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Einkaufen und Strom ziehen: Parken. Laden. Weiterfahren

  • Autorenbild: Philipp Lumetsberger
    Philipp Lumetsberger
  • 11. Sept. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Der Einkauf im Supermarkt, beim Discounter oder im Möbelhaus lässt sich für E-Autofahrer inzwischen immer öfter mit einem Ladestopp verbinden. Was vor wenigen Jahren noch als kostenfreier Kundenservice begann, ist heute ein wesentlicher Teil der Ladeinfrastruktur geworden – und seit geraumer Zeit kostenpflichtig. Der Trend ist klar: Eine Vielzahl an Handelsunternehmen in Deutschland und Österreich investieren gezielt in den Ausbau ihrer Ladeangebote. Doch mit dem professionellen Ausbau steigen auch die Ansprüche an Technik, Regelbetrieb und Bezahlmodelle.


Milch, Müsli, Strom - Auf den Parkplätzen von mehr als 300 Kaufland-Filialen können Kunden während ihres Einkaufs ihr E-Auto mit frischer Energie versorgen.
Milch, Müsli, Strom - Auf den Parkplätzen von mehr als 300 Kaufland-Filialen können Kunden während ihres Einkaufs ihr E-Auto mit frischer Energie versorgen.

Kostenlos war gestern


Vor wenigen Jahren galten gebührenfreie Ladestationen bei Discountern wie Aldi oder Lidl noch als smarter Service. So konnten etwa Kunden von Aldi Süd bis Juni 2022 ihren Stromer während des Einkaufs kostenlos mit Energie versorgen. Einer der Hauptgründe für die Abkehr dieser Praxis ist die Tatsache, dass sich einige E-Autobesitzer nicht an die Regeln hielten und die kostenlosen Ladesäulen dauerhaft blockierten. Aktuell kostet das Laden an AC-Ladern bei Aldi Süd 29 Cent pro Kilowattstunde, bei den Schnellladestationen mit einer Nennleistung bis 50 kW kostet eine Kilowattstunde 44 Cent. Bei den Ultraschnellladern ab 150 kW beträgt der Preis für die Kilowattstunde 47 Cent. In der Regel kann im Zeitraum von 6 bis 22 Uhr geladen werden, an einigen Standorten sogar rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen.


Die Discountschwester Aldi Nord ist bei der Ladeinfrastruktur dagegen noch in der Planungs- und Vorbereitungsphase. Bislang hat die in Norddeutschland tätige Handelskette nur rund 30 Ladepunkte testweise im Betrieb. Wann die Stromstellen von Aldi Nord offiziell in Betrieb genommen werden, ist noch offen.


Auch Lidl Deutschland verabschiedete sich im Herbst 2022 vom Gratisstrom.

Aktuell verlangt Lidl den gleichen Tarif pro Kilowattstunde wie Aldi. Bezahlt wird digital – via Lidl Pay, Kreditkarte oder Paypal.


Bei Kaufland ist das Aufladen an mehr als 300 Filialen möglich. Nutzer der Kaufland-App bezahlen an AC-Stationen ebenfalls 29 Cent, an DC-Säulen 44 Cent und an Ultraschnellladern 47 Cent pro Kilowattstunde. Bei Ladevorgängen ohne Kaufland-App sind 48 Cent (AC) bzw. 55 Cent (DC) fällig. Eine Kilowattstunde an der HPC-Ladestation kostet schließlich 78 Cent.


Das Möbelhaus Ikea setzte sein kostenloses Ladeangebot noch etwas länger fort, beendete es jedoch zum Jahresende 2024. Stattdessen setzt das Unternehmen nun auf den flächendeckenden Ausbau seiner Infrastruktur in Kooperation mit dem Ladespezialisten Mer. Bis 2028 sollen alle 54 deutschen Einrichtungshäuser sowie weitere Ikea-Standorte mit Ladepunkten ausgestattet sein. Ikea bietet jenen Kunden, die bei Mer registriert sind, zusätzlich einen Rabatt von 20 Prozent. Mit diesem kostet eine Kilowattstunde am DC-Lader 46 Cent und an einer Ultraschnellladestation 55 Cent. Der Rabatt gilt für 1000 kWh pro Jahr, beginnend mit dem 1. Januar des jeweiligen Jahres.


Einkaufen und blitzschnell laden


Neben der Lebensmittelbranche und den Möbelhäusern forcieren auch Baumärkte, Fast-Food-Ketten und Drogeriemärkte den Aufbau der Ladeinfrastruktur. So setzt die Baumarktkette Bauhaus bei Planung und Betrieb des Ladenetzes auf die Expertise von EnBW. Inzwischen verfügen 98 der über 161 Filialen über Schnellladestationen, die bundesweit verteilt sind – zum aktuellen Preis von 59 Cent pro Kilowattstunde.


Ende 2020 hat der Fast-Food-Gigant Mc Donald’s mit Ewe Go eine Partnerschaft zum Ausbau des Schnellladenetzes geschlossen. Bis Ende 2026 sollen Kunden die Möglichkeit haben, an 800 Standorten ihr Elektroauto mit 100 Prozent Ökostrom zu laden. Dabei liegt der Fokus ausschließlich auf die Errichtung von High-Power-Chargern mit der Ladeleistung von 150 kW oder mehr. Einige Filialen sind sogar mit Stationen ausgerüstet, an denen man den Strom mit bis zu 400 kW ziehen kann. Eine Kilowattstunde kostet aktuell 52 Cent.


Die Drogeriemarktkette dm kooperiert beim Aufbau ihres Ladenetzes ebenfalls mit EnBW. Der Energieversorger aus Baden-Württemberg übernimmt auch hier den Aufbau und Betrieb der Ladesäulen. Es kommen ausschließlich HPC-Lader mit einer Leistung von bis zu 300 Watt zum Einsatz. Je nach technischer Ausstattung des Fahrzeugs reichen fünf Minuten an diesen Stationen aus, um genug Energie für eine Strecke von bis zu 100 Kilometern zu laden. Aktuell umfasst das Ladenetz von dm 270 Ultraschnellladepunkte an 85 Standorten. Für eine Kilowattstunde sind 59 Cent zu entrichten. Weitere Lademöglichkeiten sollen folgen, aktuell wird für mehr als 2000 Filialen geprüft, ob ein Anschluss an das Ladenetz möglich ist.


Österreich: Ausbau forciert


Auch in der Alpenrepublik wächst die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladestationen kontinuierlich, zudem intensivieren verschiedene Handelsketten ihre Bemühungen hinsichtlich des Aufbau eines eigenen Ladenetzes. Aktuell gibt es in Österreich rund 30.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Davon entfallen immer mehr Stromstellen auf die Parkplätze von verschiedenen Handelsketten.


Strom Ziehen im Eiltempo - Die Parkplätze der Restaurants von Mc Donald‘s in Österreich sind mit Schnellladern von Mer ausgestattet. Kunden können hier ihren Stromer mit der Leistung von bis zu 400 Kilowatt laden.
Strom Ziehen im Eiltempo - Die Parkplätze der Restaurants von Mc Donald‘s in Österreich sind mit Schnellladern von Mer ausgestattet. Kunden können hier ihren Stromer mit der Leistung von bis zu 400 Kilowatt laden.

Der Lebensmittelhändler Spar arbeitet beispielsweise beim Aufbau mit dem Bundesverband Elektromobilität Österreich, kurz BEÖ, zusammen. Ziel: Bis Ende 2028 sollen mindestens 535 Filialen mit Ladestationen ausgestattet sein. Die einzelnen Standorte werden mit mindestens zwei stark frequentierte Märkte mit bis zu sechs Ladepunkten ausgestattet. Die Ladeleistung beträgt zwischen elf und 150 kW. Kunden können zu den Tarifen der einzelnen BEÖ-Mitglieder ihren Stromer mit frischer Energie versorgen.


Ein Netz, variable Tarife


Die Supermarktkette Billa, die zur Rewe Group gehört, hat aktuell österreichweit 1220 Filialen. An 176 Standorten können die Kunden während des Einkaufs ihr Elektroauto laden. Hierfür stehen insgesamt 552 Ladepunkte zur Verfügung. Da Billa beim Bau und Betrieb des Ladenetzes mit verschiedenen Anbietern zusammenarbeitet, variieren dementsprechend auch die Kosten pro Kilowattstunde.


Die Anzahl der Normal- und Schnellladepunkte in Deutschland hat sich in den letzten vier Jahren vervierfacht. Aktuell stehen E-Autofahrern bundesweit 128.257 Normal- und 38.850 Schnellladepunkte zur Verfügung. Quelle: Bundesnetzagentur | Stand: 07/2025
Die Anzahl der Normal- und Schnellladepunkte in Deutschland hat sich in den letzten vier Jahren vervierfacht. Aktuell stehen E-Autofahrern bundesweit 128.257 Normal- und 38.850 Schnellladepunkte zur Verfügung. Quelle: Bundesnetzagentur | Stand: 07/2025

Der Discounter Lidl Österreich hat aktuell 89 Standorte mit Lademöglichkeiten für Elektroautos ausgestattet. Bei Nutzung der hauseigenen Lidl Plus App, die eine Registrierung erfordert, werden pro Kilowattstunde an AC-Stationen 19 Cent bzw. an DC-Ladesäulen 39 Cent verrechnet. Beim Ad-hoc-Laden über die Lidl-Webseite beträgt der Preis 35 (AC) respektive 45 Cent (DC). Bezahlt wird via Lidl Pay bei App-Nutzung oder Kreditkarte beim Ad-hoc-Stromziehen.


Zahl der Ladeoptionen steigt


Auch die Aldi-Süd-Tochter Hofer hat die Bedeutung der E-Mobilität in Österreich erkannt und mit der Installation von Ladestationen begonnen. Schrittweise werden E-Ladestationen an mehr als 450 Filialen errichtet. Derzeit sind bereits über 700 Parkplätze mit diversen Lademöglichkeiten ausgestattet. In den kommenden Jahren soll deren Zahl auf über 1500 steigen. Geladen wird zu den Tarifen der jeweiligen BEÖ-Mitglieder.


Das österreichische Ladenetz umfasst derzeit 28.240 öffentlich zugängliche Ladepunkte. An 21.435 Ladepunkten kann das E-Auto mit einer Leistung von bis zu 23 kW geladen werden. Im ganzen Land gibt es zudem 4.589 Schnelllade- und 2.216 Ultraschnellladepunkte. Quelle: E-Control, tagesaktuelle Datenbereinigung durch AustriaTech; Darstellung: AustriaTech; Datenstand: 28.05.2025
Das österreichische Ladenetz umfasst derzeit 28.240 öffentlich zugängliche Ladepunkte. An 21.435 Ladepunkten kann das E-Auto mit einer Leistung von bis zu 23 kW geladen werden. Im ganzen Land gibt es zudem 4.589 Schnelllade- und 2.216 Ultraschnellladepunkte. Quelle: E-Control, tagesaktuelle Datenbereinigung durch AustriaTech; Darstellung: AustriaTech; Datenstand: 28.05.2025

In Zusammenarbeit mit Mer Austria stattet Mc Donald’s Österreich die Parkplätze seiner Restaurants mit Schnellladern aus. Seit dem Start der Kooperation vor vier Jahren hat sich das Angebot an Ladepunkten mehr als verzehnfacht. Mittlerweile stehen 308 Ladepunkte in ganz Österreich zur Verfügung. Speziell an Filialen in unmittelbarer Nähe zu Schnellstraßen und Autobahnen wird der Aufbau von Ultraschnellladern mit einer Ladeleistung bis zu 400 kW forciert. Eine Kilowattstunde an einer DC-Säule kostet 69 Cent. An HPC-Stationen werden 79 Cent pro Kilowattstunde fällig. Bezahlt wird mit Kreditkarte.


Schnellstens neue Schnelllader – so lautet das Motto im öffentlichen

Geschäftsbetrieb. Allerdings gelten die Genehmigungsverfahren in den Kommunen und das Bereitstellen der entsprechenden Netzkapazität speziell in Deutschland und Österreich mitunter als zäh bis kontraproduktiv. Erst wenn der Strom fließt, können die Kunden nachhaltig profitieren.


Fotos: Christian Hartlmaier, Gregor Nesvadba, Bundesnetzagentur, E-Control



 
 
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