Rabatte statt Kaufprämie: Der neue Wettbewerb im E-Auto-Markt
- Armin Grasmuck

- vor 2 Stunden
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Mit Nachlässen von bis zu 37 Prozent und 18.000 Euro setzt BYD die etablierten Hersteller unter Druck. Der Produzent aus China zielt auf Reputation und Marktanteile. Die Konkurrenten kontern mit Sonderprämien, die ebenfalls verlockend wirken.

Das Jahr hat gerade erst begonnen, doch auf dem deutschen Markt tobt bereits ein aggressiver Preiskampf unter den Herstellern von Elektroautos. Aus dem „Black Friday“, diesem für satte Rabatte bekannten Aktionstag, ist ein strahlender Winter geworden – zumindest für die Kunden, die sich für den Kauf eines batteriegetriebenen Fahrzeugs interessieren. Denn die Preise bleiben heiß.
Den ersten Paukenschlag setzte BYD. Der chinesische Konzern, weltweit größter Produzent von Elektroautos, gab für Modelle wie den Seal, eine Limousine der Mittelklasse, den luxuriösen SUV Tang oder den Plug-in-Hybriden Seal 6 DM-i Touring ungewöhnlich massive Preisnachlässe von bis zu 37 Prozent oder 18.000 Euro. Die Konditionen dieser Black-Friday-Aktion, die eigentlich am 30. November beendet sein sollte, wurden vielerorts noch im Dezember angeboten. Die BYD-Händler sind auch aktuell gesprächsbereit, wenn es darum geht, die Kunden mit höchst attraktiven Angeboten zu beeindrucken.
Es liegt auf der Hand, dass der chinesische Anbieter die Preisoffensive startete, um sich nachhaltig Marktanteile in Europa zu sichern. BYD arbeitet intensiv daran, das eigene Händlernetz auszubauen und das Geschäft zu forcieren. China Speed – das heißt in diesem Fall auch: Tempo zu machen und an der Preisschraube zu drehen. Koste es, was es wolle. „Wir nutzen die Aktion, um auf unsere Technologien aufmerksam und die Marke bekannter zu machen“, sagt Lars Bialkowski, der Deutschland-Chef von BYD.

ID-Kaufprämie
Volkswagen hat prompt reagiert – mit einer Sonderprämie von bis zu 5000 Euro auf Neuwagen des Modells ID.7. Immerhin 4000 Euro günstiger sind die Stromer ID.3, ID.4 und ID.5 zu haben. Dieses Angebot soll zumindest bis Ende März laufen. Interessanter Nebenaspekt: Die aktuelle Kaufprämie eingerechnet, liegt der ID.3 erstmals unter dem Neupreis des Dauerbrenners Golf. Mit 29.330 Euro steht das kompakte E-Auto auf der Preisliste, der in etwa gleich dimensionierte Benziner kostet 29.395 Euro. Der Unterschied von 65 Euro wirkt minimal. Er macht jedoch deutlich, dass der Umstieg auf die Mobilität von morgen zumindest in diesem Fall keine Preisfrage mehr ist.
Dies beweist auch und speziell Dacia. Die rumänische Tochtergesellschaft des Renault-Konzerns bietet das Einstiegsmodell Spring für schmale 11.900 Euro an, was einem Nachlass von 5000 Euro entspricht. Der Spring, ein Kleinwagen für den Stadtverkehr, ist damit das günstigste E-Auto, das derzeit in Deutschland erhältlich ist. Dagegen bleiben renommierte Hersteller wie BMW und Opel relativ konstant, was die Konditionen für Neuwagen betrifft. Sie setzen auf attraktive Angebote im Geschäft mit dem Leasing, was die geneigte Kundschaft zu schätzen weiß.
Der aktuelle Preiskampf und die mitunter schwer zu deutenden Strategien der Hersteller sind selbstverständlich auch auf das politische Geschehen zurückzuführen. Zwar hat die Bundesregierung eine neue Prämie von bis zu 5000 Euro für Elektroautos und Plug-in-Hybride angekündigt. Doch ab wann? Für wen? Es gibt noch keine konkreten Informationen, was viele Kunden verunsichert und zögern lässt, wenn es um den Kauf des E-Autos geht.
Neue Anbieter, neue Preise
BYD, VW und Co. werden die massiven Preisnachlässe folglich kultivieren, um die Absatzzahlen der batteriegetriebenen Modelle zumindest konstant halten zu können. Auch aufgrund der strenger werdenden Flottengrenzwerte, was die CO2-Normen betrifft, sind die Hersteller gezwungen, mehr Elektroautos zuzulassen.
Für die etablierten Autobauer geht zudem darum, die Konkurrenz aus China auf Distanz zu halten. Neben BYD drängen neue Anbieter wie Changan oder Zeekr auf den deutschen Markt – mit neuen Fahrzeugen und lukrativen Preismodellen.
Auf dem Vormarsch
BYD ist vergangenes Jahr zum größten Hersteller von Elektroautos weltweit aufgestiegen und hat Tesla deutlich überholt. Der chinesische Konzern aus Shenzhen verkaufte rund 2,26 Millionen reine E-Autos, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Tesla auf etwa 1,64 Millionen kam – ein Rückgang von über acht Prozent. Für 2026 erwarten Analysten 5,3 Millionen Verkäufe von BYD, mit starkem Exportwachstum auf 1,5 Millionen Einheiten außerhalb Chinas. Der Vorsprung zu Tesla wächst weiter, da BYD in über 110 Ländern präsent ist und Meilensteine wie 15 Millionen E-Fahrzeuge feiert.



