chinesische Hersteller, die auf den europäischen Markt drängen, locken mit bis zu 30 Prozent. Dudenhöffers einfache wie plausible Erkenntnis dazu: „Den Autobauern bleibt nur die Wahl, in diesen Rabattwettbewerb einzusteigen oder die Elektroautos einzumotten.“


Tesla: Zweifelhafte Strategie


Elon Musk hat genau diesen Wettbewerb proaktiv angezettelt und die Neuwagenpreise für seine Tesla-Modelle mehrfach massiv nach unten gesetzt. Allerdings scheint er dabei womöglich weniger bedacht zu haben, dass er mit dieser Strategie zwar Freunde bei den privaten Käufern gewinnt, im Gegenzug aber die Großkunden und auch die Dienstwagenfahrer gegen sich aufbringt.


Denn was man in deren Kreisen überhaupt nicht gebrauchen kann, sind sinkende Restwerte. Genau die aber sind natürlicherweise die Folge, wenn die Neuwagen ständig billiger werden. Dumm für Musk: In Deutschland fallen zwei Drittel der knapp drei Millionen Neuzulassungen im Pkw-Geschäft genau in dieses hart umkämpfte Segment.



Autovermieter steigen aus


Mittlerweile wenden sich bereits ganze Flotten von Tesla ab. Im Januar kündigte der internationale Autovermieter Hertz dem US-Autobauer spektakulär die Zusammenarbeit auf und begann, 20.000 Tesla-Modelle aus dem Fuhrpark von mehr als 100.000 Autos zu verkaufen. Mit entsprechenden Verlusten, Hertz musste in der Folge fast eine Viertelmilliarde Dollar allein dafür abschreiben.


Mehr noch: Weil Schadenreparaturen bei Elektroautos etwa doppelt so teuer seien wie bei Verbrennern, werde Hertz ein Drittel seiner Elektroflotte vor der Zeit verkaufen und durch Verbrenner ersetzen. So ließ sich Stephen Scherr, der Boss von Hertz, gerade zitieren.


Fehlender Service bemängelt


In Deutschland herrscht eine vergleichbare Situation. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, trennten sich jüngst der Autovermieter Sixt und der Softwarekonzern SAP von Tesla. Zusätzlich zum dramatischen Verfall der Restwerte schien man in diesen Fällen jedoch auch verärgert darüber, wie wenig sich der E-Auto-Pionier um die Belange betrieblicher Fuhrparks kümmert.


Spezielle Ansprechpartner seien ebenso Fehlanzeige wie etwa regionale Ersatzteillager für schnellstmögliche Reparaturen. Musk denkt offenbar vorrangig an massenhafte Produktion und eher wenig an gewissenhaften Vertrieb.


Teures Leasing


Zum ernst zu nehmenden Problem wird der massive Preisrückgang zunehmend auch für die Leasingkunden. Unsichere Restwerte lasten auf den Rückläufern und werden deshalb größtenteils bereits bei Abschluss des Vertrags mit eingerechnet. So kostet der rein elektrische VW ID.3 im Barkauf nach Abzug aller Rabatte derzeit rund zwölf Prozent mehr als ein VW Tiguan mit Benzinmotor, heißt es in einer CAR-Studie. Im Leasing über 48 Monate seien unterm Strich dagegen satte 23 Prozent mehr fällig.


Noch erschreckender fällt demnach die Berechnung beim Opel Corsa aus. Der Barpreis für die Elektroversion liege knapp 70 Prozent über dem des mit Benzin betriebenen Schwestermodells – der Aufpreis beim Leasing über 48 Monate betrage dagegen 142 Prozent.


Fragwürdige Entwicklung


Für den Wandel zur E-Mobilität sind das alles keine rosigen Aussichten. Im Gegenteil. Das Elektroauto sei seit den staatlichen Prämienkürzungen zum Problem geworden, sagt Dudenhöffer. Gebrauchte Fahrzeuge würden derzeit „wie heiße Kartoffeln“ weitergereicht. Die Perspektiven sehen daher auch für die deutschen Autobauer ähnlich düster aus wie das Innere eines Brennraumes.

Kein Wunder, dass Privatkunden bei derart unsicheren Verhältnissen im Zweifel wieder verstärkt zu Verbrennern greifen. In Sachen Klimaziele ist da nicht mehr nur der Auspuff am Dampfen.


In den USA bedroht zudem die anstehende Präsidentenwahl die weitere Entwicklung der Transformation. „Mit einem Präsidenten Trump ist das Elektroauto in den USA tot“, so krass wie deutlich umreißt es der Auto-Experte.


Prestigeprojekt beendet


Da passt ins Bild, dass sich der ­i-Phone-Konzern Apple dieser Tage leise von seiner Idee eines selbstfahrenden E-Autos verabschiedet hat. Mehr als zehn Milliarden Dollar, meldet die „New York Times“, seien bei dem Prestigeprojekt in Cupertino versenkt worden. Über die Verluste, die Elon Musk mit seiner fragwürdigen Preispolitik anzuhäufen droht, darf derweilen noch spekuliert werden.



Exklusiv vom Hersteller

Immer mehr Reichweite, immer stärkere Batterien, dazu die erheblichen Rabatte auf Neuwagen: Der Markt für gebrauchte E-Autos gestaltet sich anhaltend schwierig. Nur rund 97.000 Stromer aus zweiter Hand haben im vergangenen Jahr laut Kraftfahrtbundesamt die Besitzer gewechselt. Auch scheinen die Durchschnittspreise zu hoch, die Vielfalt an Modellen zu niedrig und das Vertrauen der Kunden noch wenig ausgeprägt. Interessante Plattformen zum Stöbern sind die Internetportale von Produzenten wie VW (Foto), Mercedes, BMW oder dem Großverleiher Sixt.







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