Markus Schrick, Deutschland-Chef von Xpeng, im Interview: So prägt KI die nächste E-Auto-Generation
- Armin Grasmuck

- vor 7 Stunden
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Sie kommen gerade von der Testfahrt mit dem neuen Modell P7+ zurück. Wie ist der erste Eindruck?
Markus Schrick: Ich finde persönlich, es ist ein sehr gelungenes Produkt. Der P7+ ist als Fastback ausgelegt, hat jede Menge Platz im Innenraum und einen sehr großen Kofferraum, ideal für Familien. So viel Auto für einen vergleichbar attraktiven Preis – der P7+ startet bei 46.600 Euro – mit Vollausstattung, außergewöhnlich guter Verarbeitungsqualität und viel Bequemlichkeit gibt es sonst kaum mehr. Es ist übrigens der erste Xpeng, der mit KI entwickelt wurde und mit KI produziert wird. Wir sprechen deshalb vom ersten KI-definierten Fahrzeug der Marke. Er hat die neuesten Assistenzsysteme an Bord für maximale Sicherheit beim Fahren. Das Highlight ist jedoch die Ladegeschwindigkeit. In nur zehn Minuten kann man die Batterie von 20 Prozent auf 80 Prozent nachladen. Das ist branchenweit ein Bestwert. Kurz und gut: Das Paket passt.
Mit welchen Attributen kann diese rund fünf Meter lange Limousine der gehobenen Mittelklasse gegen die etablierte Konkurrenz in Europa punkten?
Der P7+ glänzt mit all den USPs, die für Xpeng stehen: Dieses smarte Elektrofahrzeug bietet ein außergewöhnlich hohes Niveau an Technologie, mit kraftvollem Elektroantrieb, ultraschnellem Laden mit bis zu 446 kW und dank großer Batterie mit bis zu 530 Kilometern Reichweite. Zudem hat es die nächste Generation der 800-Volt-Ladearchitektur an Bord, die mit der branchenweit ersten 5C-LFP-Hochvoltbatterie kombiniert ist. Der Lithium-Eisenphosphat-Akku kommt ohne seltene Mineralien wie Kobalt, Mangan und Nickel aus.
Stichwort Preis. Wie schaffen Sie es, dieses Gesamtpaket zu vergleichsweise attraktiven Konditionen anbieten zu können?
Was viele nicht wissen: Xpeng produziert in Europa für Europa. Neben dem P7+ werden auch unsere SUV G6 und G9 bei Magna in Graz gefertigt. Das hat direkte Konsequenzen auf die EU-Besteuerung der Fahrzeuge und damit auch auf den Preis. Wir haben auch eine Modellstruktur, die es uns erlaubt, die Fahrzeuge fair einzupreisen. Wir arbeiten bewusst mit wenig Varianten: In der Regel gibt es drei Ausstattungsversionen, zwei Batterie- und zwei Antriebsvarianten. Die bestellbaren Optionen beschränken sich auf eine Anhängekupplung und Sonderfarben, das war es schon.

Hervorstechend sind bei allen Fahrzeugen von Xpeng die herausragenden Ladeleistungen. Warum haben Sie im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten den Fokus auf den vehementen Stromfluss gelegt?
Dahinter steht eine bewusst gewählte Politik. Wir setzen auf einen effizienten Mix aus Batteriegröße und ultraschnellem Laden. Natürlich kann man größere Batterien wählen, um die Reichweite zu erhöhen, das geht aber zu Lasten des Gewichts und des Preises eines Fahrzeugs. Höheres Gewicht bedeutet gleichzeitig aber auch: höherer Verbrauch. Mit ultraschnellem
Laden reduzieren wir die Standzeiten an der Ladesäule. Den P7+ kann man dank seiner Ladepower in nur zehn Minuten von 20 auf 80 Prozent laden. Das entspricht bei einem Durchschnittsverbrauch von 17 kWh/100 km, die realistisch erreichbar ist, mehr als 300 frisch geladene Kilometer.
Was entgegnen Sie den Zweiflern, die befürchten, dass das permanente Schnellladen der Batterie und letztendlich auch dem Auto schadet?
Xpeng verfügt inzwischen über eine mehr als zehnjährige Erfahrung im Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen. Die gesammelten Daten aus dieser Zeit belegen, dass das Schnellladen keine negativen Auswirkungen im Langstreckenverkehr hat. Entgegen früherer Vorgaben, definiert Xpeng inzwischen sogar das Aufladen der Batterie bis 90 Prozent als optimal.
Sie waren zuletzt auch als Aussteller auf der internationalen Hannover Messe präsent, bei der es um zukunftsweisende Technologien, von autonomen
Robotern bis hin zur generativen KI ging. Was hatte es damit auf sich?
Wir haben die Messe gewählt, um uns als Hightech-Unternehmen und globaler Technologieführer im Bereich KI-Mobilität zu positionieren, denn Xpeng ist mehr als ein traditioneller Automobilhersteller. Das hohe Niveau an Technologie in unseren Fahrzeugen wird zum Game-Changer für die Mobilität der Zukunft werden, davon sind wir überzeugt. Ein Highlight in Hannover war auch die Europapremiere des Land Aircraft Carrier. Dieses hybride Land-Luft-Fahrzeuggespann, also eine Kombination aus Fahrzeug mit Fluggerät, steht exemplarisch für den erweiterten Ökosystemansatz von Xpeng, der weit über klassische Fahrzeuge hinausgeht und Lösungen in den Bereichen Luftmobilität und humanoide Robotik integriert.

Ist das Land-Luft-Gespann serienreif?
Grundsätzlich ist der Land Aircraft Carrier von Aridge, einem Tochterunternehmen von Xpeng, bereits serienreif. Ab der zweiten Jahreshälfte wird die Produktion des hybriden Konzepts in der Nähe von Guangzhou starten. 2027 sollen die Auslieferungen in China und dem Nahen Osten gestartet werden. Als Vorgeschmack dessen, was möglich ist, hat Aridge bei einer Flugshow in Dubai einen bemannten Demonstrationsflug durchgeführt – zum ersten Mal außerhalb Chinas. Laut Aridge sind bereits mehr als 7000 Bestellungen eingegangen.
Wo sollen Ihre humanoiden Roboter eingesetzt werden, die ebenfalls in Hannover zu sehen waren?
Die humanoiden Roboter Iron von Xpeng sollen keine Arbeitsplätze ersetzen, sondern Menschen unterstützen. Im ersten Schritt werden sie vor allem für Assistenz-, Guidance- und Support-Aufgaben im Servicebereich des Handels eingesetzt. Im zweiten Schritt ist geplant, die Roboter auch in der Fahrzeugproduktion unterstützend einzusetzen. Langfristig verfolgt Xpeng die Vision, dass humanoide Roboter künftig auch im privaten Haushalt alltägliche Aufgaben übernehmen und Menschen entlasten können.
Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem Volkswagen-Konzern, der knapp fünf Prozent an Xpeng hält?
Die Zusammenarbeit beschränkt sich aktuell auf die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen in China für den chinesischen Markt. VW hat jüngst Modelle in China auf die Straße gebracht, die stark von den Innovationen der E/E-Plattform von Xpeng profitieren. Die Zusammenarbeit ist also sehr fruchtbar und sehr gut, was ich höre. Natürlich ist man im beständigen Austausch.

Sie sind seit fast drei Jahren bei Xpeng im Einsatz. Wie fällt Ihre persönliche Zwischenbilanz aus?
Ich fühle mich außergewöhnlich wohl. Die Arbeit macht riesigen Spaß, die Teams wachsen kontinuierlich und der Erfolg ist da und sichtbar. Die Zusammenarbeit mit dem Headquarter in China ist ebenfalls sehr positiv und fruchtbar. Entscheidend für den Erfolg von Xpeng im Markt werden drei Faktoren sein: eine deutlich breitere Modellpalette, ein stark wachsendes Händlernetz und stabile Rahmenbedingungen bei Preisen und Restwerten. Ich bin sehr zuversichtlich, den Erfolg von Xpeng in Deutschland weiter voranzubringen
VW als Partner in China
Der Volkswagen-Konzern ist seit rund drei Jahren mit rund 4,99 Prozent an Xpeng beteiligt, hat dafür etwa 700 Millionen US-Dollar investiert. Die Beteiligung ist Teil einer größeren China-Strategie, mit der VW sein schwächelndes E-Auto-Geschäft im wichtigsten Automarkt der Welt stärken möchte. Volkswagen und Xpeng kooperieren finanziell, vor allem jedoch technologisch. Für VW ist die Beteiligung auch ein Signal in Richtung Software, Plattformstrategie und Lokalisierung. Der Konzern wollte damit schneller, kosteneffizienter und näher an den chinesischen Kunden entwickeln. Xpeng profitiert im Gegenzug von Kapital, Reichweite und industrieller Erfahrung des großen Konzerns. VW erhielt nur einen Beobachterposten im Board, was dokumentiert, dass es weniger um Kontrolle als um eine strategische Allianz ging. Das erste Modell, das Volkswagen in China zusammen mit Xpeng entwickelt hat, ist der VW ID.Unyx 08, der im vergangenen November vorgestellt wurde. Dieser fünf Meter lange SUV nutzt die sogenannte Edward-Plattform von Xpeng, auf der auch der SUV G9 des chinesischen Herstellers konzipiert ist. Im April dieses Jahres folgte das zweite Modell aus der Kooperation: der ID.Unyx 09, eine elektrische Limousine im Format der Oberklasse – und ein weiterer Beleg für die VW-Strategie «In China für China».



