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  • AutorenbildArmin Grasmuck

Mercedes EQT im ELECTRICAR Praxistest

Der Mercedes EQT überzeugt als geräumiges Dienstfahrzeug genauso wie als effizienter Van auf privaten Touren.


Zuerst geht es um Grundsätzliches. Wir schauen auf das Fahrzeug, das im Sonnenglanz strahlt, und fragen uns: Was ist das eigentlich? Eine Limousine, auf keinen Fall. Ein SUV? Nein. Ein Van vielleicht? Naja, ein wenig. „Small Van“, so bezeichnet ihn der Hersteller. Hochdachkombi, so ist diese Modellvariante im Fachjargon definiert. Wie auch immer: Der Mercedes EQT wirkt, so wie er dasteht, höchst interessant. Ein mutiger Mix aus eleganter Optik und reiner Zweckmäßigkeit. Viel Platz auf verhältnismäßig schmalen Konturen. Ein Mercedes, vollelektrisch. Wir können es kaum erwarten, zu dieser Testfahrt der etwas anderen Art aufzubrechen.



Schiebetüren. Zum Einstieg auf die Rücksitze. Das versprüht – zumindest in der Kombination mit dem großen Stern auf der Frontpartie – gleich den Hauch von Noblesse. Wir steigen vorne ein und spüren es sofort: ein Mercedes. Das Lenkrad, die Schalter, Hebel und Druckknöpfe – alles wohl bekannt. Und doch: der Innenraum, speziell die Armaturen, wirken betont reduziert.


Das Wesentliche, so scheint es, und kein Chichi. Dem Vergleich mit den opulent ausgestatteten Luxusgefährten, mit denen der traditionsreiche Hersteller aus Stuttgart seit jeher klassenübergreifend den Maßstab setzt, kann und möchte sich der EQT nur bedingt stellen.


Angenehm und komfortabel


Edel und von ansprechender Qualität, diese Attribute gelten natürlich auch für den Hochraumkombi. Wir sitzen, und wir sitzen gut. Den Startknopf gedrückt, wir ziehen den massiven Schaltknauf für die Fahrmodi auf D wie Drive und rollen los. Ruhig und entspannt. Nur leicht drückt der Fuß das Strompedal, doch sofort ist klar: Der EQT ist keine künstlich aufgetrimmte Rennmaschine. Hier geht es um kultiviertes Fahren auf die sanfte Tour.


Auf der Bundesstraße wird das Strompedal etwas fester getreten, der Hochraumkombi bleibt ruhig, auch was die Fahrgeräusche betrifft. Er liegt gut auf der Straße, der Überblick aus der leicht erhöhten Sitzposition vermittelt dem Fahrer und seinen Passagieren spürbar Gelassenheit. Es ist kurios. Van? SUV? Kleinbus? Selbst während der Fahrt sind wir versucht, die Eigenschaften unseres Testmodells nachhaltig zu eruieren. Okay, wir bleiben einfach bei Hochraumkombi, höchst angenehm und komfortabel.


Der Mercedes EQT hat das Potenzial, als geräumiges Dienstfahrzeug genauso wie als effizienter Klein-Van auf privaten Touren zu punkten. Ab Werk ist er mit dem bewährten Multifunktionslenkrad, dem zentral angeordneten Sieben-Zoll-Touchscreen inklusive MBux, dem Multimediasystem des Herstellers, und digitalem Radio ausgestattet. Smartphones können über Apple CarPlay oder Android Auto verbunden werden.


In der Grundversion sind auch die über Schienen im Boden verstellbaren Rücksitze und die Schiebetüren enthalten. Als Extras bietet Mercedes unter anderem beheizbare Sitze und die induktive Ladeschale für Mobiltelefone, auch eine Anhängerkupplung kann bestellt werden.


Das Platzangebot ist, wie es die spezielle Form des EQT vermuten lässt, in jeder – vom Einsteigen, während der Fahrt und auch beim Verlassen des Hochraumkombis – spürbar großzügig. Selbst Personen von zwei Metern Länge können hier aufrecht und entspannt reisen. Apropos, auch die Sitze bieten den Halt und den Komfort, für den Mercedes steht. Es fällt auf, selbst oder gerade weil wir keineswegs mit quietschenden Reifen durch die Kurven preschen.


Platz in allen Bereichen: Die Passagiere können auch auf der Rückbank entspannt sitzen, bis zu 1.979 Liter fasst der Gepäckraum.

Für kurze und mittler Distanzen


Es sei an dieser Stelle angemerkt: Mercedes hat den EQT im Segment der Nutzfahrzeuge angesiedelt. So ist er innen wie außen konzipiert. Alles perfekt verarbeitet, effizient und von hohem Nutzwert. Für den Bereich der Armaturen bedeutet dies etwa: Schick gestaltete Elemente aus Kunststoff, wo in den Limousinen edle Metalle, Leder oder Holz dominieren.


Klar ist auch: Mit der Antriebsbatterie von dezenten 45 Kilowattstunden und der Reichweite von 278 Kilometern nach WLTP-Standard ist der Hochdachkombi eher als Modell für kurze und mittlere Distanzen angelegt. Es wird uns bewusst, als wir mit guten 120 Sachen über den Autobahnring fahren. Die Restreichweite sinkt spürbar rapide. Höchste Zeit, einen Station für Schnelllader anzusteuern.

Bis zu 22 kW aus der Wallbox Genial, der EQT hat seine Ladebuchse an der Front direkt unter dem Mercedes-Stern versteckt. Per Knopfdruck lässt sie sich öffnen. Die Ladeleistung beträgt bis zu 80 Kilowatt. In gut einer halben Stunde hat der hohe Kantige so viel Strom gezogen, dass die Batterie zu 80 Prozent gefüllt ist. Großes Plus: Der EQT ist ab Werk so ausgestattet, dass er an der Wallbox zuhause oder am Arbeitsplatz mit bis zu 22 Kilowatt laden kann. Laut Mercedes sind die Akkus hier spätestens nach zweieinhalb Stunden wieder voll.

Besonders sparsam ist der Hochdachkombi im Ecomodus. Hier wird die Höchstgeschwindigkeit genauso wie der Energieaufwand für das Fahrzeug insgesamt nachhaltig gedrosselt. Es fällt auf, dass der Tritt auf das Strompedal in diesem Fall weniger Kraft entfaltet.


Zahlreiche Assistenzsysteme


Die ausgewogenen Fahreigenschaften des Mercedes EQT werden auch während des längeren Ausflugs auf der Autobahn deutlich. Selbst wenn der Tacho 130 Kilometer pro Stunde anzeigt, bleibt der Hochdachkombi angenehm ruhig. Er liegt stabil auf dem Asphalt, hält die Spur und die Geschwindigkeit konstant – was natürlich auch an den künstlich intelligenten Assistenten liegt, die mit an Bord sind Zuverlässig funktioniert der Tempomat, der sich einfach per Schaltwippe auf der linken Seite des Lenkrads einstellen lässt, genauso wie das Hilfssystem zum Erkennen von Verkehrszeichen. Wertvoll, speziell was den Schutz und die Sicherheit der Insassen betrifft, sind zudem die Assistenten bezüglich der Aufmerksamkeit des Fahrers, des Spurhaltens und des toten Winkels, die Hilfsprogramme zum Einparken und Berganfahren sowie die Rückfahrkamera. Auch diese und weitere Komfortmerkmale sind in der Basisversion des EQT bereits enthalten.


Ablageflächen in allen Größen


Interessant klingen auch die Extras, die gegen Aufpreis erhältlich sind. Etwa der adaptive Tempomat, der den Fahrer – professionell angepasst an das Verkehrsgeschehen – unterstützt. Lenken, ansonsten bleibt da nur noch wenig zu tun. Genauso wie die automatische Einparkhilfe, die den Hochdachkombi seriös auf den passenden Stellplatz schiebt. Wichtig: Über den Touchscreen und das Navigationssystem können Ladesäulen gesucht und angesteuert werden. Auch lassen sich bei größeren Touren die Ladestopps perfekt planen.

Nutzfahrzeug, das heißt auch: praxistauglich für jeden Einsatz. Der EQT bietet neben Fahrkomfort und Platz auch einen ganze Reihe von nützlichen Ablageflächen und Fächern. In den Vordertüren, in der Mittelkonsole und im Handschuhfach gibt es reichlich Stauraum für die kleinen und mittelgroßen Dinge des alltäglichen Gebrauchs. Nur in Hochdachkombis und speziell in dem von Mercedes liegt im Bereich über der Windschutzscheibe an der Fahrzeugdecke eine weitere Ablagefläche, die über die gesamte Breite gezogen ist und eine entsprechend Nutzfläche bietet.


Preisintensive Alternative


Nach unserer ausgiebigen Testtour können wir offen festhalten: alles schön, alles gut, alles nützlich. Doch selbstverständlich gilt es auch, den Preis aufrichtig zu diskutieren. Der Mercedes EQT steht in der Grundversion mit knapp 50.000 Euro auf der Liste. Für ein Fahrzeug dieses Segments klingt es massiv. Wer jedoch die gebotene Qualität, die Sicherheitsaspekte und – ja – auch die Alltagstauglichkeit berücksichtigt, sich diesen Hochdachkombi zudem leisten kann und möchte, fährt definitiv richtig. Auch gilt es das aufrichtige Garantieversprechen des Herstellers zu berücksichtigen.



Technische Daten

Hersteller

Mercedes

Modell

EQT

Antriebsart

Elektro

Leistung

90 kW / 122 PS

Maße / Gewicht

4.498 x 1.819 x 1.859 mm / 1.874 kg

Antriebsachse

Vorderrad

Anzahl der Türen

5

Kofferraum­volumen

551 - 1.979 l

Reichweite

278 km (WLTP)

0-100 km/h

12,6 Sekunden

Spitze

132 km/h

Preis

ab 69.580 €


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